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"Everyday I love you less and less / It's good to see that you've become obsessed / I got to get this message to the press / That Everyday I love you less and less." Hört sich irgendwie an, als rede da jemand über den medial begleiteten Split der Libertines. Auch der Name klingt verdächtig nach einer jungen, erfolgreichen Band aus dem britischen Kaiserreich: Kaiser? Franz? Ferdinand? Nein! Es geht hier um eine andere Band, die die Presse auf der Insel natürlich auch als das 'Next Big Thing' handelt. Und das nicht zu Unrecht.
Die Kaiser Chiefs stammen aus Leeds. Bei der Gründung im Sommer 2003 sei das erklärte Ziel gewesen, einmal beim Leeds-Festival (das nördliche Pendant zum bekannteren Reading-Festival) einen der frühen Slots zu ergattern. Darüber sind sie nicht mal zwei Jahre später mehr als hinausgewachsen.
Seit sie 15 sind, versuchen sich die Schulfreunde Nick Hodgson (Drums und Vocals), Simon Rix (Bass) und Nick "Peanut" Baines (Keyboards) gemeinsam in verschiedenen Schülerband-Konstellationen. Ricky vergnügt sich zur selben Zeit als Sänger einer Rolling Stones-Coverband. Die Jungs überlegen, ihn zu engagieren, befinden den Sänger jedoch zunächst für uncool.
Im Move On Up, dem 60s-Club in Leeds, laufen sich die vier immer wieder über den Weg. Ricky und Nick battlen sich dort in Sachen Dance-Skills. Obwohl sie später singen, "I was born to be a dancer", merken sie, dass ihre Freundschaft mehr hergibt als ihre eher schlechten Dance-Moves. Gemeinsam mit dem Gitarristen Andrew "Whitey" White gründen sie die Band Prava.
Angeblich orientieren sie sich am gerade angesagten Indie-Zeug wie Jet, den Kings Of Leon oder den Hives. Liegt ihnen dann aber doch nicht so. Als ein schon versprochener Plattenvertrag platzt, besinnen sie sich darauf, über das zu singen, was ihnen am meisten liegt: Ihren eigenen Alltag mit Geld- und Frauen-Problemen. Als musikalische Vorbilder stehen nun eher klassische Brit-Popper wie die Beatles und die Kinks bis hin zu Blur Pate. Auch der Name ändert sich: Kaiser Chiefs - nach einem südafrikanischen Fußballteam (das sich allerdings mit z im Kaizer schreibt).
Der neue Sound steht ihnen gut. Das in Nicks Zimmer produzierte "Oh My God" gelangt in die Finger der Drowned In Sound-Labels. Das bringt die Single auf den Markt und in die britischen Charts. Der nächste Output "I Predict A Riot" auf B-Unique schafft es sogar in die Top 20. Steve Lamacq, der Indie-Fritze bei Radio 1, spielt die Chiefs, der NME nimmt sie u.a. mit Bloc Party auf Tour.
Auch in den USA bekommt man Wind von den neuen britischen Hipstern. Die Alternative-Radiostationen spielen ihre Hits. Nachdem die Chiefs in England zunächst keiner haben wollte, kämpfen nun plötzlich die amerikanischen Labels um den Hot Shit. Universal hat die Nase vorne. Produzent Stephen Street (u.a. Smiths, Blur) nimmt sich der vielversprechenden Schäfchen an. Heraus kommt "Employment": Ein Album, das Hit an Hit reiht und die Insel Kopf stehen lässt.
Spätestens als Bob Geldof im Sommer 2005 an die Chiefs-Pforten klopft und die Band einlädt das Live-8-Festival in Philadelphia zu eröffnen, wird auch der Rest der Welt hellhörig.
Es folgen Ruhm, Ehre, diverse Awards und mit "Yours Truly, Angry Mob" (2007) und "Off With Their Heads" (2008) zwei weitere Alben, die den erfolgreichen Status der Combo festigen.
Nach beeindruckenden Auftritten beim Leeds- und Reading-Festival, geht den Briten erstmals die Luft aus: "Wir nahmen uns ein gutes Jahr lang eine Auszeit, um den Akku wieder aufzuladen und mit frischen Ideen und Eindrücken wieder an die Arbeit mit der Band zu gehen", erinnert sich Keyboarder Nick Baines.
Das Tüfteln am neuen Album beschränkt sich nicht nur auf das Schreiben von neuen Songs, denn es geht der Band beim "Off With Their Heads"-Nachfolger um mehr, als nur um ein weiteres Album. Es dauert fast drei Jahre bis die Katze endlich aus dem Sack ist.
20 brandneue Songs stellen die Mannen um Sänger Ricky Wilson Anfang Juni 2011 auf die bandeigene Homepage, aus denen sich Fans ihre eigene 10-Track-Version des vierten Albums "The Future Is Medieval" zusammenstellen können. Das individuelle zusammengebastelte Album kann der Fan zu einem fairen Preis käuflich kaufen un sogar online weiterverkaufen. Der offzielle Handel wird mit der Standard-Version erst einige Wochen später versorgt.
Der innovative Marketing-Schachzug erntet jedoch nicht überall Applaus. Der Band ist das aber völlig egal: "Wir stehen voll und ganz hinter dem ganzen Prozess. Uns war wichtig, herauszufinden, was im Internet-Zeitalter möglich ist; und das ist beileibe noch nicht das Ende der Fahnenstange."
Nick "Peanut" Baines plaudert über digitale Revolutionen, Entwicklungsprozesse und die Rückkehr zu den Wurzeln.
Mit einer innovativen Marketing-Strategie haben die Kaiser Chiefs im Vorfeld der Veröffentlichung ihres aktuellen Albums "The Future Is Medieval" für Furore gesorgt. Der "Create-Your-Own-Album-Prozess" ist in aller Munde und sorgt für kontroverse Debatten an den Musik-Stammtischen.
Grund genug, den Briten auf den Zahn zu fühlen. Keyboarder Nick "Peanut" Baines nimmt sich am Telefon Zeit für uns und gewährt uns einen Blick hinter die Chiefs-Kulissen. Mit erhobenem Zeigefinger geht es um die Freuden und Vorteile der digitalen Revolution und die Wertschätzung der Vergangenheit. Klingt widersprüchlich? Ist es aber nicht. Zumindest nicht in der Welt der Kaiser Chiefs.
Nick, euer mittlerweile viertes Album ist vor einigen Tagen erschienen. Ihr seid eine Band, die schon mit reichlich Erfolg gesegnet ist. Nutzt sich die ganze Aufregung irgendwann ab, oder schwitzen die Hände immer noch, wenn ein neues Album in den Startlöchern steht?
Nick: Die Aufregung nimmt definitiv noch dieselben Ausmaße an wie zu Zeiten unseres Debüts. Es ist immer wieder aufs Neue spannend zu verfolgen, welche Dynamik so ein Prozess annimmt. Wenn die Leute über uns reden oder wir die CD in den Läden entdecken, ist das schon ein tolles Gefühl. Wir fühlen uns alle sehr wohl mit dem Ergebnis.
Euer letztes Album "Off With Their Heads" erschien im Jahr 2008. Drei Jahre sind eine lange Zeit. Startest du für uns eine kleine Zeitreise und lässt uns teilhaben an der jüngsten Kaiser Chiefs-Vergangenheit?
Nick: Nun, nach der "Off With Their Heads-Tour" spielten wir noch auf dem Leeds- und dem Reading-Festival. Danach war es einfach an der Zeit eine Pause zu machen. Wir nahmen uns ein gutes Jahr lang eine Auszeit, um den Akku wieder aufzuladen und mit frischen Ideen und Eindrücken wieder an die Arbeit mit der Band zu gehen. Danach entwickelte sich die Vision rund ums neue Album.
Nick. Absolut. Eine große Herausforderung für alle Involvierten war zudem die Geheimhaltung des Projektes.
Das dürfte bei einer Band eurer Größenordnung nicht immer einfach gewesen sein, oder?
Nick: Ja, das stimmt. Aber ich denke, wir haben das insgesamt gut hinbekommen.
Da sind wir auch gleich beim Thema. Wie kam es zu der "Create-Your-Own-Album-Idee"?
Nick: Ricky hat das Ganze ins Rollen gebracht. Er hat einen Freund, der für eine Kreativ-Agentur arbeitet. Sein Name ist Oli. Ricky ist schon lange frustriert darüber, wie sich der ganze Musik-Zirkus entwickelt. Es gibt heutzutage so viele Hindernisse beim traditionellen Veröffentlichen einer CD. Digitale Musik ist auf dem Vormarsch, und wir hatten uns überlegt beim neuen Album anders an die Arbeit heranzugehen. Oli hatte irgendwann die Idee, dass man das Internet mehr einbeziehen müsste, und so schlug er vor, die Fans mit ins Boot zunehmen.
