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1992. Downpatrick, Nordirland: Zwei Jungs gehen zur Schule und wollen Musik machen. Wer nicht, wenn er 15 ist? Aber Tim Wheeler (Gesang, Gitarre) und Mark Hamilton (Bass) wollen nicht nur, sie tun es auch. Fehlt nur noch der Schlagzeuger. Den finden sie in dem merkwürdigen Typen aus der Klasse über ihnen, Rick McMurray. Es ist ihnen zwar peinlich, diese eigenartige Person in ihre Band zu nehmen, aber in ganz Downpatrick gibt es keinen anderen, der Schlagzeug spielen kann.
Die Drei nennen sich "Vietnam", und versuchen, ihre Metal-Vorbilder zu covern. Aber bis auf die langen Haare klappt das nicht so recht. Aufgeben wollen sie nicht, also probieren sie was Eigenes aus. Schon 1994 bringen sie ihr erstes Minialbum "Trailer" auf dem Indie-Label Infectious Records raus. Parallel geht die Band mit Elastica auf Tour und erspielt sich so große Sympathien beim englischen Indie-Publikum. Nebenbei machen Tim und Mark 1995 noch schnell ihre A-Levels. Nun ist der Weg frei für Größeres und die Band wird auf Promotouren nach Japan, Australien und Amerika geschickt.
Ihre Songs handeln von Anfang an vom Weltraum, Jackie Chan-Filmen und ... Mädchen. Wenn man die Band nach den Inhalten ihrer Lieder fragt, antworten sie gerne mal kichernd, Tim schreibe die Texte. Und der schreibe vor allem über sein wütendes Leben. Oder über seine merkwürdigen Frauengeschichten. Die gibt es zuhauf seit die Haare abgeschnitten sind, die Alben toppen und er "wild sex" zu seiner Lieblingsbeschäftigung kürt.
1996. Ihr zweites Album "1977" schlägt ein wie eine Bombe. Ash sind die Helden des Vereinigten Königreichs. Endlich hat die Queen ihren eigenen Grunge. Gemischt mit einer ordentlichen Portion Teenie-Hype. Das macht die Band groß, zu Idolen ihrer Generation. Einer Generation, die um 1977 herum geboren ist, in dem Jahr, in dem "Star Wars" in die Kinos kommt. Sie werden Identifikationsfiguren der britischen Rockkids.
"Man erwartet, dass man seinen Höhepunkt mit 24 erreicht und es mit 28 wieder bergab geht. Wir sind erst 19 und an der Spitze." Treffender als Tim Wheeler himself es 1996 auf den Punkt brachte, kann man es nicht sagen. Und es kam was kommen musste. Die Band selbst spricht vom "Burn Out-Syndrom". Man gibt sich dem Exzess hin. Mehr Sex and Drugs als Rock'n'Roll. Den extremen Erwartungshaltungen, die von der Presse übereifrig gepusht werden, kann das nicht massenkompatible, sehr dunkle Folgealbum "Nu-Clear Sounds" nicht stand halten. Kein Wunder, spiegelt das Album doch eine "sehr dunkle Zeit" im Leben der Band, wie Sänger Tim Wheeler im Interview verrät. Ein Ende wird vorschnell prophezeit, die englische Presse schreibt sich die Finger wund über Marks Selbstmordversuche oder Ricks Kotzorgien. Aber Ash sind nicht totzukriegen, und 2001 gibt es neues Material, das man wieder etwas gelassener, vom Druck unbeeindruckter aufgenommen hat.
1997. Um das wilde Leben nicht überhand nehmen zu lassen und den Sound zu verbessern, hat man Charlotte Hatherley, vorher bei der Londoner Band Nightnurse, als zweite Gitarristin mit in den Ring genommen. Da ist der Megaseller "1977" schon draußen und die Band auf Dauertour. Doch trotz der weiblichen Begleitung geht es weiter mit dem Rockstarleben.
2001. Ob Ash im neuen Jahrtausend wirklich diszipliniert und erwachsen ankommen? Nicht ganz, aber mit "Free All Angels" knüpfen sie da an, wo sie ihren großen Erfolg begonnen haben: Bei Poppunkhymnen mit enormem Spaßfaktor. Das Liveset hat wieder an Härte gewonnen und Ash sind wieder voll da. Und wer kann schon von sich behaupten, dass er mit 24 schon seinen zweiten Karrierehöhepunkt feiern kann?
