Porträt

laut.de-Biographie

Rödelheim Hartreim Projekt

1993 ist Deutschland amtierender Fußballweltmeister. Bill Clinton wird US-amerikanischer Präsident. Deutscher Hip Hop steckt noch in seinen Kinderschuhen und klingt zwischen den politischen Advanced Chemistry und den Mittelstand-Clowns Die Fantastischen Vier so teutonisch wie nie wieder. Mit der Ghetto-Romantik Amerikas ist lang vor Bushido und Haftbefehl in Deutschland kein Blumentopf zu gewinnen.

Die ersten Straßenpflaster auf die Hip Hop in Deutschland Charts-tauglich schlägt, gehören zu dem zu diesem Zeitpunkt eher unbekannten Frankfurter Stadtteil Rödelheim. "Wir kommen direkt aus Rödelheim / Steck deinen Dödel ein / ein harter Ort, ein hartes Wort / nimm deinen Blödelreim."

Das Rödelheim Hartreim Projekt platzt mit dem Track "Reime" wie Pfefferspray in die schöne neue Welt. Ausgerechnet mit einem Sample aus "Hausmeister Thomas D." ("Jede Menge Reime, die sich auch noch reimen") wird der erste deutsche Beef eingeleitet: "Sie nennen sich fantastisch / ich wundere mich, was sich die Jungs dabei denken / sie sind spastisch."

Enttäuscht von den Problemen, die bei dem Release seiner zweiten Platte auftreten, findet bei Moses Pelham Anfang der Neunziger eine Umorientierung statt. Ab nun mimt er zusammen mit seinem Jugendfreund Martin Hofmann, den er bereits 1985 auf einem Basketballfeld im Rödelheimer Biegwald kennengelernt hat, die bösen Buben. Ihre Produktion und ihre Beats ragen aus den zeitgleichen Veröffentlichungen heraus.

Der Single "Reime" folgt 1994 das zusammen mit Martin Haas und Robert Sattler produzierte Debüt "Direkt Aus Rödelheim" auf MCA Records. Trotz des anfangs gewöhnungsbedürftig klingenden, weil auf Hessisch vorgetragenen Bembel-Raps verkauft sich die Platte 160.000 Mal und setzt sich selbst ein großes Ziel: 1996 ist das Rödelheim Hartreim Projekt Alleinherrscher der deutschen Sprechgesangszene.

Gleichzeitig feuert "Direkt Aus Rödelheim" den Startschuss für viele gefeaturete Künstler aus dem Umfeld der beiden Frankfurter ab. Erstmals sind die Stimmen von Xavier Naidoo und Sabrina Setlur, damals noch Schwester S., zu hören.

Zusammen mit eben dieser Schwester und der etwas seltsamen Liebeserklärung "Du bist'n Babe, ich möcht' dein Badewasser saufen" gelingt RHP 1995 mit "Ja Klar" der erste Top Ten-Hit.

Das gepriesene Jahr 1996 bricht an. Mit ihm und viel Tamtam und Hubschraubern erscheint "Zurück Nach Rödelheim" und verkauft sich 180.000 Mal. Alles soll "Höha, Schnella, Weita" sein. "Ich bin 'ne lebende Legende / und wär' schon längst in Rente / wenn ich nur jemanden fände / der den Job machen könnte / denn am Ende da muss es einen geben / Ich schätz', das bin ich / warum bist Du'n eigentlich am Leben?"

Doch der selbst enfachte Krieg mit den vier Stuttgarter Jungs, die ein Jahr zuvor mit "Lauschgift" eine halbe Millionen Alben verkauft haben, ist zu diesem Zeitpunkt schon lange verloren, die Alleinherrschaft liegt dank Bands wie Absolute Beginner, F.A.B. oder Fischmob in weiter Ferne. Im selben Jahr gründet Moses Pelham seine Plattenfirma 3P (Pelham Power Productions).

Das Album "Odyssee In Rödelheim" soll 2001 folgen. Ein Countdown auf der Labelwebseite von 3P zählt die Stunden, verebbt aber ins Leere. Thomas Hofmann verlässt das Rödelheim Hartreim Projekt und 3P, Moses Pelham macht darauf hin erfolgreich solo und mit Glashaus weiter.

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