Wie ging es dann weiter?
Nick: Wir waren alle begeistert von der Idee. Wir machten uns dann an die Arbeit, schrieben Songs und hatten relativ schnell genug Material zusammen.
Wie lange haben die Aufnahmen gedauert?
Nick: Oh, nicht lange. Wir sind da immer ziemlich schnell bei der Hand. Das eigentliche Problem war die Umsetzung mit der Webseite. Das ganze Prozedere mit der Erstellung der Seite, das Einstellen der Songs, etc., hat letztlich fast 18 Monate gedauert.
Was war das für ein Gefühl, als die Seite endlich online ging?
Nick: Ich kann mich noch sehr gut erinnern. Wir waren alle total aufgeregt. Ich meine, das war schon eine ziemlich verrückte Sache. Plötzlich waren 20 Songs online, von jetzt auf gleich, und wir guckten uns an und sagten: So, bitteschön, hier habt ihr 20 neue Songs, bastelt euch euer eigenes Album.
Die öffentlichen Reaktionen sind bei aller Innovation jedoch geteilt. Nicht jedem gefällt euer Marketing-Schachzug. Ärgern dich die kritischen Stimmen?
Nick: Nein, nicht wirklich. Wir stehen voll und ganz hinter dem ganzen Prozess und bereuen gar nichts; ganz im Gegenteil. Digitale Musik ist die Zukunft, das ist ein Fakt, vor dem man sich heute nicht mehr verschließen kann. Uns war wichtig, herauszufinden, was im Internet-Zeitalter möglich ist; und das ist beileibe noch nicht das Ende der Fahnenstange. Wir haben nur einen winzigen Anstoß gegeben. Wir hatten im Vorfeld etliche Meetings und Diskussionen mit Leuten, in denen es darum ging, was mit dem digitalen Markt alles möglich ist. Letztlich haben wir uns entschieden zu handeln und nicht nur darüber zu reden. Da sind wir auch ein bisschen stolz drauf, keine Frage.
Mittlerweile gibt es etliche Fan-Versionen eures Albums. Verfolgt ihr die Entwicklung?
Nick: Ja, wenn es die Zeit zulässt. Es ist spannend zu beobachten, welche Konstellationen sich teilweise ergeben.
Gab es schon Varianten, die du persönlich nicht nachvollziehen konntest?
Nick: Nein, nicht wirklich. Unserer Meinung nach haben letztlich alle 20 Songs ihre Daseinsberechtigung auf einem Kaiser Chiefs-Album. Insofern war es eher für uns schwer, für die offizielle Version sieben Songs auszusortieren. Das wirklich Spannende daran ist doch einfach, dass die Leute sich völlig verschiedene Stimmungen zusammenbasteln können, und doch hört jedes Album auf den Namen "The Future Is Medieval". Ich bin wirklich mit jeder Konstellation einverstanden, denn jeder Song hätte es verdient, auf dem Album zu landen.
Nick: Ja, absolut. Wobei ich persönlich denke, dass wir diesmal sogar noch einen Schritt weitergegangen sind. Der ganze Veröffentlichungs-Prozess hat uns regelrecht befreit von künstlerischen Zwängen. Es sind ganz verschiedene Stimmungen auf dem Album enthalten. Das war uns wichtig. Ich glaube, es gibt kein Kaiser Chiefs-Album, auf dem man so exakt die einzelnen Einflüsse eines jeden in der Band heraushören kann wie auf unserer neuen Scheibe. Songs wie "Heard It Break", "Man On Mars" oder "When All Is Quiet" sind total verschieden und Beleg dafür, wie viel Freiheit wir uns auf diesem Album genommen haben. Ärgerst du dich über Leute, die immer noch nach Plagiaten von "Ruby" oder "I Predict A Riot" suchen?
Nick: Nein, überhaupt nicht. Es ist doch so: Wenn du dich als Band entwickelst, hast du immer Leute, die dir irgendwann nicht mehr folgen können oder auch wollen und sich beschweren, dass du nicht mehr genau die Songs schreibst, mit denen sie dich kennen- und lieben gelernt haben. Auf der anderen Seite gibt es genauso viele, die dir irgendwann Stagnation vorwerfen, wenn du dich permanent wiederholst. Du kannst es einfach nicht allen Recht machen. Wir lieben es immer noch, die alten Songs live zu spielen; auch weil wir wissen, dass viele diese Lieder hören wollen, aber wir entwickeln uns auch weiter. Besagte Songs wurden vor sieben oder acht Jahren geschrieben. Zwischendurch ist viel passiert.
Wollt ihr die Welt mit dem Album-Titel warnen?
Nick: Oh, nicht direkt, eher vielleicht auf etwas hinweisen. Die Zeile stammt aus einem Gedicht, das Rick irgendwann herauskramte, und wir dachten, das wäre auch hinsichtlich unserer Veröffentlichungs-Herangehensweise der perfekte Titel für das Album. Es geht um Rückbesinnung. Bei aller Freude über die Möglichkeiten, die uns das digitale Zeitalter gibt, sollte man die Vergangenheit und den Ursprung vieler Dinge nicht aus den Augen verlieren. Geht es etwas konkreter?
Nick: Nun, je mehr Möglichkeiten sich der Gesellschaft bieten, um so habgieriger und maßloser wird der Mensch. Das steckt in seiner Natur. Da hilft es, sich ab und zu vor Augen zu führen, wie es früher war. Letztlich geht es um den Einklang von Visionen und Wurzeln.
Wir müssen leider langsam zum Ende kommen. Die nächsten Monate seit ihr fast durchgehend auf Tour. Freut ihr euch darauf, etwas Abstand von der Album-Veröffentlichung zu bekommen?
Nick: Freuen wäre wohl nicht die richtige Umschreibung. Die Webseite läuft ja weiter, und auch wenn es ganz schön fokussiert gerade zugeht und bisweilen auch etwas stressig ist, ist es dennoch total spannend, die Entwicklung rund um den Album-Prozess zu verfolgen und darüber zu reden. Nichtsdestotrotz genießen wir aber auch jede Sekunde auf der Bühne, ganz klar.
Vielen Dank für das Gespräch.
Nick: Kein Problem, gerne. Ich habe zu danken.
Die Kaiser über ihr drittes Album "Off With Their Heads" und ihre Privatsphäre.
Die Kaiser Chiefs legten mit zwei erfolgreichen Alben eine grundsolide Karriere hin, an die sich der Drittling "Off With Their Heads" nahtlos anfügen soll. Anders als bei den skandalträchtigen englischen Kollegen steht beim Fünfer aus Leeds einzig die Musik im Vordergrund. Warum das so ist, und wer eigentlich hinter der Band steht, fragten wir Sänger Ricky und Bassist Simon im Interview.
In den heiligen Hallen der Berliner Universal-Studios treffe ich Kaiser Chiefs Sänger Ricky Wilson und Bassist Simon Rix. Sie haben die vorherigen Interviews überzogen und sind spät dran, deshalb schärft mir die Managerin die Zeitbegrenzung noch mal ein.
Ricky hat bereits einen roten Kopf vom vielen Reden, während der schlacksige Simon noch schnell die bequemste Liegeposition auf dem Sofa austariert. Gut gelaunt sind sie aber auch nach dem x-ten Interview noch und werfen sich die Bälle lässig zu.
Euer Album ist langsamer …
Ricky: Langsamer? Ich denke es ist schneller. Es hängt davon ab, welchen Song man hört, wirklich. Ich denke, es ist rasant, es ist in 45 Minuten fertig.
Warum habt ihr mit Mark Ronson den Produzenten gewechselt?
Simon: Wir brauchten einen Wechsel. Viele Bands bleiben in einer Routine stecken. Sie machen es gut, sie kommen ins Radio, verkaufen eine paar Platten und denken: "Das ist ein einfaches Rezept, bleiben wir dabei!" Aber so wirst du nie besser, du wirst nur schlechter. Aber wir wollten besser werden, also haben wir gedacht, lass uns mit jemand anderem arbeiten. Keine mangelnder Respekt vor Stephen Street (dem Produzent der ersten beiden Alben, Anm. d, Red.,), aber ich glaube wir haben die richtige Entscheidung getroffen und Stephen denkt da sicher auch so.
