Porträt

laut.de-Biographie

The Breeders

Sachen, die aus einer Not geboren werden, entwickeln manchmal eine ungeahnte Qualität. Not macht erfinderisch, sozusagen. Kim Deal, die ehemalige Bassistin der Pixies kann davon ein Liedchen singen. Als Frank Black das Flaggschiff Pixies immer mehr weiter unter seine diktatorisch anmutendenen Fittiche bringt, sucht Deal Seitenwege, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Das gleiche Schicksal widerfährt Tanya Donelly als Gitarristin bei den Throwing Muses, wo sie mit ihrer Halbschwester Kirstin Hersh auf keinen grünen Zweig kommt. Gesucht, gefunden. 1988 beschließen die beiden frustrierten Songwriterinnen an einem Bostoner Tresen gemeinsam eine Band zu gründen, die man auf den Namen The Breeders tauft. Damit bezieht man sich auf einen alten Slang, mit dem Schwule die andere Seite bezeichnen. Neu war das allerdings nicht: Kim benutzte diesen Namen bereits vor Jahren, als sie singend mit ihrer Zwillings-Schwester Kelley die Truckstops in Ohio abklapperte.

The Breeders: Deutscher Befehlston? No, Sir!
The Breeders Deutscher Befehlston? No, Sir!
Während derzeit noch jeder über ein neues Pixies-Album spekuliert, haben The Breeders ihre vierte Platte aufgenommen: "Mountain Battles" kommt im April auf 4AD. Beim Interview in Hamburg berichten die Zwillingsschwestern Kim und Kelly Deal von ihrer Idee deutscher Kriegsführung und von regelmäßigen Bandcamps.
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Nachdem man endlich ein geeignetes Line-Up findet, spielt man in nur drei Wochen unter der Regie von Legende Steve Albini (der auch bei "Surfer Rosa" von den Pixies Knöpfchendreher war) das Debüt "Pod" ein. Obwohl manche Kritiker das Album als bloßen Pixies-Abklatsch abfertigen, können Deal und Donelly die Hörerschaft mit ihrem lo-fi Gitarren-Pop überzeugen: "Pod" übertrifft sogar die Verkaufszahlen das ebenfalls 1990 erscheinenden Pixies-Album "Bossanova". Auch ohne stimmliche Härte besitzen die Breeders das nötige Maß an Trash.

Texte über Abtreibung oder abgedrehte Sex-Praktiken sind natürlich auch ein Kaufreiz, der vor allem beim weiblichen Geschlecht auf Resonanz stößt. Deals sanfte Frauenstimme und ihr dickes, tief feministisch getränktes Selbstvertrauen ebnet den Weg für spätere Girl-Power-Ikonen wie Courtney Love, die sich in der Alternativ-Szene unter Männerstimmen behaupten können. Trotz des Erfolges bleiben die beiden Köpfe hinter den Breeders immer noch feste Mitglieder in ihren eigentlichen Combos. Nach "Pod" kümmern sich beide wieder vermehrt um ihre Hauptbands und veröffentlichen mit diesen neue Platten.

Obwohl die Breeders gegründet wurden, um den Platz für den kreativen Output von Deal und Donnelly zu schaffen, entwickeln sie sich immer mehr als One-Woman-Show ihrer Bassistin. Die ersten Gerüchte über einen Ausstieg Donellys bestätigen sich vorerst aber nicht, sondern das Zweigestirn nimmt zusammen 1992 die Four-Song-EP "Safari" auf. Danach ist der Ofen allerdings endgültig aus: Donelly verlässt die Breeders, um ihr eigenes Projekt Belly zu gründen. Deal zögert aber nicht lange und ernennt ihre Schwester Kelley (die auch schon bei "Safari" zu Gange war) zum offiziellen Ersatz, den man auch gleich auf die europäische Support-Tournee für Nirvana mitnimmt.

The Breeders - Mountain Battles
The Breeders Mountain Battles
Stilistische Vielseitigkeit statt "Cannonball"-Feeling.
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Während die Breeders 1992 mitten in den Arbeiten für den Zweitling stecken, geben die Pixies ihre Auflösung bekannt. Die Überraschung hält sich in Grenzen: dass Black und Deal nicht gerade miteinander ins Kino gehen ist schon lange kein Geheimnis mehr. Daraufhin widmet sich Kim voll und ganz ihrem ehemaligen Nebenprojekt, dessen zweites Album "Last Splash" 1993 erscheint. Darauf findet sich auch der Song "Cannonball", der mit seinem catchy Riff binnen kurzer Zeit zum MTV- und Radio-Dauerbrenner entwickelt. Im Zuge des Erfolges der Single ziehen auch die Verkaufszahlen des Albums an: "Last Splash" erreicht Platin und wird erfolgreicher als irgendeine Pixies-Platte zuvor.

