31. August 2009

"Bushido finde ich zum Kotzen!"

Interview geführt von

Im Interview spricht der Fanta 4-Manager über die Auswahl der Künstler für "A Tribute To Die Fantastischen Vier" und die Absagen von Grönemeyer, Silbermond und Die Ärzte. Was bleibt, ist die Erkenntnis: Der Bär hat gar nicht immer einen dicken Pulli an, Mann!Seit zwanzig Jahren ist Andreas 'Bär' Läsker Manager der Fantastischen Vier. Mit "A Tribute To Die Fantastischen Vier" wollte er, seit Anbeginn "fünftes Bandmitglied", seiner Combo Respekt erweisen.

36 Gratulanten, darunter Juli, Puhdys, Thomas Anders und Scooter, erweisen den Fantas auf diesem Tribute-Sampler ihre Referenz. Kollege Michael Schuh befand angesichts des Resultats: "Immer locker bleiben? Gar nicht so einfach!"

Praktisch, wenn man dann den Verantwortlichen persönlich an die Strippe bekommt. Eine gute Gelegenheit, offene Fragen zu klären - dachten wir, und werden durchgestellt:

Hallo.

Guten Tag. Hier spricht Dani Fromm von laut.de.

Hallo. Von wem?

laut.de.

Hmm.

Ich nehme an, Du hast gesehen, wie Eure Platte bei uns weggekommen ist?

Na, hervorragend, nicht?

Selten genug bekommen wir die Möglichkeit, nach der Veröffentlichung mit dem Zuständigen zu sprechen. Meist führen wir Interviews ja im Vorfeld. Aber so können wir die Fragen, die sich uns aufdrängen, gleich mal direkt stellen. Also, falls es Rügen gibt ...

Nee, nee. Ich hab' keine Rügen. Es bleibt ja jedem überlassen, wie er darüber schreibt. Mich wundert jetzt nur, dass ihr noch ein Interview haben wollt, nachdem ihr schon beschlossen habt, dass die Platte kacke ist. Aber grundsätzlich hab' ich damit keine Probleme.

Ich finde es sogar interessanter, wenn wir die Platte kacke fanden. Weil wir dann 'ne Chance haben, uns Dinge erklären zu lassen. Die allererste Frage, die sich uns gestellt hat: Wenn man ein Tribute-Album macht, wieso lässt man die Band, um die es geht, komplett außen vor?

Das ist doch eigentlich logisch, sonst wärs ja kein Tribute-Album.

Ja, aber wenn ich mir zum Beispiel das Booklet betrachte, dann sieht man dem an - wie Du im Interview [auf der der Platte beiliegenden DVD, d. Red.] gesagt hast: Dieses Album ist komplett Dein Ding.

Ja.

Als Fan der Fantastischen Vier - oder als Hip Hop-Fan, der die Band wirklich als Bestandteil der deutschen Rap-Geschichte sieht - hätte ich mir von so einer Sache von jemandem, der seit zwanzig Jahren dabei ist und genau so lang Einblick hinter die Kulissen hat, etwas anderes erwartet. Was weiß ich, irgendwelche Anekdoten - wie Du sie im Interview ja dann ansatzweise auch auspackst. Zum Beispiel, wie es war, als Ihr zur EMI kamt ... Solches kommt mir einfach viel zu kurz.

Bei einem Tribute-Album! Der Plan war, das so zu machen, wie wir es gemacht haben. Wir haben einfach gesagt, wir wollen möglichst viele Künstler Interpretationen schaffen lassen und der Band direkt ein Geschenk machen. Das heißt, etwas machen, mit dem die Band nichts zu tun hat. So dass wir quasi das, was wir als Management machen, unsere Arbeit, der Band schenken. So ein Ding zusammenzustellen, zu organisieren, mit den Künstlern zu reden, und so weiter und so fort. Das war die Intention. Das haben wir gemacht. Nicht mehr und nicht weniger. Alles andere kann die Band machen. Diese zwanzig Jahre Fanta Vier mit ihrem Heimspiel, der "Heimspiel"-DVD, ihrem History-Filmchen, allen möglichen Geschichten, Rückblicken, Reminiszenzen. Das obliegt aber der Band selbst und hat nichts mit dieser "Tribute" zu tun. "Tribute" heißt ja nichts anderes, als dieser Band etwas zu kredenzen. Ihnen Tribut zu zollen für das, was sie gemacht haben. Und dafür sicher nicht ihr eigenes Material zu verwenden.