Mir gefällt das Album. Am meisten der Song "Tomato In The Rain". Um was geht es da?
Ricky: Gut, Dankeschön! Das ist ein trauriges Lied über viele Sachen. Es geht darum, alleine im Regen zu stehen. Die meisten Songs haben eher das Ziel, Bilder in deinen Kopf zu kriegen als Dinge zu erklären. Wir wollten Lieder schreiben, die Ideen-Explosionen in deinem Kopf auslösen. Wenn du also in "Tomato In The Rain" die Line hörst, kommt dir hoffentlich eine Tomate im Regen in den Kopf. Wir sind sehr stolz auf unsere Lieder.
Was kommt als nächstes?
Ricky: Das Album ist noch nicht draußen, deshalb ist meine Konzentration voll darauf, dass es endlich kommt. Ich will, dass die Leute es hören, ich will, dass die Leute es lernen, und ich will, dass die Leute es live sehr laut singen. Ich will sehen, was die Leute darüber sagen, nicht nur Kritiken und Reviews in Magazinen. Man sieht das ja nicht sofort, was die Leute denken, aber mit der Zeit will ich die Reaktion darauf beurteilen. Ob es mit meinem Gefühl übereinstimmt, dass es unser bestes Album ist, und dass wir uns konstant verbessert haben.
Das erste Album macht einen berühmt, das zweite Album beweist, dass man wirklich gut ist, und das dritte Album …
Ricky: ... das dritte ist da, um den Sack zu zu machen! Wenn man mal drei gute Alben verkauft hat, danach kann man vielleicht machen, was man will. Das dritte ist wirklich wichtig, um zu zeigen, dass du was kannst.
Ricky: Puuh, ich weiß nicht, wahrscheinlich. Bist du ein gutes Vorbild, Simon?
Simon: Ich wollte nie ein Vorbild sein. Aber ich glaube, ich hab es ganz gut gemacht. Ich bin sehr erfolgreich … ein ganz nettes, wohlerzogenes menschliches Wesen. Ich mache genug gute Sachen, um Schlechtes zu kompensieren.
Ricky: Ich glaube wir sind gute Vorbilder, weil wir hart arbeiten. Wir sind eine der am härtesten arbeitenden Bands in dieser alternativen Poprock-Welt. Ich denke, wir arbeiten nur so viel, weil es so viel Spaß macht. In dem Sinne sind wir Vorbilder. Wenn du wirklich etwas zu machen liebst, dann mach es! Und bleib auch dabei!
Ich habe einige Interviews von euch gelesen, und mir ist aufgefallen, dass es fast keine privaten Fragen gibt.
Ricky: Ja, wir haben uns nie in den Vordergrund gestellt, so wie es Celebritys machen. Wir haben einige Celebritys in England, aber wir gehören nicht dazu. Diese Art, Platten zu verkaufen, ist nichts für uns: unsere dreckige Unterwäsche in der Öffentlichkeit zeigen. Das hilft vielen Leuten. Aber andererseits: Je mehr du das machst, desto schneller ist es vorbei.
Es gibt in diesen Magazinen so Spalten, da stehen die Leute drin mit Pfeilen nach oben und unten. Und das Schlimmste, was dir passieren kann, ist, dass du ganz oben stehst. Wenn du ganz oben stehst, stehst du nächstes Jahr wieder ganz unten. Es geht nur um Mode. Und Mode ist sehr scheiße. Wir versuchen, das Beste zu sein, was wir können. Ohne irgendwelche Celebrity-Wellen zu reiten. Manchmal gehen wir auf Partys, aber das ist selten.
Jeder kennt Doherty, aber nicht jeder kennt die Babyshambles. Andererseits kennt jeder die Kaiser Chiefs, aber kaum einer kennt Ricky oder Simon ...
Simon: Es ist besser, wenn die Leute deine Musik kennen. Das einzige, warum sie sich für dein Privatleben interessieren, ist, wenn du eine berühmte Freundin oder einen Freund hast.
Ricky: Ich habe beides, eine berühmte Freundin und einen Freund. (lacht) Wir hängen nicht mit vielen Leuten rum, mal abgesehen von Mark …
… du meinst Mark Ronson? …
Ricky: Ja. Aber selbst dann … Er ist viel zu flott für mich. Ich schlafe auf dem Tisch ein, wenn ich drei Nächte unterwegs bin. Ich will nicht in Din-A4-Magazinen stehen, mit Kreisen um meine Schweißflecken rum, lustigen Haaren und Hosen an. Es ist erstaunlich, mit was sie alles kommen. "Erwischt! Ricky Wilson an einem Geldautomaten" … Jaaaa? Ich geh fast jede Woche zu Geldautomaten.
Simon: Wir versuchen, das zu vermeiden.
Ricky: Ja, warum nicht.
Seid ihr zum Beispiel verheiratet?
Ricky: Nein
Keiner?
Ricky: Keiner aus der Band ist verheiratet. Wir haben Angst vor Scheidungen.
Aber ihr habt Freundinnen?
Ricky: Manche von uns haben eine, manche nicht.
Du willst also nicht darüber reden?
Ricky: Weißt du, manche haben mehr als eine Freundin. Eigentlich hat keiner mehr als eine Freundin, ich wollte nur, dass es ein bisschen skandalöser klingt. Es ist nur so, dass wir unsere ganze Energie auf die Band verwenden. Persönliche Fragen … ich glaube nicht, dass sie wichtig sind. Vielleicht für Leute, die Klatsch-Magazine lesen.
Naja, vielleicht mögen die Leute eure Band und wollen wissen, wer das eigentlich ist?
Ricky: Ja, vielleicht wollen sie den Mann hinter dem Mythos kennen.
Simon: Die Leute sind sehr beschützend unserer Privatsphäre gegenüber. Einer hat vor ein paar Tagen oder Wochen im Forum gefragt, ob jemand für ihn ein Bild von Ricky mit seiner Freundin hätte. Und die andere Leute so: "Nein, warum sollten wir? Das ist sein Privatleben." Ich denke, da hat Ricky eine gute Politik betrieben. Ich habe eine Freundin, die ich auch schon vor der Band hatte. Das Letzte, was sie will, ist, in einem Klatsch-Magazin zu landen. Wenn es so weit kommt, verlässt sie mich bestimmt sofort.
Ricky: Irgendjemand von einer sehr bekannten Boulevardzeitung fragte mich letzten Sommer mal: "Bist du immer noch mit wemauchimmer zusammen?" Und dann fragten sie: "Hören wir schon die Hochzeitsglocken läuten?" Wie soll ich darauf antworten? Wenn ich Nein sage, dann schreiben sie eine Geschichte mit der Überschrift "Ricky Wilson hat Angst vor dem Heiraten. Er wird seine langjährige Freundin nie heiraten, weil er nicht will." Das will ich nicht in der Zeitung sehen. Und wenn ich Ja sage, dann schreiben sie: "Ricky Wilson heiratet! Mietet die Kirche, bucht die Band!" Verstehst du? Wenn es zu diesen persönlichen Fragen kommt, dann weiß ich nicht, wie ich antworten soll. Weil ich …
Simon: (ruft dazwischen) Eine Celebrity-Freundin zu haben wäre toll!
Ricky: … niemanden außerhalb der Band in die Presse reinziehen will. Ich denke nicht, dass das fair wäre ihm gegenüber (lacht).
Hat jemand von euch Kinder?
Ricky: Nein, keine Kinder.
Ihr lebt also nur für die Musik?
Ricky: Naja, wir schauen ab und zu Fernsehen! (Gelächter) Am meisten geht es zur Zeit um die Band. Wir schauen aber auch nach unseren Freundinnen, ich zumindest. Wir nehmen sie nicht überallhin mit. Ich habe auch keine Tiere, übrigens. Ich glaube, keiner von uns hat Tiere, keiner ist verheiratet, keiner hat Kinder.
Simon: Wir sind alle sehr …
Ricky: … verdammt, das ist komisch, oder! …
Simon: Keine Zeit!
Ricky: Keine Zeit, die Frau zu schwängern. (Gelächter)
Was sind eure nächsten Pläne?
Simon: Das Album kommt raus, hoffentlich wird es gut sein und dann … schwängern wir ein paar Frauen, heiraten, besorgen uns Tiere, finden ein paar Hobbys. (Gelächter)
Ricky: Es ist komisch. Je besser es sich verkauft, desto mehr Arbeit haben wir. Das ist ein komisches Gefühl.
Simon: Naja, das kann es auch einfacher machen.
