Porträt

laut.de-Biographie

Bob Geldof

"Als ich die gesellschaftliche Bühne betrat, war es unvermeidlich, dass das die Musik überschatten würde. Ich wurde zu einem sozialen Phänomen und werde für immer der Typ von Live Aid bleiben", erzählt Bob Geldof oft über sich selbst in Interviews. Vom Punk-Rocker zum Verteidiger der Armen, vom Saulus zum Paulus, lautet der Tenor der öffentlichen Wahrnehmung bezüglich seiner Person. Es ist jedoch nicht so einfach, ihn in eine Schublade zu stecken und zu kategorisieren.

1951 in Dublin geboren, wächst Geldof in einem Land auf, das er als korrupt und beengend beschreibt. "Irland hatte eine absurd hohe Arbeitslosigkeit, einen Bürgerkrieg und eine kriminelle Regierung. Die Priester waren damit beschäftigt, die Kinder ihrer Gemeindemitglieder zu missbrauchen, aber niemand sagte etwas. Wir lebten in einer Republik des Schweigens. Aber es liegt nicht in meiner Natur zu schweigen", erinnert er sich.

1975 gründet er die Boomtown Rats. Nach einem viel versprechenden ersten Konzert vor 30 Zuschauern, das ihm einen One Night Stand beschert, erläutert er: "I want to get rich, get famous and get laid". Der Satz sorgt für Empörung und macht ihn und die Band über Nacht berühmt. 1976 siedeln sie nach London über, wo sie eine prägende Rolle in der aufkommenden New Wave-Bewegung spielen. In den folgenden Jahren gehören sie auch kommerziell zu den erfolgreichsten Bands ihrer Generation. 1982 erhält Geldof die Hauptrolle in Alan Parkers Verfilmung des Pink Floyd-Werkes "The Wall".

1984 erfährt er von einer Hungerkatastrophe in Äthiopien, die das Leben von Millionen Menschen bedroht, und beschließt, etwas dagegen zu tun. Mit Midge Ure schreibt er das Lied "Do They Know It's Christmas" und nimmt es mit 40 bekannten Musikern auf, unter ihnen Sting, Bono Vox und Paul McCartney. Der Erfolg des "Band Aid" ermutigt Geldof, das Projekt auszubauen. Am 13. Juli 1985 treten weltbekannte Künstler bei zwei riesigen Konzerten in Philadelphia und London auf. "Gebt uns euer Scheißgeld!", fordert Geldof 1.5 Milliarden Zuschauer vor dem Fernseher auf. Sie zeigen sich großzügig: 150 Millionen US-Dollar kommen durch das "Live Aid" an Spenden und Tantiemen zusammen.

Der Erfolg macht Geldof zu einer international geachteten Persönlichkeit. Die Queen kürt ihn zum Ritter, jahrelang gehört er zum engeren Kreis der Kandidaten für den Friedensnobelpreis. Er selbst nimmt die Sache eher gelassen. "Is That It?", "War's das schon?" betitelt er selbstironisch seine 1986 erschienene Autobiografie.

Im selben Jahr heiratet er seine langjährige Freundin Paula Yates und zeugt mit ihr die Kinder Fifi Trixibelle, Peaches und Pixie. Nach der Auflösung der Boomtown Rats erscheint 1986 sein erstes Soloalbum "Deep In The Heart Of Nowhere", das die erfolgreiche Single "This Is The World Calling" enthält. Die Nachfolger "Vegetarians Of Love" (1990) und "The Happy Club" (1992) stoßen auf weitaus weniger Interesse. "Live Aid hat meine Karriere ruiniert", wird Geldof danach jahrelang klagen.

Er setzt sich jedoch weiterhin für wohltätige Zwecke ein. Mit Bono wird er zum eifrigsten Vertreter eines Schuldenerlasses der ärmsten Länder der Welt. Gemeinsam sprechen sie bei wichtigen Politikern vor, halten Reden, geben Konzerte und erzeugen ein hohes Medienecho. "Wir sind die Laurel & Hardy der Dritten Welt", erklärt Geldof mit einem Augenzwinkern. Dennoch ist er auch durchaus in der Lage, sich von der rauhen Seite zu zeigen. Seine Wutausbrüche und mangelnde Scheu sogar gegenüber US-amerikanischen Präsidenten oder britischen Premierministern sorgen immer wieder für Schlagzeilen.

In der zweiten Hälfte der 90er Jahre ereilt Geldof ein familiäres Drama: 1995 lässt sich Yates scheiden und zieht mit Michael Hutchence zusammen. 1997 wird der Sänger von INXS aufgehängt in einem Hotelzimmer gefunden. Yates stirbt drei Jahre später an einer Überdosis Heroin. Ereignisse, die Geldof in eine tiefe Depression und an den Rande des Selbstmordes treiben. Schließlich richtet er sich auf, adoptiert Yates' und Hutchences Tochter Tiger Lily und stürzt sich in eine frenetische Aktivität.

So gründet er eine TV-Produktionsfirma und eine Internet-Reiseagentur, die er mit Millionengewinnen verkauft, bevor er sich in der Werbebranche betätigt. 2001 erscheint das düstere, autobiografische Album "Sex, Age & Death", in dem er die Ereignisse in seinem Umfeld verarbeitet. Anschließend gibt er weltweit hunderte Konzerte, engagiert sich weiterhin an der Seite Bonos und kämpft für die Rechte geschiedener Väter, die in England seiner Meinung nach gegenüber Frauen benachteiligt werden.

2004 bringt er die Boomtown Rats mit neu abgemischten Alben und unveröffentlichtem Material wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Wie auch Live Aid, das in einer üppigen Ausgabe auf DVD erscheint. Im Mai 2005 kündigt er eine riesige Benefizveranstaltung an: Am 2. Juli 2005 sollen Konzerte zeitgleich in London, Philadelphia, Rom, Paris, Ottawa, Tokio und Berlin mit mehr als 1000 Stars der Branche stattfinden.

"Live 8" soll diesmal kein Geld einbringen, sondern Druck auf die Politiker der acht wirtschaftlich mächtigsten Länder der Welt ausüben, deren Vertreter sich wenige Tage später auf einem G8-Gipfel treffen. Wieder tritt Geldof für eine Entschuldung afrikanischer Länder ein. "Alle drei Sekunden stirbt dort ein Mensch, weil wir nichts tun", erklärt er. Diesmal gehe es "nicht um wohltätige Gaben, sondern um Gerechtigkeit".

Seine musikalische Ader lässt der vielbeschäftigte Mann lange ruhen. 2011 beendeet "How To Compose Popular Songs That Will Sell" seine zehnjährige Schaffenspause.

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Various Artists - Live Aid: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2004 Live Aid

Kritik von Mathias Möller

1,5 Milliarden Zuschauer sind nicht genug! (0 Kommentare)

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