Mit "Intergalactic Sonic 7"s erscheint 2002 bereits eine erste Best Of, die als Bonus die neue Single "Envy" erhält. Auf "Meltdown" (2004) rocken Ash aber wieder wie ArScH - die Gitarren preschen und winden sich, ein fettes Riff jagt das andere, der Bass brummt düster und hart. Vielleicht macht sich da ja auch das neue Teamwork bemerkbar, von dem Tim im (zweiten) Interview mit laut.de erzählt: "Ich habe die meisten Songs geschrieben, aber jeder hat was dazu beigetragen. Ricks Drumspiel hat sich wirklich verbessert, Charlotte singt mehr auf der Platte. Auf diese Art war der Input von jedem wirklich wichtig."
Die Popularität der Band ist ungebrochen, und so dürfen sie im Sommer 2005 für U2 die Stadien der Welt vorwärmen. Hernach weist der Terminkalender erstmal wieder Lücken auf. Hamilton und Wheeler nutzen die Gunst der Stunde und ziehen nach New York um, während McMurray seine Zelte in Schottland aufschlägt.
Im Januar 2006 verliert die Band ein Mitglied. Charlotte Hatherley, die bereits 2005 das Soloalbum "Grey Will Fade" herausbrachte, verlässt die Band, um sich ab sofort komplett ihrer Solo-Karriere zu widmen. Nun sind die Jungs, wie bei ihrer Gründung, wieder zu dritt. Auf ihrer Website verkündet die Band, dass die Trennung in Freundschaft vollzogen wurde. Beide Parteien wollen noch 2006 ein neues Album herausbringen.
Ganz so schnell geht es bei beiden dann doch nicht, aber 2007 starten beide Parteien wieder durch. Ash mit dem in New York aufgenommenen "Twilight Of The Innocents", das am 29. 6. erscheint, und Hatherley mit "The Deep Blue", das bereits am 18. 5. auf den Markt kommt. "Twilight Of The Innocents" wurde in New York an legendärer Stätte aufgenommen. Das Trio hatte das Glück, das Studio mieten zu können, in dem der Wu-Tang Clan sein Debüt "Enter The Wu-Tang (36 Chambers)" aufgenommen hatte.
Die Platte klingt wieder mehr nach "Free All Angels" oder "1977", die hart rockenden Stücke von "Meltdown" sind erst einmal Geschichte. Immer noch unverkennbar Ash, wenden sich die Exil-Nordiren noch einmal mehr dem Poppunk und der Melodie zu. Die Produktion hat die Gruppe selbst übernommen, und so fühlt sich der Hörer glatt um einige Jahre zurück versetzt.
In Sachen Compilations bestreiten Ash brandneue Wege. Reine Studio-Longplayer veröffentlichen sie nicht mehr. Die dennoch erscheinenden Singles, zumeist übers Internet erhältlich, fassen sie in separaten Alben zusammen. Raum für klassisch aufgemachte Compilations bleibt dennoch. Die Ende 2011 erscheinende Gesamt-Werkschau "The Best Of Ash" bietet einen gelungenen Querschnitt zwischen Pop, Rock und Sixties.
Die Iren erzählen von ihrer Zeit in Amerika, dem Ursprung der Härte ihrer neuen Songs und ewiger Jugend.
Als ich die Lobby des Martim Hotels in Berlin betrete, sind Ash weit und breit nicht zu sehen. Die seien gerade erst aufgestanden und bräuchten noch einen Moment, erklärt mir die Promoterin. Langsam trudelt dann auch die Band ein. Zuerst kommt Charlotte aus dem Aufzug. Sie sieht, obwohl sie noch nicht recht ausgeschlafen ist, so wunderbar strahlend aus, wie man es von den besten Promo-Fotos kennt. Umwerfend, leider ist sie auch ein wenig distanziert-cool, was später ein richtiges Gespräch mit ihr schwierig macht. Dann kommen Rick mit Müllsack statt Koffer und ein verstrahlter Mark aus dem Aufzug. Am längsten lässt Frontmann Tim Wheeler auf sich warten, er ist dafür im Gespräch aber auch am wachsten. In seinem feinen Bübchengesicht wuchert jetzt ein halb ausgewachsener Bart. Die Haare haben eine Unlänge und keine Frisur. Ob das als rotziges Pendant zum neuen, angeblich so harten Album von Ash gedacht ist?