Ricky: Das Album macht die Arbeit für dich?
Simon: Hängt davon ab ...
Ricky: Wir wissen inzwischen, wie es ist, in einer Band zu sein. Und obwohl es immer neue Sachen zu tun und zu entdecken gibt, sind wir sehr gut untergebracht in der Band. Wir genießen das sehr. Ich hoffe, das kommt im Album rüber, die meisten Leute sagen, dass es das tut. Und ich hoffe, dass kommt in den Interviews rüber, weil wir schon so viele gegeben haben.
Seid ihr nervös, so kurz vor der Veröffentlichung?
Ricky: Nein! Im Gegenteil, wir freuen uns sehr.
Simon: Die Sache ist die: Im Moment hast zum Beispiel du es gehört, was gut ist, aber in den Wochen zwischen dem Fertigstellen und der Veröffentlichung reden wir lediglich darüber. In allen möglichen Arten. Versuchen die Auswahl zu rechtfertigen, versuchen zu beschreiben wie es sich anhört und so weiter. Aber wenn es dann draußen ist, dann hat es jeder gehört. Dann musst du das nicht mehr machen, weil es jeder gehört hat und jeder seine Meinung gebildet hat. Dann sagen sie: "Ja, ich glaube, es ist ganz fruchtig, mit einer Zitronenessenz…"
Ricky: … mit Soße darauf und einer knusprigen Haut …
Simon: … erinnert mich an Haselnüsse, im Frühling …
Ricky: … da möchte ich nicht widersprechen! (lacht)
Simon: Das ist das Geniale daran, wenn das Album rauskommt. Jeder kann sich seine eigene Meinung bilden. Dass es viel besser ist, als alles andere zur Zeit.
Okay, jetzt hab ich aber alles.
Ricky: Super! Danke! Das war einfach! (Springt auf, schmeißt mir die Hand hin und rennt auf die Toilette)
Keyboarder Peanut über die neuen Songs, Panikmache in den Medien und große Pläne.
Die Kaiser Chiefs zählen zu den erfolgreichsten britischen Bands der letzten Jahre. Ihr Debüt "Employment" startete 2005 höchst erfolgreich durch, brachte dem Fünfer aus Leeds fast drei Millionen verkaufte Exemplare und zahlreiche Auszeichnungen ein. Seit dem 23. Februar steht der Nachfolger "Yours Truly, Angry Mob" in den Plattenläden und sorgte bereits für mächtig Wirbel in den Charts.
Trotz des großen Erfolgs von "Employment" ließen sich die Kaiser Chiefs nicht unter Druck setzten. An den "Angstmacher" zweites Album gingen sie dementsprechend auch recht entspannt ran und komponierten die Songs abermals im heimischen Leeds. In gewohnter Umgebung und mit gleichem Produzenten ging es 2006 frisch ans Werk - seit knapp vier Wochen steht nun der Debüt-Nachfolger im Plattenladen-Regal. In bekannt großmäuliger Art erklärten die Briten einst, es sei ihr Ziel, als "Indie-Band die Weltherrschaft zu übernehmen".
Sänger Ricky Wilson soll andererseits auch einmal verkündet haben, dass er und seine Jungs insgesamt zwei Alben veröffentlichen, danach sei Schluss - dann war es das jetzt also mit den Kaiser Chiefs?
Im Interview sprach ich mit Keyboarder Peanut über die neuen Songs, den Umgang mit Erfolgsdruck, Zukunftspläne und die Musikszene in Leeds.
Euer erstes Album "Employment" war sehr, sehr erfolgreich. Fast drei Millionen Exemplare wurden verkauft, ihr habt neben vielen anderen Auszeichnungen den NME-Award für das "Album des Jahres" gewonnen, und auch in Amerika verschaffte euch das Debüt einen großen Durchbruch. Das dürfte schwierig zu toppen sein oder?
Peanut: Ja, wie toppt man das? Wir sind bereit, weiterzumachen, weißt du. Wir haben nicht gedacht 'Wir sind die Kaiser Chiefs und wir machen ein erfolgreiches Album, und das war es dann'. Das neue Album läuft sehr gut, und wir wollen einfach weitermachen und es noch erfolgreicher werden lassen.
Die Erwartungen an das zweite Album waren doch sicher trotzdem sehr hoch. Wie seid ihr mit dem Druck umgegangen, ein mindestens ebenso gutes Album abliefern zu müssen, wie das vorherige? Habt ihr euch selbst stark unter Druck gesetzt?
Peanut: Nein, ich denke nicht, dass wir das getan haben. Wir stehen immer unter einem gewissen Druck, es war nicht speziell das zweite Album, das uns unter Druck gesetzt hat. Wir haben immer versucht, gute Songs zu schreiben und gute Aufnahmen zu produzieren. Deshalb sind wir voller Zuversicht, was die neue Platte angeht.
Ihr lasst euch also von solchen Musikweisheiten, wie 'Das zweite Album sei das Schwerste' nicht beirren?
Peanut: Nein. Ich glaube nicht, dass das wahr ist. Wir machen uns nichts aus solchen Weisheiten. Ich denke, dass jeder außerhalb der Band denkt, es sei schwierig, das zweite Album zu produzieren, aber wenn du selbst in einer Band bist und von dem, was du machst überzeugt bist, dann wird das zweite Album einfach gut.
Ihr habt auch eine Menge anderer Preise gewonnen - drei Brit Awards zum Beispiel als "Beste britische Gruppe", "Bester britischer Rock Akt" und "Bester britischer Live-Akt". Wie hat euch das beeinflusst?
Peanut: Ich denke, dass es einfach schön ist, diese Anerkennung zu bekommen, dass du deine Sache gut und richtig machst und die Leute deine Musik mögen. Es ist schön, wenn Leute einem eine Auszeichnung geben, um zu sagen: 'Gut gemacht! Ihr habt ein gutes Album abgeliefert'. Andererseits ist es auch wiederum gar nicht so wichtig. Ob wir nun einen Brit Award gewonnen haben oder nicht, wir machen trotzdem so weiter wie bisher, und wir machen es auf dieselbe Art und Weise. Trotzdem ist es natürlich schön, dafür anerkannt zu werden, gute Musik zu produzieren.
Ich frage das, weil ich denke, dass solche Auszeichnungen doch auch gesteigerten Druck mit sich bringen - man doch sicher auch unter Erfolgsdruck steht. Wie geht ihr damit um?
Peanut: Ich bin der Meinung, dass viele Bands heutzutage nur eine gute Platte abliefern bzw. eine gute Single. Und dann ist das Debüt fantastisch und das zweite Album ist furchtbar. Aber trotzdem weiß ich, wir sind eine großartige Band und wir schreiben großartige Songs - Druck kam da nicht auf.
Ihr lebt also auch trotz des Erfolgs immer noch ein relativ normales Leben?
Peanut: Ja, auf jeden Fall.
Peanut: Nun, das neue Album bietet einen guten Vergleich zu "Employment". Es zeigt, dass wir uns weiter entwickelt und viel dazu gelernt haben - was das Songwriting angeht oder das Live-Spielen. Unsere Erwartung war also, an den Erfolg von "Employment" anzuknüpfen - nicht noch einmal von vorne beginnen bzw. zum Ausgangspunkt zurückkehren zu müssen. Wir können da weitermachen, wo wir aufgehört haben - hoffentlich erreichen wir noch mehr Menschen auf der Welt mit unserer Musik. Im Vereinigten Königreich und auch in einigen anderen Ländern war unser erstes Album sehr erfolgreich. Aber jetzt sind wir auch in Holland Nummer eins und in den Top-Sechs in Deutschland. Es ist Zeit, zum nächsten Level zu gelangen, und ich denke, dass wir das mit dem zweiten Album erreichen werden. Das sind unsere Erwartungen.
Hattet ihr bestimmte Vorstellungen, wie das zweite Album klingen soll? Peanut: Wir hatten keine speziellen Konzepte, in der Art 'Das neue Album soll so oder so klingen'. Aber nachdem wir so lange mit "Employment" getourt sind - wir haben damit 2004 begonnen und sind bis Ende 2006 mit den Debüt-Songs auf Tour gewesen - bestand auch ein stärkerer Zusammenhalt in der Band. Als es dann ans Aufnehmen ging, waren wir ein eingespielteres Team. Wir spielten besser und wir klangen auch selbstsicherer. Als wir ins Studio gingen, wollten wir diesen Sound einfangen - wir wollten diesen natürlichen Bühnen-Sound aufnehmen. Das Album sollte zeigen, dass wir als Band gereift und gewachsen sind.
