- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
Las Vegas, die glitzernde Show- und Spielerstadt hat interessanterweise noch keine relevanten Pop-Bands hervorgebracht. Bis The Killers auf den Plan treten. Im Jahr 2002 verlässt Brandon Flowers (Gesang, Keyboards) seine alte Band Blush Response und meldet sich auf eine Zeitungsanzeige. Da sucht ein Typ namens Dave Keuning (Gitarre) jemanden, mit dem er zusammen Musik machen kann. Von Anfang an verbindet die beiden ihre Liebe zu Oasis. Nachdem sie sich einige Bassisten und Drummer angesehen haben, entscheiden sie sich für Mark Stoermer als Basszupfer und Ronnie Vannucci als Schlagzeuger.
Der Bandname stammt kurioserweise aus einem New Order-Video, in dem eine fiktive Band namens The Killers auftritt. Die Songs der Killers entstehen meist in Zusammenarbeit von Flowers und Keuning - im Wohnzimmer des einen oder des anderen. Die Proben finden anfangs in Vannuccis Garage statt. Als er sein Haus verkauft, schleichen sie sich heimlich in einen Proberaum der University of Nevada, Las Vegas, wo er studierte.
Mit einem Haufen geschriebener Songs im Gepäck machen sich The Killers auf, die Welt zu erobern. Das britische Erstsemester-Käseblatt NME findet schnell Gefallen an den Newcomern und Island Records hält den Jungs bald einen Vertrag unter die Nase.
Der Rest ist reguläre Bandgeschichte, nach einer Tour mit British Sea Power folgen die Aufnahmen für ihr erstes Album. Weder Buschfeuer noch Erdbeben halten die vier auf, und so haben sie nach drei Monaten im Studio endlich "Hot Fuss" im Kasten.
Schnell entwickeln sie sich zu Everybody's Darling. Hohe Positionen in den britischen Charts folgen, mit dem Re-Release von "Somebody Told Me" landen sie einen Top-5-Hit. Die Band erspielt sich auch eine ansehnliche Fanbase in Deutschland. Und auch im Heimatland USA geraten die Dinge langsam ins Rollen. Ergebnis: Mehr- und Einfachplatinhagel in den USA, England, Australien und Kanada.
Ihr Idol Morrissey läd sie ein, einige Shows für ihn zu eröffnen und U2 nehmen die jungen Musiker mit auf den europäischen Teil ihrer Tour. Die Killers genießen den schlagartig über sie gekommenen Ruhm. Danach ziehen sie sich nach Las Vegas zurück, um ein neues Album aufzunehmen.
Erste Details zum neuen Album künden von einem Imagewechsel, mit der Hilfe von Fotolegende Anton Corbijn wechselt das Artwork von vormals schillernd bunt nach schwarz-weiß. Die Jungs lassen sich Bärte wachsen und betonen lässig das Erwachsensein.
Auch die Musik von "Sam's Town" (2006) unterscheidet sich deutlich vom Erstling: The Killers rocken mehr, haben die Gitarren mit Hilfe der Produzenten Flood und Alan Moulder nach vorne geholt und die Keyboards etwas leiser gedreht.
Vor dem nächsten regulären Album veröffentlichen die Killers Ende 2007 zunächst eine Scheibe mit B-Seiten, Raritäten und Remixen älterer Titel, darunter auch einen neu aufgenommenen Song namens "Tranquilize". Bei dem Duett teilt sich Frontmann Brandon Flowers das Mikro mit Lou Reed.
Auf ihrem dritten Studioalbum, das ein Jahr später erscheint, gehen sie den eingeschlagenen Weg, weg von New Wave, hin zu Stadion-Rock und Pop weiter. "Day & Age" bekommt von Stuart Price (Madonna und Gwen Stefani) ein Dancefloor- und Chart-taugliches Soundgewand. Die Single "Human" zeigt, dass er (und die Killers) dabei alles richtig gemacht haben, es wird ihr weltweit größter Charterfolg bis dato.
Sie touren ausgiebig rund um den Globus und dürfen auch in der altehrwürdigen Royal Albert Hall in London spielen, was auf einer Live-DVD festgehalten wird. Die Welt-Tournee, der Ruhm und persönliche Schicksalsschläge (Flowers' Mutter stirbt an einem Hirntumor) verlangen der Band einiges ab. Anfang 2010 legen sie eine Pause ein, die eineinhalb Jahre andauert.
