Porträt

laut.de-Biographie

Burt Bacharach

Kreativität scheint bei den Bacharachs nicht unbedingt in der Familie zu liegen. Auch wenn Burt Freeman Bacharach, am 12. Mai 1928 geboren, als beispielhaft das Gegenteil beweist, fiel Vater Bert bei der Namensgebung offenbar nicht viel ein. Nichts desto trotz kümmern sich seine Eltern von Anfang an um die musikalische Ausbildung ihres Sohnes.

So zieht die Familie 1939 von Kansas City nach Kew Gardens im New Yorker Stadtteil Queens. Dort besteht seine Mutter darauf, dass Burt Cello-, Schlagzeug- und ab dem zwölften Lebensjahr Klavierunterricht bekommt. Der zeigt sich zu dem Zeitpunkt nicht gerade begeistert und träumt viel lieber von der großen Football-Karriere. Seine Größe oder besser das Fehlen derselbigen verhindern diese aber wirkungsvoll.

Erst als Teenager entdeckt Burt dann die Liebe zum Jazz, die alles verändert. Manchmal besorgt er sich sogar einen gefälschten Ausweis, um sich in die Nachtclubs zu schleichen und Legenden wie Dizzy Gillespie oder Charlie Parker zu sehen. Letztendlich führt diese Liebe zur Gründung seiner ersten Band, einer zehnköpfigen Truppe, die mit ihm am Piano bald bei mehreren Partys und Tanzveranstaltungen auftritt. In der Zeit schreibt er laut eigener Aussage auch seinen ersten Song: "The Night Plane To Heaven".

Endgültig Feuer und Flamme, studiert Burt Theorie und Komposition. Zuerst an der Mannes School Of Music in New York City, dann am Berkshire Musik Center und an der New School For Social Research. An Letzterer unter den Fittichen der Komponisten Bohuslav Martinu, Henry Cowell und Darius Milhaud. Außerdem erhält er ein Stipendium für die Musikakademie des Westens im kalifornischen Santa Barbara.

Während seines Armeedienstes von 1950 – 1952 vernachlässigt der angehende Komponist die Musik nicht und gibt Klavierkonzerte im Offiziers-Club auf Governor Island und in Fort Dix. Die Auftritte bestehen zu dieser Zeit größtenteils aus Pop Medleys der damaligen Zeit und Improvisationen. Während seiner Arbeit als Tanzkapellen-Meister bei der Armee lernt er in Deutschland den Sänger Vic Damone kennen und wird nach seinem Austritt dessen Klavierbegleiter.

Zusätzlich arbeitet er in Nachtclubs und Restaurants, wo er ebenfalls Größen wie The Ames Brothers, Imogene Coca, Polly Bergen, Joel Grey, Georgia Gibbs, Steve Lawrence und eine junge Sängerin namens Paula Stewart auf dem Klavier begleitet. Zwischen im und Stewart entwickelt sich eine Liebesbeziehung und die beiden heiraten 1953.

Vier Jahre später tut Burt sich mit dem Texter Hal David zusammen und die beiden schreiben mehrere mit Gold ausgezeichnete Hits, unter anderem für Marty Robbins ("The Story Of My Life") oder Perry Como ("Magic Moments"). Nach dem Ehe-Aus 1958 tourt Burt drei Jahre als Generalmusikdirektor für Marlene Dietrich durch Europa und Amerika. Doch er komponiert auch weiterhin für andere Musiker, und so entwickeln sich "Please Stay" von den Drifters, "Tower Of Strength" von Gene McDaniel und "Baby It's You" der Shirelles zu großen Hits.

1962 kommt es zur Kollaboration mit dem Texter Bob Hillard für "Any Day Now" das Chuck Jackson Platz Nummer 23 in den US-Charts sicherte. Burts größte Erfolge in dieseem Jahr entsteht aber aus der Zusammenarbeit mit Hal David, der an "The Man Who Shot Liberty Valance" mitschreibt. Inspiriert von dem gleichnamigen John Wayne/James Stewart-Film erreicht der Song Platz vier der US-Charts. Noch höher klettert "Only Love Can Break A Heart", nämlich auf Nummer zwei. Beide Stücke interpretiert Gene Pitney.

Zusammen mit Bob Dillard arbeitet er viel mit den Drifters zusammen und lernt so Marie Dionne Warwick kennen, ein Mitglied der Background-Vocals-Truppe der Gospelaires und Nichte des Sängers Cissy Houston. Die Dame versteht sich meisterhaft darauf, Burts Melodien und Tempoumschwünge zu interpretieren und glaubt der Track "Make It Easy On Yourself" sei für sie bestimmt. Als die Songwriter ihr gestehen, das Lied bereits Jerry Butler gegeben zu haben, antwortet sie ärgerlich: "Don't make me over, man!" was soviel bedeutet wie: "Lüg mich nicht an!".

Diese Aussage resultiert 1962 in ihrem ersten Hit, mit dem Titel, na wie wohl? Genau, "Don't Make Me Over". Das Team Bacharach und David schreiben und produzieren weitere Top Ten Hits für die Sängerin, unter anderem "Anyone Who Had A Heart" (1963), "Message To Michael" (1966) oder "I'll Never Fall In Love Again" (1969). Neben Warwick arbeiten die beiden aber auch für andere Künstler wie Jackie DeShannon, Fifth Dimension, Manfred Mann, Bobby Vinton, Tom Jones, Dusty Springfield und Jack Jones. Außerdem beginnen andere Interpreten wie die Carpenters damit, die Hits des Produzenten-Duos zu covern.

1966 tritt Burt zum zweiten Mal vors Traualtar, diesmal mit der Schauspielerin Angie Dickson. Über sie steigen er und David ebenfalls ins Filmgeschäft ein, allerdings auf musikalischer Ebene. So komponiert er den Titelsong für "Alfie" und die Soundtracks für "What's New, Pussycat?" oder "Casino Royale". Außerdem schreibt er den Titelsong "Raindrops Keep Falling On My Head" für den Film "Zwei Banditen Butch Cassidy und Sundance Kid", gesungen von B.J. Thomas, der ihm einen Oscar und einen Grammy einbringt.

Mit Neil Simon arbeitet er an einer Musical-Version des Billy Wilder Films "Das Apartment". Heraus kommt "Promises, Promises", dass drei Jahre läuft und zwei Tonys sowie einen Grammy gewinnt. Nebenbei tritt er auch zum ersten Mal selbst als Künstler in Erscheinung und nimmt sein erstes Album "Hit Maker! Burt Bacharach Plays The Burt Bacharach Hits", in dem er größtenteils seine bekanntesten Hits neu aufnimmt. Danach bringt er immer wieder eine solche Kollektion seiner Songs heraus, wie "Living Together" (1967) oder "Make It Easy On Yourself" (1969).

In den folgenden Jahren schreiben Bacharach und David immer wieder den Soundtrack für Filme wie Ross Hunters "Lost Horizon" oder Ron Howards "Night Shift". Nach dem Scheitern seiner zweiten Ehe, heiratet Bacharach 1982 zum dritte Mal. Dieses Mal knüpft er den Bund fürs Leben mit der Sängerin Carol Bayer Sager, die 1986 den Sohn Christoper zur Welt bringt. Mit ihr nimmt er auch 1981 den Song "Stronger Than Before" auf. Außerdem schreibt er auch "Making Love" für Roberta Flack und die Nummer Eins-Hits "On My Own" für Patty Labelle und Michael Mc Donald und Dionne Warwicks "That's What Friends Are For".

1985 komponiert er mit seiner Frau den Titelsong zur US-TV Serie "Finder Of Lost Loves" bevor er sich für einige Jahre aus dem Showbiz zurückzieht und sich seiner zweiten großen Leidenschaft, den Rennpferden widmet. Die einzige größere Meldungen in dieser Zeit bleibt seine dritte Scheidung 1991. Erst zwei Jahre danach schreibt er mit Hal David das Lied "Sunny Weather Lover" für Dionne Warwick. Doch sein wirkliches Comeback erfolgt erst 1995 mit einer Kollaboration mit Elvis Costello auf dem Song "Grace Of My Heart".

Die Zusammenarbeit erweist sich als so fruchtbar, das sie drei Jahre später das Album "Painted From Memory" einspielen, das Burt einen weiteren Grammy einbringt. In den nächsten vier Jahren arbeitet er drei Mal an der Musik zu den Austin Powers Filmen mit und betritt daneben auch einmal musikalisches Neuland. So nimmt er zusammen mit Rap-Star und Hip Hop Produzent Dr. Dre einige Stücke auf, wobei er hier für die Melodieparts über Dres Beats verantwortlich zeichnet. Mit seinem langjährigen Partner David schreibt er die Musik für das Musical "What The World Needs Now", dass 2002 in Australien Premiere feiert.

2005 erscheint dann mit "At This Time" die erste Platte seit 26 Jahren unter Burts Namen. Außerdem ist es das erste Burt Bacharach-Album, das neben Liedern aus Kollaborationen mit Dr. Dre, Chris Botti, Elvis Costello und Rufus Wainwright auch eigene Texte enthält. In ihnen drückt er seine Unzufriedenheit mit der politischen und sozialen Situation in Amerika aus, was für eine Menge Diskussionen in der Öffentlichkeit sorgt und ihm einen weiteren Grammy einbringt. Kritiker nennen es zu Recht sein politischstes Album.

Alben

Burt Bacharach - One Amazing Night: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

1998 One Amazing Night

Kritik von Alexander Cordas

Eine Kurpackung gegen den Krach, den man sich sonst so in den Hörkanal preßt (0 Kommentare)

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