laut.de-Kritik

Zwei Santa Clause-Bärte genügen als Blickfang.

Review von

2008! Man mag es kaum glauben, dass es so lange gedauert hat, bis das Trio aus Texas endlich mal mit einer Live-DVD um die Ecke kommt. Über die Gründe für das lange Ausbleiben eines Konzert-Dokumentes in Silberscheibenformat kann man nur spekulieren. Eigentlich sind Gibbons, Hill und Beard ja überaus technikaffin. Aber was soll's, "Live From Texas" liegt jetzt endlich vor.

Leider verläuft die Suche nach dem ein oder anderen Klassiker der Bandgeschichte ergebnislos im Sande. Die üblichen Verdächtigen wie "Tush", "Sharp Dressed Man" und "La Grange" fehlen natürlich nicht, aber dennoch überrascht die Songauswahl ein klein wenig. Zumal sich darin auch überflüssiges Zeugs wie die Schmonz-Ballade "Rough Boy" und "Pearl Necklace (mit dem ich noch nie wirklich viel anfangen konnte) wiederfindet, wohingegen Knaller der Marke "I Thank You" und "Beerdrinkers And Hellraisers" dem Rotstift zum Opfer fielen. Ebenso unbeachtet blieben Songs der letzten drei Alben "Mescalero", "XXX" und "Rhythmeen".

Dennoch klauben die Bärte genügend Material zusammen, um zwei launige Stunden vor der Glotze zu garantieren. Die Überladenheit der Neunziger, als ZZ Top noch einige Trucks benötigten, um den kompletten Bühnen-Firlefanz mitzuschleppen, ist mittlerweile einer radikalen Schlichtheit gewichen. Zwei lange Santa Clause-Bärte genügen als Blickfang durchaus, zumal man sich auf die Musik konzentrieren soll. Halbnackerte Blondinen stören da nur.

Immer wieder schön zu hören, dass ZZ Top nach wie vor einen raumgreifenden Sound auf die Beine stellen, der auch in der Triobesetzung genügend Druck entfaltet, um Laune zu machen. Ohne Rhythmus-Gitarre, Keyboarder hinter dem schwarzen Vorhang, Background-Sänger oder ähnliche gelagertem Kokolores gibts Rock satt auf die Ohren: Transparent im Sound mit einer äußerst gelungenen Bildregie, die sich zudem dem allgemein herrschenden Schnitt-Wahn im Zehntelsekundentakt verweigert.

Bei den Extras des Silberlings herrscht eine zurückgelehnte Überschaubarkeit. Das Highlight hört auf den Namen "Poker Game" und hat nichts mit interaktiven Spielchen zu tun. Vielmehr zeigt es die drei Protagonisten beim gemütlichen Kartenspielchen im schummrig-trüben Licht, während dem sie sich Zoten aus den vergangenen Jahrzehnten erzählen. Für Leute, die des Englischen nicht mächtig sind, gibt es anwählbare Untertitel, die - aus welchem Grund auch immer - bei dem mir vorliegenden Rezensionsexemplar nicht funktionieren.

Desweiteren findet sich in der Extra-Sektion noch ein Kapitel namens "Photo Shoot". Na toll. Da sehen wir die Band während eines ... exakt: Fotoshootings. Und jetzt? Keine Ahnung. Ebenfalls ganz nett gemacht ist die Kurzzusammenfassung des Konzerttages mit O-Tönen beteiligter Techniker, Billys Gitarrenbauer, der Band selbst und last but not least der Fans. Das Texas-Lokalkolorit kommt hierbei nicht zu kurz. Beim gemeinen Deutschen drängt sich der leise Verdacht auf, dass die Texaner so etwas wie die amerikanischen Bayern sind.

Schließlich halten die Bonus-Features noch "Foxey Lady" bereit, dahinter verbirgt sich das Cover des Hendrix-Tracks. Wieso der aber nicht im Konzertfilm zu sehen ist? Weiß der Henker.

Das Unternehmen "Erste DVD" kommt als Gesamtpaket durchaus gelungen daher. Auch wenn der bemühte Rezensent es sich nicht verkneifen kann, ein paar Haare in der Suppe zu finden, was Ausstattung und Länge betrifft. Manchmal ist mehr dann nämlich doch mehr.

Trackliste

Live From Texas

  1. 1. Got Me Under Pressure
  2. 2. Waitin’ For The Bus
  3. 3. Jesus Just Left Chicago
  4. 4. I’m Bad, I’m Nationwide
  5. 5. Pincushion
  6. 6. Cheap Sunglasses
  7. 7. Pearl Necklace
  8. 8. Heard It On The X
  9. 9. Just Got Paid
  10. 10. Rough Boy
  11. 11. Blue Jean Blues
  12. 12. Gimme All Your Lovin’
  13. 13. Sharp Dressed Man
  14. 14. Legs
  15. 15. Tube Snake Boogie
  16. 16. La Grange
  17. 17. Tush

Extras

  1. 18. Poker Game
  2. 19. Dallas Show Day
  3. 20. Photo Shoot
  4. 21. Foxey Lady

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1 Kommentar

  • Vor 8 Jahren

    Erst war ich auch ein wenig enttäuscht,
    weil die drei Helden fast alle Songs ein wenig langsamer spielen als von Platte/CD gewohnt.

    Nun ja, das Alter macht sich halt doch irgendwo bemerkbar - 60 Jahre sind sie ja nun schon alt.

    Und weil der Sound eigentlich sehr gut ist,
    fallen einem gewisse Schwächen in der Intonation beim Gitarrespiel auf, was früher in einem eher breiigem Gesamtsound untergehen konnte bzw. sich passend eingefügt hat.

    Egal - Schwamm drüber.

    Schon beim zweiten Mal fing dann das Genießen an.
    Auch wenn sie nicht mehr so wild herumhüpfen wie noch 1980 im Rockpalast live,
    insgesamt wirken sie alle drei cooler, die Optik ist besser, und der Gesang von Bill Gibbons ist so rauh wie er zu sein hat.
    Dass dabei ein paar einzelne Töne auf der Gitarre zugunsten des Gesangs (was er ja gleichzeitig bewerkstelligen muss) nicht so explizit druck- und farbvoll rüberkommen,
    und auch das Tempo leicht gedrosselt wirkt,
    muss man ihnen einfach verzeihen, wenn man sich den Auftritt wieder und wieder ansieht.

    Das steckt einfach eine langjährig kultivierte Ästhetik dahinter, kein einziger unpassender Ton (trotz Improvisieren),
    und alles so locker mittlerweile gespielt
    - dass das Zuschauen (und auch Mitspielen auf der Gitarre) echt Freude macht.

    Für Leute, die ihr Gitarrenspiel in Richtung Blues ausbauen wollen, ohne gleich überfordert zu werden, sogar noch eine tolle Gelegenheit fürs Eigenstudium und Üben.

    Logo - die einzelnen Stücke sind auf Platte besser, schon alleine, weil Gibbons oft mehrspurig arbeitet, watt ja live nisch jet ...

    Bezüglich Songauswahl war ich auch ein wenig überrascht.
    Besser gesagt, davon dass einige Songs nicht mit drauf sind, die man sich gewünscht hätte.
    (aber wären andere Klassiker draussen geblieben, hätte man auch was vermisst - vielleicht hätte es besser eine 4 Stunden-DVD werden sollen).