Porträt

laut.de-Biographie

Elvis Costello

Neben Frank Zappa ist Elvis Costello einer der bekanntesten nichtbekannten Musiker. Beide Namen sind der breiten Öffentlichkeit geläufig, beide gelten als Genies und Erneuerer populärer Musik, die Wenigsten kennen jedoch mehr als das eine oder andere Lied - ihr Werk ist so vielseitig und eklektisch, dass es schwierig ist, den Überblick zu behalten.

1954 als Declan MacManus in London geboren, nennt er sich nach Mitgliedschaften in Bands mit kuriosen Namen wie Mothertruckers oder Flip City erst in DP Costello, schließlich in Elvis Costello um. 1977 erscheint mit "My Aim Is True" sein erstes Album, das er in 24 Stunden mit den zukünftigen News von Huey Lewis aufnimmt. Durch verschiedene werbeträchtige Aktionen, darunter einen frechen Auftritt bei Saturday Night Live nach einer Absage seitens der Sex Pistols, macht er sich in den USA und in England einen Namen. Die Single "Watching The Detectives" landet in den Charts, das Album schafft es sogar in die US-amerikanischen Top 40.

Mit den Nachfolgern "This Year's Model" und "Armed Forces" kommt der große Erfolg. Es folgen ausführliche Tourneen, Affären (darunter eine langjährige mit Bebe Buell) und Saufgelage. Während einem Wortgefecht in einer Kneipe in Florida rutschen ihm abfällige Bemerkungen über schwarzamerikanische Musiker raus - ein gefundenes Fressen für die Klatschmedien, die das Thema ausreizen und zu einer Affäre aufblasen. Costello entschuldigt sich auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz und tritt bei "Rock Against Racism" auf, trotzdem muss er seine US-Tour abbrechen, während "Armed Forces" rasch aus den hohen Ebenen der Charts verschwindet.

Zurück in England wird Costello zum Produzenten der Specials, bevor er sich der Aufnahme seines vierten Albums widmet. "Get Happy!!" ist weniger erfolgreich als der Vorgänger, sein Pop/Punkrock dafür experimentierfreudiger. Es ist der Anfang einer Reise durch ziemlich alle musikalischen Genres, die seine zukünftige Karriere bestimmen wird. 1981 erscheint mit "Almost Blue" ein Album mit Country-Covern, "Imperial Bedroom" enthält ein Jahr später orchestrale Begleitung. Als Promotion führt es Costello mit seiner Begleitband The Attractions und der Royal Philharmonic Orchestra in London live auf.

Neben regelmäßig erscheinenden Platten unter eigenem Namen schreibt Costello mehrere Songs für andere Musiker und wird 1984 Produzent der Pogues, mit denen er auch auf Konzerten auftritt. Beim Live Aid 1985 singt er solo "All You Need Is Love" von den Beatles. Erst 1989 kann er jedoch mit "Spike" wieder einen größeren Erfolg melden. Aus ursprünglich angedachten fünf Alben zusammengestellt, enthält es eine recht wilde Mischung verschiedener Stilrichtungen. Die Single "Veronica", auf der auch Paul McCartney zu hören ist, wird zu seiner erfolgreichsten in den USA. Das dazugehörige Video gewinnt am Ende des Jahres sogar einen MTV Video Music Award.

1992 beginnt eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den Streichern des Brodsky Quartet. Neben dem gemeinsamen Album "The Juliet Letters" spielen sie im Laufe der 90er Jahre immer wieder zusammen, sowohl im Studio als auch auf der Bühne. So entsteht mit der Sopranistin Anne Sofie von Otter 1996 das Werk "Three Distracted Women", ein Jahr später führt die renommierte Academy Of St. Martin In The Fields unter Neville Marriner die Komposition "Tom Thumb" aus.