Wie waren dann die Auswahlkriterien für die beteiligten Künstler? Gab es überhaupt welche, oder ging es nur um möglichst breite Masse?

Die Auswahlkriterien ... Ich hab' einfach überlegt: Was könnte Sinn machen, und wir haben die Leute angerufen. Wir fanden es halt - und finden es nach wie vor - spannend: Was macht eben Knorkator aus 'nem Fanta Vier-Song. Was macht Roger Cicéro aus 'nem Fanta Vier-Song. Oder was machen die Massiven Töne aus 'nem Fanta Vier-Song.

Wie begegnest Du dem Vorwurf der Wahllosigkeit? Wer soll die Zielgruppe für so ein Album sein?

Ich begegne dem Vorwurf der Wahllosigkeit nicht, denn es ist für mich keine Wahllosigkeit. Ich habe eine Auswahl getroffen, und die ist da drauf. Das hat überhaupt nichts mit wahllos zu tun.

Gab es Künstler, die Du nicht angefragt hättest? Oder welche, die ... nicht wollten?

Es gab 'ne Menge, die wir nicht angefragt haben, weil sie uns entweder nicht eingefallen sind. Oder weil wir dachten, dass sie vielleicht da nichts dazu zu sagen haben. Oder keine Lust hatten. Oder mit denen wir kein gutes Verhältnis haben. Oder was auch immer. Und es gab welche, die gesagt haben: "Wir machen mit!", und dann abgesagt haben. Zum Beispiel hatte Herbert Grönemeyer zugesagt. Der hat dann aber wieder abgesagt, weil er keine Zeit hatte, oder was weiß ich. Silbermond haben im letzten Moment abgesagt, weil sie es nicht geschafft haben, was fertig zu machen. Weil sie selber mit ihrer Platte zu beschäftigt waren. Aber im Großen und Ganzen sind wir eigentlich recht zufrieden mit der Auswahl.

Was antwortest Du, wenn der Kollege in seinem Text schreibt: "Wo sind eigentlich die gut befreundeten Ärzte abgeblieben?"

Die Ärzte haben gesagt, sie machen mit, und haben es dann halt irgendwie aus Zeitgründen nicht geschafft. Aber das ist ja schon im Künstlernamen des Leadsängers vorhanden, das Problem. Der heißt ja nicht umsonst Farin Urlaub.

"Ihr findet die Platte kacke, und ihr findet mich kacke."


Der Anteil an Rap-Künstlern ist absichtlich so gering gehalten worden, wie er nun ist?

Ja. Also a) bin ich jetzt nicht der größte Hip Hop-Fan aller Zeiten, das ist mal das Erste. Zweitens find' ich die Kategorisierung der Fantas als Hip Hop nicht mehr zeitgemäß, und das dritte ist: Ich finds einfach extrem langweilig, wenn ... Ich sag' mal: Wenn die Dave Matthews Band Fleetwood Mac covert, find' ich das nicht spannend. Ich find' es spannend, wenn Metallica Fleetwood Mac covert. Ich find halt total unspannend, wenn ein Rapper einen Rapper nachrappt. Das ist bescheuert. Da kommen nur wieder irgendwelche "Ich kanns noch besser als der"-Dinger raus. Außerdem ist es, glaub' ich, bei vielen älteren Nummern komplett unzeitgemäß, die jetzt nachzurappen, weil die vom Rap-Style her komplett 80ies sind. Wenn jetzt heute Sido "Die Da" nachrappt, ist das so spannend, wie wenn Karel Gott "Alle Meine Entchen" singt.

