Blumentopf aus München sind seit 1992 Kung Schu, Holunder, Specht und Master P, die ungeniert und direkt über heikle Themen rappen und dabei von DJ Sepalot unterstützt werden, der seine MCs mit orginellen Instrumentals versorgt. Der Name Blumentopf hört sich für die meisten Menschen zunächst sinnlos an, doch dahinter versteckt sich ein durchdachtes Konzept. Definiert nach dem Brockhaus-Lexikon ist der Blumentopf ein "Kegel- oder pyramidenstumpfförmiges Gefäß aus Ton (hart gebrannt, aber porös), Kunststoff u.a. zum Bepflanzen von Nutzgewächsen."
Aus diesem Topf sprießt ein Gewächs namens Hip Hop, das 1997 per Debütalbum "Kein Zufall" auf durchaus fruchtbaren Boden fällt. Die Pflanze wuchs und gedieh auf Jams und Tourneen, beispielsweise mit Fettes Brot und Main Concept. Die Blüte des ersten Albums ist die Single "6 Meter 90", die kuriose Geschichte eines Mädchens, das sich im Boygroup-Fieber aus dem Fenster stürzt. Die Blumentöpfe reimen auf eine sehr direkte Weise, so ehrlich, dass sie ihr freizügiges Denken von vielen anderen deutschen Hip Hoppern abhebt.
1999 pflanzen die zunächst beim Fanta 4-Label Fourmusic beheimateten Münchener den zweiten Samen ein, das Album heißt "Großes Kino" und seine Wurzeln greifen tief in die Gesellschaft, menschliche Beziehungskisten und das System. Das Gewächs trägt schwere Früchte, deren Samen viel Material für neue Triebe bildet. Und wenn diese Samen auf fruchtbaren Boden fallen, braucht man noch viel mehr Blumentöpfe um alle Pflanzen züchten zu können. Eine kleine Metapher, die den tiefgreifenden Inhalt der Musik aus dem Herzen des konservativen Bayerns widerspiegelt.
Der dritte Longplayer "Eins A" steigt zwei Jahre später auf Rang 16 der Media Control Charts ein und die Crew geht auf ausverkaufte Tourneen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz (u.a. mit Sens Unik). Hinzu kommen zahlreiche Festivals (u.a. bei Rock am Ring, Rock im Park, bei den MTV HipHop Open, dem Splash und beim Summer Jam). Die Töpfe sind mittlerweile schwer beliebt. Für "Eins A" gibt es eine Nominierung beim Cometen und die Leser des Hip Hop-Mags Juice küren sie 2001 und im Folgejahr zur besten Live-Band und Rap-Crew. Mit dem Album "Gern Geschehen" erweitern die fünf bayerischen Freestyle-Fachleute 2003 erneut ihr stilistisches Repertoire.
Nach einer kurzen Pause, in der DJ Sepalot sein Solo-Album Fraud veröffentlicht (kurioserweise interpretiert er dort alte AC/DC-Hits neu), geht die Band 2005 im Auftrag des Goethe-Instituts auf Tournee durch den Nahen Osten. Zum zehnjährigen Jubliäum (die erste EP "Abhängen" erschien 1996) meldet sich der Topf zu allererst per TV zurück. Für die ARD kommentieren die Münchner rappend die Fußball-Weltmeisterschaft, derweil ihr fünftes Album "Musikmaschine" erscheint.
Ein offenbar harmonisches Miteinander, denn vier Jahre später wiederholt sich die Szenerie. Pünktlich zum Start der Fußball-WM in Südafrika erscheint nach diversen Soloprojekten das gemeinsame Comeback unter dem Titel "Wir". Nach Aussage der Gruppe ein deutliches Bekenntnis zu Beats und Cuts, zu Samples und Reimen.
Der Topf rockt das Haus. Auch im zweiten Teil der aktuellen "Gern Geschehen"-Tour lieferten die fünf Freestyle Fanatics eine grandiose Show ab. Mit LAUT sprachen sie vor dem Konzert im Ulmer "Roxy" über den Aufstieg Berlins, Featurepartner und Unplugged-Konzerte.
Wer deutschen Hip Hop - rein technisch gesehen - objektiv bewertet, kann den Töpfen nicht an den Karren fahren. Die Geister scheiden sich eher an der textlichen Ebene, bleiben die fünf Münchner doch der inhaltliche Gegenentwurf zum teutonischen Gangsta-Konzept. Dass das auch in Zukunft so bleiben soll, beteuern die Töpfe immer wieder gern.
Was sagt ihr zum Auftrieb, den die Berliner Rapszene gerade erfährt? Haben Rap-Hörer keine Lust mehr auf intelligente Texte à la Fanta 4 und Blumentopf?
Holunder: Nee, denk ich nicht. Die Beginner müsste man da ja auch dazu zählen, und das letzte Jahr war ganz klar ein Beginner-Jahr. Schu: Ich denke auch, dass Hip Hop in Deutschland einfach langsam dazugehört. Dass da mehr Facettenreichtum entsteht, ist ja nur logisch und auch gut so.
Ihr tourt jetzt schon das zweite Mal mit eurem aktuellen Album. War die erste Tour so erfolgreich?
Schu: Ja! Sepalot: Ja, schon. Schu: Es ist ja nicht direkt eine zweite Tour, eher eine Fortsetzung der ersten. Wir besuchen halt jetzt die Städte, die beim ersten Mal nicht drankamen. Aber unsere bisherigen Touren waren alle ziemlich erfolgreich.
Was war euer interessantestes Tourerlebnis?
Holunder: Das kann man nicht so sagen. Das Schöne an einer Tour ist, dass immer sehr interessante Sachen passieren. Schu: Unsere Touren sehen auch ganz anders aus als früher. Wir spielen viel Liveinstrumente tagsüber. Sepalot: Ja, inzwischen essen wir sogar Salat (deutet auf sein Essen). Und wir saufen nicht mehr die ganze Nacht (lacht). Wir stehen schon um 12 Uhr auf, dann gehts zum Workout.
Könntet ihr euch vorstellen, mal ein Unplugged-Konzert zu spielen?
Holunder: Wenn wir noch fünf Jahre üben (grinst) Sepalot: Gib uns Zeit. Viel Zeit. Schu: Das ist sicherlich eine Sache, auf der wir gerade hängen bleiben. Wir üben ziemlich viel. Es gibt jetzt live sogar schon einen kleinen Block, wo wir selbst Instrumente spielen. Das passt. Für ein Konzert würde es allerdings nicht reichen. Lust hätten wir allerdings schon. Holunder: Es macht einfach Spaß, wenn du mit so was neu anfängst. Früher haben wir ja alles nur im Rechner gemacht. Und wenn du halt ganz frisch anfängst damit, merkt man auch noch die Verbesserung von Tag zu Tag. Sepalot: Das Tolle ist, jeder spielt alles gleich schlecht. Holunder: Wir können alles auf Einsteigerniveau, so dass wir uns noch gar nicht auf eine feste Verteilung der Instrumente festgelegt haben.
Eure Alben zeigen eine Entwicklung zu mehr Melancholie hin auf. Seid ihr ernsthafter geworden?
Schu: Naja, es gab eigentlich schon immer auch eine melancholische Seite auf Blumentopf-Alben. Auf "Kein Zufall" gab es schon ein paar Tracks, "Anfang vom Ende" zum Beispiel, ebenso auf "Großes Kino". Vielleicht klingt alles etwas erwachsener, das kann natürlich sein, wir werden ja auch älter. Einen Song wie "Mustermann" konnten wir damals nicht machen, es wäre schon komisch gekommen. Achtzehnjährige, die übers Rentnerdasein rappen... Es ist uns aber wichtig, unseren Humor zu bewahren. Wir wollen kein Album komplett in einem Stil halten. Das dauert ja fast zwei Jahre, bis so ein Album fertig ist. Und sich so lange Zeit nur melancholisch zu fühlen, das wäre ja auch nicht Sinn der Sache.