"Yours Truly, Angry Mob" ist, wie auch das Debüt, in eurer Heimatstadt Leeds entstanden ...
Peanut: Genau genommen haben wir die Songs in Leeds geschrieben. Wir haben dort geprobt, geschrieben, die Songs arrangiert. Aufgenommen wurden sie dann in der Nähe von Reading.
Warum wieder Leeds?
Peanut: Wir sind in denselben Proberaum zurückgekehrt, in dem bereits "Employment" entstand, also in die exakt selbe Umgebung. Das hält dich einfach auf dem Boden der Tatsachen. Es stoppt den Ruhm, der in deinem Kopf rumschwirrt. Und deswegen sind wir dorthin zurückgegangen. Gemeinsam mit Stephen Street nahmen wir die Songs dann in Reading auf.
Ihr habt also auch mit demselben Produzenten zusammengearbeitet. Gleicher Proberaum, gleicher Produzent - seid ihr abergläubig, was das angeht? Peanut: Ja, vielleicht. Wir sind in unseren alten Proberaum zurückgekehrt, denn jeder Song, den wir je geschrieben haben, ist in diesem Raum entstanden. Und deshalb dachten wir uns: 'Warum etwas ändern, was gut funktioniert'. Wir hätten natürlich auch in schönere Proberäume gehen können, aber wir dachten, dass das für unsere Arbeit nicht gut wäre.
Was hat sich im Vergleich zum Debüt geändert?
Peanut: Der Unterschied zum Vorgänger ist, dass wir unser Songwriting verbessert haben. Das zeigt die neue LP auch. Songs wie "Love's Not A Competition" oder "Try Your Best" hättest du auf "Employment" nicht gefunden. "Yours Truly, Angry Mob" ist keine neue Version von "Employment" geworden, es ist ein neues Album. Es handelt es sich um eine neue Kollektion von Songs, die sich alle anhören, als wären sie zur selben Zeit aufgenommen, was sehr wichtig ist. Wenn man das Album von vorn bis hinten anhört, dann klingt es wie ein zusammenhängendes, einzelnes Stück Arbeit - es gibt keine B-Seiten-Tracks, keine Mischung aus alten und neuen Stücken. Das sind einfach die Kaiser Chiefs und zwar jetzt!
Beim ersten Hören des neuen Albums dachte ich, die Songs klingen poppiger als zuvor. Doch dann habe ich es mehrmals angehört und auch mit dem Debüt verglichen und bin zu dem Schluss gelangt, dass es nicht wirklich poppiger klingt. Ich denke, es ist vielmehr melodischer als der Vorgänger und auch homogener. Würdest du dem zustimmen?
Peanut: Ja, und hoffentlich entdeckst du mehr und mehr Facetten, je öfter du die LP hörst. Ich denke, die Songs haben sehr viel Tiefe. Andere Leute haben das ähnlich kommentiert. Als sie die Songs zum ersten Mal hörten, sagten sie: 'Das klingt anders als "Employment"'. Und dann hörten sie sie noch mal und stellten fest: 'Die klingen immer noch wie die Kaiser Chiefs'.
Wir haben ein gutes, zweites Album gemacht und sind fortgeschritten. Wir haben uns so weiterentwickelt, wie es unsere Fans gehofft haben. Und ich glaube, die meisten Bands machen das gar nicht mehr. Die meisten Bands stellen sich nicht mehr der Herausforderung, eine gute, zweite Platte zu machen, um an dieser Herausforderung zu wachsen und voranzukommen. Aber wir haben uns dem gestellt. Und deswegen sind manche Leute auch ein wenig geschockt, weil die Platte wirklich gut geworden ist. Manche denken: 'Ja, am Ende haben die eine gute Single und der Rest ist Müll'. Aber das ist nicht richtig. Wir haben es gemacht und wir haben es gut gemacht. Und das ist auch der Unterschied zu anderen Bands, die einfach schlechte zweite Alben produzieren.
Ging es euch darum einen roten Faden zu generieren? War es euer Ziel, die einzelnen Stücke mehr aufeinander abzustimmen?
Peanut: Ja, genau. Das zeigt auch der Albumtitel "Yours Truly, Angry Mob" - das klingt nach einem Brief. Wenn du nur einzelne Abschnitte eines Briefes liest, dann verstehst du nicht wirklich, worüber derjenige schreibt bzw. was sein Standpunkt ist. Und genauso verhält es sich auch mit dem Album. Wenn du nur ein oder zwei Songs hörst, dann verstehst du die Idee des Albums nicht. Du musst dir das Ganze als ein Stück Arbeit anhören, und dann steht es als Album für sich allein. Seit 15 oder 20 Jahren haben Bands keine Alben mehr, sondern bloß noch Singles gemacht. Wir zeigen, dass es an der Zeit ist, wieder zu den Jahren zurückzukehren, in denen Bands wirklich gute Musik und gute Platten produzierten. Platten, bei denen du gedacht hast, die sind Wahnsinn - etwa bei Alben der Beatles, der Kinks oder Stones. Und wir wollen dasselbe erreichen - man sollte ein paar Alben der Kaiser Chiefs haben. Ich finde du kannst die Karriere, die Entwicklung anhand der Alben hören, etwa bei "The Wall". Und das ist viel wichtiger, als einzelne, gute Singles zu produzieren.
Das ist sehr interessant, vor allem, weil Sänger Ricky einmal gesagt haben soll, die Kaiser Chiefs würden insgesamt nur zwei Alben veröffentlichen, danach sei Schluss.
Peanut: (lacht) Ja, ja, das war ein Scherz, vor ein paar Jahren. Es wird noch einige Kaiser Chiefs-Alben geben, keine Sorge!
Du hast den Albumtitel bereits erwähnt. Welche Bedeutung steckt hinter "Yours Truly, Angry Mob"?
Peanut: "Yours Truly, Angry Mob" war ursprünglich der Titel des zweiten Tracks, der nun "The Angry Mob" heißt. Er war als Songtitel aber zu lang. Als Albumtitel klingt er dagegen sehr interessant. Auf der einen Seite hast du diese höfliche Anrede "Yours Truly" und auf der anderen Seite den "Angry Mob". Normalerweise würde man diese Begriffe nicht zusammen gebrauchen. Wir haben nicht speziell nach einem Titel gesucht, die Idee dazu kam einfach auf. Wir dachten, das klingt als Albumtitel wirklich gut so.
Ich mag den Titel, weil er zusammenfasst, dass die Songs wie eine Art Sammlung von Abschnitten in einem Brief funktionieren. Wir sind nicht der Angry Mob, aber es ist ein Titel, der die Leute neugierig macht - er kann etwas bedeuten oder auch nicht. "Yours Truly, Angry Mob" fasziniert einfach. Die Leute sind neugierig und fragen, was das bedeutet und deswegen mögen wir den Titel. Es gab da kein spezielles Motiv, aber wir sind natürlich froh, dass sich die Leute dafür interessieren.
Und worum geht es in "The Angry Mob"? Der Song ist ja sehr energiegeladen, sehr drängend und aufbäumend.
Peanut: Er handelt von den Medien und der Sensationshascherei der Medien. Wie sie jeden Tag neue aufregende Schlagzeilen produzieren über die Vogelgrippe oder über verunglückte Öltransporter. Speziell im Vereinigten Königreich versetzen die Medien das Volk in Panik. Montag sorgt man sich wegen der Vogelgrippe, am Dienstag wegen des auslaufenden Öls und am Mittwoch sorgt man sich wegen der Kinder, die bewaffnet umherlaufen. Und es ist, als würden die Medien jeden Tag vergessen, was 24 Stunden zuvor passierte. Die Leute werden ständig in Angst versetzt, und das, obwohl die Medien eine gewisse Verantwortung gegenüber den Menschen haben und nicht laufend Panik auslösen sollten. Und trotzdem machen sie das, weil sie denken, dass es ihr Job sei, so Zeitungen zu verkaufen - aber so müsste es nicht sein.
Also rebelliert ihr gegen die Medien und den Presse-Zirkus?
Peanut: Ja, genau. Man sollte sich nicht ständig sorgen müssen, und die Medien sollten nicht fortwährend Panikmache betreiben.
Manche Leute sagen ja, einige eurer Songs klingen wie Madness, andere verweisen auf die Parallelen zu Blur. Was haltet ihr von solchen Vergleichen?
