laut.de-Kritik

Die 90er-Heroes wachsen über sich selbst hinaus.

Review von

Ich hatte meine Vorbehalte diesem Album gegenüber. Einerseits sind Dinosaur Jr. Helden aus meiner Sturm und Drang-Zeit. Andererseits haben sie mich in den letzten zwei Jahren als Liveband bitter enttäuscht und ich war schon kurz davor, sie zusammen mit meinen schönen Erinnerungen zu Grabe zu tragen. Nun überkommt mich ein Gefühl, als hätte ich ein zehn Jahre altes Sparbuch in meinem Papierkram wiedergefunden, auf dem sich über diese Zeitspanne die Zinsen und Zinseszinsen nur so angehäuft haben und sich der einst eingezahlte Betrag mehr als verdoppelt hat.

Es ist immer noch schwer zu begreifen, dass dieses vermeintlich so unleidenschaftliche, zutiefst uncoole und offenbar von Phlegma nur so quellende Wesen namens J. Mascis derart temperament- und gefühlvolle Songs schreiben und auf Platte und Bühne bringen kann. Ich würde diesem bizarr-bebrillten Rockschlumpf nicht einmal zutrauen, dass er selbständig seine gallegrünen Kermit-Sneakers zubinden kann.

Aber wenn sich diese schleppenden Gitarrenwogen von "It's Me" vor einem auftun wie die biblischen Fluten des roten Meeres, verklärt sich das Bild des eigenbrötlerischen Gitarrengeeks zu dem eines beseelten Propheten im Adidas-Trainingsanzug, der anstelle großer Worte seine melancholische Krähstimme einsetzt und anstatt eines Stabes ein Saiteninstrument mit sich führt. Derart monumentale Werke können einfach nur von einem besessenen Alien stammen.

Die Tatsache, dass Dinosaur Jr. hier zum ersten Mal seit rund 18 Jahren in Originalbesetzung spielen, ist etwas für Puristen. Für viele Fans war diese Band immer synonym mit der Person J. Mascis. Die Abwesenheit von Lou Barlow wurde wenig bedauert und auch Drummer Emmet "Murph" Murphy wurden insgesamt wenige Tränen nachgeweint.

Man muss jedoch bewundernd eingestehen, dass Barlow inzwischen als Sänger und Songwriter auf gleicher Stufe steht wie J. Mascis. Seine Performance bei "Back To Your Heart" ist beeindruckend und klingt verdammt nach Dave Grohl. Für sein Bassspiel muss ihm gleichsam ergebenste Bewunderung zuteil werden. Er schafft es, einen vordergründig trübsinnigen Song wie "Lighning Bulb" nach hinten raus zu ekstatischem Blühen zu verhelfen.

Daneben stehen die wunderbar schwermütige Balladen aus der Feder von J. Mascis. Das egozentrische "We're Not Alone" mit seinen herrlich verschrobenen Gitarrensoli und Freakouts. Oder "What If I Knew" mit der Uptempo-Rhythmusgitarre und dem sympathischen Gegniedel im Hintergund. Einfach ein Genuss von verstörender Schönheit.

Mit dieser Platte ist es wie in diesen Sommern Anfang der 90er Jahre, als der Äther erfüllt war von verzerrten Gitarren und die Clubs voll von schmuddeligen Jugendlichen. Viele stehen jetzt voll im Berufsleben, tragen Anzüge und fahren teure Geschäftswagen. Aber jene, die ihre Wurzeln nicht verleugnen, kehren mit "Beyond" noch einmal zurück aus der Oberflächlichkeit zu der Zeit, die sie geprägt hat.

Trackliste

  1. 1. Almost Ready
  2. 2. Crumble
  3. 3. Pick Me Up
  4. 4. Back To Your Heart
  5. 5. This Is All I Came To Do
  6. 6. Been There All The Time
  7. 7. It's Me
  8. 8. We're Not Alone
  9. 9. I Got Lost
  10. 10. Lightning Bulb
  11. 11. What If I Knew

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