Faul sind sie während dieser Zeit aber nicht. Die einzelnen Bandmitglieder veröffentlichen nach und nach Solo-Alben. Den Anfang macht Flowers mit "Flamingo", Schlagzeuger Vannucci legt mit "Big Talk" nach und Ende 2011, als die Band schon wieder gemeinsam an Songs arbeitet, legt Bassist Stoermer sein Solo-Debut "Another Life" vor.
Einzig Keuning, der als Lead-Gitarrist zusammen mit Flowers praktisch alle Killer-Hits geschrieben hat, bleibt in dieser Zeit stumm. Mitte 2011 ist die Band wieder heiß auf ein neues Killers-Album und findet sich im Studio zusammen, um "Battle Born" einzuspielen.
Die Amerikaner haben vielleicht die steilste Musik-Karriere ihrer Zeit hingelegt, und das in den vom vermeintlichen Niedergang der Musik geplagten 2000ern. Etwas anderes haben sie auch nie angestrebt, wie sie stets gerne zu Protokoll geben. Dennoch sei Ruhm nicht das Erstrebenswerteste. Flowers bringt es in einem Interview mit dem Spin-Magazin auf den Punkt: "Vielleicht ist das Konzept vom Mega-Rockstar-Dasein wirklich überholt. Ich hoffe jedoch, dass es das nicht ist. Die Leute denken, wir wollen nur um der Berühmtheit willen berühmt sein, aber das stimmt nicht. Am Ende lieben wir einfach die Musik und sind dankbar, dass wir da sind, wo wir sind."
Brandon Flowers über Cowboys in Vegas, den Weltraum und "Sam's Town".
Mit ihrem Debütalbum "Hot Fuss" haben The Killers richtig abgesahnt. Sie eröffneten nicht nur für ihr großes Vorbild Morrissey, sondern teilten sich auch mit U2 die Bühne. Nach zwei Jahren klingelt Nachschub an der Pforte: Das Quartett stellt sein zweites Machwerk vor. Zu diesem Anlass sprach Brandon Flowers mit laut.de über Cowboys in Las Vegas, den Druck beim Songwriting und darüber, wie die Band sich in den Weltraum begab, um völlig verändert zur Erde zurückzukehren.
Brandon Flowers wirkt unruhig. Vor dem Interview fragt er schnell die Promoterin, wie viele "von denen" denn noch kämen. Ein paar noch, lautet die Antwort - er nimmt sie halbwegs gefasst auf und setzt sich. Der als zeitweilig launisch bekannte Sänger scheint auf einem einem Ameisenhaufen anstelle eines Stuhls Platz zu nehmen. Denn das nervöse Zappeln seiner Füße hält konstant in einer enormen Lautstärke an, so dass es anschließend deutlich auf dem Band zu hören ist - als beatlastiger Soundtrack eines Gesprächs. Die Hände auf der Tischplatte, widmet er sich mehr oder weniger geduldig den Fragen. Ein Treffen aus der Kategorie "interessant".
Bevor ihr ins Studio gegangen seid, hast du gesagt, du wärst im Begriff, das wichtigste Album deines Lebens aufzunehmen. Jetzt, da es fertig ist: Denkst du, dass es dieses wichtige Album geworden ist?
Brandon Flowers: Ja, ich denke schon. Das muss es sein, wir standen in der Pflicht, das beste Album zu machen, zu dem wir in der Lage sind. Das gilt aber für jede Platte, und ich hoffe, dass es sich für mich bei der dritten genauso anfühlt. Zu diesem Zeitpunkt ist es definitiv ein Wendepunkt für uns. Mit dem zweiten Album muss man sich festigen. Viele Leute werden schwächer. Wir wollten aber mit rauchenden Colts herauskommen. David Bowie hat "Hunky Dory" mit 24 gemacht, Bruce Springsteen hat mit 24 an "Born To Run" gearbeitet und ich war 24, als mir klar wurde, dass ich mich fragen muss; dass wir uns auch gegenseitig fragen müssen, ob wir es in Angriff nehmen wollen. Wir wollten es richtig machen.
Der NME schrieb, dass ihr Anfang des Sommers immer noch einige Songs nicht fertig hattet. Hat euch dieser seit langem feststehende Veröffentlichungstermin in der letzten Phase der Produktion unter Druck gesetzt?
Flowers: Ja, da war eine Menge Druck. Der Druck lag vor allem auf mir, ich musste die Texte fertig schreiben, sie perfekt machen. Das ist meine Aufgabe. Die Songs waren bereits großartig, und ich musste nur noch die passenden Worte finden.