Peanut: Die Vergleiche machen mir nichts aus. Ich mag es, wenn die Leute sagen, dass sich der eine Song nach Madness anhört, ein anderer nach Blur oder einer ein bisschen nach Pink Floyd. Das ist wirklich cool. Wenn sie sagen würden, dass wir komplett nach Blur klingen, dass das ganze Album nach Blur klingt, dann wäre das wirklich unzureichend, weil es bedeuten würde, dass wir einfach nur Blur kopieren. Das machen wir natürlich nicht. Es ist ein Kompliment, wenn Leute all unsere Einflüsse heraushören, wenn sie sagen: 'Ich höre The Jam', oder 'Ich höre XTC darin'. Aber niemand sollte sagen, wir klängen exakt wie eine bestimmte Band.
Ich habe gelesen, dass der Song "Love's Not A Competition (But I'm Winning)" zunächst sehr nach Coldplay klang und dann mehrfach überarbeitet wurde, weil ihr nicht wie Coldplay klingen wolltet. Stimmt das?
Penut: Ja, ja. Das ist richtig. Das ist auch der Grund, warum er letztendlich akustischer geworden ist. Der Song hörte sich anfangs sehr nach Coldplay an. Er war nicht perfekt, weil er so sehr an den Coldplay-Stil erinnerte. Aber zum Glück sind wir davon weggekommen, und das ist gut so.
Manche Leute kritisieren, dass ihr euren Sound nicht genug verändert habt, dass eure Songs zu ähnlich sind im Vergleich zum Vorgänger. Was hältst du davon?
Peanut: Ich kümmere mich nicht darum. Die einzigen Rezensionen, an die sich die Menschen erinnern, sind die schlechten. Aber es gibt Hunderte Rezensionen da draußen und so viele Leute, die gesagt haben, das Album sei fantastisch - Leute auf unseren Gigs zum Beispiel. Wenn dann einer sagt: 'Die haben sich nicht genug weiterentwickelt' ... Man kann nun mal nicht jeden zufrieden stellen. Wir wissen, dass unser Album gut ist, unsere Fans wissen das, und wir sind bereit, damit noch mehr Erfolg außerhalb des Vereinigten Königreiches zu erreichen als mit "Employment". Es funktioniert und es ist besser. Also vergiss den Typen einfach!
Was ist dein Lieblingssong auf dem Album?
Peanut: Das ist "The Angry Mob". Schon als wir ihn aufgenommen haben, war er das.
Das ist auch mein Lieblingssong.
Peanut: Er zeigt, wo wir uns hinbewegt haben, und auch, wo wir noch hingelangen werden.
Ich mag den Song, wegen des energiegeladenen, drängenden Endes und diesem, ja, Mob-Gesang.
Peanut: Er wird gegen Ende immer besser und besser und auch aufregender.
Schreibt ihr die Songs eigentlich für die Bühne oder für's Album?
Peanut: Wir schreiben Songs, und wir mögen es, sie zu spielen. Wenn wir keinen Spaß daran haben, einen Song zu spielen, dann schafft er es auch nicht ins Studio. Unsere Songs entstehen ja im Proberaum. Und die Musik, die wir spielen, hört sich auf der Bühne einfach gut an. Wir schreiben nicht aus einem bestimmten Grund. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir gute Songwriter sind und wissen, was funktioniert. Und deswegen verbringen wir auch viel Zeit im Proberaum, bevor wir dann ins Aufnahmestudio gehen.
Peanut: Ich weiß nicht. Vielleicht wegen uns, wegen den Kaiser Chiefs. Ähnlich wie in der Manchester-Szene in den frühen neunziger Jahren ... Da gab es ein paar Bands, die Stone Roses, die Happy Mondays und die Charlatans, und dann richtete sich die Aufmerksamkeit auf diese Stadt und sie bekam mehr Beachtung. 2005 wurden wir bekannt und dann begannen die Labels nach weiteren guten Bands in Leeds zu suchen. Ich finde das gut. Ich finde es auch gut, dass mehr und mehr Jugendliche damit anfangen Gitarre, Schlagzeug oder Bass zu lernen. Das ist großartig und da bin ich auch stolz drauf.
Und dann gibt es ja auch noch Sheffield in der Nähe, diese gesamte Nordengland-Musikszene.
Peanut: Ja genau, und Newcastle und Middlesborough. Die Annahme, dass Bands nur aus London kommen, hat sich gewandelt. Und jetzt realisieren die Leute, dass es die Gruppen außerhalb Londons sind, die eine Beziehung zum gewöhnlichen Leben haben und zum Songwriting über diese Alltäglichkeiten des Lebens. Das ist auch der Grund, warum die Leute es mögen Musik aus dem Norden zu hören.
Arbeitet ihr auch mit anderen Bands aus Leeds zusammen?
Peanut: Nicht wirklich. Wir halten an dem fest, was wir machen. Wenn wir Bands aus Leeds gut finden, dann nehmen wir sie als Vorband mit auf Tour. Im Moment sind das die Pigeon Detectives. Oder auch die Long Blondes aus der Nähe. Es ist natürlich schön, etwas für die lokale Musikszene zu tun, und die Pigeon Detectives machen sich wirklich gut, ihre Single ist in den Charts ... Es ist sehr cool in der Position zu sein, der lokalen Musikszene etwas zurück geben zu können.
Was sind eure Pläne für die Zukunft?
Peanut: Wir touren eine Menge, wir touren über die ganze Welt - zunächst in Japan und Australien. Dann kommen wir zurück und fahren nach Nordamerika. Danach sind wir für kurze Zeit in Europa.
Wann kommt ihr denn nach Deutschland kommt?
Peanut: Naja, ich kann mir nicht alle Daten exakt merken, aber ich glaube, wir sind Ende Mai in Deutschland. Wir werden Deutschland auf keinen Fall auslassen, weil es einfach ein tolles Land ist. Zur Festival-Saison werden wir auch nach Deutschland kommen und hoffentlich auf dem Rock Am Ring und dem Rock im Park spielen.
Dann heißt es jetzt also: Die Weltherrschaft an sich reißen! Die Kaiser Chiefs touren in den nächsten Monaten quer über den Globus und sind auch bei den großen deutschen Festivals mit von der Partie - das steht fest. Ob sie hierzulande in nächster Zeit noch weitere Konzerte geben, allerdings noch nicht. Peanut und Co. treten am 1. Juni beim Nürnberger Rock Im Park und zwei Tage später beim Rock Am Ring in der Eifel auf.
Im Interview zeigen die Kaiser Chiefs, dass sie Vergleichen - auch mit ihren eigenen Helden - sehr selbstbewusst gegenüber stehen. Stolz sind sie außerdem auf ihre Live-Kompetenz und ihre Fähigkeit einfache, aber interessante Alltags-Geschichten hochkarätig zu vertonen.
gäDer 7. Juli 2005 war nicht gerade der beste Tag für ein Interview mit einer britischen Band. Als ich im Hotel ankam, hatte ich den ganzen Tag noch keine Nachrichten gesehen und damit auch nicht die geringste Ahnung, was in der englischen Hauptstadt vor sich gegangen war. Die BBC-Ausdrucke, die vor der deutschen Labeldame und dem englischen Manager der Band lagen, sprachen jedoch eine eigene Sprache: Vor ein paar Stunden waren in der Londoner U-Bahn und in einem Bus Bomben hoch gegangen. Die Kaiser Chiefs hätten schon mit Familie und Freunden gesprochen. Keiner ihrer Verwandten und Bekannten sei von dem Unglück betroffen. Trotzdem wirkt die Band angespannt und unkonzentriert.
Ist es wirklich Ok in solch einer Situation ein Interview zu führen? Die Jungs ziehen ihren Promo-Plan durch. Auch das U2-Konzert, bei dem sie am Abend als Vorband spielen, soll nicht abgesagt werden.
Hi, ich hoffe, es geht euch den Umständen entsprechend gut!
Keyboarder Peanut und Bassist Simon bestätigen mir, dass sie keine der Verletzten kennen und deshalb fürs erste beruhigt sind. Wir könnten das Interview ganz normal führen.
Ihr spielt heute als Vorband von U2 - seid ihr schon aufgeregt?
Peanut: Eigentlich sind Live-Gigs ein Leichtes für uns, denn wir wissen, dass die Leute uns mögen. Heute Abend wird das allerdings anders. Vor den U2 Fans ist es ein härterer Job, die Leute auf unsere Seite zu bringen. Wir sind nervös und aufgeregt. Ins Olympiastadion haben wir es bisher auch noch nicht geschafft.
Simon: Ich glaube das ist ein gewaltiges Stadion. Und dann treffen wir auch noch U2.