Wenn Karel Gott mit Bushido zusammen einen Track macht, findest Du das schon wieder spannend?

Das find' ich nicht spannend, weil ich ... aber ist egal, warum.

Warum denn?

Weil ich Bushido zum Kotzen finde, und weil ich diese Anbiederei an irgendwelche Bildungsbürger einfach zum Kotzen finde. Ich find' das einfach grauenvoll. Und dann Karel Gott, irgendwie so'n ... naja, diese Provokanz halt in jede Richtung zu probieren, wäh!

Gegen 'Feature dich selbst wie die Hölle' ist im Prinzip nichts einzuwenden. Aber ich hab kürzlich mit Hank Shocklee telefoniert, das ist der Produzent von Public Enemy gewesen ...

Ja, ich weiß.

... und der meinte, als Produzent solle man sich im Hintergrund halten. Gilt das nicht doppelt und dreifach für den Manager? Oder gibts einen Grund, dich jetzt so deutlich ins Rampenlicht zu setzen?

Also, ganz ehrlich: Ich hab' das Gefühl, wir machen das Gleiche, das ihr schon geschrieben habt, gerade noch mal. Wieso machen wir das denn jetzt noch mal? Ihr findet es scheiße, ihr findet die Platte kacke und ihr findet mich kacke. Ihr findet es kacke, dass ich mich in die erste Reihe stelle. Ich verstehs nicht. Warum? Das habt ihr doch schon geschrieben? Warum wollt ihr das denn jetzt alles noch mal wissen?

Das stimmt doch überhaupt nicht. Erstens hab' ich den Text nicht geschrieben, zweitens geben wir Dir ja jetzt die Möglichkeit, Dich dazu zu äußern.

Ja, vielleicht will ich überhaupt gar nicht. Ich hab' ja gar nicht nach einer Möglichkeit gefragt. Wir provozieren ihn mal und gucken, was er nachher sagt, ich mein', das ist euer Prinzip. Aber ich hab' auch noch was anderes zu tun, als irgendwie ... Also, ich bin deswegen vorne drauf - vielleicht kapiert ihr das irgendwann mal - weil ich dieser Band, meiner Band, mit der ich seit zwanzig Jahren arbeite, ein Geschenk machen wollte. Wer soll dafür stehen, außer mir selbst? Ich unterschreibe das mit meinem Namen und ich stell' mich da vorne drauf, weil ich der Mann bin, der mit dieser Band seit zwanzig Jahren arbeitet und ich ihnen das Geschenk machen will. Die Frage wäre doch zum Beispiel: Was ist das denn da vorne drauf, auf das der sich da aufstützt, auf dem Cover.

Ja?

Das ist das Fenster aus dem Gebäude, in dem wir alle zusammen angefangen haben. Dieses Fenster kommt noch mal im Cover vor. Das ist ein Ding, das von mir an die Fantas geht. Da hat es halt angefangen. Da haben wir beschlossen, die Band weiter zu machen - oder überhaupt zu machen. Das ist einfach 'ne Reminiszenz. Im Booklet steht nichts anderes als 'ne lustige Idee, mich im Prinzip dabei zu ertappen, wie ich abstruseste Promotion-Aktionen mache, indem ich irgendwas mit der Vier mache. Es ist einfach nur vielleicht halb so ernst zu nehmen, wie das gerade irgendwie rüberkommt. Das ist eigentlich alles.

"Mir ist Hip Hop scheißegal."


Na, ist doch super. Deswegen sprechen wir ja hier. Das Interview mit Dieter Nuhr hatte ein schönes pädagogisches Ende. Da hast Du bemängelt, dass die Kids heutzutage keine Visionen und keine Pläne mehr haben und dass alle Popstar oder Millionär werden wollen, statt Lokführer oder Pilot. Was hat Dich dann auf die Jury-Bank von DSDS verschlagen - und welche Erfahrungen hast Du dort gemacht?