Nachdem man in den folgenden zwei Jahren konstant um die Welt tourt, legt die Band Ende 1994 erstmal eine Pause auf unbestimmte Zeit ein. Kelley Deal wird in dieser Zeit wegen Drogenbesitzes verhaftet und zum Entzug nach Minnesota verdonnert. Der Rest der Band streckt seine Finger nach Solo-Projekten aus. Kim Deal konzentriert sich auf The Amps, mit denen sie 1995 auch das Album "Pacer" auf den Markt bringt. Nach ihrer Wiederherstellung gründet auch ihre Schwester eine eigene Band namens Kelley Deal 6000 und veröffentlicht mit ihnen "Go To The Sugar Altar". Die ersten Zweifel über die weitere Existenz der Breeders scheinen nicht allzu unberechtigt zu sein ...

Als keiner mehr mit den Breeders rechnet, wird 1996 völlig überraschend eine neue Tour angekündigt. Die Erwartungen werden allerdings schwer enttäuscht als die vermeintlichen Breeders auf der Bühne stehen: diese entpuppen sich als Kim Deal und das komplette Line-Up der Amps, die sich dort oben mit Breeders und Amps-Songs abwechseln. Die Gemüter sind erhitzt und kurz danach verschwinden die Breeders völlig in der Versenkung, nur Prodigy erwecken die Erinnerung an Deal & Co kurz, indem sie in ihrem Hit "Firestarter" ein Sample von "Cannonball" verwenden.

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The Breeders "Deutsch klingt cool!"
Über das neue Album, deutsche Warlords, Entzug und Scientology.

1998 finden sich die beiden Zwillingsschwestern endlich wieder zusammen und beginnen gemeinsam an neuen Songs zu arbeiten. Zwei Jahre später spielen die Breeders ihren ersten Gig seit drei Jahren (und der erste seit sechs Jahrem mit Kelley Deal) in L.A. und arbeiten wieder mit Steve Albini an neuem Material. Die lange Wartezeit findet am 21. Mai 2002 endlich ein Ende: das neue Werk "Title TK" liegt in den Regalen. Auch live sind die Breeders zu bewundern: u.a. auf den Hurricane- und Southside-Festivals Ende Juni 2002.

Bis die Breeders das neue Album "Mountain Battles" fertig bekommen, vergehen fünf Jahre. In der Zwischenzeit feiert Kim mit den Pixies ein erfolgreiches Comeback. Kim wohnt mit ihren Eltern in Dayton/Ohio, um ihre Alzheimer erkrankte Mutter zu versorgen. Kelley, Drummer Jose Mendeles und Bassist Mando Lopez wohnen im über 3.000 km entfernten L.A.

"Wir treffen uns immer in Dayton und proben da in einem Haus", sagt Kim. "Das sind dann immer so richtige Bandcamps mit Picknicks und so. In Wirklichkeit habe ich aber keine Ahnung, wieso es so lange gedauert hat, bis die Platte fertig war. Ich meine wir haben die ganze Zeit durchgearbeitet."

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The Breeders - Deutscher Befehlston? No, Sir!

The Breeders Deutscher Befehlston? No, Sir!

Während derzeit noch jeder über ein neues Pixies-Album spekuliert, haben The Breeders ihre vierte Platte aufgenommen: "Mountain Battles" kommt im April auf 4AD. Beim Interview in Hamburg berichten die Zwillingsschwestern Kim und Kelly Deal von ihrer Idee deutscher Kriegsführung und von regelmäßigen Bandcamps. (0 Kommentare)

Alben

The Breeders - Title TK: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2002 Title TK

Kritik von Philipp Schiedel

Die Deal-Zwillinge scheinen ihr Gespür für Melodien verloren zu haben. (0 Kommentare)

Videos

Saints
Shocker In Gloomtown
Cannonball
Son of Three
  • Noaloha Fanpage

    Layoutisch katastrophal, aber wenigstens informativ.

    http://www.noaloha.com
  • Kim Deal-Seite

    Ach ja, ganz nett.

    http://hags6660.tripod.com/
  • Kelley Deals Seite

    Nichts für kleine Verbindungen. Aber schön.

    http://www.kelleydeal.net
  • Breeders bei 4AD

    Die besten (weil aktuellsten) Infos im Netz.

    http://www.4ad.com/artists/breeders/index.htm

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