Porträt

laut.de-Biographie

OK Go

"Here It Goes Again". Man nehme acht Laufbänder, lasse vier Musiker darauf tanzen, halte das trashig auf Video fest und pflanze den Virus - respektive das Filmchen - ins Internet.

Ein paar Tage später erreicht die meisten Musikredaktionen ein Link zu diesem frenetischen Fitnesstanz, und die Band erhält eine Aufmerksamkeit seitens der Medien, die selbst den Auftritt eines Rod Stewarts oder Robbie Williams bei "Wetten dass..?" in den Schatten stellt. Der Clou dabei: Dies ist bereits der zweite Streich der Tanzverrückten. Offenbar sind hier nicht nur talentierte, sondern auch aufgeklärte Menschen am Werk.

Die Rede ist natürlich von OK Go, einer Powerpopband aus Chicago. Deren Ursprung liegt im Jahr 1998. Die Schulfreunde Andy Duncan (Gitarre, Keyboard), Tim Nordwind (Bass) und Dan Konopka (Schlagzeug) spielen in der Gruppe Stanley's Joyful, ehe der ursprünglich aus Washington D.C. stammende Damian Kulash (Gesang, Gitarre) hinzustößt. Gemeinsam gründen sie OK Go und, der Name verpflichtet, es geht los.

Damian, der sich schon zu Schulzeiten als Songwriter verdingte, erweitert stetig sein Repertoire und gibt die kreative Richtung der vier jungen Männer vor. Daraufhin wandeln sie auf den Pfaden von Weezer, Elvis Costello, den Pixies und Queen.

Neben unzähligen Proben und kleinen Auftritten (unter anderem bei dem Stelldichein aufstrebender Bands in Texas: South by Southwest) erscheinen 2000 zwei selbstbetitelte EPs, in den modischen Farben braun und pink. Da hat wohl jemand "Reservoir Dogs" gesehen. Nach einer Tour mit They Might Be Giants teilt man sich das Management mit den Riesen.

Zwei Jahre später bekommt die stetig wachsende Fanschar auf dem neuen Kontinent das erste, ebenfalls selbstbetitelte Album via Capitol vorgesetzt. Hier sticht besonders die Single "Get Over It" hervor, die das Debüt auf Platz 1 der amerikanischen Newcomer-Charts und die Musiker ins britische Top of the Pops-Studio katapultiert.

In Deutschland prognostiziert Charlotte Roche zum Erscheinen von "OK Go" 2003 der Band aus Chicago eine große Zukunft. Doch kurz danach schließt sich das Aufmerksamkeitsfenster der Indie-Öffentlichkeit trotz weiterer prominenter Fürsprecher (unter anderem Jay Leno, Ira Glass). Ok Go legen noch die "Do What You Want"-EP nach und begeben sich auf Tourneen durch die Szenen und auf die Bühnen der Welt.

Zwischendurch, es ist gerade Wahlkampf in den Vereinigten Staaten, schreibt Damian Kulash ein Pamphlet gegen den erneut kandidierenden US-Präsidenten. "How your band can fire Bush" trifft jedoch nicht den Geschmack aller, und so erreicht den Teilzeitautor eine Flut von Hatemails.

Zurück von der Straße begibt sich das Quartett in die Hände von Tore Johansson (Franz Ferdinand, The Cardigans) und nimmt im herbstlichen Malmö, Schweden, den "OK Go"-Nachfolger "Oh No" auf. Nach den Aufnahmen trennen sich die Musiker aufgrund der nicht unüblichen musikalischen Differenzen von Lead-Gitarrist Andy Duncan.

Dieser verdingt sich nun erfolgreich als Musikproduzent und wird durch Andy "Rusty" Ross ersetzt. Auch diesmal bringt Capitol das von Dave Sardy (Oasis, Red Hot Chili Peppers) abgemischte Werk im August 2005 auf den Markt, während sich OK Go kurzfristig in einen Garten zurückziehen. Das Quartett besinnt sich seiner Anfangszeiten, als man als Begleitband einer Radioshowtournee regelmäßig das Tanzbein schwang, und tanzt nach einer Choreographie von Trish Sie (Duncans Schwester) zur Single "A Million Ways". Das Low-Budget One-Take-Video veröffentlicht die Band bei YouTube.

Es dauert nicht lange und das Musikfilmchen ist das am häufigsten nachgefragte Video der Plattform. Günstig für die Jungs, dass nicht nur der Auftritt, sondern auch das Lied auf Gegenliebe stößt. Noch besser ist allerdings, dass mit "Here It Goes Again" der Überhit des Albums noch in der Hinterhand bleibt.

So choreographiert erneut Trish Sie zur zweiten Single einen Tanz, den OK Go auf Laufbändern vorführen. Die Aufnahme dazu sprengt sämtliche Grenzen diverser Videoseiten, durchläuft die euphorisierten meinungsbildenden Stellen und gipfelt in einen Liveauftritt der Band bei den MTV Video Music Awards 2006.

Vor dem begeisterten New Yorker Publikum wiederholen die konditionsstarken Vier ihr Workout, das Kameras dann mal aus mehr als einer Perspektive aufnehmen. So etwas hieß früher Durchbruch. Kurz darauf ziehen die Verkaufszahlen des Albums - hier im Frühjahr 2006 veröffentlicht - und der Single an. Die erneute Popularität nutzen OK Go für ausgiebige Tourneen, die im Herbst 2006 auch durch den alten Kontinent führen.

Ausgefallene Videos bleiben das Markenzeichen der Band und 2010 stürmen sie mit den schicken Clips "WTF?" und "You Too Shall Pass" die Bildschirme. Beide sind Songs des Albums "Of The Blue Colour Of The Sky".

Der Titel ist angelehnt an das Buch "The Influence Of The Blue Ray Of The Sunlight And Of The Blue Color Of The Sky" von General A.J. Pleasonton.

Mit neuer Musik im Gepäck stürmen die Vier erneut internationale Bühnen. Wer übrigens in die Fußstapfen der Video-Künstler treten will, kann das tun. OK Go stellen im Dezember 2009 in der News-Rubrik ihrer Homepage ein Tool zum Download bereit, das im Zusammenspiel mit einer Webcam ein persönliches Video im psychedelischen "WTF?"-Stil ermöglicht.

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