Obwohl sein Interesse in den 90er Jahren verstärkt der klassischen Musik gilt, ist er weiterhin auch in der Popszene tätig. 1994 singt er mit Tony Bennett bei dessen "MTV Unplugged" mit. 1997 ist er sogar in "Spice World" von den Spice Girls zu sehen. Nebenbei arbeitet er mit den Jazzern der Mingus Big Band zusammen, komponiert mit Paul McCartney und leistet Beiträge zu den Soundtracks von "The Big Lebowsky" und "Notting Hill". Mit dem Schmalzsänger Burt Bacharach nimmt er 1999 "I'll Never Fall In Love Again" für die Musik zu "Austin Powers 2" auf (in dem er auch einen Kurzauftritt hat). Ein Jahr zuvor hatten sie gemeinsam das Album "Painted From Memory" eingespielt und dafür einen Grammy gewonnen.

Nach Arbeiten für ein Theaterstück und eine Fernsehserie erscheint 2002 mit "When I Was Cruel" sein erstes Rock-Album seit 1995. Im selben Jahr lässt er sich nach sechzehn Jahren Ehe vom ehemaligen Pogues-Mitglied Cait O'Riordan scheiden und geht eine Beziehung mit der Jazzmusikerin Diana Krall ein, die er 2003 heiratet. Das auf Deutsche Grammophon veröffentlichte "North" ist eine Sammlung an Liebesliedern mit Klavier- und Orchesterbegleitung.

Auch seine zweite Ehe ändert nichts an der Menge und Qualität seines Outputs. Was 2008 dazu führt, dass ihm die Universität von Liverpool einen Ehrendoktortitel verleiht. Für Schlagzeilen sorgt Costello auch im Mai 2010, als er ein Konzert in Israel absagt, um gegen die schlechte Behandlung der palästinensischen Bevölkerung zu protestieren.

Ende des Jahzehnts aktiviert er wieder seine fruchtbare Freundschaft zu T Bone Burnett, der unter anderem sein Album "Spike" (1989) produziert hatte. Die Ergebnisse sind das countrylastige "Secret, Profane & Sugarcane" (2009) und das eher rockige "National Ransom" (2010).

2013 sorgt Costello für eine Überraschung. Nach einem Auftritt in gemeinsamen Auftritt in der Jimmy Fallon Show nimmt er mit dessen Hausband The Roots das Album "Wise Up Ghost" auf. Eine Frischzellenkurz zwischen Funk, 2-tone, Hip Hop und dem frühen Costello.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung beschreibt Costello seine Einstellung: "Ich denke nicht mit so einem Ansatz über meine Musik nach. Das ist mir zu analytisch. Wir Musiker machen die Musik mit dem Material, das uns in einem bestimmten Moment zur Verfügung steht. Ich denke niemals daran, ob das, was ich mache, nun New Wave, Alternative, Americana oder sonst etwas ist. Solche Etiketten bergen immer die Gefahr, dass man den Blick für das Wesentliche verliert, nämlich für den tatsächlichen Inhalt der Musik, ihre Lebendigkeit. Das ist, als ob man eine Packung Kekse kauft und dann in die Verpackung beißt, in der Erwartung, dass sie gut schmeckt."

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Elvis Costello - North: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 5 Punkte

2003 North

Kritik von Giuliano Benassi

Bewegende Liebeserklärungen mit Orchesterbegleitung. (0 Kommentare)

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Live in Konstanz Elvis Costello am 6.7.2005 live beim Zeltfestival Konstanz.

Elvis Costello am 6.7.2005 live beim Zeltfestival Konstanz., Live in Konstanz | © LAUT AG (Fotograf: Oliver Lambrecht) Elvis Costello am 6.7.2005 live beim Zeltfestival Konstanz., Live in Konstanz | © LAUT AG (Fotograf: Oliver Lambrecht) Elvis Costello am 6.7.2005 live beim Zeltfestival Konstanz., Live in Konstanz | © laut.de (Fotograf: Michael Schuh) Elvis Costello am 6.7.2005 live beim Zeltfestival Konstanz., Live in Konstanz | © laut.de (Fotograf: Michael Schuh) Elvis Costello am 6.7.2005 live beim Zeltfestival Konstanz., Live in Konstanz | © laut.de (Fotograf: Michael Schuh)

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Di 07.10.2014 Hamburg (Große Freiheit)
Do 09.10.2014 Berlin (Admiralspalast)
Fr 10.10.2014 Leipzig (Haus Auensee)
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