Wart ihr je U2-Fans?
P: Ich habe nie CDs von ihnen besessen, aber ich kenne natürlich alle ihre Hits. Ich weiß, dass ich Spaß bei ihrem Gig haben werde. Aber für Leute unseres Alters waren U2 einfach nicht mehr so cool. Für uns waren Oasis und Blur die Helden und U2 etwas für die Älteren.
S: Sie waren schon ziemlich groß, als wir in das Alter kamen.
P: Sie waren damals schon eine fette Stadion-Band. Wir sind jetzt zwar schon seit einem Jahr auf Tour, aber im Vergleich zu U2 wirken wir heute Abend sicher wie eine Amateur-Band. Als wir noch Kinder waren, haben die schon in Stadien gespielt. Und das war vor 20 Jahren. Wenn dir das nicht irgendwann zu langweilig wird, dann wirst du ganz sicher sehr gut darin.
Ihr wisst, dass im Olympiastadion auch das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 stattfindet?
S: Ja, das findet dort exakt heute in einem Jahr statt.
Bei euch schreibt der Drummer die Songs. Das ist nicht gerade üblich, wie ist es dazu gekommen?
P: Ich denke, er ist ein großer Phil Collins-Fan.
S: Er schreibt bits and pieces, hat Ideen und spielt die dann auf Klavier und Gitarre. Er singt ja auch auf der Bühne. Es ist nicht so wie bei Razorlight oder Oasis, wo einer rein kommt, den Song singt und spielt, und die anderen setzten dann einfach ein. Nick spielt uns etwas vor, setzt sich dann an die Drums und überlässt uns den Song.
P: Dadurch bekommen wir alle an unserem jeweiligen Instrument die selbe Chance, die Hauptrolle in einem der Songs zu spielen. So bekommt jedes Instrument mal den Hook. Deshalb klingt es bei uns relativ facettenreich. Das ist dann einfach etwas interessanter als bei einer rein Gitarren-dominierten Band.
Ihr kamt grade auf Bands wie Oasis zu sprechen - wie fühlt es sich an, wenn die anfangen, über euch zu reden ...
P: Es ist cool. (Peanut versucht ein Gähnen zu unterdrücken - ohne Erfolg.)
Auch wenn Oasis sagen, ihr wärt Mist ...
P (sofort wieder hellwach): Das ist ein Missverständnis. Wir haben Oasis getroffen und das geklärt. Es ist jetzt Ok.
Habt ihr manchmal das Gefühl, die Presse würde sich auch Geschichten über euch ausdenken?
P: Die Presse sucht immer nach dem aufregenden Teil einer Geschichte. Das ist ihr Job
S: Wir mögen es natürlich nicht, wenn uns jemand komplett falsch zitiert. Liam Gallagher sagte, wir wären eine schlechte Version von Blur. Aber auch er versucht nur, Headlines zu bekommen, denn uns hat er gesagt, dass er uns mag.
P: Das ist einfach Liam Gallagher. Er tut das und er ist großartig darin!
S: Ich denke wir fünf sind ziemlich normal, und wenn wir Interviews geben, reden wir deshalb auch über Sachen, die ganz normal sind. Einer aus unserem Team arbeitet auch für Oasis und er beton immer wieder: Wenn Oasis nicht immer wieder für solche Headlines sorgen würden, wären sie lang nicht so berühmt, wie sie es sind. Die Leute wollen doch genau deshalb Interviews mit ihnen führen. Denn sie werden immer etwas sagen, das zu einer Headline taugt. Sie denken warscheinlich nicht mal darüber nach, das kommt einfach aus ihnen raus. Manches von dem Gesagten ist unglaublich blöd, anderes dagegen verblüffend prägnant. Aber ich denke, das kommt einfach so aus ihnen raus.
Aber all das ändert nichts daran, dass Oasis und Blur Bands waren, zu denen wir immer aufgeschaut haben. Jetzt spielen wir fast schon in der selben Liga. Na ja, das ist übertrieben. Aber wir spielen die selben Venues wie sie, wir treffen sie und hängen mit ihnen rum. Das ist wirklich gut!
Viele Journalisten schreiben über euch, ihr würdet sehr nach Blur klingen. Verletzt euch das eher, oder findet ihr das gut?
P: Ich denke Blur wären ziemlich stolz, hätten sie unsere Songs geschrieben. Ich mag Blur wirklich gerne, aber wenn ich mir die Rhythmen und den Drive unserer Songs anhöre, sind sie wesentlich mehr Rock'n'Roll als ihre Stücke. Nicht dass du das falsch verstehst: Ich liebe ihre Alben. Ich kann verstehen, wenn Leute Ricky mit Damon Albarn vergleichen. Aber plötzlich soll unsere komplette Band wie Blur sein!? Das ist fauler Journalismus, da schaut jemand nur nach einer Headline. Uns mit Blur zu vergleichen und dann rauszustellen, wir wären die "schlechten Blur" ...
Ja, natürlich sind das Einflüsse, aber Blur sind auch schon von Bands beeinflusst, die auch wir als Vorbilder sehen. So ist das. Das ist einfach britisches Songwriting. Nimm Beatles- oder Kinks-Songs, wie sie klingen und die Art wie sie Geschichten erzählen. Die Leute mögen das, da ist doch nichts Schlechtes dran.
S: Die Leute mögen es einfach, Dinge in Schubladen zu stecken. Das hat auch seine guten Seiten, denn man muss die Bands ja irgendwie beschreiben. Die Vergleiche machen es griffiger, wie eine Band klingt. Natürlich haben wir ein paar Songs, die man so ähnlich auch auf einem Blur-Album hätte finden können. Aber ein Großteil der Stücke klingt nicht so, als würde er mal auf einer Blur-Platte erscheinen. Als wir mit der Promo angefangen haben gab es auch viele Leute, die uns mit Franz Ferdinand verglichen haben.
P: Nur weil wir alle britische Bands sind.
S: Wir klingen ja gar nicht nach denen. Wenn Leute es sich so einfach machen, nur unsere Parallelen zu anderen Bands herauszustellen, dann denke ich mir: Die haben sich das Album ja gar nicht angehört.
Wenn man auf eure Texte hört, bemerkt man, dass ihr vor allem über sehr alltägliche Dinge singt. Interessieren euch die normalen Dinge einfach mehr?
P: Nein, es sind eben normale Sachen, die wir erleben. Du schreibst halt eher Songs über Dinge, die dir schon passiert sind. So entstehen authentischere, sympathischere Stücke. Wenn wir jetzt anfangen würden Songs über Rock'n'Roll, Frauen und Alkohol zu schreiben ... so ein Leben leben wir nicht. Darüber zu singen - auch wenn es eine Rock'n'Roll-Tradition ist - wäre falsch. Du möchtest ja auch nicht, dass die Leute gleich merken, dass alle Songs, die du geschrieben hast nur ausgedacht sind. Es ist schöner, über etwas zu singen, dass du selber mit- oder erzählt bekommen hast.
Existieren die ganzen Mädchen also wirklich, über die ihr geschrieben habt?
P: Die meisten schon. Man ändert natürlich dies und das, damit sich die Lyrics dann auch reimen, aber normalerweise schon. "I Predict A Riot" könnte eine Zeile sein, die wir in einem Gespräch aufgeschnappt haben.
S: Die Geschichten müssen uns ja nicht alle genau so passiert sein, aber es sind interessante Geschichten. Auch Sachen, die wir aus dem Fernsehen aufgeschnappt haben.
P: "Time Honored Tradition" handelt von Nahrung, von gesundem Essen. Wie man sich auf Tour weiter gesund ernährt. Ganz normale, alltägliche Dinge eben.
Habt ihr denn von den Leuten, über die ihr gesungen habt, schon irgendwelche Reaktionen bekommen?
P: Ich denke einige der Mädchen ahnen, dass die Songs von ihnen handeln.
Es ist aber noch keine auf die Bühne gekommen und hat Ricky dafür eine geknallt oder so?
P: So was Schlimmes ist noch nicht passiert.
Ich muss leider noch mal auf dieses Franz Ferdinand-Ding zurück kommen. Die sagten nämlich in ihren ersten Interviews, ihr Ansporn Songs zu schreiben wäre, dass sie die Mädchen zum Tanzen bringen wollen. Nun, als ich eure Songs das erste Mal hörte dachte ich: 'Die handeln nach dem selben Prinzip. Das sind richtige Mädchen-Tanz-Lieder.' War das auch eine eurer Absichten?
P: Ja, eine von vielen.