Ihr spielt heute Abend mit den Pixies. Was haben sie euch früher bedeutet, als sie richtig groß waren?
Tim: Ich habe angefangen, ihre Musik zu mögen, als sich gerade aufgelöst hatten. Also habe ich sie nie gesehen. Aber sie sind dann eine meiner Lieblingsbands geworden. Es gab eine Zeit, da habe ich sie nonstop gehört. Die machen so interessante Gitarrenmusik. Die machen die Sachen einfach total anders. Twisted Lyrics und großartige Gitarrenparts.
Rick: Das ist so eine richtig mysterische Aura um sie herum. Sie haben nicht viele Interviews gegeben. Sie waren fast schon eine gesichtslose Band. Es gab eigentlich nur ihre Musik.
Wie fühlt es sich an, dass ihr heute mit ihnen spielen dürft?
Tim: Wir haben vor ein paar Wochen in Paris mit ihnen gespielt. Das war brilliant! Es ist schon allein großartig, sie zu sehen, die Band anzuschauen. Es ist cool, vor ihrem Publikum zu spielen, aber für uns ist das vor allem ein Fan-Ding.
Zu eurem Album: Viele Leute haben sich, als "Clones" rauskam, gefragt: Ist das ein Witz? Meinen die das ironisch. Mal ehrlich: schwingt da nicht ein wenig Ironie in den härteren Songs mit?
Tim: Nicht wirklich! Die Band muss darüber lachen Es ist halt anders. Es ist das Härteste, was wir je gemacht haben. Deshalb haben wir genau diesen Song zuerst rausgebracht. Damit die Leute ein wenig ausflippen und irritiert sind.
Rick: Das ist unsere Schock-Taktik.
Tim: Naja, ich kann schon verstehen, warum die Leute geschockt waren.
Rick: Das war ja auch die Idee dahinter: Die Leute schocken, sie zu überraschen.
Eure beiden ersten Singles waren ziemlich hart. Unter anderem deshalb haben die Leute angefangen, "Meltdown" auf diese Härte zu reduzieren.
Tim: Ich denke, "Orpheus" hat einfach einen super Refrain. Das macht den Song zu einer guten Single. Ich bin da wirklich stolz drauf.
Ihr fühlt euch also nicht auf diese Songs reduziert? Immerhin gibt es einen Lovesong auf eurem Album!? Viele Journalisten behaupten ja das Gegenteil und schreiben, Ash seien eigentlich gar nicht mehr Ash, mit dieser "Härte".
Tim: Unsere nächste Single wird "Starcrossed" sein, das ja eine Ballade ist. Das sollte wieder eine Balance herstellen. Hoffentlich überzeugen wir damit all die, die bisher dachten, unser Album sei zu heavy.
Also fühlt ihr euch nicht missverstanden?
Tim Wir können die Presse ja gar nicht lesen, wir wissen ja überhaupt nicht, was die so über uns sagen.
Hat sich in euch oder in der Band etwas verändert, das euch dazu angetrieben hat, euren Musikstil zu ändern?
Tim: Wir waren live schon immer ein bisschen härter und wollten das auf diesem Album festhalten. Wir waren lange auf Tour in den Staaten, bevor wir das Album aufnahmen. Und unsere Rock-Einflüsse kamen zurück, weißt du, Metal war die erste Musik, die wir richtig gehört haben. Aber dann kamen Nirvana, was unsere Sicht auf Musik total veränderte.
Wie läuft's denn für euch überhaupt in Amerika?
Tim: Ziemlich gut. Wir sind da sieben Monate lang als Support getourt. Zurück zu den Basics. Wir waren mit Coldplay, Moby und David Bowie unterwegs, mit Dashboard Confessional, Saves The Day und Our Lady Peace.
Erst Bowie, jetzt die Pixies. Ihr spielt ja mit all den Großen. Habt ihr Bowie auch mal getroffen?
Tim: Ja! Ein paar mal. Er ist sehr nett, freundlich. Und interessiert sich sehr für aktuelle Musik.
Wenn ihr sieben Monate auf Tour seid, geht ihr euch da nicht irgendwann auf die Nerven?
