Porträt

laut.de-Biographie

Bonfire

Wenn man einen Hardrock-Fan mit dem Liedgut der Ingolstädter Gruppe Bonfire (z.dt. Freudenfeuer) konfrontiert, sind Assoziationen wie Dauerwellen-Weichspüler oder Bon Jovi für Arme nicht selten. Manche halten es da auch mit Manowar, die dem metalunwürdigen Volk oft und gerne "Whimps and Posers, leave the hall" entgegenträllern.

Bei soviel Antipathie fragt man sich, was die Jungs eigentlich verbrochen haben bzw. wer zum Teufel diese Band überhaupt freiwillig hört. Denn komischerweise landen ihre Alben regelmäßig in den Charts. Eine grandiose Leistung, denn wie Insider wissen, schreitet der melodiöse Hardrock seit Mitte der Neunziger durch ein Jammertal. Vergleichbare Gruppen wie Europe, White Lion, Dokken und Konsorten locken keine Sau mehr hinter dem Ofen hervor. Selbst die deutschen Kollegen von den Scorpions müssen sich schon als Expo-Vorturner verdingen, um hierzulande nicht völlig in der Versenkung zu verschwinden. Bonfire dagegen steuern auch mit ihrem zehnten Studioalbum "Strike Ten" unbeirrt gute Verkaufszahlen an.

Es beginnt Anfang der Achtziger in Ingolstadt, als die Band Cacumen auf einem Indielabel die Scheiben "Cacumen (1981)" und "Black Window (1983)" heraus bringt. Ihr Markenzeichen ist harter, bodenständiger Rock. Doch um vom Schülerbandimage loszukommen, wird die Band umbenannt und vollständig erneuert. Ein internationaler Name soll her und wird mit Bonfire gefunden. Dazu kommen ein neuer Produzent, ein größeres Label, sowie ein richtiger Manager. Ins Rennen um den Lorbeerkranaz gehen Sänger Claus Lessmann, die beiden Gitarristen Johann Ziller und Horst Maier-Thorn, Drummer Dominik Hülshorst und Basser Jörg Deisinger.

Im Sommer '86 steht das Debüt "Don't Touch The Light" in den Läden. Es bietet sauber gespielten melodiösen Hardrock, der auch nicht vor den gaanz laangsaamen Tönen zurückschreckt, wie die Megaballade "You Make Me Feel" zeigt. Dieser Tränendrüsendrücker darf später auf keiner Kuschelrock oder Metal Ballads-Compilation fehlen. Bei aller unterstellten Weichspülattitude gehen die für Hardrockverhältnisse guten Texte über Weltraumrüstung ("S.D.I.") oder Überwachungsstaat (Titelsong) leider etwas unter. Es folgt eine Europatour mit ZZ Top, die Bonfire auch außerhalb der deutschen Grenzen bekannt macht.

Ihren damaligen Ruf als legitime Nachfolger der Scorpions, unterstreichen Bonfire mit dem 87er Album "Fire Works" deutlich. Schnelle Rocker, Midtempo-Songs und unkitschige Balladen, alle leckeren Hardrock-Zutaten werden hier aufgetischt und von Toproduzenten Michael Wagener (Metallica/Ozzy Osbourne/Mötley Crüe) gekonnt zubereitet. Es schmeckt fast zu gut, und so gibt es seitens der Presse manchen Plagiatsvorwurf an Bonfire.

So erinnert der Opener "Ready For Action" beispielsweise vom Aufbau her an Pretty Maids, während der Refrain ein glattes White Lion-Rip Off darstellt. Extremer noch fällt die Abkupferei bei "Fantasy" (unverkennbar Dokken) oder "Give It A Try" auf. Hier wurde lediglich ein Wort aus einem voll und ganz übernommen Stryper-Text ausgewechselt" (Metal Hammer 11/87). Die Platte findet trotzdem knapp 100.000 Fans und setzt sich so in den europäischen Top 50-Charts fest. Danach geht es durch deutsche Städte und Mitte '88 nochmal mit Judas Priest auf Europatournee.

Der goldene Turm wächst jedoch nicht ewig. Mittlerweile ist nur noch Sänger Claus Lessmann mit von der Partie. Drummer Dominik ist schon 1987 ausgestiegen und für ihn gibt inzwischen Edgar Patrik den Takt an. Horst muss krankheitsbedingt die Gitarre aus der Hand legen, doch auch Hans steigt aus, um EZ Livin' zu gründen. Ihre Plätze nimmt Angel Schliefer ein, denn vorerst geht es nur als Quartett weiter. Zwar ist der nächste Wurf "Point Blank" noch eine solide Scheibe (immerhin stammen sieben oder acht der elf Songs von Ziller), doch schon beim 91er Output "Knockout" macht sich der Verlust von Hauptkomponist deutlich bemerkbar.

