Porträt

laut.de-Biographie

Ian Dury

Von der Sonnenseite des Lebens verwöhnt - das gilt nicht für Ian Dury. Am 12. Mai 1942 im britischen Upminster in Essex geboren, erkrankt der Sänger, Songschreiber und Schauspieler im Alter von sieben Jahren an Kinderlähmung. Die zurück bleibende Behinderung begleitet ihn Zeit seines Lebens.

Obwohl körperlich gehandicapt, lässt sich der junge Ian nicht unterkriegen und versucht, das Beste aus seiner Situation zu machen. Hilfestellung leistet ihm dabei der Rock'n'Roll der fünfziger Jahre: Aus den Songs seiner Helden wie Gene Vincent schöpft er Kraft und Energie. Künstlerisch betätigt Ian sich zudem im Zeichnen und Malen.

Nach dem Schulabschluss mit 16 Jahren schreibt er sich an einer Kunsthochschule ein. Der begabte Ian erhält später einen Platz
an der Royal College of Art. In diesen Jahren kommt er intensiv mit Jazz in Berührung, der sich zu einer weiteren großen musikalischen Liebe entwickelt.

Eine weiterführende Ausbildung erhält Ian an der Canterbury School of Art. Zusammen mit Mitstudenten gründet er 1970 seine erste Band, Kilburn And The High Roads. In dieser Pub-Rock-Formation betätigt er sich erstmals als Sänger und Songwriter. 1974 kommt es zu einem Plattenvertrag mit Dawn Records, doch der erhoffte künstlerische Durchbruch bleibt aus.

Nach der Band-Auflösung 1975 gründen Ian und einige Unentwegte eine neue Combo. Sie besteht aus Byzanz Chaz Jankel (Gitarre), Charley Charles (Schlagzeug), Norman Watt-Roy (Bass) und Davey Payne (Saxophon). Später stoßen Gitarrist John Turnbull und Pianist Micky Gallagher dazu. Als Bandname wählen sich die Musiker Ian Dury & The Blockheads. 1977 erscheint das erste Album "New Boots And Panties" und entwickelt sich zu einem großen Erfolg.

Mit "Sex & Drugs & Rock'n'Roll" sowie dem skandalumwitterten "Hit Me With Your Rhythm Stick" gelingen Ian und seinen Mitstreitern sogar internationale Single-Hits. Doch der potenten Band ist nur eine nur relativ kurze Lebensdauer vergönnt. 1981 geht die Formation nach den weiteren Alben "Do It Yourself" (1979), "Laughter" (1980) und "Juke Box Dury" (1981) auseinander.

Ian Dury wendet sich nun verstärkt der Schauspielerei zu. Er spielt Gastrollen in künstlerisch unterschiedlichsten Filmen, darunter Peter Greenaways internationalem Kritiker-Erfolg "Der Koch, Der Dieb, Seine Frau und Ihr Liebhaber", Roman Polanskis "Piraten" und der deutschen Produktion "Brennende Betten" von Pia Frankenberg. Ganz lässt ihn die Musik dennoch nicht los: Unter dem Namen Ian Dury And The Music Students veröffentlicht er das 1984 "4.000 Weeks' Holiday".

Außerdem schreibt er mehrere Musicals, von denen "Apples" sogar zur Aufführung gelangt. Sein letztes Album-Lebenszeichen setzt Dury 1992 mit "The Bus Driver's Prayer & Other Stories", bevor es ruhiger um den introvertierten und schrägen Künstler wird.

In den neunziger Jahren betätigt er sich als UNICEF-Botschafter. 1999 setzt der zusammen mit Madness aufgenommene Song "Drip Fed Fred" ein letztes musikalisches Lebenszeichen. Viel zu früh, am 27. März 2000, verstirbt Ian Dury im Alter von nur 57 Jahren an Krebs.

Sein Vermächtnis besteht in einer ganze Reihe gegen den Zeitgeist-Strich gebürsteter Songs, die sich in Zeiten einer allgegenwärtigen Political Correctness ihre Ecken und Kanten bewahrt haben und somit zeigen, dass engagierter Rock mit einer Message stärker haften bleibt als glattgespültes Einerlei.

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