Tim: Nein, wir hatten da kein Problem mit. Nur einer unserer Roadies, der kam mit dem anderen nicht klar. Aber in der Band war das ständige Zusammensein völlig in Ordnung.
Euer Album schlägt ja eine komplett andere Richtung im Rock-Genre ein, als die der ganzen "The"-Bands. Wollt ihr euch damit irgendwie abgrenzen, denen etwas entgegen setzen?
Tim: Och, wir mögen diese Bands. Das ist jetzt nicht als Diss oder so gedacht. Wir sind einfach schon immer unseren eigenen Weg gegangen. Wir waren nie Teil von irgendetwas. Wenn die Leute denken, wir seien Teil einer Szene, schlagen wir eine andere Richtung ein.
Gibt es bestimmte Bands, die euch auf diesem Album besonders stark geprägt haben?
Tim: Die Queens Of The Stone Age haben uns dieses Mal ziemlich beeinflusst.
Rick: Es kommen auch viele ältere Einflüsse auf diesem Album durch. Zeug wie Nirvana, dieser amerikanische Rock-Sound. Wir wollten dieses Mal ein konsequenteres Album machen.
Ihr habt auch den Producer der Queens für "Meltdown" gewählt.
Mark: Er hat sich uns ausgesucht. Er hat uns eigentlich keine Wahl gelassen. Er sagte, er wird das Album machen und das war's.
Wirklich?
Marc: Ja, er war wirklich enthusiastisch. Das war das erste Mal seit zehn Jahren, dass wir mit jemand neuem gearbeitet haben.
Tim: Er hörte die Demos und war begeistert. Wenn es möglich gewesen wäre, er wäre schon am nächsten Tag mit uns ins Studio gegangen.
Wie ist er denn an die Demos gekommen?
Tim: Unser Label hat sie ihm geschickt.
Stimmt es, dass dieses Mal jedes Bandmitglied Songs zum Album beigesteuert hat?
Tim: Ich habe die meisten Songs geschrieben, aber jeder hat was dazu beigetragen. Ricks Drumspiel hat sich wirklich verbessert, Charlotte singt mehr auf der Platte. Auf diese Art war der Input von jedem wirklich wichtig.
Charlotte, ich habe gelesen, dass du ein Soloalbum aufnimmst. Wieso?
Charlotte: In den letzten fünf Jahren habe ich einige Songs geschrieben. Ich wollte das immer mal machen, hatte aber nie die Zeit dazu. Nachdem wir sieben Monate durch die Staaten getourt waren, haben wir ein wenig frei gehabt. Also hab ich es gemacht, bevor wir zu den Aufnahmen von "Meltdown" nach LA gefahren sind. Es wird im August in England erscheinen.
Meint ihr, dass die Crowd, vor der ihr spielt, sich sehr verändert hat in den Jahren, die ihr nun schon auf Tour geht?
Tim: Ja! Am Anfang war das ein sehr junges Publikum, Die waren so alt wie wir und sind nun mit uns älter geworden. Gleichzeitig sprechen wir aber auch immer noch ein jüngeres Publikum an. Außerdem haben wir ein paar von den älteren überzeugt. Die waren am Anfang ein wenig zynisch, weil wir so jung waren. Aber jetzt, wo wir schon so lange im Geschäft sind, schauen sie doch mal, was bei uns so passiert.
Eine andere Sache, die die Presse jetzt betont, ist, dass ihr doch bitte langsam mal erwachsen werden solltet. Fühlt ihr euch nicht erwachsen?
Tim: Wir sind durch höllisch viel Scheiße gegangen. Seit Jahren, so kommt's mir vor. Wenn du in einer Rockband bist, bist du sowieso in einem komischen Pubertätszustand.
Also macht ihr immer noch viel Party?
Tim: Öhm, ein wenig, ja!
Rick: Yep.
Die Band muss lachen. Dementsprechend fällt auch die Antwort auf meine letzte Frage aus:
Was würdet ihr euch wünschen, hättet ihr einen großen Wunsch frei?
Tim wünscht sich, am Abend mit den Pixies zu spielen, Marc ist, wie beim größten Teil des Interviews abwesend und wünscht sich wahrscheinlich nur wieder in sein Bett, Charlotte möchte den Weltfrieden, na ja, fast, sie wünscht sich, dass Kerry die Wahl in Amerika gewinnt. Und Rick … der möchte ganz bescheiden eine neue Leber haben. War doch ein bisschen viel Alkohol … vorgestern!