Was war besonders schwer daran, sie zu schreiben?
Flowers: Es fällt mir ziemlich leicht, mir eine Geschichte auszudenken. Aber diese Songs sind realer. Ich wollte, dass sie echter sind. Das war sehr schwer für mich und hat seine Zeit gebraucht.
Das ist mir in dem kurzen Pre-Listening auch aufgefallen. "Hot Fuss" war von den Texten her ziemlich fiktional angelegt. So weit ich das beurteilen kann, sind sie jetzt persönlicher.
Flowers: Ja, deshalb hat es so lang gedauert. Manchmal war es mir peinlich, so persönliche Dinge zu schreiben. Aber jetzt fühlt es sich gut an.
Was war der Auslöser dafür, mehr von dir selbst preiszugeben? War es eine bewusste Entscheidung von dir?
Flowers: Ja, ich habe mich dazu entschieden. Ich wollte eine Verbindung zu den Menschen aufbauen. Es wird immer noch ein großer Spaß sein, wenn man sich die Killers anschaut. Wir werden sie live nicht enttäuschen, es sollte aufregend und etwas übertrieben sein. Aber die Songs sollen verbinden.
Hast du dich thematisch auf etwas Bestimmtes konzentriert?
Flowers: (denkt nach) Es geht darum, derjenige zu werden, der man für den Rest seines Lebens sein wird und sich beim Gedanken daran wohl zu fühlen. Es geht um die Erfahrungen, die man machen muss, um dorthin zu kommen. Ich mag die Zeile aus "Strawberry Fields", wo John Lennon schrieb "It’s getting hard to be someone, but it all works out". Darum geht es im Prinzip auf dem Album insgesamt.
Der Song "Why Do I Keep Counting" handelt von deiner Flugangst. Vor der Veröffentlichung von "Hot Fuss" haben David und Ronnie davon erzählt, dass sie eigentlich diese Flugangst teilen, seitdem ihr einmal in richtig starke Turbulenzen gekommen seid. Habt ihr die Angst mittlerweile gezwungener Maßen überwunden?
Flowers: Die anderen Jungs fühlen sich jetzt wohl im Flugzeug. Mein Problem mit dem Fliegen ist größer als ihres, aber ich muss es tun, es wird schon werden.
Was bedeutet es für dich, ständig fliegen zu müssen?
Flowers: Ich hasse es. Es fühlt sich an, als wäre ich in einem Sarg.
Die Wege zwischen euren ersten Promoterminen in Deutschland damals habt ihr mit dem Zug zurückgelegt. Fliegt ihr jetzt auch innerhalb des Landes?
Flowers: Wir fahren jetzt so viel wie möglich mit dem Bus.
Flowers: (grinst) Einige Leute nehmen das an. Wir versuchen, nicht darüber zu sprechen. (lacht)
Warum?
Flowers: Es ist jetzt nicht so, dass wir versuchen, besonders mysteriös zu sein - Musik sollte ein wenig unklar und mehrdeutig sein. Die Leute sollen das Album auch für sich selbst entdecken und es genießen. Wir denken "Sam's Town" ist ein Ort, an den sich die Menschen mal begeben sollten.
Das Album wirkt wie ein Werk, das konzeptionell zusammenhängt. Es gibt ein "Enterlude" und ein "Exitlude", wie man eben auch in eine Stadt hineingeht und sie schließlich wieder verlässt.
Flowers: Es ist fast ein wenig traurig, wenn man sie am Ende verlässt. Man will zurück, weil es dort gar nicht so übel ist. Dort leben wir. Es ist zwar in Amerika, trotzdem hoffe ich aber, dass es den Leuten in Deutschland genauso gefällt wie mir.
Also nicht zwingend ein physisch vorhandener Ort?
Flowers: Ja, genau.
Viele Songs sind nicht so eingängig und poppig wie jene auf "Hot Fuss". Man möchte das Album noch einmal hören, sich hineinfinden. Die Songs, wie zum Beispiel "Sam's Town", haben mehr Teile und sind oft auch etwas komplexer angelegt. Wolltet ihr ein komplexeres Album schreiben?
Flowers: Wir wollten es nicht komplexer machen, sondern wir wollten verschiedene Rezepte anwenden. Ich denke, dass es immer noch Popsongs sind, manche sind vielleicht heavyer als auf dem ersten Album. Wir wollten verschiedene Arrangements ausprobieren, deshalb ist es so geworden.
