Porträt

laut.de-Biographie

Cunninlynguists

"I hear 'em talkin' 'bout Southern folks can't rhyme / Some of y'all must be out your god damn mind." Aha. Im Süden können sie also nicht reimen ... In der Tat eine waghalsige Annahme, die Acts wie die Geto Boys, Goodie Mob, Outkast oder eben die Cunninlynguists in einer Weise mühelos vom Tisch fegen, dass man an East- wie West-Coast nur anerkennend mit dem Kopf nicken kann.

Die Geschichte der Cunninlynguists beginnt im Frühjahr 2000 im amerikanischen Bundesstaat Kentucky. Hier haben sich zwei gesucht und gefunden: Kno lebt bereits seit einiger Zeit in Lexington. Über die Jahre erarbeitet er sich über seine Produktionen einen glänzenden Ruf. Spätestens, als er 2004 Jay-Zs "Black Album" remixt, überschlägt sich die Presse vom Rolling Stone bis hin zur New York Times vor Begeisterung.

Ob Dusty Springfield Knos Kollegen im Sinn hatte, als sie sang: "The only one who could ever reach me / Was the son of a preacher man" - wir wissen es nicht. Tatsache ist: Deacon The Villain erblickt das Licht der Welt in Versailles, Kentucky, tatsächlich als Sohn eines Geistlichen. Entsprechend holt er sich seine ersten musikalischen Erfahrungen im Kirchenchor seiner Gemeinde ab, schult dort sein Gesangstalent und entwickelt ein gutes Gespür für Melodien. Beides lässt sich im Hip Hop exzellent einsetzen: Deacon liefert Hooks für die Ruff Ryders und Sean Price. Über seine Beats rappen unter anderem KRS-One und King Tee.

Im Oktober 2001 trägt die Zusammenarbeit von Deacon und Kno erste Früchte. Das unter dem verschiedenste Assoziationen schürenden Namen Cunninlynguists operierende Duo veröffentlicht mit "Will Rap For Food" sein Debüt. Das Album erscheint zunächst bei Urban Aces, wird jedoch später auf Freshchest erneut heraus gegeben. Während Kno hauptsächlich für die Produktion verantwortlich zeichnet, übernimmt Deacon den Löwenanteil der Arbeit am Mic. Als erste Single wird "So Live!" ausgekoppelt.

Der zweite Longplayer folgt im April 2003. "Southernunderground" setzt den eingeschlagenen Weg fort: Die Cunninlynguists fügen der Vielfalt des Dirty South eine ausgesprochen smoothe Facette hinzu. Seit dem Sommer des Vorjahres unterstützt Mr. SOS aus Florida, der bereits auf "Will Rap For Food" einen Auftritt hatte, die Crew am Mikrofon. Neben etlichen anderen Featuregästen schauen Masta Ace (für die Single "Seasons") und RJD2 auf eine Stippvisite herein. Der Titeltrack verdeutlicht mit einem Sample aus Outkasts "ATLiens" noch einmal überdeutlich: Mit dem wilden Süden ist jederzeit zu rechnen.

Kritiker wie Hörer zeigen sich gleichermaßen entzückt. Die Cunninlynguists touren in den Jahren 2003, 2004 und 2005 exzessiv durch die USA, Kanada und Europa und erackern sich so eine weltweite Fangemeinde. Unter anderem teilen sie sich die Bühnen mit Aesop Rock, Kanye West, Cee-Lo Green, den People Under The Stairs, Nappy Roots, Brand Nubian und Wu-Tangs Raekwon. Auch "Southernunderground" erfährt 2004 eine Wiederauflage. Ein geschickterer Vertriebs-Deal bringt das Album wirkungsvoller unters Volk.

Inzwischen liegt mit "Sloppy Seconds Vol. 1" zusätzlich ein offizielles Mixtape vor, das Remixe und diverse Freestyles birgt. Im Oktober 2004 verlässt Mr. SOS die Cunninlynguists. An seine Stelle tritt MC Natti, der - wie Deacon - beim QN5-Act Kynfolk involviert ist. Bei ihm handelt es sich ebenfalls um ein Kentucky-Urgestein aus Lexington. Anfang des Jahrtausends findet Natti nach dem Absitzen einer zweijährigen Haftstrafe sein Heil in der Musik und erweitert das ohnehin schon breite Spektrum der Cunninlynguists um einen weiteren Blickwinkel.

Mit "A Piece Of Strange", erschienen im Januar 2006 bei QN5, liefern die Cunninlynguists ein Konzeptalbum, das neben Gastauftritten von Cee-Lo, Tonedeff und Immortal Technique mit reichlich biblischen Bezügen aufwartet. Doch, so die Urheber: "Bei 'A Piece Of Strange' handelt es sich nicht zwingend um eine Bibelstunde, es soll einfach eine Geschichte erzählen." Die Produktion geht diesmal ausschließlich auf Knos Konto.

Ebenfalls unter dem Namen "A Piece Of Strange" verdingen sich Kno und Deacon seit Anfang des Jahres als Produzenten-Team. Ihre Beats stoßen beispielsweise bei Lil Scrappy, Devin The Dude, Eminems Homies von D-12 und Immortal Technique auf Gegenliebe. Nebenbei bleibt Zeit für ein weiteres Mixtape ("Sloppy Seconds Vol. 2") und eine erneute Welt-Tournee, die selbstverständlich auch die großen europäischen Festivals (darunter das Splash!) nicht auslässt.

Die Samples, die sich auf "Dirty Acres" finden, zeugen einmal mehr von völliger Hemmungslosigkeit. Auf Genregrenzen setzen die Cunninlynguists auch Ende 2007 noch einen dampfenden Haufen. Sie selbst bezeichnen ihre Mixtur als Southern Boom-Bap. Mit dabei: Devin The Dude und Little Brothers Phonte. Big Rube und Witchdoctor entlieh man sich bei der Dungeon Family.

Das Resultat unermüdlichen Tourens findet sich 2009 auf "Strange Journey Volume One": Remixe und Kollabos (unter anderem mit Slug, Khujo vom Goodie Mob, den Looptroop Rockers und Tonedeff) vereinen sich mit einigen ganz neuen Tracks: Als "eine Art Reisetagebuch" zur Europatour will die Crew diesen Longplayer verstanden wissen.

Nach wie vor tönt, was die Cunninlynguists in die Welt senden, derart gelassen, melodisch und soulful, dass man die Zeilen aus "Never" bedenkenlos unterschreiben möchte: "Hip Hop is immortal ... I'm in love with the art form / It still keeps my heart warm."

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Di 20.05.2014 Hamburg (Uebel&Gefährlich)
Do 22.05.2014 Berlin (Lido)
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