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Joseph Donald Mascis Junior. Ein Name wie geschaffen für einen Anti-Rockstar. Da bringt dem Dinosaur Jr.-Kopf auch die uncoole Abkürzung J Mascis nichts mehr. Solche Namen haben für gewöhnlich Typen, die mit 16 noch per Fahrrad zur High School fahren, während die gleichaltrigen Quarterbacks nur müde lachen und die Cheerleaders morgens auf dem Beifahrersitz von Papas Allrad-Jeep mitnehmen.
Aber Uncoolness (auch unbeabsichtigte) ist verdammt wichtig für einen Gott aller langweiligen Nichtsnutze, die immer noch dem Gitarrenrock um die Jahreswende 1990 hinterher jammern, mit ausgewaschenen Sonic Youth-T-Shirts rumlaufen und dicke Hornbrillen tragen.
Wichtig für die Fans, unwichtig for his majesty. Mascis schert sich bis heute nicht einen Cent um sein öffentliches Erscheinungsbild. Er trägt absurde Baseball-Caps aus dem Baumarkt, kunterbunte Sneakers aus der eigenen Band-Kollektion, schläft bei Interviews gerne mal für einen kurzen Moment ein bzw. schweigt hartnäckig, bevor er eine Antwort gibt (die sich dann meistens auf einen kurzen genuschelten Satz beschränkt) und versteckt sein Gesicht am liebsten hinter seinen fransigen und inzwischen ergrauten Haaren. In seiner Freizeit spielt er gerne Golf (siehe das Video zu "Feel The Pain") und schaut am liebsten Soap-Operas. Gibt es Hobbys, die noch weniger Indie sind?
Anstatt sich um die Schule zu kümmern, widmet sich der am 10. Dezember 1965 in Massachusetts an der amerikanischen Ostküste geborene Mascis lieber der Musik: er trommelt fantastisch, spielt Klavier ("Das kann ich aber nicht so gut. Meistens drücke ich nur die weißen Tasten", J. Mascis anno 2000) und testet die Dehnfähigkeit von Gitarrensaiten mit seinen irrwitzigen Soli. Die Mittagsschule wird durch Proben der Hardcore-Band Deep Wound ersetzt, in der Mascis auf die Felle einschlägt. Nach deren Split wechselt er an die Gitarre und gründet zusammen mit Deep Wound-Gitarrist Lou Barlow und Drummer Murph 1983 seine eigene Band, die auf den Namen Dinosaur hört und zwei Jahre später ihr erstes gleichbetiteltes Album veröffentlicht. Damals ist J Mascis gerade mal zwanzig Jahre alt und wohnt immer noch bei seinen Eltern in Amherst, Massachusetts. Das wiederum ist cool. Na, ihr Quarterback-Poser, wer hat es jetzt mehr drauf?
Von Led Zeppelin, Black Sabbath, Deep Purple und diversen britischen Punk-Bands inspiriert, kreiert J im ländlichen Massachusetts einen wahnwitzig verzerrten Gitarrensound mit minutenlangen Krach-Soli und Neil Young-ähnlichem Nuschelgesang. Mascis rettet das Gitarren-Solo aus der Poser-Peinlichkeit im Heavy Metal und etabliert es im schrammligen Indie-Rock.
Allerdings hält sich Dinosaur nicht lange. Schon kurz nach dem Release klopft ein gewisser Herr Robert Hunter (seines Zeichens Texter für die Hippie-Legende The Grateful Dead) an die Tür und weist den Jungspund auf seine Band hin, die ebenfalls und natürlich schon viel viel länger auf den Namen Dinosaur hört. Zwei Bands, ein Name, das ist für Hunter nicht tragbar und so hängt J, der selbst ein Mascis Junior ist, einfach ein "Jr." an den Bandnamen an.