War es eine bewusste Entscheidung von euch, die Synthesizer und Keyboards mehr in den Hintergrund zu rücken und die Gitarren nach vorn zu holen?
Flowers: Wir hatten einige großartige Gitarrenparts von David, die dann auch präsenter sein mussten, das ist einfach gut.
Der Sound der Platte erscheint etwas geerdeter. Hat es damit zu tun, dass ihr lange von der Glitzerwelt Las Vegas weg wart?
Flowers: Ich glaube schon. Wir waren im Weltraum und sind wieder zurückgekommen (lacht), das war gut für uns. Wir haben mehr darüber herausgefunden, wo wir herkommen. Ich hasse das Wort "ehrlich" in diesem Zusammenhang zu benutzen … es ist mehr, wie du gesagt hast ..wie könnte man es noch ausdrücken … (überlegt lange und zappelt mit den Beinen herum) ... ich weiß nicht, lass uns sagen, es ist mehr wie … eine Eiche (lacht).
Das, was mit eurer Musik passiert ist, scheint sich auf eure äußere Erscheinung niedergeschlagen zu haben. Ihr habt euer Aussehen ziemlich radikal verändert.
Flowers: Wir saßen nicht wirklich viel herum und haben darüber diskutiert, aber es hat sich einfach richtig angefühlt. Wir beziehen damit unsere "Western"-Wurzeln ein. Es gibt zwei Seiten von Vegas: Die moderne Seite mit den Lichtern und so - und dann gibt es auch das alte Las Vegas in der Wüste und in den Bergen, das ziemlich cowboymäßig ist.
Aus welchem Teil seid ihr?
Flowers: Wir sind aus dem alten, Western-Teil von Las Vegas, draußen in der Wüste. Wir leben nicht auf dem Strip. Wir sind aber in der Lage uns mit beiden Bereichen zu identifizieren.
Flowers: Jeder hat Sachen zu Hause geschrieben und dann haben wir sie mit allen im Übungsstudio gespielt. Die Ideen kamen aus vielen verschiedenen Richtungen. Das war gut. "For Reasons Unknown", "Bones" und "My List" wurden im Bus geschrieben, "Why Do I Keep Counting" habe ich zu Hause auf meinem Bett geschrieben. An "When You Were Young" waren wieder alle zusammen beteiligt.
Wo du gerade über Bus und Bett sprichst: Fühlst du dich an manchen Orten kreativer als an anderen?
Flowers: Nein, es ist mehr der Moment. Man kann sich nicht dagegen wehren, wenn die Ideen kommen.
Haltet ihr eigentlich Kontakt zu euren alten Freunden?
Flowers: Ja, wir sehen sie, wenn wir zu Hause sind. (Mit ironischem Tonfall:) Außerdem sind diese Mobiltelefone einfach erstaunlich, man kann zu allen möglichen Menschen Kontakt halten (hebt sein stylishes Handy vom Tisch auf, das ein wenig nach Raumschiff aussieht).
Ich meinte das eher in diesem Sinne: Fühlt es sich nicht unwirklich an, wenn man von der einen Welt in die andere kommt? Wenn man sich erst mit Bono und Elton John trifft und hinterher seine alten Freunde sieht? Es sind doch sicherlich getrennte Welten oder mischt sich das?
Flowers: Manche Leute, die wir kannten, wussten nicht, wie sie sich uns gegenüber verhalten sollten. Aber in den meisten Fällen haben wir da viel Glück und es hat sich nicht viel verändert.
Wie kam es eigentlich zu der Bekanntschaft mit Elton John?
Flowers: Elton lebt zeitweise in Las Vegas, weil er dort für drei Monate pro Jahr eine Show hat. Er besucht uns und wir ihn. Es ist jetzt aber auch nicht so, dass wir ihn ständig sehen. Vielleicht einmal im Monat.
Könntest du dir vorstellen, eine feste Show in Las Vegas zu haben?
Flowers: Eines Tages, wenn wir genug Hits haben, klar. Nach zwanzig Jahren oder so sind wir oft genug zu den Leuten gekommen, dann sind sie dran, zu uns zu kommen (lacht).
The Killers-Drummer Ronnie Vannucci spricht über das Leben in Las Vegas, Hunter S. Thompson und seine Erlebnisse mit eigenen Idolen.
