Porträt

laut.de-Biographie

Phillip Boa

Über lange Jahre war Phillip Boa mit seinem Voodooclub neben den Berliner Krachspezialisten Einstürzende Neubauten der einzig international anerkannte Act, den die deutsche Indieszene zu bieten hatte. Bereits die erste, auf dem eigenen Constrictor-Label veröffentlichte, Scheibe "Philister" ließ die Schreiberlinge der Musikpresse jenseits des Kanals hellhöriger werden als gemeinhin üblich.

Videopremiere: Phillip Boas "Baby Please Go Home"
Videopremiere Phillip Boas "Baby Please Go Home"
Seht hier das neue Video zu "Baby Please Go Home" von Phillip Boa & The Voodooclub.
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Was sie da zu hören bekamen war äußerst gefällig. Vereinnahmende Melodien verband Boa mit rotzig-treibenden Sounds und der unverwechselbaren Stimme von Pia Lund. Ein Markenzeichen war geschaffen, das über Jahre nichts von seiner Anziehungskraft einbüßte und Phillip Boa neben guten Kritiken auch jede Menge verkaufter Tonträger bescherte.

Seine musikalische Prägung erhielt der am 18. Januar 1963 geborene Ausnahmemusiker durch die britische Punkbewegung Ende der 70er Jahre. Nach verschiedenen erfolglosen Versuchen eine Karriere als Musiker zu starten, tat er sich Anfang 1985 mit Pia Lund zusammen. Kaum ein Jahr später wird mit der Single "Most Boring World" die Geburt von Phillip Boa & The Voodooclub gefeiert. Von da an ging es steil bergauf: Die zweite Single "Skull" wird von der Presse im In- und Ausland hochgelobt; eine Entwicklung, die zuerst mit "Philister" und später dann mit "Aristocracie" fortgeschrieben wird.

Als Boa dann 1987 auf ein Angebot der Industrie eingeht, schlagen die Wellen der Empörung hoch. "Verräter" und Phillip Boa werden fortan synonym verwendet. Doch wie die LP "Copperfield" beweist, sind mit dem Wechsel keinerlei musikalische Kompromisse verbunden. Pop und Avantgarde bilden auch weiterhin die Pole zwischen denen die Musik von Phillip Boa & The Voodooclub oszilliert.

Phillip Boa - Bleach House
Phillip Boa Bleach House
Melodie trifft Macker. So muss das sein!
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Anfang der 90er Jahre sucht sich Boa eine zweite Heimat und findet sie auf Malta, wohin er mit seiner Ehefrau Pia und den Kindern zieht. Nach beinahe endlosen Diskussionen um das "sympathische Arschloch" (Musik Express), das früher gerne mal sein Publikum beschimpfte oder Interviewern die Kassetten zerstörte, schien sich die Gelassenheit des Alters schließlich durchzusetzen. Um so lauter war der Paukenschlag, als Boa Mitte der 90er sein Projekt Voodooclub ruhen ließ und mit Voodoocult deutlich härtere Töne anschlug, ohne allerdings ein eingenständiges Profil zu erlangen.

Privat leben sich Pia und Phillip 1997 endgültig auseinander; so scheint der Voodooclub fürs erste zu Grabe getragen. "Lord Garbage" veröffentlicht Boa ohne seine Begleitband. Das Ergebnis ist melodiös und poppig und stößt die Freunde des gepflegten Krachs mal wieder mächtig vor den Kopf. Ganz zufrieden war ist auch Boa wohl nicht, denn auf "My Private War" ist der Voodooclub wieder mit dabei. Auch in Sachen Pia Lund, die mittlerweile auf mehrere Soloalben zurück blickt, scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen: ab "C90" (2003) übernimmt Pia bei den meisten Stücken wieder den Gesang.

Dennoch bezeichnet Boa selbst die folgenden Jahre selbst nicht ganz zu Unrecht als krisenhaft. Ansprechende Alben hat er wie eh und je zu bieten. Doch die Zeiten sind nicht seine. Mit "Diamomds Fall" setzt er anno 2009 ein erstes kreatives Ausrufungszeichen seit langem. Doch erst "loyalty" befreit den 'deutschen Alternative-God' komplett. Samt Dresden Doll Brian Viglione und einer erstaunlich versiert singenden Pia haut das Powerpaar locker die beste Platte seit 20 Jahren auf den Tisch.

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Die mediale Resonanz ist entsprechend hoch. doch kein Rauschen im Blätterwald kann den im Grunde sanften Musikrebell von deutlichen worten abhalten. Boa attackiert lustvoll und bundesweit die eingefahrene Beschränktheit der heimischen Unterhaltungsindustrie und ist live besser denn je.

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Phillip Boa - Loyalty: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2012 Loyalty

Kritik von Ulf Kubanke

Kontrollierter Ausbruch künstlerischen Wahnsinns. (0 Kommentare)

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