Porträt

laut.de-Biographie

The Libertines

Jung, aufgedreht, partyhungrig, musikverrückt: Die undurchsichtige Geschichte der Libertines ist ursprünglich die von mehr als einem Dutzend Gestalten aus dem Osten Londons, von denen letztlich nur vier übrig bleiben. Die nähern sich dafür dem Rockstar-Ruhm ziemlich rasch an.

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Zumindest wird das, was um 1997 mit losen Auftritten in noch loseren Bandbesetzungen startet, fünf Jahre später als die britische Strokes-Version gehypt. Pete Doherty (voc, g), Carl Barât (voc, g), John Hassall (b) und der Amerikaner Gary Powell (dr) sind die Libertines, die es aus heruntergekommensten Spelunken zu einem Plattenvertrag mit dem englischen Kultlabel Rough Trade gebracht haben.

Und nach der Insel beginnt sich Ende der 90er auch Resteuropa und sogar Japan für die junge Garage Rock-Hoffnung zu interessieren. Doherty und Barât bilden die Keimzelle und das Songwriter-Gespann der Band. Angeblich lernen sich beide 1996 kennen, als Petes Schwester ihren Bekannten Carl bittet, doch mal nach Pete zu schauen, während sie einen Kurs besuchen muss.

Carl willigt ein und tauscht ein paar Floskeln mit dem hochgewachsenen Kerl in zerrissener Lederjacke aus, um sich schon kurz darauf ordentlich mit ihm zu prügeln. Doch das ist nur eine von zahlreichen Anekdoten, die die Anfangszwanziger bei Interviewterminen auf Lager haben. Der BBC verraten sie, dass sie schon so viele Storys erfunden hätten, dass der tatsächliche Hergang der Geschichte praktisch nicht mehr rekonstruierbar sei.

Carl Barât - Under The Influence
Carl Barât Under The Influence
Zehn "The"-Bands sprechen eine deutliche Sprache.
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Von Barât ist überliefert, dass er aus schulischem Gruppenzwang eine Michael Jackson-Phase durchmachte, die genau dann endete, als ihm sein Biologie-Lehrer ein Tape von Velvet Underground in die Hand drückt (Äh, wo gibts diese Biologie-Lehrer?, Anm. d. Red.). Plötzlich erkennt er die Existenz wahrer Seele, die Musik zu bieten imstande ist und er beginnt, eigene Songs auf der Gitarre zu komponieren. Der Unwille der Velvets, sauber gespielte Akkordfolgen aufzunehmen, klingt bald auch auf Libertines-Songs durch.

Petes musikalische Gehversuche ergänzen sich prima mit denen des neuen Kumpels und schnell sind die ersten Songs im Kasten. Nun beginnt sich das Besetzungskarussell munter zu drehen. An den Drums sollen vor Gary bereits ein knapp 60-Jähriger und eine Prostituierte Platz genommen haben, ein weiterer Ex-Libertine verlässt den Drummer-Sitz für eine Combo namens Cactus Camel. Auch am Mikro und der Bass-Gitarre stehen mehrere Wegbegleiter, die sich die Ehre, ein Libertine ("Wüstling", "Freigeist") zu sein, allerdings erst verdienen mussten - was auch immer das bedeutet.

Mit ihrem Einstieg bringen John und Gary jedenfalls eine neue Routine mit ins Bandgefüge, was schließlich zum Deal mit Rough Trade und der Top 40-Debütsingle "What A Waster" führt. Als Produzent fungiert Ex-Suede-Gitarrist Bernard Butler. Schnell sind Englands Gazetten aus dem Häuschen, der NME spricht von seinen neuen Helden gar als dem "besten seit Opium-Lollis". Dies findet auch Ex-Clasher Mick Jones, der das Debütalbum "Up The Bracket" produziert, auf dem sich derart viele Kracher einfinden, dass die Band sich sogar dazu entschließt, "What A Waster" einfach wegzulassen.

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The Libertines "Jeder schreibt nur über Peter ..."
Carl Barât ist schön. Und so selbstbewusst, dass er für ein Interview sein Nuscheln absichtlich verstärkt ... und am Ende charmant fragt, ob's schlimm war. So sind die Libertines: Nach außen gehört ihnen die Welt. Nach innen sind sie sensibel und verletzlich; stolpern gerade über die simpelsten Fragen.
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The Clash werden als Vergleichspunkte für den rotzig-rauhen Libertines-Sound auch verstärkt heran gezogen, zusammen mit anderen Heroen des Königreichs wie den Kinks, The Jam, Blur oder The Smiths. Das Album geht in England in die Top 30, was die Band dazu veranlasst, ihren Manager rauszuschmeißen, der ihnen mit der Zeit zu streng geworden ist. Im November 2002 supporten die Libertines das große Idol Morrissey in Londons großer Brixton Academy.

