Porträt

laut.de-Biographie

ZZ Top

Diese kleine, uns wohlbekannte Band ist schon etwas Außergewöhnliches. Sie hält den Weltrekord als am längsten in der Urbesetzung zusammen spielende Band und ist seit 1986, als ihnen ein gewisser George W. Bush den Titel verleiht, offizieller Held des amerikanischen Bundesstaates Texas. Bis es aber so weit ist, haben die drei schon einen langen Weg zurück gelegt, der Ende der Sechziger Jahre seinen Anfang nimmt.

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Billy Gibbons, der dereinst einmal beim texanischen Trio die Gitarre spielt, kommt am 16.12.1949 in Houston zur Welt. Mit 14 nimmt er zum ersten mal eine Klampfe in die Hand und gründet diverse Bands. Eine dieser Combos sind die Moving Sidewalks, deren erste Single "99th Floor" - von Billy geschrieben - die lokalen Charts in Texas aufmischen kann. Der größte Erfolg der Band ist jedoch ein Auftritt im Vorprogramm eines gewissen Jimi Hendrix'. Der Saiten-Derwisch bescheinigt dem jungen Nachwuchsgitarristen, der talentierteste amerikanische Gitarrist zu sein. Die Karriere der Moving Sidewalks ist kurz darauf aber bereits Geschichte.

1970 setzt sich Billy mit dem Manager und späteren Hausproduzenten Bill Ham zusammen und gemeinsam werben sie der Gruppe American Blues deren Bassisten Dusty Hill und Schlagzeuger Frank Beard ab. Da diese bereits zwei Alben mit der Band veröffentlicht haben, die beide grandios floppen, nehmen sie das Angebot Billys breitwillig an und nehmen gleich im Anschluss die erste ZZ Top-Single "Salt Lick" auf, die über Scat Records erscheint. Noch im selben Jahr erscheint mit "ZZ Top's First Album" der erste Longplayer des Trios. Laut eigenen Angaben spielen ZZ Zop "Abstract Blues", eine etwas gestelzte Formulierung, denn das, was den ZZ Top-Sound jener Tage ausmacht, ist vielmehr eine Verschmelzung dessen, was der Staat Texas an musikalischen Eigenheiten bis dahin hervor bringt. Sie vermengen Country, Blues, Rock'n'Roll und Boogie. Mittels texanischer Rauhbeinigkeit entsteht so ein kraftvoller Cocktail, der zu dieser Zeit seinesgleichen sucht.

Bis dato ist aber an eine größere Karriere nicht zu denken. Das Debüt verkauft sich nicht sonderlich und auch der zweite Streich "Rio Grande Mud" kann nichts Entscheidendes reißen. Das ändert sich ziemlich schnell mit der Veröffentlichung von "Tres Hombres", das im Spiegel der Zeit als das Album in die ZZ Top-Geschichte eingeht, das den entscheidenden Wendepunkt in der Band-Historie darstellt. Sage und schreibe 81 Wochen hält sich die Platte in den amerikanischen Billboard-Charts und die Single "La Grange" erreicht die Top 50. Mit "La Grange", "Beer Drinkers And Hell Raisers", Waitin' For The Bus" und "Jesus Just Left Chicago" ist "Tres Hombres" das Album, mit den meisten Tracks bei Live-Konzerten. Bislang nur in den Südstaaten bekannt, verbreitet sich die Kunde der drei jetzt auch im Norden Amerikas. 1974 spielen ZZ Zop bereits vor 80.000 Zuschauern in Austin. Bilder der damaligen Tour sind auf dem '75er Output "Fandango" zu sehen. Die erste Seite der Scheibe beinhaltet eine Live-Aufnahme vom New Orleans-Gig im Warehouse. Die zweite Seite ist mit "Tush" bestückt, dem wohl bekanntesten Track aus den frühen Tagen des Trios.

