Porträt

laut.de-Biographie

Coroner

In den 80ern gab es in der Schweiz ein paar herausragende und stilprägende Bands. Neben dem wohl bekannteste Schweizer Musikexport in der Metal-Szene, Celtic Frost, dürfen sich auch Coroner ein Abzeichen für innovativen Metal ans Revers heften.

Die Verbindung zwischen den beiden Bands ist auch relativ eng, denn Tom Warrior steuert zum ersten Demo von Coroner nicht nur ein paar Vocals bei, Gitarrist Oliver Amberg wechselt später sogar zu den frostigen Kelten. An dem Gerücht, dass Coroner zu Beginn ihrer Karriere als Roadies für Celtic Frost gearbeitet haben, ist aber nichts dran. Mark und Tommy helfen nur einige Male bei ein paar Gigs aus - die Freundschaft zwischen den Bands ist sehr eng.

Ihr Debütalbum "R.I.P." liefern Coroner als Trio ab. Sänger/Basser Ron Royce (aka Ron Broder), Gitarrist Tommy T. Baron (aka Tommy Vetterli) und Drummer Marquis Mark (aka Mark Edelmann) präsentieren auf ihrer ersten Veröffentlichung über Noise Records ein paar starke Ansätze, die ihr Wurzeln im Death Metal haben und des öfteren Vergleiche mit Celtic Frost nach sich ziehen. Doch schon damals sind die eigenen Trademarks vorhanden.

Diese Vergleiche tauchen auch auf dem folgenden Album noch gelegentlich auf, es steht jedoch außer Frage, dass Coroner sich deutlich in Richtung des technischen Thrash mit progressiven Elementen entwickeln. "Punishment For Decadence" ist vor allem von der Gitarrenarbeit her sehr technisch und behauptet sich auch heute noch locker gegen aktuelle Scheiben. Da die Band bislang nie auf Tour war, mehren sich natürlich die Gerüchte und Mythen um die Schweizer.

Eigentlich stehen ein paar US-Abstecher mit Sabbat und Rage auf dem Plan, jedoch wird die Tour im letzten Moment abgesagt und auch einige England-Gigs müssen ausfallen, da der britische Zoll auf eine Arbeitserlaubnis besteht. Immerhin stehen sie ein paar Mal mit Sacred Reich auf der Bühne. Bereits ein Jahr später mit dem dritten Werk "No More Color" machen sie erneut einen deutlichen Schritt nach vorn.

Vergleiche mit Holy Moses oder Voivod tauchen auf, und als sie mit den Techno-Thrash-Göttern von WatchTower durch Europa touren, wird so manche Metal-Hose feucht. Im Anschluss geht es im Vorprogramm von Motörhead durch die Vereinigten Staaten. Mit "Mental Vortex" legen die Eidgenossen ein starkes Album vor, das sie im Florida zusammen mit Tom Morris (u.a. Morbid Angel, Crimson Glory) abmischen. Mit "I Want You (She's So Heavy)" ist auch eine gelungene Coverversion der Beatles auf der Scheibe.

Doch die Unterstützung des Labels lässt weiter zu wünschen übrig und da Metallica zur gleichen Zeit mit dem "Black Album" daher kommen, geht "Mental Vortex" leider unter. Auch für das folgende Album "Grin" bekommt die Band von Noise Records quasi keine Unterstützung. Zwar touren sie noch mit Annihilator durch England, doch danach geben Coroner enttäuscht auf. Dabei ist gerade dieses Album für die breitere Masse interessant, da das Trio inzwischen wesentlich songorientierter arbeitet und auch auf Keyboards zurückgreift.

Da der Vertrag noch ein weiteres Album verlangt, erscheint 1995 "Coroner". Dabei handelt es sich um eine Best-Of mit vier neuen Songs, wobei Mark auf dreien davon nicht mehr spielt. Kaum ist die Band offiziell zu Grabe getragen, überschlagen sich andere Labels mit angeboten, doch die Schweizer lehnen ab. Tommy ist inzwischen mit seiner neuen Band Clockwork beschäftigt - der auch Ex-Mekong Delta-Drummer Peter Haas angehört - und hilft auf Tour bei Phillip Boa und dessen Voodoo Cult für Jim Martin (Ex-Faith No More) aus.

Mark beginnt als Sessionmusiker zu arbeiten und spielt bei sehr unterschiedlichen Projekten mit. Ende 1996 stößt er zu Tom G. Warriors Band Apollyon Sun, bei der er bis 1999 bleibt. Ende '96 steigt Tommy bei Kreator ein, mit denen er zwei Alben aufnimmt, ehe er seinen Hut nehmen muss. Ron Broder schließlich kehrt ins Malergeschäft seines Vaters zurück, das er später übernimmt.

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