Das Interview führte Vicky Butscher
Nach dem Erfolgsdebut "1977" folgte 1998 das fürs Massenpublikum unverständliche Album "Nu-Clear-Sounds". Die englische Presse stürzte sich daraufhin mit Freude auf Exzess-Geschichten der Band.
Jetzt steht Tim wahrhaftig vor mir. Sieht so gut aus wie auf den Fotos. Naja, ein bisschen blass und viel kleiner, als man ihn sich vorstellt, aber sooo freundlich.
Ihr seid mit dem neuen Album "Free All Angels" zum Pop zurück gekehrt, dem ihr auf eurem letzten Album den Rücken gekehrt hattet. Wie kam das?
Tim: "Nu-Clear Sounds" war eine sehr dunkle Zeit für uns. Wir haben damals alle Dämonen loswerden wollen, die in uns saßen. Wir haben einfach angefangen Songs zu schreiben und das war, was dabei rauskam!
Mark: Wir dachten damals, dass die Presse uns schlachten würde, wenn wir wieder ein Popalbum wie "1977" machen würden, also haben wir versucht, etwas anderes zu machen.
Habt ihr nach "Nu-Clear Sounds" Druck von der Plattenfirma bekommen, weil das Album nicht so getoppt ist wie "1977"?
Tim: Nein, die waren nach "Nu-Clear Sounds" einfach nicht mehr so an uns interessiert! Wir hatten sehr viel Zeit danach, denn niemand wartete auf einen Nachfolger. Ich glaube unsere Plattenfirma hat nicht erwartet, dass wir mit einer solch starken Platte zurückkommen würden. Also kam aller Druck einzig und allein von uns selbst.
Habt ihr das neue Album darauf hin geplant oder sind die Songs nebenbei entstanden?
Tim: Nee, wir haben das nicht geplant. Wir haben 30 Songs geschrieben, die alle ziemlich verschieden waren. Wir hatten keine generelle Idee. Wir haben dann einfach die rausgesucht, die den besten Beat hatten, die einfach diese Feel Good-Stimmung verbreiten. Denn die meisten Gitarrenbands die im Moment aus den UK kommen machen ziemlich depressives Zeug.
Mark: Ich glaube wenn wir schon wieder ein Album wie "Nu-Clear Sounds" gemacht hätten, hätte uns die Plattenfirma sowieso rausgeschmissen.
Tim: Sie hätten das Album vielleicht nicht mal veröffentlicht.
Im Zusammenhang mit Nu-Clear Sounds habt ihr oft von einem Burn Out-Syndrom gesprochen. Wie seid ihr das wieder losgeworden?
Tim: Ich glaube, da hat die Australien-Tour viel geholfen. Die hat irgendwie alles wieder ins Lot gebracht: die Sonne, gutes Bier, die Strände ... und die bitches. (lachen) Nee, war'n Witz!
Warum seid ihr nach "1977" so ausgerastet?
Tim: Wir sind ziemlich lange auf Tour gewesen und haben nie richtig Pause gemacht. Schon bevor "1977" raus kam waren wir auf Tour. Ungefähr vier Jahre lang ...
Mark: ... hatten wir keine Pause.
Tim: Wir waren immer auf Tour und wurden einfach müde. Wir hatten die ganze Zeit Party gemacht, uns betrunken, hatten einen Kater nach dem anderen und haben dabei noch ziemlich hart gearbeitet ... Dann die vielen Interviews und Gigs und dann das Herumreisen (klingt nicht so, als ob er sich darüber beschwert). Wir waren damals einfach sehr jung und es wurde alles ziemlich massiv.
Was ist aus all dem Drogenkonsum und den Exzessen geworden - immer noch an der Tagesordnung?
Tim: Ja, wir machen immer noch sehr viel Party, aber wir wissen jetzt besser wie man damit umgeht.
Mark: Wir halten die Dinge jetzt nicht mehr für selbstverständlich.
Tim: Nachdem "1977" so riesig wurde dachten wir, dass alles, was wir machen, positiv aufgenommen würde. Als "Nu-Clear Sounds" dann nicht so gut lief, war das wie ein Schock für uns.
Fühlt ihr euch manchmal immer noch müde, wird euch das Ganze ab und an zu viel?
Tim: Nein, das wird alles immer leichter. Das war nur sehr anstrengend, als wir es zum ersten Mal gemacht haben. Wir wussten nicht, was uns erwarten würde.
Mark: Die Leute wissen jetzt auch einiges über uns. Wir müssen denen unsere Geschichte nicht immer wieder erzählen.
Tim: Jetzt stellen sie uns auch viel interessantere Fragen. Wir haben jetzt einfach mehr worüber wir sprechen können, als nur über unsere Eltern.
Wo habt ihr die Energie für euer neues Album hergenommen? Auch aus Australien?
Tim: Ja, von den beaches und den bitches. (lacht) Naja, das neue Album ist viel positiver. Wir haben eine Pause gemacht, nachdem wir mit dem Touren fertig waren. Wir sind erst zurück nach Nordirland gegangen und sind dann ein bisschen durch die Welt gereist. Wir haben Abstand vom Ganzen bekommen. Dabei haben wir festgestellt, wie gerne wir das eigentlich machen und dass wir weitermachen wollen. Das hat uns unsere Energie wieder gegeben.
Hat diese Pause auch die Inspiration für die neuen Songs mit sich gebracht?
Tim: Ja, es war schon gut, dem Ganzen mal zu entkommen. Wenn du mit der Band unterwegs bist, fühlst du dich wie in einer Luftblase. Du fährst zu deinem Auftrittsort und musst da bleiben, du siehst einfach nicht viel von der Welt um dich rum.
Verliert man da den Boden unter den Füßen?
Mark: Wenn man konstant auf Tour ist und quasi im Bus lebt wird man fast schon verrückt, so wie die Segler, die früher unheimlich lange auf einem Schiff zusammengepfercht waren.
Wird so etwas wie der Bonustrack von "1977" (auf dem man Ash bei einer kleinen Kotzorgie zuhören kann) jemals wieder auf einem eurer Alben zu hören sein?
Tim: Naja, wir haben jetzt DVDs, die in Deutschland allerdings nicht rausgekommen sind. Auf denen sind Filme von unseren Tourneen zu sehen, mit Parties und allem, was so Merkwürdiges passiert ist. Da sind ein paar ziemlich verrückte Filme dabei.
Tim nimmt sich meine Bierflasche vom Tisch und guckt sie sich genauer an.
Tim: Das ist also Kölsch Bier ... ist das das lokale Kölner Bier?
Ja, viele mögen es nicht und sagen es schmecke wie Wasser oder wie spanisches Bier.
Tim: Sag' mir mal 'ne spanische Biermarke.
Mark: San Miguel.
Tim: Das ist aber doch lecker!
Bier sollte man trinken und nicht darüber reden, also weiter mit den Fragen.
Im Song "World Domination" singt ihr "we're the new sensation". Ist das eine Parodie auf eure Situation?
Tim: Nein! Wir haben jetzt das neue Album gemacht und fühlen uns wie eine neue Band, eine frische Band. Und wir wollen damit wieder den Durchbruch in der Szene schaffen. Das war dieses Mal genau so aufregend wie beim ersten Album.
Mark: Nächstes Jahr, wenn die Tour in Europa und dem Rest der Welt vorbei ist, werden wir auch wieder nach Amerika gehen. Das wird wahrscheinlich Ende Januar sein. Da drüben sind wir ziemlich unbekannt.
Ihr wollt also Amerika erobern?
Tim: Da wären wir dann die new sensation!
Und danach folgt die Eroberung des Mars und des Mondes ...
Tim: Exakt! Und außerdem wollen wir in Europa größer werden als wir es bislang sind. Wir würden gerne etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen.
Mich würde ja sehr interessieren, wer die "Cherry Bomb" ist.
Tim: Hast du "The Virgin Suicides" gesehen?
Ja!
Tim: Naja, die Cherry Bomb ist Lux Lisbon. Der Song ist über sie.
Der Film ist ja ziemlich verwirrend ...
Tim: Ich habe das Buch vorher gelesen. Da gibt es viel mehr Passagen mit einem Erzähler, da wird auch alles klarer. Der Film ist eher ein "visual trip".
Carlotte und Rick kommen hinzu.
Ich habe gelesen, dass ihr riesige Nirvanafans seid. Inwieweit hat diese Band euch beeinflusst?
Tim: Wir waren damals 15 und es war so eine frische und neue Musik - wenn man das mal mit Iron Maiden vergleicht, davor haben wir nämlich Metal gehört ... Wir haben dann Nirvana in Belfast gesehen und ein Autogramm von Kurt Cobain bekommen.
Wie fühlt ihr euch, wenn Fans ankommen und Autogramme haben wollen?
Tim: Oh, das ist doch cool. Ich kann das verstehen. Wir haben uns früher auch Autogramme von Bands geholt. Das hat uns sogar Spaß gemacht, nach den Konzerten auf die Band zu warten.
Mark: In England machen wir viele "selling sessions". Da setzen wir uns dann in die Shops und unterschreiben dort alle Alben und anderes Zeug, das die Leute mitbringen.
Habt ihr bestimmte Musik, die ihr im Tourbus hört oder streitet ihr euch da jedes Mal drüber?
Mark: Daft Punk.
Tim: Dr. Dre und das neue Weezer-Album. Sehr beliebt sind auch Ween und Primal Scream. Und manchmal auch Frank Sinatra.
Wie sieht denn der typische Ash-Tag aus, wenn ihr auf Tour seid?
Tim: Irgendwann mittags aufstehen, ein bisschen rumhängen, duschen, Interviews geben, Soundcheck machen, mehr Interviews geben, rumhängen, was essen, den Gig spielen ... und dann trinken ... und Spaß haben.
Das hat er jetzt schnell mal nebenbei aufgezählt, als wäre es das Normalste der Welt für jeden Erdenbürger ... hey, das ist was Besonderes!
Und wie würde der ideale Tag aussehen?
Tim: Aufstehen, surfen gehen, nach Hause kommen, frühstücken, wieder an den Strand gehen, in der Sonne baden.
Was waren eure extremsten Erlebnisse auf Tour?
Mark: Wir haben in einer riesigen Arena in London gespielt und sollten eigentlich Nine Inch Nails supporten. Leider ist deren Drummer krank geworden und sie konnten nicht auftreten. Also hat man schnell entschieden, dass wir Headliner werden sollten. Die ganzen Goths im Publikum waren natürlich total angepisst.
Wie haben sie denn reagiert?
Tim: So schlimm war's nicht. Sie haben uns halt den Stinkefinger gezeigt. Falscher Ort, falsche Band!
Marc: Falscher Ort, richtige Band!!!
Tim: Es war einfach eine unbeschreiblich schlechte Atmosphäre. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch gute Erfahrungen. 1998 haben wir ein Konzert in Belfast mit U2 gespielt. An diesem Abend kamen auf der Bühne die Politiker der beiden rivalisierenden politischen Parteien zusammen.
Marc: Das ganze Konzert war sozusagen "Werbung" für ein Peace-Referendum.
Tim: Das war ein sehr historisches Ereignis. Sehr beeindruckend.
Was ist euer Lieblingslied wenn ihr live spielt?
Marc: Ich denke das ist "Cherry Bomb".
Tim: "Only In Dreams". Wir haben immer diesen Weezer-Song im Set.
Macht ihr euch Gedanken über den Effekt, den ihr auf das Publikum habt oder über euer Aussehen, wenn ihr auf der Bühne seid? Wie fühlt ihr euch da oben?
Tim: Wir sind keine Band, die einfach nur auf der Bühne steht und spielt.
Marc: Wenn die Menge nicht reagiert, pisst uns das ganz schön an. Ziemlich cool ist es, wenn das Publikum am Anfang kalt ist, nur rumsteht und du sie im Laufe des Konzerts dazu bringst, zu tanzen und mit den Songs mitzugehen.
Habt ihr viele Groupies?
Tim: Ich weiß nicht.
Rick: Also zumindest nicht so aufgedonnerte Schnepfen!
Tim: Wenn wir wollten, könnten wir vielleicht Groupies haben, aber uns fallen immer eher die Leute auf, die uns einfach nur so treffen wollen. Wir ziehen da keine großen Vorteile aus unserem Job.
Marc: Wir ficken alle nur Rick.
Tim: Ja genau, Rick ist unser Bandgroupie!
Das reicht! Schnell das Thema wechseln.
Welche Erwartungen hattet ihr, als ihr angefangen habt Musik zu machen?
Tim: Wir hatten keine Ahnung. Am Anfang bestand die Band ja nur aus mir und Marc. Unsere erste Band war ein kindisches Image einer Rockband. Wir wollten so sein wie Bon Jovi oder Guns N' Roses!
Marc: Und auch in riesigen Stadien spielen.
Was bedeutet euch Erfolg?
Tim: Es ist hart, wenn man keinen Erfolg hat wie es bei uns mit "Nu-Clear Sounds" der Fall war. Es ist ziemlich deprimierend, wenn du in halbleeren Hallen spielst. Erfolg hilft deinem Selbstbewusstsein.
Fühlt ihr euch nicht ein bisschen von der Plattenfirma ausgenutzt? Ash als Image der erfolgreichen jugendlichen Rockstars, die Inkarnation eines Traumes
Tim: Nicht in England, aber im Rest von Europa hat man versucht, uns als Boygroup zu vermarkten. Manchmal haben die Leute sogar gedacht wir wären eine zusammengecastete Band.
Tim und Charlotte, ihr habt für eine Kampagne von Calvin Klein gemodelt. Warum?
Charlotte: For a laugh ... Das war einfach mal eine andere Erfahrung. Wir sind nach New York gefahren und haben Anziehsachen umsonst bekommen und so.
Tim: Das war einfach ein Angebot, das man nicht ablehnen konnte.
Was haltet ihr davon, wenn Leute euch in einem Atemzug mit JJ72 oder Coldplay nennen, nur weil alle drei Bands aus Großbritannien kommen?
Tim: Ich finde Coldplay haben einige gute Songs.
Rick: Die sind ziemlich langweilig.
Nein, sind sie nicht.
Rick: Doch, sind sie! Gut, das können wir jetzt den ganzen Abend weiter spielen ... Bitte nicht!
Was für Vorteile habt ihr dadurch, dass ihr in einer ziemlich bekannten Band spielt? Trefft ihr aufregende Leute?
Tim: Man macht schon die merkwürdigsten Erfahrungen, wie z.B. mit U2 zu spielen, was ziemlich cool war.
Marc: Oder man spielt plötzlich auf der Geburtstagsparty von George Lucas.
Wie reagieren die Leute auf Euch? Erkennen sie euch auf der Straße?
Tim: Manchmal schon. Rick wird meistens erkannt wegen seiner Haare.(Er hat einen Iro! - Anm. d. Red.).
Rick: Wenn ich 'nen Hut auf habe erkennt mich keiner, erst wenn ich ihn absetze.
Trauen sich die Leute auch euch anzusprechen?
Rick: Manchmal versuchen die Leute so zu tun als würden sie uns nicht erkennen, aber das ist dann so offensichtlich. Die gehen dann an einem vorbei, versuchen möglichst heimlich auf mich zu zeigen und sagen dann "das ist der Typ von Ash", naja, sie denken sie flüstern, aber sie sagen das wirklich laut.
Tim: Und dann gibt es Leute, die im Auto an uns vorbei fahren und schreien "Ash are shit".
Rick: In Pubs oder so gibt es auch Leute die an uns vorbei rennen, "Ash are shit" schreien und dann schnell aus der Tür raus und weg sind.
Wie reagiert ihr darauf?
Rick: Ich finde das ziemlich lustig! Die denken dann sie wären cool und rennen am nächsten Tag zu ihren Freunden, um denen zu erzählen, dass sie dem Drummer von Ash ins Gesicht gesagt haben, wie scheiße seine Band ist. Wie cool.
Marc: Ich glaube das war ich, Rick!
Was sind eure Zukunftsträume?
Tim: In Amerika berühmt werden, in Hollywood leben, im totalen Lala-Land ...
Fühlt ihr euch denn berühmt?
Tim: Nicht wirklich, wir machen uns da nicht so viele Gedanken drum.
Nu-Clear Sounds (1998), 1977 (1996), Trailer (Minialbum) (1994)
18,99 €
6,45 EUR
29,99 €
9,99 €
8,99 €
35,99 €
7,99 €
14,90 EUR
17,99 €
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Offizielle Seite mit aktuellen Infos, Video usw..
http://www.charlottehatherley.com/
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