Es liegt Schnee in München und The Killers sind erkältet. Drummer Ronnie Vannucci erscheint zum Interview-Termin in der Muffathalle am späten Nachmittag im dicken Wintermantel mit hochgestelltem Kragen und einem Vitamindrink in der Hand. Er wirkt auf Anhieb sympathisch, vor allem weil er nicht so gestylt ist wie auf den Pressebildern. Neben ihm steht ein Kumpel aus Las Vegas, Typ Mars Volta-Afro, der zuhause offenbar wenig zu tun hat und deshalb ein bisschen Urlaub mit den Killers in Europa macht.
Unglaublich kalt sei es hier in Deutschland, bemerkt der hustende Ronnie immer wieder, nachdem er höflich gefragt hat, ob sein Freund beim Interview dabei sitzen darf. Weil Sänger Brandon bereits ziemliche Probleme mit der Stimme hat, sollte das Kölner Konzert drei Tage später ausfallen. Nach dem Gespräch im Muffatcafé gibt mir der Drummer zur Verabschiedung die linke Hand, denn "in die andere habe ich reingehustet."
Erste Frage: Schon das neue New Order-Album gehört?
Nein. Das ist in Amerika doch noch gar nicht draußen, oder?
Hier auch nicht. Aber es hätte ja sein können.
Ich glaube, ich habe die Single schonmal gehört, aber ich bin mir nicht sicher. Wie ist die Platte?
Sie ist gut, wenn auch nicht ganz so gut wie "Get Ready". Eine Spur elektronischer vielleicht.
Gut.
Fieberst du denn mit alten, noch aktiven Helden deiner Jugend mit, was neue Veröffentlichungen angeht?
New Order gehören definitiv zu unseren Idolen, auch wenn sie mal eine schlechtere Platte veröffentlichen. Musik ist nunmal sehr subjektiv. Wenn du eine super Platte machst, die von allen bejubelt wird, willst du dich danach als Künstler ja trotzdem weiter entwickeln. Was dann dabei heraus kommt, mögen die einen als totalen Scheiß ansehen, die anderen als Glanzleistung.
Ich sprach neulich mit New Order-Bassist Peter Hook, der auf meine Frage, was er von den jungen Bands halte, die New Order als große Inspiration für das eigene Schaffen ansehen, antwortete, er könne manchmal überhaupt nicht verstehen, was jene Bands denn mit New Order gemein hätten. Überrascht dich das?
Nein. Ich glaube auch nicht, dass Marks Bassspiel dem von Peter Hook ähnelt. New Order sind eine Band, mit der wir aufgewachsen sind, eine von vielen. Es gibt sicher einige Elemente in unserer Musik, die ihnen ähneln, aber mindestens so viele, die nach ganz anderen Bands klingen. Ich denke, es ist vor allem ein Spiel für die Medien, die manchmal nicht aufhören können, nach tieferen Erleuchtungen zu suchen, auch wenn es überhaupt keine gibt.
Mit der Wahl eures Bandnamens habt ihr euch aber selbst in die unmittelbare Nähe New Orders gerückt. (The Killers lautete der fiktive Name der Band, die im New Order-Video "Crystal" ihre Idole spielte, Anm. d. Red.)
Oh, das war reiner Zufall. Es war einfach nur ein New Order-Video, es hätte aber genauso gut ein M&M-Clip oder wasweißichwas sein können. Es ist einfach ein perfekter Bandname. The Killers.
Euer Erfolg kam ja quasi über Nacht, eine Single erschien, Amerika jubelte, dann jubelte der NME, dann Deutschland. Für euer Album habt ihr gerade drei Grammy-Nominierungen erhalten. Wie kann man da eigentlich am Boden bleiben?
Zuhause habe ich eine Frau, die auf mich aufpasst. Und natürlich sind Freunde wichtig wie er (zeigt auf Kollege Afro). Es gab da eine Situation, in der ich mich arrogant verhalten habe, worauf ich überhaupt nicht stolz bin. Ich mochte die Person nicht, die ich in dem Moment war. Ein Security hielt mich fest, wollte mir den Weg versperren und ... naja.
Und dir ist die Hand ausgerutscht?
Naja, so ähnlich. Es war im Club und die Frau hatte so ein gelbes Security-Shirt an, eines dieser supercoolen Security-Shirts. Ich berührte es und sie schrie mich sofort an, ich solle meine Finger weglassen, wer ich denn sei und überhaupt. Sie machte eine Riesen-Szene. Ich sagte ihr wer ich bin, wollte an ihr durchgehen, aber sie hielt mich fest und brüllte mich weiter an. Anschließend machte ich eben etwas, was ich normalerweise nicht mache. Naja.
Seither versuche ich so zu handeln, wie ich erzogen worden bin, und das ist nunmal, freundlich zu anderen Menschen zu sein. Schließlich konnte die Frau zunächst wirklich nicht wissen, wer ich bin, ich trage ja keine Shirts, auf denen mein Name steht. Doch um nochmal zu deiner Frage zurück zu kommen: Du spürst den Erfolg fast nicht, weil alles so schnell geht. Shows, Interviews, Busfahrten, da bleibt nicht viel Zeit.
Trösten Plattenverkäufe und Grammy-Nominierungen über Kritiken hinweg, die euch vorhalten, den Glamour eurer Heimat Las Vegas mit in eure Musik übertragen zu haben?
Nun, am Anfang wussten wir nicht, wie wir damit umgehen sollen. Wenn du in Vegas lebst, bist du an den ganzen Glanz und den Glamour gewöhnt. Eigentlich merkten wir erst auf unseren Reisen in fremde Städte, wie verschieden wir wirklich vom ganzen Rest sind, was die Stadt für einen Einfluss auf uns hatte. Der Showaspekt, die ganzen Lichter auf der Bühne, unsere Anzüge; das ist nicht mehr so weit weg von Auftritten, wie sie Sammy Davis Jr. gemacht hätte. Außer seinem Glasauge vielleicht ... Im Ernst: es gab doch noch nie eine Rock'n'Roll-Band, die aus Las Vegas stammt, und die die ganzen Merkmale der Stadt einem größeren Publikum da draußen vorstellt. In gewisser Hinsicht helfen wir da ein bisschen mit und das ist cool.
Findest du, euer Vegas-Input reduziert sich auf eure Bühnenkostüme?
Nein, dazu zählen auch die Texte und die Musik. Die ganze Art eben, wie wir sie präsentieren. Es ist nicht bloß eine bestimmte Ästhetik. Für uns ist es einfach stinknormal, aus Las Vegas zu kommen. Wir sind dort geboren, dort aufgewachsen, haben uns dort kennen gelernt. Alles ist offen, alles ist umsonst, welcome to Las Vegas.
Hast du eine Idee, wieso es noch keine Band aus Vegas geschafft hat, in Europa Fuß zu fassen oder zumindest eine Erinnerung zu hinterlassen?
Vegas ist eine Transitstadt. Aber ein paar Leute gibt es schon, zum Beispiel Crystal Method. Okay, zumindest leben sie dort, ich habe keine Ahnung, ob sie dort geboren sind. Und natürlich Mark Slaughter von der Band Slaughter. Kennst du, oder?
Nie gehört.
Mark Slaughter? singt: "Up all night, sleep all day" Nein? "Fly To The Angels"?
80er Jahre?
Oh ja, und wie. Egal, ein paar von denen kamen aus Vegas, sind dann aber nach L.A. gegangen. Ich glaube, wir sind die ersten, die Erfolg haben und dort wohnen bleiben. Es hat vielleicht auch damit zu tun, dass Vegas nie so etwas wie einen Rock'n'Roll-Ursprung hatte, eine Szene. Und kam doch mal eine, verschwand die schneller, als sie gekommen war. Ich war zwar letztes Jahr nicht oft zuhause, aber es gibt wohl trotzdem immer noch keinen Ort, an dem sich Bands oder eine Szene finden könnten. Natürlich gibt es dort auch Songwriter und gute Musiker, aber die meisten hauen eben schnell wieder ab. Ständig ziehen Leute weg und machen Platz für neue, so ist das eben.
Dafür kommen Elton John und Celine Dion zu euch in die Hotels und bleiben auch gleich eine ganze Weile.
Ja, und das ist auch toll. Wir haben Elton erst kürzlich gesehen, als wir wieder mal zuhause waren. Du sitzt da und siehst eine normale Elton John-Show, aber die findet nunmal im Caesars statt. Das macht er ein paar Mal im Jahr und hat seinen Spaß. Nichts gegen Tourneen, aber das wäre nun wirklich der Wahnsinn: verstellt die Stimme Ja, ich bin auf Tour. Ich verdiene mir meinen Lebensunterhalt mit 50 Auftritten im Jahr. Aber hey, ich mache sie bei mir zuhause! Fantastisch!
Ich glaube, die Band Alabama hat das so gemacht. Die haben irgendwann gesagt, nö, wir spielen nur noch zuhause. Sie müssen irgendwelche Investoren aufgetan haben, die ihnen zuhause ein riesiges Gebäude hingebaut haben, fast Stadiongröße, 9000 Leute oder so. Und dort spielten sie dann, in Alabama. Sie waren eine Band, nahmen Platten auf, gingen auf Tour, mussten dabei aber ihre Familie nicht verlassen. Das sollten wir auch machen.
Du musst Vegas ja sehr vermissen.
Oh ja, ich kann meine Tränen gerade nur mit Mühe zurück halten. (lacht) Ich würde das Touren als notwendiges Übel bezeichnen. Wir müssen das hier jetzt eben tun, und es macht natürlich auch großen Spaß. Dafür schläfst du wenig, isst sonderbare Sachen und sprichst mit seltsamen Deutschen, die Schnurrbärte tragen ... (lacht) Nein, natürlich ist es schön, nach Hause zu kommen, aber der Ausgleich ist, für Menschen spielen zu dürfen, die 6000 Meilen entfernt leben. Ohne jetzt klischeehaft klingen zu wollen, aber das ist wirklich der Ausgleich für uns alle.
Vor einigen Tagen starb Hunter S. Thompson ...
Pshhhh ... setzt seinen Zeigefinger an die Stirn
... dessen Sicht auf eure Heimat weltbekannt wurde, vor allem nach der erfolgreichen Verfilmung. Wie siehst du seine Beschreibungen, sind sie überzogen?
Naja, ich denke, alles kommt irgendwie übertrieben rüber, wenn du halluzinogene Drogen eingenommen hast. Egal welcher Art. Schon ein Augenaufschlag kann dann unglaublich überzogen wirken. Aber ich kann dir versichern, dass Las Vegas auch ohne Drogen ein sehr surrealer Ort ist. Es ist unwirklich, lebendig, es ist so ...
... voller Freaks?
Oh yeah. Wobei jede große Stadt eine Menge Freaks hat, bei uns sind sie nur mehr im Rampenlicht. Es ist aufregend. Aber Thompsons Sicht auf Vegas war nicht völlig verzerrt. Ich hatte auch einige Nächte, in denen es mir so ähnlich erging - und ich war nüchtern!
Stichwort: Aufregung. Vor etwa einem Jahr habt ihr mit den Dirtbombs zusammen gespielt und Renée Zellweger stand im Publikum. Erinnerst du dich an einen Auftritt, bei dem du richtig Schiss vor einem großen Namen hattest?
Also bei Renée waren wir nicht nervös. Lass mich überlegen. Ja, natürlich als Morrissey uns fragte, ob wir für ihn fünf Shows eröffnen könnten, von denen wir dann aber nur zwei machen konnten. Wir waren gerade beim Soundcheck, seine Band war zwar schon länger da, aber er nicht, und wer erwartet das schon. Plötzlich kommt er in die Halle, bleibt genau vor der Bühne stehen und schaut uns an. (verschränkt die Arme und schaut grimmig)
Ich meine, für die meisten von uns waren die Smiths der Einstieg in die Musik überhaupt, und da steht dieser Typ ... es war heftig! Seitdem wir immer populärer wurden und auch mit anderen Bands zusammen spielen, freundet man sich auch untereinander an. Da gehören dann auch mal eigene Idole dazu, zum Beispiel die Jungs von U2.
... für die ihr im Sommer ja vier Festival-Shows eröffnen dürft. Ich nehme an, ein Bandmitglied hat euch live gesehen.
Ja, so war es. Brandon und ich waren nach unserem Dublin-Konzert noch auf einer Aftershow-Party und plötzlich stand Bono vor uns. Adam Clayton, der Bassist, besuchte unsere letzte Show in London. Mit Noel, um ehrlich zu sein, von Oasis ... (lächelt etwas verschämt)
Ich stehe wirklich nicht auf Namedropping, aber es ist schon wahnsinnig aufregend, die Stars der eigenen Jugend zu treffen. Vor einem Jahr spielten wir noch mit den Dirtbombs aus Detroit. Bei uns weiß kein Mensch, wer die Dirtbombs sind.
Hier leider auch nicht, sie sind eine Underground-Band.
Yeah, und das ist sehr schade, denn sie sind großartig. Aber es ist schon verrückt, wenn man so drüber nachdenkt. Da kommen Leute, die du bewunderst, aufgrund von etwas, das du geschaffen hast. Was wiederum großartig ist.
Brandon meinte einmal in einem Interview, euer Ziel müsste sein, ein "Where The Streets Have No Name" hinzukriegen. Wo befindet ihr euch diesbezüglich momentan?
Oh, wir sind noch weit entfernt. Ich denke, er meinte damit, dass wir als Band gerne an den Punkt kämen, Songs geschrieben zu haben, an denen man die Rechte nicht mehr besitzt, verstehst du? "Roxanne" gehört heute der Allgemeinheit und nicht mehr The Police. Jeder kennt den Song und jeder liebt ihn. genau wie "Where The Streets Have No Name", "I Wanna Hold Your Hand" oder "Imagine". Das ist wahrer Erfolg, nicht die Schecks, die man einsteckt.
Mit der modernen Technologie kann heutzutage jeder ein Album aufnehmen, so bescheiden das Ergebnis auch klingt. Deshalb ist es wichtig, dass man etwas schafft, was die Leute bewegt, und an das sie sich später zurück erinnern. (verstellt die Stimme:) Hey, bist du nicht der Typ, der 'Rock Me Amadeus' geschrieben hat?! So muss es laufen! Armer Falco! Rest in peace. Wir haben gestern in Wien gespielt und er war bei mir.
Falco ist super. Habt ihr 'ne Coverversion gespielt?
(lacht) Das hätten wir machen können, unser Gitarrist ist ein großer Fan. Falco ist tight. Ich habe sogar schon darüber nachgdacht, mein erstes Kind Falco zu nennen. Falco Vannucci. Aber ich glaube, das hat noch eine Weile Zeit.
Letzte Frage: was hörst du momentan auf deinem iPod?
Tja, da ist so einiges drauf. Teegan & Sara, zwei Mädchen aus Kanada, mit denen wir bald touren werden. Sie klingen ein wenig nach Juliana Hatfield, oder nach der Richtung, die Juliana hätte einschlagen können. Aber nichts gegen Juliana, sie ist auch super, ich meinte nur ... Okay, dann höre ich gerade viel von Louis XIV aus San Diego, der mich an T-Rex erinnert und die neue Rufus Wainwright ist auch klasse.
Ach ja, und natürlich die neue Hives. Ich weiß, die ist schon eine Weile draußen, aber hey, "Two-Timing Touch And Broken Bones", gibt es bessere zwei Minuten Rock'n'Roll? Der Song trägt "Steppin' Stone" auf ein noch höreres Level, und sie kommen damit durch. Großartige Band. Die Liste ist endlos, Ambulance aus New York sind sehr gute Freunde von uns und ihre Fähigkeiten als Musiker sind allererste Klasse.
Und die neue Moneybrother?
Wer?
Moneybrother aus Schweden.
Äh, nein. Oh warte, doch doch, ich habe davon gehört.
Er grüßt euch auf seinem neuen Album.
Really? Moneybrother? Woher kenne ich das? In Schweden tourten wir jedenfalls mit Ambulance ... Wie ist die Platte?
Sie ist gut, aber anders als das Debüt. Statt The Smiths mit viel Soul steht er jetzt auf Streicher.
Moneybrother ... ein Wort, ja? Verflixt! Streicher sagst du? Also sowas wie Divine Comedy?
Nein, eher Streicher im Sinne von Adam Green. Seine Songs sind schon rockig.
Gut. Ich liebe Streicher. Also muss ich mir die Platte unbedingt besorgen. Er grüßt uns, cool!
Das Interview führte Michael Schuh.
| Fr | 07.06.2013 | The Killers Rock Am Ring (Nürburg) | |
| Sa | 08.06.2013 | The Killers Rock im Park (Nürnberg) |
19,99 €
16,99 €
27,99 €
7,99 €
10,99 €
23,99 €
16,99 €
14,95 €
11,87 €
19,90 EUR
| Thema | Posts | Letzter Beitrag | |
|---|---|---|---|
| {ersteller.avatar} |
{thread.titel} {ersteller.name} |
{thread.antworten} |
{letzter.zeit} {letzter.name} |
|
Day & Age Screwball |
11 |
25.06.09, 14:40 Olsen |
|
|
The Killers waren in der Schweiz, warst du dorthin Ja/Nein? Delph |
1 |
02.04.09, 19:59 Delph |
|
|
The Killers live supersonic_hh |
16 |
29.03.09, 14:35 joelatte |
|
|
Neues Album Der Wer |
6 |
15.12.07, 18:04 Torti |
|
|
The Killers Rockherz |
20 |
27.06.06, 21:12 my own summer |
Format
Homepage: