Porträt

laut.de-Biographie

Extreme

Obwohl Extreme in den 90er Jahren (ungerechtfertigterweise) als üble Posertruppe bezeichnet werden, muss man doch mindestens dreien der Mitglieder Respekt zollen. So steht Sänger Gary Cherone zeitweilig in den Diensten von Van Halen, Gitarrist Nuno Bettencourt besitzt als Flitzefinger einen exzellenten Ruf und der spätere Drummer Mike Mangini sorgt bei Annihilator und einigen anderen Bands für einen korrekten Beat.

Doch zurück zu Extreme. Der direkte Vorgänger der Band hört noch auf den Namen The Dream und ist in der Bostoner Clubszene Anfang der 80er unterwegs. Dort spielen Sänger Gary und Drummer Paul Geary zusammen, doch erst 1986 soll sich unter dem Namen Extreme das fertige Line-Up finden. Dazu fehlt nämlich noch der auf den Azoren geborene Gitarrist Nuno Duarte Gil Mendes Bettencourt und Basser Pat Badger (Ex-Daemon).

Kaum sind die beiden mit dabei, wächst der gute Ruf der Band; es folgen die ersten Auftritte in Europa. Da sie beim selben Management unter Vertrag sind wie Michael Bolton, sacken sie tatsächlich einen Deal beim Majorlabel A&M ein und debütieren auf dem Soundtrack zum Keanu Reeves-Streifen "Bill Und Teds Verrückte Reise Durch Die Zeit". Kurz darauf erscheint ihre erste Scheibe "Extreme", die fröhlich Hardrock mit etwas Funk und ein wenig Blues mischt. Ein Auftritt im Vorprogramm von Aerosmith ist das bisherige Highlight für Extreme.

Allerdings hält sich das Interesse an den Jungs, die damals noch mit auftoupierten Haaren und Make-Up unterwegs sind, außerhalb ihres Heimatstaates in überschaubaren Grenzen. Deutlich besser schneiden sie da mit ihrem zweiten Werk "Pornograffitti" ab. Frank Zappas Sohn Dweezil gastiert auf dem Konzeptalbum, das den Untertitel "A Funked Up Fairy Tale" trägt. Die Hit-Ballade "More Than Words" muss im Jahr 1990 wohl so manches Mädel über sich ergehen lassen, weil ihr irgendein Knilch seine Liebe gesteht.

Die Verkäufe gehen prompt durch die Decke, die Band ist ständig irgendwo auf Tour, u.a. mit David Lee Roth oder ZZ Top. Zwischenzeitlich spielt Nuno noch ein paar Gitarren für Janet Jackson ein. Extreme werden sogar von Brian May persönlich auf das Tribute-Festival zum Gedenken an den an Aids verstorbenen Queen-Sänger Freddie Mercury eingeladen. Dort spielt die Band neben Größen wie Guns N' Roses, George Michael und Elton John.

Kurz darauf erscheint das dritte Album "Three Sides To Every Story", das erfolgstechnisch nicht an den Vorgänger anknüpfen kann. Und das obwohl sie in den berühmten Londoner Abbey Road-Studios mit einem 70-köpfigen Orchester werkelen. Von Juni bis September 1992 sind Extreme mit Bryan Adams unterwegs.

Das Ende des Jahres verbringen sie hauptsächlich im Bus oder im Flieger und kommen dabei durch Europa, Australien und Indonesien. Auch wenn die Album-Verkäufe nicht mehr extraordinär sind, hat die Band nach wie vor einen guten Ruf. So stehen immer wieder Künstler wie Roger Daltrey oder Brian May gern mit den Jungs auf einer Bühne. Robert Palmer bittet Nuno sogar als Songwriter zu sich ins Studio.

Gary nimmt derweil ein Engagements als Jesus im Musical "Jesus Christ Superstar" an. Im April 1994 steigt Drummer Paul aus, um sich auf seinen Job als Manager für Godsmack und anderen Bands zu konzentrieren. Seinen Platz nimmt Mike Mangini ein, der auf dem kommenden Album aber nur noch ein paar Songs eintrommeln muss. Seinen Einstand gibt er auf Tour mit Aerosmith. "Waiting For The Punchline" erscheint im Januar 1995, Extreme gehen direkt im Anschluss auf US-Tour.

Nachdem sie auch noch Europa hinter sich lassen, gehen die Mitglieder erst einmal getrennte Wege. Nuno zieht es zu seiner schwangeren Frau nach Australien, Gary und Pat gehen zurück nach Boston, Mike hat ständig irgendwelche Projekte am Laufen. Als er Anfang '96 gerade mit dem Gitarrenteam G3 unterwegs ist, erklärt Nuno seinen Ausstieg aus der Band. Diese sagt dazu erstmal nichts, in der Hoffnung, dass der Mann seine Meinung noch ändert, aber im Oktober ist die Nachricht dann offiziell.

Gary tritt daraufhin die undankbare Nachfolge von Sammy Hagar bei Van Halen an. Es mutet doch etwas schäbig an, dass sein Beitrag in der Retrospektive von Eddie und Alex Van Halen gerne verschwiegen wird. Mike ist bei Steve Vai am Start. Nuno beschäftigt sich derweil mit seinen Solosachen, in die auch sein Bruder Paulo (Gitarre) und sein Neffe Donovan (Bass) involviert sind. Etwas später gründet er mit Donovan und Mike die Mourning Widows. Allerdings bleibt Mike nicht allzu lange dabei, sondern spielt lieber mit Dream Theater-Sänger James LaBrie auf dessen Soloalben.

1999 hört man auch wieder etwas von Basser Pat, der sich Super TransAtlantic anschließt, der neuen Band des ehemaligen Saigon Kick-Gitarristen Jason Bieler. Gary, der inzwischen bei Van Halen wieder raus ist, startet zunächst ein Projekt namens Tribe Of Judah, worin auch Mike und Pat involviert sind. Die Zeit vergeht, Projekte kommen und gehen und bis zum Jahr 2002 erscheinen posthum sage und schreibe drei Best-Of-Scheiben von Extreme.

Mitte 2004 kommt es tatsächlich zum Reunion-Gig auf der Azoreninsel Santa Maria. Ein weiterer folgt in Boston im September mit Puddle Of Mudd und den Dropkick Murphys und danach freuen sich auch die japanischen Fans auf Besuche der alten Recken.

Dennoch konzentrieren sich alle Mitglieder zunächst wieder auf ihre Solokarrieren. So bastelt Nuno mit dem ehemaligen Jane's Addiction-Sänger Perry Farrell an einer Sache namens Satellite Party, und Gary zieht mit Mike Portnoy (Drums), Paul Gilbert (Gitarre) und Billy Sheehan (Bass) die The Who-Tributeband Amazing Journey auf, mit der sie im Mai 2006 durch die Staaten ziehen. Kurz darauf finden erneut ein paar Reunion-Konzerte im Original Line-Up statt. Eine DVD namens "Videograffitti" erscheint im Juni 2006, enthält aber keine neuen Aufnahmen.

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Anfang August 2008 erscheint mit "Saudades De Rock" nach 13 Jahren Funkstille endlich wieder ein Album mit neuen Kompositionen. Für Mike ist mittlerweile Nunos Satellite Party und DramaGods-Kumpel Kevin Figueiredo an den Drumsticks aktiv, Ur-Schlagzeuger Paul Geary kümmert sich derweil um das Extreme-Management.

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Di 17.06.2014 Mannheim (Alte Seilerei)
Fr 11.07.2014 Nürnberg (Rockfabrik)
Sa 12.07.2014 Köln (Live Music Hall)

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