- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
Sieht man sich die gute Dame an, könnte einen schnell der Eindruck überkommen, es mit einem weiteren, künstlerisch nichtssagenden Schnuckelchen zu tun zu haben, das kommerziell geschickt im Musikgeschäft platziert werden soll. Gut, Pallots Musik ist nicht unbedingt die Neuerfindung des Rades, aber die Britin mit indischen Wurzeln hat etwas zu sagen und ist bei weitem nicht konturlos oder austauschbar.
Stilistisch wildert sie in Bereichen, die schon Tori Amos oder Heather Nova vor ihr erfolgreich beackerten. Unter dem mächtigen Banner Rock musiziert sie äußerst gefühlvoll, mit intelligenten Texten und hervorragenden Melodien. Aber selbst wenn sie schon mit ihrem ersten Album auf einem Majorlabel debütiert, ist ihr Erfolg alles, nur eines nicht: Ihr einfach in den Schoß gefallen.
Nerina Natasha Georgina Pallot kommt 1975 im Süden Londons als Tochter eines französischstämmigen Briten und einer Inderin zur Welt. Schon in jungen Jahren zieht sie mit ihrer Mutter um die halbe Welt und macht dabei oft in deren Heimat auf dem Subkontinent Halt. In Eigenregie bringt sie sich das Klavierspielen bei. Schließlich zieht sie mit den Eltern auf die Kanalinsel Jersey. Mit elf zwackt sie sich genügend von ihrem Taschengeld ab, um sich eine Gitarre leisten zu können.
Solch ein Talent gilt es zu fördern. So kehrt sie dem kleinen Eiland im Ärmelkanal den Rücken und siedelt auf die britische Insel über, wo sie auch noch Geige lernt und sich zur klassischen Musikerin ausbilden lässt. Danach geht sie nach London, um auf einem College Kunst zu studieren, lässt dies aber nach einiger Zeit wieder sein, um sich wieder der Musik zuzuwenden. Diesmal setzt sie sich in den Kopf, Bass zu spielen. Beeinflusst von Paul McCartney besorgt sie sich ebenfalls einen Hofner Bass. Das "White Album" kommt nicht mehr vom Plattenteller runter. Nerina lauscht permanent "Sexy Sadie" und spielt Paulchens Bass-Linien nach Gehör nach.
Inspiration für ihre eigenen Kompositionen holt sie sich aus den unterschiedlichsten stilistischen Lagern. In ihrer frühen Jugend hat sie ein Faible für die Stone Roses und Bon Jovi. Mit Michael Jacksons "Thriller" dudelt ihre erste selbst gekaufte Platte ununterbrochen auf dem Plattenteller. Irgendwann nimmt sie sich jedoch der Sammlung ihrer Eltern an, wo das Vermächtnis von Simon & Garfunkel und Carole King einen unwiderstehlichen Reiz auf sie ausübt.
Nun hat Pallot ihre Bestimmung gefunden. Nicht genug, dass sie in den Siebzigern zur Welt kam, jetzt fühlt sie sich auch musisch ganz als Kind dieser Dekade. Zwar sind die Songs, die sie im Laufe der Zeit schreibt, durchaus modern, doch eine gewisse wohltuende Rückwärtsgewandtheit kann man dabei nicht von der Hand weisen. Auch was die textliche Seite anbelangt, schließlich gibt sie nicht nur Befindlichkeiten im weiten Feld der zwischenmenschlichen Beziehungen zu Papier, sondern äußert sich auch gerne zu politischen Themen.
Bis zu einer Musiker-Karriere ist es jedoch noch ein gutes Stück hin. Um sich über Wasser zu halten, komponiert sie Radio-Jingles und gibt auf Familienfesten die musikalische Untermalung, der ohnehin keiner zuhört. Dann nimmt sie einen Job beim renommierten Mute-Label an, wo sie gleich für Andrew King arbeitet, der schon als Manager von Ian Dury und The Clash aktiv an musikalischer Geschichtsbildung beteiligt war. Die zwei verstehen sich außerordentlich gut. Als King von ihrer Leidenschaft erfährt, ermutigt er sie, weiter zu machen, jedoch nicht ohne sie vor den Unwägbarkeiten des Musikgeschäftes zu warnen.
Eines ihrer Demos führt schließlich zu einem Vertrag mit dem Major Universal. Ihrem Mentor King ist das alles eher unheimlich, was er ihr auch in deutlichen Worten zu verstehen gibt. Aber Nerina ist keine Frau, die sich in ihre Entscheidungen reinreden lässt. So nimmt sie ihr Debüt "Dear Frustrated Superstar" auf, das im August 2001 erscheint. Der Titel birgt natürlich ironisches Potenzial, was aber von der breiten Öffentlichkeit nicht so recht durchschaut wird. Es bewahrheitet sich wieder mal die alte Mär: Ironie verteht jeder!
