laut.de-Kritik

Welches Zeug pfeift sich der Typ in letzter Zeit rein?

Review von

William Frederick Gibbons feiert demnächst sein 66. Wiegenfest. So alt musste er werden, bis er mit seinem allerersten Solo-Album um die Ecke schleicht. Ginge es nach mir, hätte er damit auch noch die nächsten 65 Jahre warten können. Was uns der ZZ Top-Gitarrist und -Sänger hier nämlich serviert, lässt einem fast das Blut in den Adern gefrieren.

Im Vorfeld als kreative Überraschung angepriesen, entpuppt sich der Longplayer dann leider nur als hanebüchene Nullnummer. Jeder Silberling, auf den dieser Mist gepresst wird, kommt einer Rohstoff-Verschwendung erster Kajüte gleich.

"Got Love If You Want It", ein Cover der alten Bluesnummer von Slim Harpo, mutet in dieser Vertonung an wie der letzte Rest einer B-Seiten-Compilation von Gibbons' Stammband. Eine Schweine-Orgel flankiert Billys typische Licks auf der Klampfe, viel mehr kann man über den Opener nicht vermelden. Außer vielleicht, dass Herr Gibbons mal erklären soll, was der Autotune-Dreck hier zu suchen hat.

Die Single "Treat Her Right", wieder ein Cover, diesmal von Roy Head, bemüht Gitarren-Fingerübungen, die man von Gibbons zur Genüge kennt. Bis dahin könnte man leidlich enttäuscht sein, dass dem Veteranen auf seinem ersten Versuch eines Alleingangs nichts Prickelndes eingefallen ist, als olle Coverversionen. Was der Texaner aber ab "You're What's Happenin', Baby" vom Stapel lässt, spottet einfach jeder Beschreibung.

In jedem verschissenen Song verwendet Billy Autotune und versaut damit jeden einzelnen noch so schüchtern hervorlugenden guten Ansatz. Die typischen Gibbons-Trademarks sind alle da, auch wenn die Latin-Rhythmen diese etwas in den Hintergrund schieben. Fuzz bis zum Abwinken und die typischen bluesinfizierten Licks machen sofort klar, wer hier vor sich hin muckert. Sein rauchiges Organ ist ebenfalls unverkennbar, aber kreativer Output sieht definitiv anders aus.

Von den elf Songs sind gerade einmal sieben Neukompositionen, und selbst die sind kaum der Rede wert. "Sal Y Pimiento"? Tonne auf, Song rein, Tonne zu. "Pickin' Up Chicks On Dowling Street"? Da sollte der Herr besser aufpassen, dass ihm die Hühner angesichts seines Gejaules nicht die Karre vollreihern.

In welchem Universum irrlichtert der von mir sehr geschätzte Gitarrero herum, wenn er meint, dieser uninspirierte Kokolores würde auch nur eine lahme Scheibe Wurst vom Teller ziehen? Man schreibt Musik ja gerne therapeutische Fähigkeiten zu. Auf dieses Album gemünzt, sollte man mit dieser Vermutung jedoch vorsichtig sein. Spielte man einem Wachkomapatienten diese elf Arschraketen von Songs vor, der Gefolterte würde wahrscheinlich sofort freiwillig den Löffel abgeben, so er denn könnte.

Produziert haben den Schmonzes Gibbons selbst und Joe Hardy. Stellt sich immer noch die Frage, ob die Herrschaften zu viel gekifft haben. Von der Autotune-Katstrophe abgesehen, kommt die Beschreibung 'halbgar' für den Klang des Albums noch sehr euphemistisch daher. Die Drums tönen wie aus einem Billo-Rechner von einem Zehnjährigen programmiert, zusätzliche Dosen-Effekte übertünchen an vielen Stellen einfach die fehlenden Ideen. Zusätzlich fällt negativ auf, dass viele Songs auf rudimentären Einfällen aufbauen, die Gibbons mit ausufernden Solo-Einlagen schmückt. Fertig ist das halbe Nichts.

Wie man es auch dreht und wendet, schönhören geht hier nicht, "Perfectamundo" liegt einem derart quer im Ohr, dass man sich tatsächlich fragt, was für Zeugs sich Gibbons in letzter Zeit so eingepfiffen hat, damit etwas wie das hier dabei herauskommt.

Lediglich einmal hat man das Gefühl, der Rauschebart habe ein Einsehen mit seinen Hörern. Nämlich im allerletzten Track "Q-Vo", bei dem Billy weitgehend die Klappe hält und entspannt vor sich hin dudelt. Gegen Ende taucht er aber dann doch noch einmal auf, der Autotune, und dann wird es wirklich Zeit, dass dieser Schund endlich aufhört.

Trackliste

  1. 1. Got Love If You Want It
  2. 2. Treat Her Right
  3. 3. You're What's Happenin', Baby
  4. 4. Sal Y Pimiento
  5. 5. Pickin' Up Chicks On Dowling Street
  6. 6. Hombre Sin Nombre
  7. 7. Quiero Mas Dinero
  8. 8. Baby Please Don't Go
  9. 9. Piedras Negras
  10. 10. Perfectamundo
  11. 11. Q-Vo

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16 Kommentare mit 9 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Kritik ok, aber Musik ist und bleibt halt Geschmackssache und ich finde die Platte echt gut und irgendwie auch witzig.
    Da hat sich der Herr G. voll austoben können.
    und gut autotune hätte nicht sein müssen, das er es ohne kann hat er ja hinlänglich bewiesen, im Gegensatz zu vielen anderen autotune-Nutzern.

  • Vor einem Jahr

    Diese "Rezension" ist niveaulos und respektlos gegenüber Herrn Gibbons und den anderen Mitwirkenden dieses Albums. Im Grunde wird in dieser Kritik nur gesagt: "Alles sch****!". Mit Sachlichkeit oder Kritik hat das hier gar nichts zu tun.

    Setzen, Sechs!

  • Vor einem Jahr

    Ich höre sehr viel Musik, seit Jahrzehnten. Sollte hier jemand vermutet haben, dass man ZZ Top hört, statt BG, dann fehlt es dieser Person an der nötigen geistigen Virtuosität. Warum sollte er eine Solo Scheibe unter seinem Namen bringen, wenn sie ZZ Top Musik beinhaltet? Die Scheibe ist mal etwas anderes, als ZZ Top und geht mir ins Ohr und in meine Beine. Ach ja, mein Traum wäre mal eine Scheibe, die von BG und Chris Rea gemacht wurde. Und ich frage mich, wieso auf den ZZ Top "Best" Scheiben nicht einmal Dreadmonboogeloo zu hören ist. Das ist sooooo geil, mit der richtigen Anlage und korrekten Lautsprechern (VINTAGE)