Porträt

laut.de-Biographie

Babyshambles

2002, ein beliebiges Konzert der Libertines: es gibt erst ein Album der Band. Keine Hysterie. Und vor allem keine Klatschzeitungen, die über diesen jungen, gefallenen Helden berichten, der eine Anziehungskraft aufweist, wie sie nur besonders charismatische Sänger und Schauspieler besitzen. Schon bei diesen ersten größeren Autritten ist dem Publikum schnell eines klar: Bei Pete Doherty ist nichts aufgeräumt, er sieht fertig aus. So, als sei er drauf. Immer.

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Später stellt sich diese Vermutung als wahr heraus. Heute meint jeder, sich denken zu können, was mit Doherty schon damals los war. Wahrscheinlich hat auch jeder Einzelne recht. Die eigentliche Geschichte der Babyshambles beginnt zwar nicht hier, sehr wohl aber damit: Mit den Drogen.

Doch es gibt auch einen Pete abseits des Gossips: Der schreibt weiter wie ein Wahnsinniger Songs und hat seine Babyshambles von einem Ein-Mann-Projekt zu einer Band erweitert. Zusammen mit seinem Kumpel Wolfman schreibt er den Top Ten-Hit "For Lovers", an dessen Fertigstellung - kaum zu glauben - auch Carl Barât beteiligt ist. Er steht im April 2004 in den Läden. Die erste, selbstbetitelte Single der Babyshambles erscheint im selben Monat in einer Mini-Auflage von gerade einmal 1.000 Stück auf High Society Records. Wer daran außer Pete beteiligt ist, ist nicht sicher.

"Das Härterste war, das Line-Up zusammen zu bekommen", behauptet Doherty später. Doch im Sommer 2004 hat er es endgültig geschafft: Neben Pete am Mikro und Akustik-Gitarre stehen nun sein langjähriger Freund Patrick Walden als Gitarrist, dessen Kumpel Drew Mcconnell (spielt auch bei The Phoenix Drive) am Bass und Gemma Clarke hinterm Schlagzeug. Letztere lernt Doherty einige Jahre zuvor kennen, als dieser mit den Libertines im Studio von Gemmas Vater probt.

Ihre erste Tour führt die Band im September und Oktober quer durch England. Mit von der Partie ist auch Dot Allison (One Dove/Death In Vegas/Massive Attack), die Pete über ihren Bruder kennen lernt. Dieser betreibt eine Zeitschrift namens Full Moon Empty Sportsback, für die Pete ab und zu Artikel beisteuert. Sämtliche Gigs erscheinen improvisiert, das Publikum entert die Bühne und sorgt - sollte die Band nicht auftauchen, was gelegentlich der Fall ist - für ordentlich Randale.

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Auch die folgende Tour im Winter 2004 wirft kein gutes Licht auf den Zustand Pete Dohertys und seiner Band. Immer wieder sagen sie aus den mannigfaltigsten Gründen Konzerte ab. Mal gelangen sie nicht rechtzeitig zu den Gigs, dann wieder steht Doherty angeblich kurz vor einer Überdosis. Doch auch total weggeschossen erklimmt er noch die Bühne. Der Band scheint es immer unmöglicher, mit Pete aufzutreten. Trotzdem erscheint im November 2004 "Killamangiro". Die erste Single, die die Vollbesetzung der Babyshambles aufnimmt, erklimmt in den britischen Charts Platz acht.

Nach einem missglückten Silvester-Marathon hat Gemma genug. Das Mädchen, das auf Tour "Findet Nemo" auf Heavy Rotation guckt und sich nach ihren Pferden und Hunden sehnt, schmeißt die Tücher hin. Sie ist vom Managament enttäuscht, das ihrer Meinung nach dem übermaß nehmenden Drogenkonsum der anderen Bandmitglieder nicht genug Einhalt gebietet. "Deshalb ging alles den Bach runter" erzählt sie später in einem Interview. Sie war mit den Jungs einfach nicht mehr auf einem Level. "Ich konnte nicht mehr mit ihnen reden." Mitte Januar ist sie raus und zurück bei ihrer alten Band, den Suffrajets. Als Ersatz kommt Adam Ficek, den Doherty später als "Den Gesunden" der Band bezeichnet.

Im April und Mai trifft sich die Band mit Mick Jones im Studio und versucht, die Songs fürs Debüt-Album aufzunehmen. Kaum einer glaubt daran, dass dieses jemals fertig wird. Sogar Doherty selber gibt gegenüber dem Radiosender XFM zu: "Es war immer klar, dass wir das Album machen würden. Wir mussten nur alle in einen Raum bekommen und den Aufnahme-Knopf drücken. Naja, Aufnahme zu drücken war einfach, es war nur ein kleines Problem in den Raum zu kommen."

Im August 2005 erscheint die dritte Single. "Fuck Forever" schockiert mit Titel und Cover: Die Schemen eines Jungen, der eine Pistole auf den Käufer richtet. Aber das macht der fanatischen Fan-Fraktion in Großbritannien nichts aus. Sie befördern das gute Stück mit ihren Käufen auf Platz vier der Single-Charts.

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Doch spätestens einen Monat später ist auch das letzte Bisschen gute Laune aus Dohertys Leben gewichen. Das britische Boulevardblatt Daily Mirror titelt "Cocaine Kate". Ein Mensch aus Dohertys nahem Umfeld soll die Band und Kate im Studio beim Koks ziehen mit seinem Handy gefilmt und dann an den Daily Mirror verkauft haben.

Ein Schuldiger ist bald gefunden und gefeuert: Angeblich war es der Tour-Manager. Leider weigern sich die vier nun, von ihm vereinbarte Gigs zu spielen. So fällt die November-Tour auf dem europäischen Festland kurz vor ihrem Start ins Wasser.

Außerdem sickert durch, das Cover-Design fürs Babyshambles-Debüt "Down In Albion" sei auf einem Flug verschwunden/geklaut worden. Mutmaßungen, die Band wolle damit verschleiern, dass das Album noch nicht fertiggestellt sei, verlaufen aber schnell im Sande. Mitte Oktober findet das fertige Werk seinen Weg ins Internet. Dieses Mal ist ausnahmsweise nicht davon auszugehen, dass Doherty selbst dahinter steckt. Bis zur Veröffentlichung des Albums hat sich die Hysterie um die Band und vor allem die Person Doherty von der Insel auf Europa ausgeweitet.

Doch da wäre noch die Musik: Rau und doch sensibel klingen die Songs, die Doherty für die Libertines komponierte. Zwar spürt man auch auf "Down In Albion" ein Aufmucken gegen gesellschaftliche Standards, alles erscheint jedoch - obwohl es noch verstimmter klingt - sanfter als bei den Libertines. Das ist jedoch kein Wunder, fehlt hier die Reibung am Gegenpart in Person des Carl Barât.

Nach dem Album-Release nehmen die Babyshambles sogar einige Konzerttermine wahr. Kurz vor Weihnachten verlässt mit Gitarrist Patrick allerdings das zweite Drogenopfer die Band. Wie es zunächst scheint, ist dies eine endgültige Entscheidung. Doch da bei den Babyshambles immer alles anders läuft als man es erwartet, steht er Ende Januar plötzlich wieder mit auf der Bühne.

Im Dezember 2006 kommt "The Blinding" in die Läden. Eine Fünf-Track-EP, die die Babyshambles künstlerisch voll auf der Höhe zeigt. Neben eingängigen, für Doherty typische Nummern wie den Titeltrack oder "Beg, Steal Or Borrow" findet sich hier auch die großartige Two-Tone-Hommage "I Wish". Außerdem covert die Band mit der Hilfe einiger Kollegen (u.a. We Are Scientists und The Rakes) den Clash-Klassiker "Janie Jones".

Nacchdem Doherty sich zwischenzeitlich von Moss trennt und mit Barât aussöhnt, kommt Ende September 2007 tatsächlich ein neues Babyshambles-Album ("Shotters Nation") in die Läden. Auf dem, man höre und staune, auch Kate Moss an vier Songs mitgeschrieben hat, natürlich vor der Trennung der beiden. Wegen dieser musste auch das Cover kurzfristig geändert werden, denn eigentlich sollte ein Bild des Models auf die Hülle.

Während der Veröffentlichung des Albums verkündet Pete nach einem erneuten Drogenentzug, er sei nun geheilt und wolle sein Leben von Grund auf ändern. Die restlichen Babyshambles glauben aber nicht so recht daran, denn sie erklären, so viele Songs wie möglich aufnehmen zu wollen und genug Material zu haben, falls Pete für längere Zeit in den Knast muss.

Im März 2009, vier Tage nach seinem 30. Geburtstag, bringt Pete, der sich mittlerweile Peter nennt und in Paris lebt, mit "Grace / Wastelands" sein erstes Solowerk auf den Musikmarkt. Was viele nicht wissen: Auf die Frage des englischen Musikmagazins NME, warum er ein Soloalbum anstatt eines weiteren Babyshambles-Album aufgenommen habe, antwortet Doherty: "Ernsthaft? Weil mein Deal mit Parlophone fordert, dass ich zwei Platten mit den Babyshambles sowie eine Soloplatte als Pete Doherty aufnehme."

Interviews

The Libertines: "Jeder schreibt nur über Peter ..."

September 2004 "Jeder schreibt nur über Peter ..."

Interview von Vicky Butscher

Carl Barât ist schön. Und so selbstbewusst, dass er für ein Interview sein Nuscheln absichtlich verstärkt ... und am Ende charmant fragt, ob's schlimm war. So sind die Libertines: Nach außen gehört ihnen die Welt. Nach innen sind sie sensibel und verletzlich; stolpern gerade über die simpelsten Fragen. (0 Kommentare)

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Zürich, 2013 Pete Doherty und seine Gang im X-TRA.

Pete Doherty und seine Gang im X-TRA., Zürich, 2013 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Pete Doherty und seine Gang im X-TRA., Zürich, 2013 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Pete Doherty und seine Gang im X-TRA., Zürich, 2013 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Pete Doherty und seine Gang im X-TRA., Zürich, 2013 | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi)

Rock Am Ring 2008 Besser spät als nie ...

Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst) Besser spät als nie ..., Rock Am Ring 2008 | © laut.de (Fotograf: Tobias Herbst)

Live in Köln 2008 Pete Doherty, live und pünktlich in der Kölner Live Music Hall.

Pete Doherty, live und pünktlich in der Kölner Live Music Hall., Live in Köln 2008 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Pete Doherty, live und pünktlich in der Kölner Live Music Hall., Live in Köln 2008 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Pete Doherty, live und pünktlich in der Kölner Live Music Hall., Live in Köln 2008 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Pete Doherty, live und pünktlich in der Kölner Live Music Hall., Live in Köln 2008 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Pete Doherty, live und pünktlich in der Kölner Live Music Hall., Live in Köln 2008 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Pete Doherty, live und pünktlich in der Kölner Live Music Hall., Live in Köln 2008 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Pete Doherty, live und pünktlich in der Kölner Live Music Hall., Live in Köln 2008 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Pete Doherty, live und pünktlich in der Kölner Live Music Hall., Live in Köln 2008 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Pete Doherty, live und pünktlich in der Kölner Live Music Hall., Live in Köln 2008 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Pete Doherty, live und pünktlich in der Kölner Live Music Hall., Live in Köln 2008 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

Surftipps

  • Babyshambles Official Website

    Die Band lebt von den Sagen, die um sie gewoben werden. Auch hier gibt's nix zu ergründen, sondern nur essential infos.

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    www.myspace.com/babyshamblesofficial

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