Der Start in die Plattenkarriere verläuft dennoch vielversprechend, denn einige Medienvertreter verkünden den Release. Im Zuge der Promotion erhält Pallot eine Einladung in die britische TV-Show "Live And Kicking". Während sie schon auf dem Sofa sitzt, wird sie jedoch von den Machern aus dem Programm geworfen, da Faye Tozer, ehemalige Sängerin der Casting-Band Steps, stattdessen in der Show gastieren soll. Das alles ist live im Fernsehen zu sehen und lässt Nerina in einem eher lächerlichen Licht erscheinen.
Zu diesem Zeitpunkt will Universal das Debütalbum mit der neuen Single "Photograph", neuem Artwork und einigen Remixes im Gepäck neu auflegen, um eine Marketingoffensive zu starten. Nerina meldet sich daraufhin zu Wort, denn einen der Remixes findet sie gelinde gesagt zum Kotzen. Das teilt sie dem zuständigen Produktmanager des Labels auch offiziell via Messageboard mit, wodurch das Fass schließlich überläuft. Trotz des schon gesicherten Support-Slots für die anberaumte Bryan Adams-Stadiontour ist das Tischtuch zerrissen und Pallot verliert ihren Vertrag, ohne dass das Album nochmal eine Chance erhält.
In der Folge verfällt die Hübsche in eine Depression, sieht sie ihr Scheitern doch als persönlichen Misserfolg an. Vorläufig wendet sie sich komplett von der Musik ab und geht wieder an die Uni, mit dem Ziel, Englischlehrerin zu werden. Während dieser Zeit hält sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Da sie von den Videodrehs vom Label die Garderobe gestellt bekam, galt sie damals wohl als bestangezogene Babysitterin des Königreichs in ihren Prada- und Gucci-Outfits.
Aber so leicht geht Nerina dann doch nicht in Sack und Asche. Irgendwann nimmt sie sich noch einmal die alten Platten der Eltern vor, um sich daraus Ideen für eigene Songs zu saugen. Und es klappt, die Songs fliegen ihr nur so zu. Sie nimmt einen Kredit auf ihr Haus auf und reist in die USA. Dort nutzt sie ihre alten Kontakte, um sich in Aufnahmestudios zu schmuggeln, wo sie in hektischen Sessions ihre Songs aufnimmt, während die eigentlichen Mieter des Studios gerade in der Mittagspause sind.
Die neuen Songs, die dereinst auf das Album "Fires" gelangen, stellt sie daraufhin auf ihrer MySpace-Seite zum Download bereit. Innerhalb kürzester Zeit verkauft sich die Scheibe via Internet über 11.000 Mal. Eine Zahl, von der einige arrvierte Künstler trotz Promo im Rücken nur träumen können. Jetzt hat Pallot sämtliche Entscheidungen über die künstlerische Seite in ihrer Hand. Mit der Gründung des eigenen Labels Idaho fügt sie dem nur ein weiteres kleines Mosaikstückchen hinzu.
Das Album erscheint im April 2005 und kann mit "Everybody's Gone To War" einen veritablen Hit vorweisen, der im Vereinigten Königreich bis auf Platz 14 empor klettert. Der Selfmade-Erfolg macht natürlich wieder Labels auf Pallot aufmerksam. Schließlich unterschreibt sie beim Warner-Sublabel 14th Floor, die das Album neu abmischen lassen und mit neuem Cover auf den Markt werfen. Einer, der das Album neu bearbeitet, ist ein gewisser Howard Willing, der bereits für die Smashing Pumpkins, Stevie Nicks, OK GO und Melissa Auf Der Maur hinter den Reglern saß. Die Zweckgemeinschaft mündet schließlich in einer Ehe. Alles bingo so weit.
Bis die Kunde von Nerina Pallot auch in Deutschland zu vernehmen ist, dauert es jedoch noch ein wenig. Als sie im Vorprogramm von James Blunt auf dessen Teutonien-Tour spielt, begeistert sie nicht wenige Zuhörer. Das bringt ihr unter anderem auch einen Gig auf dem gerne zu spät kommenden Radio-Sender SWR 3 ein, wo sie im September 2006 beim New Pop-Festival auftritt. Kurz zuvor erscheint "Fires" auch in Deutschland.
Year Of The Wolf (2012)
Dear Frustrated Superstar (2001)
| Thema | Posts | Letzter Beitrag | |
|---|---|---|---|
| {ersteller.avatar} |
{thread.titel} {ersteller.name} |
{thread.antworten} |
{letzter.zeit} {letzter.name} |
Format
Homepage: