Porträt

laut.de-Biographie

Marlene Dietrich

Sie gehört zu den bekanntesten deutschen Show-Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Gerhard Schröder würdigt sie 2001 aus Anlass ihres 100. Geburtstages posthum als Deutschlands ersten internationalen Star, und eine entsprechend lange Geschichte hat der von ihr geschaffene Mythos: Marlene Dietrich.

Die Karriere der Hollywood-Göttin nimmt 1930 ihren Anfang als Schauspielerin in Berlin, wechselt in späteren Jahren als "schönste Großmutter der Welt" in den Rang einer weltweit gefeierten Diseuse, bis ihr Leben 1992 nach jahrelanger Abkehr von der Öffentlichkeit eremitisch im eigens geschaffenen Exil in Paris endet. Diese von Narzissmus, Würde und Stolz getragene Entscheidung, ihr alterndes Antlitz vor der Außenwelt (und vor Freunden) zu verbergen, tut der immensen Bewunderung für ihr Talent und ihren mutigen Kampf gegen die Nazi-Diktatur jedoch keinen Abbruch.

Zu prominenten Fans Dietrich'scher Bühnenkunst zählen Ex-Bundeskanzler Willy Brandt und Ex-US-Präsident Ronald Reagan gleichermaßen wie David Bowie, die Beatles, Bryan Ferry, Udo Lindenberg, Ute Lemper, Jean Cocteau, Karl Lagerfeld oder die ebenfalls aus Berlin stammende Hildegard Knef, mit der Marlene eine tiefe Freundschaft pflegt. Beide überführen in der Nachkriegszeit ihr charismatisches Können erfolgreich auf die Chanson-Bühne, wo sie mit Stimmen begeistern, deren Charme vor allem aus der Verweigerung von Perfektion und prätentiösem Ton erwächst. Ernest Hemingway, zeitweise ihr Liebhaber, bringt die Faszination der Dietrich einmal wie folgt auf den Punkt: "Selbst wenn sie nichts anderes als ihre Stimme hätte, könnte sie damit dein Herz brechen."

Marlene kommt an einem 27. Dezember in Berlin-Schöneberg als Marie Magdalene Dietrich zur Welt. Über die genaue Jahreszahl soll später in diversen Kreisen heißer diskutiert werden als über so manchen ihrer Filme. Fakt ist, dass Marlene sich zeit ihres Lebens an das Jahr 1904 hält, obwohl ihre zu Beginn der 60er Jahre wieder aufgefundene Geburtsurkunde das Jahr 1901 dokumentiert. Marlenes Eltern sind der preußische Polizeioffizier Louis Dietrich und Josephine Felsing, deren Eltern in der prominenten Allee Unter den Linden ein Uhren- und Juweliergeschäft besitzen. Die familiären Verhältnisse sind demnach als gutbürgerlich einzustufen.

Früh genießt sie außer Schulstunden auch privaten Unterricht und den restlichen Tag die Rundumbetreuung einer Gouvernante. Ein erster Einschnitt in ihr behütetes Leben stellt der Tod ihres Vaters 1907 dar, an dessen Stelle bald darauf Edouard von Losch tritt, den Mutter Josephine in ihrer Tätigkeit als Wirtschafterin bei der befreundeten Familie kennen lernt. Doch auch der Stiefvater lässt 1917 im 1. Weltkrieg an der Front schon früh sein Leben, was Dietrich später zu der Bemerkung veranlasst, sie sei in einem reinen Frauenhaushalt groß geworden - mit Mutter, Großmutter, der zwei Jahre älteren Schwester Elisabeth und den Bediensteten.

Nachdem die musikalisch begabte Marlene früh privaten Klavier- und Geigenunterricht erhält, schickt sie die Mutter 1919 zum Studium nach Weimar, um sie für den erhofften Aufstieg zur Konzertgeigerin fit zu machen. Für die Goethe-Närrin Dietrich bildet die Heimat des literarischen Idols zwar eine interessante Abwechslung. Der Alltag an der Musikhochschule und im Internat kann das lebhafte Treiben ihrer Schöneberger Tage allerdings nicht ersetzen.

Über Marlenes Studienzeit ist wenig überliefert, ebenso wie über die Gründe der Mutter, ihre Tochter 1921 praktisch über Nacht bei der Schule abzumelden und zur weiteren Ausbildung nach Berlin zurück zu holen. Kurz darauf beendet eine durch häufiges Üben verursachte Sehnenscheidenentzündung jäh Marlenes Vorstellung, eine Karriere als Violinistin einzuschlagen.

Ihre Liebe zu Gedichten und Romanen bringt die Anfangszwanzigerin bald auf die Idee, ihr Glück am Theater zu versuchen. Nach erfolgreicher Absolvierung der Max-Reinhardt-Schauspielschule ergattert Dietrich ab 1922 erste kleine Theaterrollen. Für Frauen mit vorzeigbaren Beinpaaren finden sich im vergnügungssüchtigen, nach Revues und Kabaretts gierigen Berlin natürlich genügend Jobs, ob als Fotomodell, Tanzgirl oder Statistin.

Während der Dreharbeiten zum Film "Tragödie der Liebe" lernt Marlene den Regieassistenten Rudolf Sieber kennen, den sie ein Jahr später heiratet. Im Dezember 1924 kommt die Tochter Maria zur Welt, von den Eltern liebevoll Heidede genannt - fortan der Mittelpunkt in Marlenes Leben. Dennoch kehrt sie ihrem Berufsleben nur etwa ein Jahr den Rücken zu, bevor sie Mutterdasein und Schauspielerei miteinander verbindet.

Ihre zahlreichen, oft auch durch Ehemann Rudi vermittelten Engagements für zumeist unbedeutende Unterhaltungsfilme der 20er führen in späteren Jahren zu phantasievollen Interpretationen so genannter Wegbegleiter. Die Anekdoten um ihre Person kommentiert Dietrich später einmal in der ihr eigenen Nonchalance: "Wenn ich heute all die Geschichten über meine Existenz als Schauspielerin in Berlin lese, kann ich nur lachen, aber auch das gelingt mir nicht immer." Die Zeit vor dem "Blauen Engel" lässt sie in ihren Erinnerungen später konsequent aus.

Doch ohne ihre Rolle in "Zwei Krawatten" (mit Hans Albers, Rosa Valetti und den Comedian Harmonists) wäre Marlene Dietrichs Leben ganz anders verlaufen. Zusammen mit "Cyankali" zählt das antikapitalistische, an Brecht erinnernde Stück des Dramatikers Georg Kaiser 1929 zu den wichtigsten Revuen des Berliner Theaterjahres. An einem der Abende sitzt auch Hollywood-Regisseur Josef von Sternberg (1894-1969) im Publikum, der nach einer weiblichen Besetzung für eine Verfilmung des Heinrich Mann-Romans "Professor Unrat" sucht. Begeistert von der unterkühlten Ausstrahlung der Dietrich, lädt er die Jungschauspielerin nach der Vorstellung zu Probeaufnahmen für das Filmprojekt "Der Blaue Engel" aufs Ufa-Gelände nach Babelsberg ein.

Die Auserwählte selbst scheint dieser ungeheuerlichen Berufschance wenig Bedeutung beizumessen. Obwohl sie noch keinen nennenswerten Publikumserfolg vorzuweisen hat, verhält sie sich dem Filmemacher gegenüber reserviert und kommt nicht einmal von Sternbergs Aufforderung nach, ein anrüchiges Lied zum Set mitzubringen. Doch der Regisseur ist nachgiebig, schickt die Kandidatin nicht umgehend wieder nach Hause, und wird mit dem schnoddrigen Vortrag eines improvisierten Songs belohnt: "You're The Cream In My Coffee". Von da an ist Dietrich als Bartänzerin Lola Lola gesetzt, sehr zum Missfallen Heinrich Manns, der seine Lebensgefährtin Trude Hesterberg für die Rolle empfiehlt. Auch der eigentliche Star des Films, der bereits in den USA zu Ruhm gekommene Professor Unrat-Darsteller Emil Jannings, hat nach der Uraufführung am 1. April 1930 im Berliner Gloria-Palast seine Probleme damit, dass ihm in Filmkritiken weniger Platz eingeräumt wird als der Dietrich, dem vermeintlich unbeschriebenen Blatt.

Das Berliner Premierenpublikum feiert Marlene Dietrich bereits wie einen Star, und der Rest der Welt reiht sich bald in die Standing Ovations ein. Ihre frivol zur Schau gestellte Unschuld im "Blauen Engel" bleibt Marlene Dietrich lebenslang als Image erhalten, so wie sich die französische Schauspielerin Audrey Tautou wohl nie mehr vom Bild der süßen Amélie lösen wird. Neben Marlenes frecher Berliner Gören-Schnauze begeistert besonders ihr Interpretationstalent der Friedrich Hollaender-Filmkompositionen.

"Männer umschwirrn mich wie Motten das Licht", singt sie in weiser Voraussicht im Filmhit "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt", und auch "Ich bin die fesche Lola" und "Nimm dich in Acht vor blonden Frau'n" mutieren zu Erfolgsschlagern. Noch am selben Abend reist die Gefeierte mit dem Schiff nach Amerika ab, wo sie mit von Sternberg einen weiteren Film für die Paramount drehen will. Nebenbei beginnt zwischen beiden eine zarte Romanze.

Insgesamt arbeitet das Erfolgspaar noch für weitere sechs Filme zusammen, darunter "Blonde Venus" (1932) und "Der Teufel ist eine Frau" (1935), über den die New York Times damals schreibt: "Unvermeidlich wird der intellektuellste Film, der jemals in Amerika hergestellt wurde, von neun Zehnteln des amerikanischen Filmpublikums missverstanden und abgelehnt werden." Tatsächlich mausern sich nicht all ihre Produktionen zu Kassenmagneten, belegen dafür aber von Sternbergs unnachahmliches Talent, per gezielter Ausleuchtung von Dietrichs hohen Wangenknochen, den sinnlichen Lippen und ihrem männermordenden Augenaufschlag in künstlerischer Hinsicht Maßstäbe zu setzen.

Unter seiner Führung vollzieht Marlene die Wandlung von der pummeligen Großstadt-Göre zum erotischen und unnahbaren Vamp. Es ist auch zu bezweifeln, dass der Mythos Dietrich ohne von Sternbergs Kunstgriffe seinen geheimnisumwobenen Charme erlangt hätte. Die Dietrich weiß das. Nicht umsonst nennt sie ihren Entdecker mitunter halb scherzend "Gott", er sie im Gegenzug "mein Geschöpf". Alle zukünftigen Regisseure der Diva müssen sich fortan an von Sternbergs hohen Standards messen lassen.

Mit Hosenanzug, Frack und Zylinder wischt Marlene Anfang der 30er Jahre das herkömmliche Rollenklischee der Frau offensiv beiseite und verleiht ihrem Öffentlichkeitsbild zusätzlich einen androgynen sowie hedonistisch-verruchten Anstrich. Vorwürfe der Bisexualität lassen nicht lange auf sich warten. Für Dietrich weniger eine Diskriminierung, denn ein offenes Geheimnis. "Ja, soll denn etwas so Schönes nur einem gefallen, die Sonne, die Sterne gehörn doch auch allen", artikuliert sie für die damalige Zeit sehr mutig. Trotz all dieser Ungereimtheiten mit den Ehrbegrifflichkeiten der in Deutschland an die Macht gekommenen Nationalsozialisten, will Reichspropaganda-Minister Joseph Goebbels die Berlinerin Mitte des Jahrzehnts unbedingt für den deutschen Film zurück gewinnen.

Dietrich-Fan Hitler verspricht der Berlinerin im Falle einer Rückkehr ins Reich gar einen Triumphzug durchs Brandenburger Tor. Marlenes harsche Antwort: "Nur wenn mein Mann mitfahren darf." Selbstverständlich weiß sie, die "Antifaschistin aus Anstand", zu diesem Zeitpunkt bereits, dass Rudi Sieber als Jude niemals Teil dieses Angebots sein würde. Die durch die erzwungene Emigration ausgelöste Not zahlreicher Kollegen wie Friedrich Hollaender, Ernst Lubitsch, Fritz Lang, Kurt Weill oder Bertolt Brecht macht aus Marlene Dietrich eine erbitterte Feindin des Nationalsozialismus. In der Folge gilt sie in ihrer Heimat als "Judenfreundin" und "Ami-Hure", was der deutschen Bevölkerung noch lange im Gedächtnis bleiben soll. Als Marlene 1960 zu ihrer ersten Konzertreise nach Kriegsende in die Heimat zurück kehrt, sieht sie sich mitunter üblen Ressentiments ausgesetzt.

Nach dem Split mit von Sternberg 1935 arbeitet sie unter anderem mit dem emigrierten Star-Regisseur Lubitsch zusammen. Dennoch beginnt Dietrichs heller Stern langsam zu erblassen. 1937 endet ihr Vertrag mit Paramount, ein Jahr später wird sie wie ihre Kolleginnen Greta Garbo und Mae West als "Kassengift" bezeichnet. Im selben Jahr nimmt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft an, macht sich dabei drei Jahre jünger, und kehrt Hollywood für eine Weile den Rücken. In Europa verbringt Marlene viel Zeit mit ihrer Familie und rasant wechselnden Liebschaften.

Als sie im Sommer 1939 wieder ein Filmangebot erhält, weilt sie mit Maria, Rudi und ihrem Liebhaber Erich Maria Remarque ("Im Westen Nichts Neues") gerade in Cap d'Antibes an der französischen Mittelmeerküste. Allerdings handelt es sich bei dem Angebot um einen Western. Wieder ist es von Sternberg, der ihr gut zuredet, dieses fremde Filmgenre auszuprobieren. Zudem dürften Dietrichs klamme Finanzen die Zusage erleichert haben. Mit "Der große Bluff" ("Destry Rides Again") an der Seite von James Stewart feiert Marlene Dietrich ein überraschendes Comeback, der Thekenschunkler "The Boys In The Backroom" mausert sich zu einem ihrer bekanntesten Songs.

Nach einigen weniger Aufsehen erregenden Filmen fühlt sich die Schauspielerin 1943 in der Pflicht, die GIs im Kampf gegen Hitler-Deutschland zu unterstützen. Auch Schauspieler Jean Gabin, mit dem sie zu jener Zeit liiert ist, tritt in die französische Armee ein. Marlene meldet sich für die amerikanische Truppenbetreuung an und reist, ähnlich wie der junge Pianist Heinz Erhardt, bis 1945 teilweise an vorderster Front nach Grönland, Island, Alaska, Nordafrika, Italien und Frankreich.

Ein Filmstar in Uniform und ganz ohne Leibwächter und sonstiges Stargehabe, das macht Eindruck auf die Hundertschaften an Soldaten, die Marlene im Gegenzug auf Händen tragen. Später gesteht sie, ihre Zeit bei den Soldaten im Kampf gegen die Nazis sei die glücklichste ihres Lebens gewesen. Eine jener Shows vor alliierten Truppen findet 1945 sogar in der niederbayerischen Spargelstadt Abensberg statt. Wie überall dürfte auch dort Dietrichs sehnsüchiges "Lili Marleen", das Lieblingslied sämtlicher Soldaten des Zweiten Weltkriegs, Trost und Hoffnung auf eine baldige Heimkehr zur Familie gespendet haben.

Nach Kriegsende ist Marlene Dietrich überglücklich, ihre Mutter im ausgebombten Berlin lebend anzutreffen. Doch schon kurz nach der Befreiung stirbt sie im November 1945. Für Marlene beginnt nun eine schwere Zeit. Auch das verheißungsvoll gestartete Liebesglück mit Gabin geht in die Brüche. Grundsätzlich ist es Dietrich, die auf der Stelle kehrt macht, sobald ihr ein Liebhaber zu nahe kommt oder gar mehr Aufmerksamkeit von ihr einfordert. Seitenlange Liebesbriefe ihrer Verehrer beantwortet sie in der Regel mit wenigen Sätzen, oft auf eigenen Autogrammkarten.

Auch als der von Kinderwünschen getriebene Gabin ihr seine Familienplanungen eröffnet, bleibt sie zurückhaltend. Als sich der Franzose schließlich noch an ihren weiteren Affären stört, reagiert Marlene wie sie auf solche Unverfrorenheiten immer reagiert: mit Abstand. Gabin aber zieht die für Marlene wohl ungeahnte Konsequenz und wendet sich von der Schauspielerin ab. 1949 heiratet er Christiane Fournier, die ihm drei Kinder schenkt. Somit ist Gabin der einzige Mann, der die Dietrich je verlassen hat.

Doch längst ist Marlene Dietrich wieder mit ihrer Karriere beschäftigt, die sie mit der ihr eigenen Gründlichkeit und Ausdauer vorantreibt. 1947 erhält sie die "Medal Of Freedom" als höchste zivile Auszeichnung des US-amerikanischen Kriegsministeriums für ihren Truppeneinsatz, drei Jahre später ernennt sie Frankreich zum "Ritter der Ehrenlegion". Des Weiteren nimmt sie Rollen in Billy Wilders "Eine auswärtige Affäre" ("A Foreign Affair", 1947), Alfred Hitchcocks "Die rote Lola" ("Stage Fright", 1950) und Fritz Langs "Engel der Gejagten" ("Rancho Notorious", 1952) an, moderiert einige Radio-Shows und spricht Krimi-Hörspiele ein.

In den 50er und 60er Jahren ist Marlene fast ausschließlich als Diseuse und Entertainerin auf Achse und findet in Orchester-Dirigent Burt Bacharach erneut einen feinsinnigen Förderer ihres Talents. Der Startschuss für ihre zweite Karriere fällt 1953 im Hotel "Sahara" in Las Vegas. Mit einer Mischung aus alten Filmsongs und Neuinterpretationen von Hollaender ("Illusions", "You've Got That Look", "Black Market"), Cole Porter ("You Do Something To Me"), Bob Dylan ("Die Antwort weiß ganz allein der Wind") oder Peter Seeger ("Sag mir wo die Blumen sind") lässt sich die Dietrich in atemberaubenden Bühnenoutfits in die Jahre gekommene Star die Herzen des Theaterpublikums für sich ein, so wie sie einst als Zarin in "Die scharlachrote Kaiserin" Russland erobert.

Nur bei ihrer Deutschland-Rückkehr 1960 wird Marlene unschön von ihrer Vergangenheit eingeholt. Zahlreiche Medien versuchen mit einer beispiellosen Hetzkampagne ihre antifaschistische Haltung während des Zweiten Weltkriegs populistisch gegen sie auszuspielen.

Reibungsloser verlaufen dagegen die Auslandsreisen der Grand Dame im Schwanenmantel. Über die Jahre singt Marlene Dietrich in Paris und Cannes (1962), Monte Carlo und Mexico City (1963), Leningrad und Edinburgh (1964) oder in Ländern wie Südafrika und Australien (1965). In jener Zeit besucht Marlene auch immer mal wieder die Schweiz, wo sie ihre berüchtigten Frischzellenkuren erhält, mit denen sie das Altern aufzuhalten versucht. Doch natürlich muss auch der "Blaue Engel" irgendwann Federn lassen. Nach einem weiteren Bühnensturz 1975 in Sydney, bei dem sie einen Oberschenkelhalsbruch erleidet, beendet sie im Alter von 74 Jahren ihre Laufbahn als Showstar.

Die Einsamkeit, eine Legende zu sein, überfällt sie am Ende ihres Lebens. Bis zu ihrem Tod am 6. Mai 1992 lebt Marlene Dietrich abgeschottet und tablettenabhängig in ihrem Pariser Appartement, nicht gewillt, der Öffentlichkeit auch nur einen winzigen Blick auf ihren alternden Körper zu gestatten. Im Film "Schöner Gigolo, armer Gigolo" (mit David Bowie) hat sie 1978 einen letzten Kurzauftritt.

"Ich bin zu Tode fotografiert und zu Tode biografiert worden", klagt sie 1983 in Maximilian Schells ergreifender Dokumentation, der Dietrich als einer der wenigen engen Freunde im Alter noch einmal besuchen darf. Für seinen Oscar nominierten Film "Marlene" führt Schell mit ihr sechs Tage lang Gespräche in ihrer Wohnung und nimmt diese auf Tonband auf, das Filmen ist selbstredend auch ihm strengstens untersagt. Das Ergebnis beeindruckt: In Dietrichs brüchiger und dauernörgelnder Stimme spiegelt sich einerseits die Unzufriedenheit der Diva wieder, die Welt nicht mehr aktiv mitgestalten zu können, wie auch ihr unbedingter Wille, den Mythos Marlene Dietrich bis zum Tod zu kontrollieren.

Und der lebt unentwegt weiter: Fünf Jahre nach ihrem Tod eröffnet in Berlin-Tiergarten der Marlene-Dietrich-Platz, nebenan in der Potsdamer Straße hält die Dauerausstellung "Marlene Dietrich" ins Filmmuseum Einzug. 2002 erbringt das Kostüm der Schauspielerin aus dem Film "Der große Bluff" von 1939, bestehend aus einer blauen Seidenbluse und einem bestickten Rock, bei Sotheby's satte 19.000 US-Dollar (etwa 15.000 Euro) ein. Ihr Grab befindet sich neben dem ihrer Mutter auf dem Friedhof Schöneberg an der Stubenrauchstraße.

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