Nach dem kreativen Flop (davon redet man bei ca. 60000 verkaufte Einheiten!) von "Knockout" beweist Lessmann Mut und löst die Band im selben Jahr erst einmal auf. Von 91-96 liegt Bonfire auf Eis. Einziges Lebenszeichen ist 1993 das schwache "Live...The Best"-Album und eine deutschsprachige EP von Lessman/Ziller.

Doch wie so oft in der Geschichte des Hardrock, können zwei kreative Köpfe trotz Streitigkeiten nicht voneinander lassen. Gerade diese Reibung sorgt für die Höhepunkte in der Musikhistorie. Berühmte Paare wie Steve Harris/Bruce Dickinson (Iron Maiden), Tony Iommi/Ozzy Osbourne (Black Sabbath), Jimmy Page/Robert Plant (Led Zeppelin) oder die rollenden Steine Jagger und Richards kommen wieder zusammen, weil sie insgeheim alle wissen, dass sie ohne den Partner nicht zu Höchstleistungen auflaufen können.

Bonfire spielen nicht ganz in deren Liga, aber auch beim Duett Lessmann, Ziller kehren der Erfolg und die Ideen nach der Versöhnung wieder zurück. Die Rechte am Bandnamen werden von Ex-Bassist Jörg Deisinger zurückgekauft und '96 das Deutschrock-Album "Freudenfeuer" in limitierter Auflage veröffentlicht. Die 10.000 Stück gehen weg wie warme Semmel, trotzdem bleibt dieser musikalische Ausflug eine einmalige Sache. Denn schon kurz darauf steht "Feels Like Coming Home" in den Läden, bei der auch "Freudenfeuer"-Material umarrangiert und mit englischen Texten versehen wird. Getreu dem Motto: Schuster bleib bei deinen Leisten. Mit Balladen wie dem Titelsong im Rücken, der es gar auf die "Kuschelrock 10" bringt, versuchen auch Bonfire auf der Unplugged-Welle zu reiten. Höhepunkt ist der Auftritt vor einem Heimspiel des großen FCB im Münchner Olympiastadion.

Neben Claus und Hans stehen nun noch Gitarrist/Keyboarder Chris Lausmann, Bassist Uwe Köhler und Drummer Jürgen Wiehler in den Reihen der Band und in dieser Besetzung erscheint '97 "Rebel Soul". Ebenfalls in jenem Jahr erscheint auch die Balladen-Sammlung "Hot And Slow", dem zwei Jahre später das nächste Studioalbum "Fuel To The Flames" folgt. Auch mit dieser Scheibe bedienen Bonfire ihre alten Fans mit allem, was deren Herz begehrt und natürlich schlägt auch "Strike X" in dieselbe Kerbe. Mit den mittlerweile ebenfalls reformierten Domain geht es im April 2001 auf Tour durch Deutschland und als die Scheibe wenig später auch für England lizenziert wird, folgen auch dort ein paar Livedates.

Chris verlässt nach der Tour die Band, um sich mehr auf Frontline zu konzentrieren. Mit Keyboarder Thomas Streck konzentriert sich die Band erst einmal auf die Veröffentlichung der Best Of "29. Golden Bullets" und kurz darauf der Livescheibe "Live Over Europe", ehe sie mit Whitesnake durch Europa touren. Kurz darauf erscheint mit "Free" ein Album, das selbst ihre Fans etwas zwiespältig aufnehmen, denn man versucht sich doch etwas zu offensichtlich an anderen Sounds, die Bonfire nun mal nicht liegen.

Mit "One Acoustic Night" schieben sie 2005 lieber wieder eine ruhige und sichere Kugel und haben Keyboarder Thomas gegen den Gitarristen Chris 'Yps' Limburg ausgetauscht. Ende des Jahres starten sie mit Doro, Saxon, Edguy und In Extremo das 'Rock For Asia'-Festival für die Opfer der Flutkatastrophe und nehmen über 100.000 Euro Spenden ein. Im April 2006 stellen sie "Double X" in die Läden und gehen kurz darauf auf eine ausgedehnte Tour rund um den Globus. Die zieht sich natürlich mehrere Monate hin und nachdem sie sich eine kleine Auszeit gegönnt haben, machen sie sich direkt an die Arbeiten zum nächsten Album.

Das soll aber nicht nur eine normale CD werden, sondern auch als Rockoper aufgeführt werden. Anscheinend hat man sich an einem Stück von Friedrich Schiller vergriffen, denn Mitte Februar steht ein Album mit dem etwas dämlichen Titel "The Räuber" in den Regalen.

Alben

Bonfire - Branded: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2011 Branded

Kritik von Yan Vogel

Dem kollektiven Vollrausch wie immer nicht abträglich. (0 Kommentare)

Bonfire - Strike Ten: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 1 Punkte

2001 Strike Ten

Kritik von Michael Edele

Braucht man in etwa so sehr wie 'nen Darmverschluss. (0 Kommentare)

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