Mit der sich daran anschließenden Worldwide Texas-Tour hauen die Jungs dann richtig fett aufs Schnitzel. Auf diese Konzertreise, strömen insgesamt 1,2 Millionen Zuschauer. Nach den soliden Alben "Tejas" (spanisch für Texas) und "Deguello" haben sie sich mittlerweile auch außerhalb der Staaten einen Namen gemacht. Am 19.April 1980 kommt es dann in der Grugahalle in Essen zu einem denkwürdigen Auftritt. Im Rahmen des ARD-Rockpalastes werden Millionen Fernsehzuschauer Zeuge der Live-Performance von ZZ Top. Danach ist es um die Deutschen geschehen. Im Anschluss an "El Loco" kommen ZZ Top nach Deutschland zurück und selbst die Frankfurter Rundschau attestiert ihnen den "flüssigsten Blues-Rock seit Johnny Winter".

Danach ist es erst einmal still um die Band. Die Legende besagt, dass justament zu dieser Zeit, als die drei einmal getrennte Wege gehen, die Sache mit den ultralangen Bärten entsteht. Unabhängig voneinander lassen sich Billy Gibbons und Dusty Hill die Gesichtswolle lang wachsen. Ledigleich Schlagzeuger Frank Beard (sinnigerweise englisch für Bart) verschließt sich der krausen Angelegenheit.

1983 packen sie mit "Eliminator" den Mega-Hammer aus. Man muss die Umstände der damaligen Zeit Revue passieren lassen, um zu verstehen, warum ZZ Top zu neuen Höhenflügen ansetzen. Das MTV-Zeitalter wirft seinen Schatten voraus. Zwar existiert der Musik-Kanal zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Jahre, aber ZZ Top sind in der Tat die erste Band, die sich den Clip als Darstellungsform zu eigen machen. Die Videos zu den Single-Hits "Sharped Dressed Man", "Legs" und "Gimme All Your Lovin'" sind denkbar einfach gestrickt. Frauen in knappen Minis, heftigst aufgemotzte Autos und harte Riffs vereinigen sich zu einem Hör- und Seh-Genuss, der auf reges Interesse stößt. Die fast logische Folge sind der erste Top Ten-Hit ("Legs") und acht Millionen verkaufte Einheiten von "Eliminator". Der Sound hat sich mit diesme Output gewandelt. Setzen ZZ Top in der Vergangenheit auf ein reduziertes Klangkostüm, halten nun Synthesizer und Overdubs einzug in die Songs. Den einen oder anderen alten Fan vergrault diese Kehrtwende, aber Millionen andere folgen nach und machen die Band zu internationalen Megasellern - insgesamt hält sich die Platte ganze zwei Jahre in den US-Charts.

Der Nachfolger hört auf den Namen "Afterburner" - eine eher zwiespältige Angelegenheit, denn eigentlich könnte man das Album auch "Eliminator Part II" nennen, denn das Konzept ist nahezu dasselbe und der bis dahin typische ZZ Top-Sound geht in technischen Spielereien unter, die überproduziert und im negativen Sinne opulent wirken. Nichtsdestotrotz verkauft sich die Scheibe wie geschnitten Brot. Nach der weltweiten Tour zu "Afterburner" legen ZZ Top erst einmal die dringend benötigte kreative Pause ein. In der Zwischenzeit engagieren sie sich für den Erhalt des Delta Blues Museum in Clarksdale/Mississippi und buchen die ersten Tickets für etwaige Flüge zum Mond. Beim dritten Teil der Zurück in die Zukunft-Saga mit Michael J. Fox spielen sie eine kleine Rolle als Saloon-Band und steuern einen Song ("Doubleback") zum Soundtrack bei.

1990 kehren sie mit "Recycler" zurück. Zwar fahren sie den Anteil an technischem Firlefanz wieder etwas zurück, an die Klassiker kann das Album trotz seiner Verkaufserfolge jedoch nicht anknüpfen - der Plattentitel scheint programmatisch zu sein. 1992 erscheint die zweite Compilation "Greatest Hits" mit einem Cover des Elvis-Songs "Viva Las Vegas". Das 1994er "Antenna" - eine Hommage an die Radiostationen in Texas - scheint die ZZ Top-Renaissance einzuläuten. Rauher als zuvor und mit erheblich groovigeren Songs ausgestattet, findet das Trio mit Studio-Album Nummer 11 in die Spur zurück: der Blues ist wieder mit ihnen. Mega-Bühnenaufbauten und dutzendweise nackte Mädels scheinen ausgedient zu haben. Sie reduzieren die Musik wieder auf das Wesentliche und das ist wahrscheinlich auch das, worauf viele ZZ Top-Fans gewartet haben, denn beliebt sind die Rauschebärte nach wie vor.

Die Rückwärtswendung zum Blues hin dokumentiert eine weitere Best-Of, auf der lediglich blueslastige Songs zu hören sind. Rhythmeen von 1996 und das zum dreißigjährigen Bandjubiläum erscheinende "XXX" zementieren diese Entwicklung in Richtung dreckigen Bluesrock. Im September 2003 erscheint nach vier Jahren erstmals wieder neues Material von der 'Little Ol' Band From Texas'. "Mescalero" lautet der Titel und führt die Band wieder weiter zurück zu ihren Wurzeln. Blues, Country und Boogie at its best!

2006 kündigen sie völlig überraschend und ohne Kommentar den Managementvertrag mit Bill Ham. Ein schon für 2007 angekündigtes weiteres Album erscheint vorerst nicht. Stattdessen gehen die drei wieder auf Tour. Kurz vor den Auftritten sagt die Band jedoch alle Dates ab, da bei Dusty ein Tumor im Innenohr festgestellt wird. Dieser stellt sich zwar als gutartig heraus, hätte jedoch seinem Gehör Schaden zufügen können. Nach erfolgreicher medizinischer Behandlung geht es zurück auf die Straße. Am 1. November 2007 spielen sie im texanischen Grand Prairie. Den Auftritt schneiden sie für eine DVD mit.

Somit sind ZZ Top auch auf dem Speichermedium DVD in der Zukunft angekommen. Das dem Trio immer mehr Respekt auch von der musizierenden Kollegenschaft entgegengebracht wird, kann man unter anderem an Gastbeiträgen auf anderen Alben erkennen. Speziell Billy Gibbons lässt immer wieder seine Sechssaiter auf fremdem Tonträger erklingen.

Die Lil' Ole Band from Texas ist eben schon eine Marke.

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ZZ Top 2011 in Mainz Die alten Herren spielen in Mainz.

Die alten Herren spielen in Mainz., ZZ Top 2011 in Mainz | © laut.de (Fotograf: Michael Edele) Die alten Herren spielen in Mainz., ZZ Top 2011 in Mainz | © laut.de (Fotograf: Michael Edele) Die alten Herren spielen in Mainz., ZZ Top 2011 in Mainz | © laut.de (Fotograf: Michael Edele) Die alten Herren spielen in Mainz., ZZ Top 2011 in Mainz | © laut.de (Fotograf: Michael Edele)

Live In Stuttgart 2002 Einmal mehr die personifizierte Coolness: ZZ Top.

Einmal mehr die personifizierte Coolness: ZZ Top., Live In Stuttgart 2002 | © laut.de (Fotograf: Christoph Cordas) Einmal mehr die personifizierte Coolness: ZZ Top., Live In Stuttgart 2002 | © laut.de (Fotograf: Christoph Cordas) Einmal mehr die personifizierte Coolness: ZZ Top., Live In Stuttgart 2002 | © laut.de (Fotograf: Christoph Cordas) Einmal mehr die personifizierte Coolness: ZZ Top., Live In Stuttgart 2002 | © laut.de (Fotograf: Christoph Cordas) Einmal mehr die personifizierte Coolness: ZZ Top., Live In Stuttgart 2002 | © laut.de (Fotograf: Christoph Cordas) Einmal mehr die personifizierte Coolness: ZZ Top., Live In Stuttgart 2002 | © laut.de (Fotograf: Christoph Cordas) Einmal mehr die personifizierte Coolness: ZZ Top., Live In Stuttgart 2002 | © laut.de (Fotograf: Christoph Cordas) Einmal mehr die personifizierte Coolness: ZZ Top., Live In Stuttgart 2002 | © laut.de (Fotograf: Christoph Cordas)

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