S: Weißt du, als wir ein paar Songs fertig hatten, sind wir auf Tour gegangen und haben versucht, einen Plattenvertrag zu bekommen. Wenn man Songs schreibt und die einem Raum voll Menschen vorstellt, die die Stücke alle noch nicht gehört haben, dann mögen die Leute einfach schnellere Songs, Als es dann zum Album kam, haben wir auch ein paar langsame Stücke geschrieben. Aber in den kleinen Clubs - in denen es unser Ziel war, uns live neue Fans zu erspielen - da entstanden einfach immer mehr tanzbare Songs. Wir haben uns nicht zu Hause in Leeds hingesetzt und gesagt: "Lass uns einen tanzbaren Tune schreiben". Das passierte einfach schrittweise wegen der Gigs.
In meinen Ohren klingen alle eure Stücke fröhlich, selbst wenn sie langsam sind. Hängt das mit euren Charakteren zusammen?
P: Ja! Die Songs sind optimistisch, auch wenn das Tempo manchmal runter fährt. Radiohead schreiben langsame Songs, die traurig klingen und auch so gemeint sind. Sie schreiben diese Stücke um eine Message rüber zu bringen. Aber wir wollen Musik machen, bei der sich die Leute gut fühlen.
S: Sobald wir anfangen, unsere Instrumente zu spielen wollen wir einfach gut drauf sein. Es ist für uns eine angenehme, vergnügliche Erfahrung, Musik zu machen. Das merkt man dann anscheinend auch im Songwriting. Wir haben alle diese glücklichen Songs geschrieben, als wir ziemlich arm waren. Wir hatten alle Jobs, die wir nicht mochten. Wir haben mit sehr viel Nachdruck danach gestrebt, dass unsere Band gesignt wird. Dass jemand unser Album aufnimmt und dass es ordentlich rausgebracht wird. Man könnte denken, dass wir traurige Musik hätten schreiben müssen, denn das war nicht gerade die glücklichste Zeit in unserem Leben. Was dabei raus kam, ist aber sehr positiv und optimistisch. Wir werden sehen, was das nächste Mal passiert!
Ihr habt also noch nicht angefangen, neue Songs zu schreiben?
S: Wir haben ein paar Sachen geschrieben, wissen aber noch nicht, ob das was taugt.
P: Es handelt sich dabei um ein paar generelle Ideen.
S: Wir haben ja auch noch ein bisschen Zeit. Das nächste Album werden wir wohl ab Februar 2006 aufnehmen. Wir haben also noch keinen neuen Song, der definitiv auf dem Album landen wird.
Um aufs Livespielen zurück zu kommen: Ihr habt beim Live 8 in Philadelphia gespielt, und beim Glastonbury sind unglaublich viele Leute zu eurem doch noch recht frühen Slot gekommen. Was macht eure Live-Shows zu so etwas Besonderem, dass so viele Menschen das sehen möchten?
P: Die Leute schauen sich unsere Live-Shows an, weil sie einfach Spaß machen. Und das spricht sich rum. Leute mögen so was, aber viele Bands verändern sich nach einer Weile, so nach dem Motto: "Wir sind eine Rock'n'Roll-Band, die einiges mitgemacht hat, und wir schauen die ganze Zeit auf unsere Schuhe, starren ins Publikum ...". Weißt du, wir spielen nur Musik, die wir mögen, und es ist keine Schande, auf der Bühne Spaß zu haben. Das überträgt sich sehr gut aufs Publikum, das dann auch Spaß hat. Und diese Leute kommen wieder. Sie sagen sich: Das war doch diese gute Band, die ich auf dem Festival gesehen habe.
S: Wir haben ja auch live angefangen, uns eine Fan-Base erspielt und sind dann erst gesignt worden. Die meisten Fans haben wir über Live-Gigs erreicht. Es könnte auch sein, dass sich unsere Platte deshalb in anderen europäischen Ländern nicht so gut verkauft, wie in England. Denn da haben wir nicht so oft live gespielt, die Leute hatten nicht die Chance, uns auf der Bühne zu erleben. In England waren wir anderthalb Jahre als Support anderer Bands unterwegs. Das war brillant, aber wenn wir jetzt unsere eigenen Shows spielen, stehen in den ersten Reihen mit großer Sicherheit riesen Fans. Sie lieben unsere Show, egal was passiert.
Bevor ihr zu den Kaiser Chiefs wurdet, wart ihr Prava ...
S: Wir erwähnen das eigentlich nicht mehr.
Naja, ich habe das irgendwo gelesen, ihr müsst es also erwähnt haben.
S: Niemand hat sich für uns interessiert, als wir noch Prava waren. Und jetzt möchte plötzlich jeder mit uns darüber reden!?
Na, man möchte halt wissen, wo ihr her kommt, wie ihr euch entwickelt habt! Hat sich eure Musik seither stark verändert?
P: Ja! Erst als wir zu den Kaiser Chiefs wurden, wussten wir: Das ist die Richtung, in die wir wirklich gehen wollen. Davor war unser Stil ein wenig härter. Wir hatten da noch zwei Gitarren und es war alles mehr Rock. Radioheads erstes Album zum Beispiel war auch nicht so gut. In dem Klima, das heute in der Musikindustrie herrscht, wären sie danach gedropt worden. Sie hätten keine Chance für eine zweite Platte bekommen - so hätten sie nie diese fantastische Platte "The Bends" aufgenommen. Aber jetzt sind sie eine der größten Bands überhaupt. Und als Prava haben wir sozusagen unser erstes Album rausgebracht. Auf dem sind ein paar gute Sachen, wir waren ja auch die selben Musiker und die selben Leute. Etwas von den Kaiser Chiefs steckte da also auch schon drin. Wir haben mit der Band einfach gelernt. Das hat uns zu besseren Songwritern, aber auch zu einer besseren Live-Band gemacht. Irgendwelche Kommentare?
P: Nope!
S: Ok, keine Kommentare. Das mit Prava ging über drei Jahre. Da schreibt man schon viele Songs, aber wir wusten einfach nie so genau, wer wir eigentlich sein wollten. Mit den Kaiser Chiefs hatten wir dann eine Vorstellung, wie wir klingen sollten. Es war ein Neustart. Wir haben keinen der alten Songs mitgenommen, sondern einfach viele neue geschrieben.
Hört sich an, als ob ihr erleichtert wart, dass dieses Kapitel vorbei war.
S: Es ist eher so, dass man einen anderen Blick auf die Dinge hat, wenn man zurück schaut. Da sagt man sich dann ehrlicher: Dieses oder jenes war einfach nicht so gut. Während wir das gemacht haben, fanden wir uns allerdings ... brillant. Simon kichert.
Hat sich mit der Musik auch der Rest verändert? Euer Style, euer Verhalten auf der Bühne oder so?
P: Ja, ich denke, unser Verhalten auf der Bühne hat sich geändert, da wir wesentlich selbstsicherer geworden sind. Als wir "Oh My God" und "Saturday Night" geschrieben hatten - das waren die ersten Kaiser Chiefs-Songs - da hat es bei uns Klick gemacht. Das fühlte sich einfach so viel besser an und wir fühlten uns mit diesen Songs wesentlich sicherer auf der Bühne. Wir wurden live besser, die Leute hatten mehr Spaß bei unseren Gigs und das übertrug sich wiederum auf uns.
S: Wir hatten nun eine Richtung, in die wir uns bewegen wollten. Das gab es bei Prava nicht. Wir wollten alles und das zur gleichen Zeit machen. Eine unserer Singles hatte ein ziemlich hartes Stück und eine Dub-Track als B-Seite. Natürlich sagten wir bei den Kaiser Chiefs nicht: Das muss ab jetzt alles so und so klingen. Das kam mit der Zeit, während wir die Songs spielten. Besonders als wir "Oh My God" schrieben, wussten wir: Das ist der Sound, den wir machen wollen. Das sollte die Basis für unseren zukünftigen Sound werden.
Eine gute Basis! Danke für das Interview!
Das Interview führte Vicky Butscher
Souvenir (2012)
| So | 28.07.2013 | Kaiser Chiefs Greenville Festival (Paaren/Glien) |
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14,90 EUR
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neue platte "Off With Their Heads" Torti |
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15.10.08, 22:44 Shakalaka |
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Kaiser Chiefs-Radiokonzert DASDING_Radio |
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01.10.08, 13:42 DASDING_Radio |
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31.07.08, 12:33 agi3000 |
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Kaiser Chiefs MeMeMe |
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27.06.07, 19:44 LL Pop J |
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