Anschließend kommen auch deutsche Clubs zum ersten Mal mit den neuen UK-Lads in Berührung. Obwohl auch hier das Chaos Regie zu führen scheint (die Hamburg-Show dauert nur 30 Minuten), geht es den deutschen Fans zumindest besser als denen im englischen Scarborough. Dort steht die Band zum ersten (und bei weitem nicht zum letzten) Mal ohne Pete auf der Bühne. Noch auf dem Weg zur Show lernt Carl alle Gesangsparts seines Kollegen auswendig. Grund: Er hatte sich vormittags mit Pete im Studio geprügelt.

Als wäre dies bereits ein Vorbote, steht auch das Jahr 2003 unter keinem günstigen Stern für das Quartett. Auf der ersten Amerika-Tournee verfällt Doherty den Drogen, was Barât mächtig missfällt. Falsche Freunde und steigender Konsum führen dazu, dass Doherty immer weiter abdriftet und Ende Juni plötzlich nicht mehr mit seinen Kumpels auf der Bühne steht.

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Kurz darauf bereisen die Libertines Japan, was der Zurückgelassene Doherty dazu nutzt, in die Wohnung seines Kumpels Barâts einzubrechen. Seine Beute umfasst eine antike Gitarre, ein Laptop, ein CD-Player und weitere Wertgegenstände, die er bald gegen Bares eintauscht.

Einhergehend mit der späteren Verhaftung gibt Doherty erstmals Crack- und Heroin-Konsum zu. Im Zuge seiner Wut auf die alten Kollegen formt er im August 2003 die Babyshambles, mit denen er, ähnlich den frühen Libertines, spontane Guerilla-Gigs in Londoner Bars und Kneipen gibt, manchmal aber auch nur Gigs ankündigt und nicht durchführt. Im Oktober kommt Doherty nach nur zwei Monaten Knast schneller frei als erwartet. Am Gefängnistor wartet bereits Barât, der nach eigenen Worten verhindern will, "dass ihn seine seltsamen Freunde zuerst kriegen." Am selben Abend geht in einem kleinen Club in der Grafschaft Kent ein Libertines-Reunion-Gig über die Bühne, eine große Geste der Versöhnung.

Die anschließenden Entzugsversuche Dohertys scheitern jedoch allesamt, er verfällt wieder den Drogen und verkracht sich erneut mit seinen Bandkollegen. Ein wahres Wunder, dass unter diesen Umständen innerhalb von zwei Wochen im Frühjahr 2004 noch ein zweites Album entstehen konnte. Allerdings auch nur in Anwesenheit zweier Security-Männer auf, die die Streithähne in Schach halten.

Im Spätsommer erscheint das Werk, für das der eher schüchterne Barât der Presse alleine Interviews geben muss, da Doherty dem Bandgefüge zum Zeitpunkt nicht mehr angehört. Er solle erst seine Sucht in den Griff bekommen, so sein Glaubensbruder traurig. Für die anschließende Welttournee ersetzt ihn Gitarrist Anthony Rossomando, der bereits 2003 sporadisch für Doherty eingesprungen ist. Dieser lässt sich derweil von Kollegen wie Wolfman ("For Lovers") oder Client als Gastsänger buchen. Nebenbei arbeitet er mit den Shambles am ersten Album.

Am 3. November 2004 verkündet Barât das Aus der krisengeschüttelten Band und versammelt kurz darauf die Dirty Pretty Things um sich. Doherty erhält zwar wohlwollende Kritik für seine spärlichen musikalischen Lebenszeichen, mischt aber in erster Linie den Boulevard mit Bildern von Koks-Sessions mit Kate Moss, Drogenrazzias oder Reha-Aufenthalte auf.

Anfang 2010 werden die jahrelang schwelenden Reunion-Hoffnungen der Fans tatsächlich Wirklichkeit. Zumindest willigen alle vier Mitglieder ein, für geschätzte 1,6 Millionen Euro im August auf den britischen Festivals Reading und Leeds als Headliner aufzutreten.

The Jam-Ikone Paul Weller kommt daraufhin aus dem Jubeln nicht mehr heraus: "Ich bin kein Freund von Reunions, aber diese Band ist etwas Besonderes. Die Nation braucht die Libertines. Ich finde sie besser als The Clash. Ist das strittig? Es ist wahr. Zumindest was mich betrifft".

Interviews

The Libertines: "Jeder schreibt nur über Peter ..."

September 2004 "Jeder schreibt nur über Peter ..."

Interview von Vicky Butscher

Carl Barât ist schön. Und so selbstbewusst, dass er für ein Interview sein Nuscheln absichtlich verstärkt ... und am Ende charmant fragt, ob's schlimm war. So sind die Libertines: Nach außen gehört ihnen die Welt. Nach innen sind sie sensibel und verletzlich; stolpern gerade über die simpelsten Fragen. (0 Kommentare)

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Sie küssten und sie schlugen sich! Die Libs im Studio und auf der Straße.

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Backstage 15.11.2002 Müde Jungs vor dem Konzert.

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Sa 04.10.2014 Berlin (Arena)
So 05.10.2014 Düsseldorf (Mitsubishi Electric Halle)

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