Es ist ja egal, wie man heißt. Die Band besteht sowieso nur aus J, der im Studio meistens jeden Part selbst einspielt. Die anderen Zwei benötigt er überspitzt formuliert nur zum Touren. Bei den Aufnahmen zu "Bug" verkracht sich Mascis mit seinem Basser Lou Barlow und schmeißt ihn kurz darauf aus der Band. Barlow reagiert äußerst beleidigt, zumal Mascis behauptet, dass er die Band auflöst, obwohl er hinter Barlows Rücken schon einen Ersatzbasser organisiert hat. Der Geschasste widmet sich nun ganz dem ursprünglichen Home-Projekt Sebadoh mit Songwriting-Kollege Eric Gaffney und kann mit ihnen einige Erfolge im Indie-Underground feiern. In seinen Texten tauchen immer mal wieder mit Hass gekochte Anspielungen auf seinen alten Weggefährten auf.
Mascis macht zunächst mit Don Fleming als Bassist weiter, später auch mal mit dem Screaming Trees-Mann Van Connor und feiert 1989 mit dem Cure-Cover "Just Like Heaven" einen Underground-Erfolg. Die ersten drei Dinosaur Jr.-Alben machen mit den Pixies und Sonic Youth den Weg für die spätere Grunge-Bewegung der frühen Neunziger frei. Wie immer profitieren alle drei Bands von ihrer Vorreiterrolle später recht wenig. "Freak Scene" vom Album "Bug" bleibt neben der erwähnten Coverversion Mascis' einziger kleiner Hit. Über mehr als einen respektablen Kultstatus unter Indie-Freaks kommt er aber leider nie hinaus.
1994 kickt Mascis auch seinen Drummer Murph raus: "Ich kann nicht mit einem solch uninteressierten Schlagzeuger spielen", lautet seine klare Begründung. Der Desinteressierte findet schnell Unterschlupf bei den Lemonheads. Also setzt sich Mascis wieder auf seinen alten Stuhl, den er ja nur in Richtung Gitarre verließ, da man seiner Meinung nach nur mit den sechs Saiten solch intensiven Lärm und Rhythmus erzeugen kann, wie es sein großes Vorbild John Bonham (Schlagzeuger bei den Stairway-To-Heaven-Boys) schaffte. Und Mascis trommelt gut. So gut sogar, dass ihm 1990 das Angebot ins Haus flattert, bei Nirvana einzusteigen. J lehnt ab und Cobain entscheidet sich für Dave Grohl.
Ende der Neunziger weiß Mascis selbst, dass Dinosaur Jr. sein verdientes Ende gefunden hat: "Die Band hat ihr Rennen gemacht", sagt er 1997 beim Release das Dinosaur Jr.-Albums "Hand It Over". Danach widmet er sich hauptsächlich seiner alten Nebentätigkeit, dem Producer-Job (schon zu Dinosaur-Zeiten saß J bei den Breeders, Tad, Buffalo Tom oder Sonic Youth hintern den Reglern). Im Milleniums-Jahr gibt es dann endlich wieder ein Soloalbum der Legende. Die Kritiker jubeln: "More Light" sei das beste Mascis-Werk seit "Green Mind", das immerhin schon fast zehn Jahre zurückliegt.
Als sich Meister J im Jahr 2005 mit seinem alten Erzfeind Barlow wieder versöhnt, verschlägt es den meisten Fans dann aber doch den Atem. Im Juli spielt die Band in Originalbesetzung mit Drummer Murph auf dem japanischen Fuji Rock Festival, Shows in Europa und weitere Festivals folgen. Von einem gemeinsamen Album ist zunächst keine Rede, aber als die Jungs wieder nach Hause zurück kehren und sich kurzfristig wieder eigenen Projekten widmen, reift die Idee, den guten Vibe der Live-Konzerte ins Studio hinüber zu retten.
Anfang 2006 trifft sich das Trio in Mascis' Homestudio und beginnt an den Arbeiten, aus denen nach neun Monaten das Comebackalbum "Beyond" entsteht. "Die Atmosphäre war gut", erzählt Mascis gewohnt kurzatmig in den nachfolgenden Interviews. So gut sogar, dass es nicht das letzte Album der Gruppe bleibt.
Für das Video zur Single "Been There All The Time" gewinnt die Band Oscar-Preisträger Matt Dillon, der seine Verbundenheit zum US-Alternative Rock nicht nur 1992 als Grunge-Sänger im Film "Singles" bewies, sondern im selben Jahr auch als Clip-Regisseur des Dinosaur-Songs "Get Me".
J Mascis über Reunions, ein Problem mit Annie Lennox und Komplimente.
18 Jahre nach dem letzten Album veröffentlichen Dinosaur Jr. am 27. April das Album "Beyond" wieder in der Originalbesetzung. Zwischen Sänger und Bandgründer J Mascis und Bassist Lou Barlow herrschte beinahe die ganzen 18 Jahre eisiges Schweigen. Schweigen wiederum ist auch ein Thema, das Journalisten zu schaffen macht, die sich mit J Mascis unterhalten müssen.
Köln, Hilton Hotel, an einem Nachmittag Anfang März: J Mascis hat keine Lust mehr auf Interviews in seiner Suite und wird deshalb gleich in die Lobby runter kommen, erklärt die Label-Beauftragte. Und dann kommt er auch schon. Sein Outfit lässt natürlich nur einen Schluss zu: Dieser Typ muss Rockstar sein. Nicht weil sich Mascis kleidet wie ein Rockstar, sondern da seine gesamte optische Erscheinung auf modischen Stilbrüchen zu fußen scheint, die sich eben nur Freaks erlauben. Und von der Sorte fanden ja schon einige zum Rock'n'Roll.
Es ist müßig darüber nachzudenken, ob es Kurt Cobain, viel zitierter Heiland der Verweigerung und Dinosaur Jr.-Fan, so weit gebracht hätte, wenn er wie Mascis zur obligatorischen hellbraunen Cordhose eine dunkelgrüne Adidas-Jacke mit hellgrünen Giftstreifen und lila-silberne Space-Sneakers aus der eigenen Bandkollektion getragen hätte. Oberdino J hat sich dagegen mit den verschrobensten Outfits im sonst eher konservativen Indie Rock-Segment aus rational nur schwer darzulegenden Gründen über die Jahre eine ganz eigene Nische geschaffen, nämlich die des uncoolsten aller Antistars, und bleibt dadurch bis heute unerrreichbar für zahlreiche Kollegen.
Mascis sitzt mir gegenüber, nippt an seinem Tee und mustert mich in der geschäftigen Hotellobby mit wachen Augen durch seine pechschwarze Hornbrille. Seinen dunkelgrünen The North Face-Parka hat er ausgezogen. Über dem Giftgrün der Trainingsjacke bringt seine mittlerweile staubgraue Mähne einen interessanten neuen Farbton ins Spiel. Keine Angst vor falschen Fragen, denke ich mir noch, er beantwortet sowieso alle ungern.
Du bist also heute schon die ganze Zeit in deiner Suite gewesen.
Mascis: Ja. Bis auf heute morgen.
Frühstück?
Yeah. Pause. Wir kamen gegen halb elf an. Vielleicht wars auch elf. Pause.
J. Mascis rührt in seinem Tee und wirkt ausgeglichener als ein Zen-Buddhist. Gut, das waren jetzt noch nicht die Fragen, auf die man zehn Minuten antworten könnte. Die kommen noch. Was am Antwortvolumen meines Gegenübers nicht zwingend etwas ändern wird.
J, ich habe eure neue Platte gehört und war gelinde gesagt völlig begeistert. Die Songs weisen zurück in die Vergangenheit und fangen dabei all eure Stärken ein und wurden mit einer packenden, modernen Produktion veredelt. Wie siehst du das?
Oh. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich muss die Aufnahmen erstmal setzen lassen und mir dann überlegen, wie ich es finde. Der Prozess des Aufnehmens ist noch zu gegenwärtig?
Ja, ich kann dazu überhaupt nichts sagen.
Okay. "Beyond" waren auch die ersten Aufnahmen in dieser Dinosaur Jr.-Besetzung seit 18 Jahren. Bist du ein nostalgischer Mensch? Schaust du gerne zurück auf Sachen, die du gemacht hast?
Ähh, ja, manchmal. Abr es fühlt sich nicht nostalgisch an mit der Band, da wir schon wieder eine ganze Weile zusammen spielen, wir haben neue Songs und so. Ich habe aber das Gefühl, wir machen genau da weiter, wo wir aufgehört haben. (Pause) Ja, manchmal ist es lustig, sich eine alte Platte anzuhören. Habt ihr drei das auch gemacht vor zwei Jahren, bevor alles wieder losging?
Zusammen? No! (lacht gequält)
Habt ihr über eure Vergangenheit gesprochen?
Nein, wir haben einfach die Songs gespielt.
Okay, jetzt reichts aber mit dem höflichen Gefloskel. Kommt ja eh nix bei rum. Es stimmt alles, was man über J Mascis liest: Interviews sind für ihn ein notwendiges Übel. Es ist wahrscheinlich nicht einmal der Fall, dass er sich langweilt, sondern eher so, wie es die Dame vom Label vorab ausgedrückt hat: Er macht die ganzen Pressegeschichten gern, kommt morgens immer pünktlich zum Treffpunkt und ist stets zuvorkommend. Er redet halt nicht so viel. Schwer vorstellbar, dass dieser Typ im Studio vor allem früher gerne das letzte Wort hatte, was ihm den Ruf als letzter großer Eigenbrötler des US-Alternative Rocks eingebracht hat.
Als die Welt 1991 gebannt auf Seattle stierte, war seine kultisch verehrte Underground-Band Dinosaur Jr. bereits zwei Jahre tot, besser gesagt, das Original-Line Up. Seinen kreativen Widerpart Lou Barlow soll er damals mit der Auflösung der Gruppe konfrontiert haben, als er bereits einen Barlow-Ersatz klar gemacht hatte. Barlow gründete die Band Sebadoh, komponierte unrühmliche Songs über seinen Ex-Kollegen und zerrte Mascis gar vor Gericht (In welchem Aufzug dieser dort erschien, ist übrigens nicht überliefert). Nun denn, ran an die ungemütlichen Themen.
Für die meisten Fans war es eine unglaubliche Nachricht, als 2005 bekannt wurde, dass Dinosaur Jr. in der Urbesetzung Konzerte spielen würden. Besonders dein Zerwürfnis mit Lou Barlow Ende der 80er schien kein Happy End zuzulassen. Gab es außer der Wiederveröffentlichung eurer alten Alben eine Gelegenheit, dass ihr euch wieder getroffen habt? Eine Initialzündung?
Hmm. Ich glaube, Lou wurde über die Jahre einfach immer weniger wütend. Er entschuldigte sich bei mir für ein paar Dinge und schien insgesamt ruhiger zu sein. Er schrie mich nicht mehr an und ich schrie ihn nicht mehr an. Ich bin ja wahrscheinlich auch etwas ruhiger geworden über all die Jahre. Ich wusste, dass Lou schon die ganze Zeit wieder Konzerte spielen wollte, auch zu der Zeit, in er mich noch ständig angebrüllt hat. Er wollte immer eine Reunion.
Du aber nicht?
Nein. Ich war wohl der, der als allerletztes davon überzeugt werden musste.
Dann ist Lou also auf dich zugegangen?
Nein, ich wusste ja, dass er das gut fände. Ich glaube, es war mein Manager, der die anderen gefragt hat und dann versucht hat, mich zu überzeugen. Und wie lange hat er dafür gebraucht?
Eine ganze Weile. (grinst)
Murph war immer sehr wichtig für die Band. Eigentlich haben wir (Mascis und Barlow) lange über Murph kommuniziert. Er ist eine seltsame, zentrale Persönlichkeit der Band.
Inwiefern seltsam?
Ach, kompliziert. Er ist wohl der verrückteste von uns. Es ist immer lustig, seine verrückten Geschichten anzuhören und sich darüber zu unterhalten.
Kann Dinosaur Jr. nur mit einer etwas verrückten Persönlichkeit existieren?
Ja. Wir sind alle ein bisschen verrückt. Mascis nippt wieder an seinem zu heißen Tee und schaut mich mit neugierigen Kinderaugen an. Er scheint jetzt irgendwie aufmerksamer zu sein, sich im Gespräch zurecht zu finden. Die Hotelanlage spielt "If Tomorrow Never Comes" von Ronan Keating. Weitermachen.
2005 habt ihr zum Warmwerden einige Festivals gespielt, zunächst in Japan und später auch in Europa. Erinnerst du dich an den Übergang, wieder zuhause angekommen zu sein und zu beschließen, ein Studioalbum in dieser Besetzung aufzunehmen?
Ja. Wir kamen nach gut einem Jahr auf Tour nach Hause und dachten, es wäre ganz schön, noch ein bisschen länger zusammen zu spielen. Aber wir hatten keine neuen Songs und damit keine Gründe, schon wieder in denselben Läden zu spielen. Es schien der logische nächste Schritt zu sein, ins Studio zu gehen. Einfach mal sehen, was so passiert. Wenn die Platte nicht gut ankommt, hatten wir eine schöne Zeit. Wenn doch, können wir länger spielen.
Musstest du bereits geplante Termine für die Reunion aufschieben?
Nö, ich hatte eigentlich keine Pläne.
Du machst aber nicht den Eindruck, eine Person zu sein, die einfach mal drei Monate lang nichts tut und sich auf die Couch legt.
Nein. Aber ich plane auch nicht weit in die Zukunft.
Wie lange haben die Aufnahmen der Platte gedauert?
Insgesamt neun Monate. Also der ganze Prozess. Unsere Sessions vielleicht so einen Monat? Viele Sachen habe ich auch alleine aufgenommen. Ja und dann musst du Lou halt auch dazu bringen, Songs zu schreiben. Dann machst du wieder eine Session mit allen dreien. Dann geht jeder wieder heim und schreibt neue Songs. Hat sich an eurer Kompositionsweise irgendwas geändert gegenüber früher? Was Texte und Melodien betrifft?
Nein, ich schreibe meine Songs. Für Songs, die er bringt, versuche ich Arrangements zu finden. Und dann musst du Murph erklären, wie er was spielen soll. Ich weiß halt schon, wie etwas klingen soll, auch was die Drums betrifft. Bei Lous Songs sage ich vielleicht, wenn etwas nicht zu seinem Gesang passt oder ich bitte ihn, einen Part zu ändern.
Was ist dann der Unterschied zu 1989, als ihr zuletzt im Studio ward?
Wir nehmen zu Hause auf, das ist einfach stressfreier. Du kannst auch mal länger für etwas brauchen, ohne dass Druck entsteht. Außerdem kamen wir damals bei "Bug" überhaupt nicht miteinander klar. Schlechte Vibes.
Reden wir über Reunions: The Police sind zum Beispiel wieder zurück und reihen sich ein in die Riege bestimmter Bands, die dies besser unterlassen hätten. Andererseits: Das Lemonheads-Comeback, dem auch ein Album folgte, war großartig. Wie stehst du zu Reunions? Ich habe gelesen, das Mission Of Burma-Comeback vor drei Jahren mochtest du.
Stimmt. Also ich mochte die Stooges-Reunion. Was gabs noch? Ich warte immer noch auf die Pavement-Reunion. Das wäre schön.
Wie stehst du zum Pixies-Comeback?
Ja, war okay.
Bei denen gabs allerdings nur eine Tour, kein Album.
Ja, nun, ist ihre Sache. Ist mir egal, was die machen.
Bevor die Stooges wieder zusammen kamen, hast du auch Konzerte mit den Asheton-Brüdern und Mike Watt gespielt, ein Kollege sah euren Auftritt 2002 in Tilburg, Holland.
Oh, right.
Hast du schon die neue Platte gehört?
Nein. Du? Wie ist sie?
Ich hab sie nur einmal ganz gehört. Naja, der Sound ist schön roh, Steve Albini war Produzent, für eine Comeback-Platte ist sie glaube ich gar nicht schlecht.
Okay.
Haben sie dich gefragt, ob du auf einem Song mitspielen willst?
Nein. Ich denke, Ron will jetzt seinen Ruhm ernten. Und die Stooges hatten nie zwei Gitarren.
Okay. Hätte ja sein können, da auch Brendan Benson auf der Platte ist.
Wer ist das?
Ein Singer/Songwriter aus Detroit, der auch bei den Raconteurs mitspielt.
Okay. Nein, ich bin draußen bei den Stooges.
Gab es böses Blut, als Iggy zurück kam?
Böses Blut? Nein. Iggy hat sie halt angerufen und das ist schön für sie.
Als du noch mit den Ashetons gespielt hast, gab es nie die Aussicht darauf, dass Iggy zurück kommt, oder?
Nein. Er hörte von unseren Shows und den guten Reaktionen und bekam wohl das Gefühl, dass er darüber nochmal nachdenken sollte. Klingt so, als hätte Iggy genau so lange gewartet, bis ihr die Promotion für seine alte Band zu Ende gebracht hättet.
Yeah! (grinst) Nein, ich bin froh, dass ich mit Ron und Scott zeigen konnte, was die Stooges ausmacht. Ron und Scott sind für mich eher die Stooges als Iggy. Und er sollte wirklich wieder eine gute Band haben. Ich habe ihn schon mit einem Haufen schrecklicher Bands gesehen, furchtbar!
Hast du schonmal mit Steve Albini gearbeitet?
Nein. Ich war mal mit ihm auf Tour. Unsere erste Show in New York spielten wir damals als Support für Big Black (eine von Albinis ersten Bands in den 80ern, Anm. d. Red.). Mit Rapemen waren wir mal in Europa unterwegs. Aber über eine Zusammenarbeit habe ich noch nie nachgedacht.
Ja, es ist toll, Kids bei unseren Shows zu sehen. Erst neulich kam eins auf mich zu, keine Ahnung, vielleicht zehn oder elf Jahre alt, und es kam zu mir und sagte: "Hey, du hast gut gesungen". Das ist wohl das verrückteste, was je jemand zu mir gesagt hat. Ich hätte gut gesungen, hehe.
Wo war das?
In Florida. Das war eine Skateboard Comeptition, so eine Art Release Party für die Nike Sneakers.
Was wäre denn das schönste Kompliment, dass man dir nach einem Gig machen könnte?
Also das eben war schon ziemlich cool. Keine Ahnung .... vielleicht: "Dein Gitarrenspiel ist echt krank" (lacht). Kommt immer darauf an, von wem es kommt. Wenn es jemand ist, dessen Meinung mich interessiert und dem ich vertraue, ist es wohl am besten.
Wie sieht es mit Meinungen von Außenstehenden zu eurer neuen Platte aus?
Bis jetzt kam nichts negatives. Gehasst hat es schonmal keiner.
Gibt es Songs, die es nicht auf die Platte geschafft haben?
Ja.
(Stille)
Gibt es dafür Pläne?
Nein. (lacht)
B-Seiten vielleicht?
Wir haben eine B-Seite, die ziemlich gut ist. Aber sie ist nur auf dem Vinyl. Das ist die einzige, die ich fertig gemacht habe. Normalerweise beende ich die Sachen nicht, die nicht aufs Album kommen.
Jetzt muss ich noch eine Frage für einen großen Dinosaur Jr.- und The Cure-Fan stellen: Wie kamst du damals auf die Coverversion von "Just Like Heaven"? Wolltest du irgendeinen Song von denen nachspielen oder war es eine gezielte Wahl?
Wenn ich mich recht entsinne, war es damals halt ihr aktueller Song. Es war nicht mein Lieblingssong aber er lief halt dauernd und ich dachte mir, vielleicht solltest du den mal spielen und schauen, ob er gut klingt.
Dachtest du vielleicht auch, du könntest dem sehr schönen, reinen Original eine Portion mehr Schmutz hinzufügen?
Yeah, ich dachte wohl, man könnte da noch was draus machen. Weißt du, ich mag diese Attitüde aus den 60ern, als Bands häufig einfach mal aktuelle Songs coverten. Das ist leider nicht mehr so in Mode.
Haben sich Robert Smith oder andere Cure-Mitglieder mal dazu geäußert?
Ja, ihr damaliger Gitarrist mochte es sehr. Porl, Roberts Schwager. Er meinte damals, sie sollten auch unsere Version auf den Konzerten spielen. Robert Smith mochte es zuerst nicht, später dann aber doch.
Was hast du seitdem noch gecovert?
Oh, da gabs einiges. David Bowie, The Flying Burrito Brothers. Akustisch dann mal die Smiths und Lenard Skynard.
Mit Lou und Murph kam das Thema in den letzten zwei Jahren aber nicht auf, oder?
Nein. Vielleicht hätte man das mal anschneiden sollen.
Wieso?
Na, diese Songs sind halt schon geschrieben. (lacht)
Ist das Songschreiben mit den anderen denn einfacher gewesen, als die Jahre davor für dich alleine?
Oh nein. Murph muss ja die Songs lernen. Er muss sie so lange spielen, bis er sie drauf hat. 80 Mal, keine Ahnung. Das langweilt mich, denn ich probe nicht gerne. Wenn ich es alleine mache, spiele ich es einfach und fertig.
Glaubst du, dass Murph sich manchmal aufregt, dass er einen Song exakt so spielen muss, wie du ihn hören willst?
Nein, so läuft es eben. Viele Leute hören das Schlagzeug nicht als Teil eines Songs, dabei ist es genau das. Der Beat. Ich sehe es als elementaren Teil eines Songs an. Etwas anders zu spielen, wäre ungefähr so, als käme jemand zu mir und sagte, kannst du da eine andere Melodie oder andere Worte singen? Nein, kann ich nicht. Dann wäre es nicht mehr derselbe Song.
Hat dich Murph eigentlich ins Spiel gebracht, dass du 2006 auf der Lemonheads-Platte mitgespielt hast?
Nein, ich traf Evan und Bill Stevenson von den Descendents in Colorado, backstage auf einem unserer Gigs. Dort fragten sie mich. Ich glaube, Evan hats mir per Mail geschickt, ich habe es jedenfalls zu Hause eingespielt.
Aber du kanntest Evan noch aus alten Zeiten, oder?
Ja. Er brachte mal seine Mutter mit auf eine Show. Etwa 1987, so ungefähr. Ich habe ihn also gleichzeitig mit seiner Mutter kennen gelernt.
Würdest du denn gerne einmal bei jemandem mitspielen, bei irgendeiner Band, die du magst?
Ach. Das einzige Mal, als das geschah, war ... wie heißt sie nochmal? Annie Lennox. Sie wollte, dass ich auf einem Song mitspiele. ich ging also mit einem Freund, der daran mitarbeitete, zu ihrem Studio. Dort spielte sie mir den Song vor, aber der war leider furchtbar. Es war ein Cover von "Take Me To The River", allerdings ein Cover der Talking Heads-Version. Ich mag das Original von Al Green sehr, aber nicht die Version der Talking Heads. Die ist beleidigend, für meine Begriffe. Und sie wollte eine Talking Heads-Coverversion eines Al Green-Songs covern ... Also sagte ich nein. Aber dann verkaufte sie davon Millionen von Platten und ich dachte, shit, vielleicht hättest du es doch spielen sollen (lacht).
Und wie hast du es Annie beigebracht?
Ach, mein Freund war ja der Toningeneur der Platte, wahrscheinlich hat der ... oder ich habs meinem Manager gesagt und der meinte dann, ich hätte es versucht oder sowas. Echt schade, denn ich mag einiges von den Eurythmics, aber dieser Song war echt scheiße. Matt Dillon hat das Video zu "Been There All The Time" gedreht. Wie kam das zustande?
Ich habe ihn gefragt. Wir kennen uns, seit er 1990 mal auf unserer Show war. 1992 hat er schonmal ein Video für uns gemacht.
Wo wurde es gedreht?
Bei Kim und Thurston (von Sonic Youth, Anm. d. Red.) zuhause.
In New York?
Nein, bei mir um die Ecke, in Massachusetts.
Ah, dann könnt ihr ja nachmittags zusammen Tee trinken.
Ja. Thurston spielt praktisch jede Woche irgendwo in der Gegend. Dort treffen sich immer dieselben 30 Leute. Und meine Frau hängt ja auch oft mit Kim ab. Man trifft sich eben.
More Light (2000), Hand It Over (1997), Martin + Me (1996), Without A Sound (1994), Jayloumurph (1993), Where You Been (1993), Green Mind (1991), Bug (1988), You're Living All Over Me (1987), Dinosaur (1985)
US-Label mit Free Download von "I Want You To Know" (2009).
http://media.pias.com/dinosaurjrfarm/
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Dinosaur Jr. Baudelaire |
10 |
28.09.09, 17:55 HOFer |
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