Auf die Jury-Bank hat mich verschlagen, dass es mich interessiert hat, mir dieses System anzuschauen und diese Erfahrung zu machen. Die Erfahrung, in einer Fernsehsendung zu sitzen, die so erfolgreich ist, wie kaum eine andere in Europa. Wie komm' ich als Person damit klar? Was zieh' ich für Lehren daraus? Wie funktioniert dieses Boulevard-Fernsehen? Ich finde, das kann man nur beurteilen, wenn man es macht und wenn man die Sache mal von innen sieht. Mir hat das eine Menge gebracht. Ich fand es vor allem eine spannende Erfahrung, aber es ist bekannt, dass ich gerne Erfahrungen mache. Die müssen auch nicht immer unbedingt vernünftig sein. Es sind einfach Erfahrungen, die man macht. Wobei das für mich in dem Fall der Bringer war. Es hat Spaß gemacht und es hat mir für mich persönlich 'ne Sicht der Dinge gegeben, die mir doch wichtig war.

Hast Du für Deine eigene Arbeit aus dieser Erfahrung irgendwelche Lehren gezogen? Hast Du Dinge gelernt, die Du - beispielsweise für die Arbeit mit den Fantastischen Vier - auch brauchen kannst?

Grundsätzlich ist Umgang mit Medien, in welcher Form auch immer, und das auf 'nem Niveau wie ... ja, als Jury-Mitglied bei DSDS keine schlechte Erfahrung. Natürlich bringt einen das weiter. Alles bringt einen weiter, das man lernt. Ich meine, natürlich wird das auch im täglichen Geschäft irgendwie angewendet. Aber das würde, glaub' ich, zu weit führen, das irgendwie auszutreten, was passiert jetzt, weil ich da war ... Vielleicht jetzt mal so: Ich hab' jetzt ein kleineres Problem mit Öffentlichkeit, als ich es früher hatte. Vielleicht geh' ich entspannter mit Öffentlichkeit um. Oder professioneller. Oder abgebrühter.

Okay. Verrätst Du mir, warum Du Dieter Nuhr ausgesucht hast, um Dich zu interviewen? Ich schätze ihn als Kabarettisten sehr, aber - jetzt wirst Du wieder sagen, wir haben uns eh schon entschlossen, alles scheiße zu finden - er bringt ja trotzdem eine herzerfrischende Unbelecktheit mit, was Hip Hop und Hip Hop-Geschichte angelangt.

Genau. Machen wir es kurz: Mir ist Hip Hop scheißegal. Hip Hop interessiert mich nicht. Mich interessieren die Fantastischen Vier. Hip Hop interessiert mich nicht. Und dass der unbeleckt ist, was Hip Hop angeht, das macht ihn für mich nur um so sympathischer.

Er schien aber auch, was die Fantastischen Vier angeht, recht unbeleckt.

Ich empfinde ihn als sehr intelligenten und sehr angenehmen Gesprächspartner. Deswegen hab' ich ihn ausgesucht. Er hat Lust gehabt, dazu. Wir haben genau das Gespräch geführt, das wir führen wollten. In einer ruhigen Atmosphäre und vielleicht genau ohne zwanzig Jahre Vergangenheit als Spex-Chefredakteur. Weil die Gespräche brauch' ich wiederum nicht.

Mit der Spex kommst Du sowieso nicht gut klar, hmm?

Nö, das ist nur ein schönes Synonym für verkopftes Musikdenken. Aber da seid ihr ja auch ganz gut drin.

Inwiefern?

Naja, ihr fragt ja die gleiche Scheiße.

Aha. Was soll man dazu sagen.

Nix. Wenn wir noch mal telefonieren, dann kannste ja deinen Senf dazu abgeben, was ich dir heute an den Kopf geworfen habe.

Möglicherweise machen wir das.

Möglicherweise interessiert mich aber auch nicht, das Telefongespräch zu wiederholen.

Naja. Dann danke ich trotzdem für dieses Interview.

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