Ihr habt einige Solostücke auf eurer aktuellen Platte ...
Schu: Ja, aber das gab's früher schon. Holunder: Auf der "Eins A" waren es weniger, aber auf der "Großes Kino" gab es auch schon mal so viele Solostücke.
Könnt ihr euch vorstellen, auch Soloplatten rauszubringen?
Schu: Naja, Sepalot hat jetzt eine Soloplatte mit Esther gestartet, also die Beats produziert. Aber sonst kann ich es mir nicht vorstellen. Es macht einfach so viel Spaß, gemeinsam zu arbeiten, da kommt nie das Gefühl auf: "Hey, ich mach das hier ja nur für Blumentopf, eigentlich möchte ich ja ...". Und jeder von uns hat ja durch die Solostücke die Möglichkeit, sich ganz auszuleben und zu sagen, das Stück ist von vorne bis hinten nur meins.
Kommen wir zum "Frauenflüsterer". Mir kam es vor, als wärt ihr durch "2000 Mädchen" von den Ärzten beeinflusst?
Schu: Naja, das Lied hat wahrscheinlich den selben Inhalt wie 500 andere Stücke. Holunder: Ja, wir sind stark davon beeinflusst. Leider kennen wir das Lied nicht (lacht). Aber die Ärzte-Sachen sind eigentlich ganz geil. Schu: Ja, die Ärzte sind toll, auch die Interviews sind immer extrem lustig. Sicher beeinflussen einen Sachen, die man hört, aber wir wollen nichts abkupfern. Wenn du dich umschaust, die meisten Themen sind halt einfach schon angesprochen, deshalb kann es immer sein, dass dich Sachen von uns an andere erinnern und andersherum ebenso. Holunder: Mit dem Thema Frauen befasst sich sowieso jedes zweite Lied.
Wie fielen die Reaktionen auf "Danke Bush" aus?
Schu: Wir haben sehr viel positives Feedback bekommen, auch etwas negatives, aber deswegen war es trotzdem richtig, es zu machen.
Nur von Fans?
Sepalot: Naja, da wir das Lied ja zum Download auf unserer Homepage hatten, kamen die Reaktionen schon großteils von Fans. Holunder: Manche Leute meinen dann natürlich auch: "So ein Scheiß, hättet ihr nicht "Danke Saddam" schreiben können?
In "Alle Sind Da" bringt ihr derbe Anspielungen auf die deutsche Rap-Jugend. Findet ihr die lächerlich?
Schu: Das sind keine derben Anspielungen. Wir haben uns nur die Clubs angeschaut, in denen wir stehen. Und machen uns von innen drüber lustig gemacht, ohne drüberzustehen. Sepalot: Du musst ja nur mal auf eine Hip Hop Party gehen. Da sind halt im Endeffekt (lacht) ja, alle da. Wenn das die Leute als Verarsche sehen, können wir da nichts dafür. Eigentlich ist es nur eine Bestandsaufnahme der deutschen Szene. Holunder: Ich finde aber auch nicht, dass das eine böse Verarsche ist. Eher ein freundliches miteinander Über-sich-selbst-lachen. Weißt du, nach dem dritten Cuba Libre steh ich auch da und droppe die Wu-Tang-Zeilen mit. Das ist doch schön, und genau so soll es ja auch sein.
Der direkte Vergleich zwischen eurem "Mein Block" und dem gleichnamigen Stück von Sido offenbart genau den Unterschied zwischen euch und dem Rest der Rapszene. Genau das ist es ja, was euch die 'Ghettorapper' vorwerfen ...
Sepalot: Ich bin froh, dass ich in einem Vorort aufgewachsen bin, in einer Reihenhaussiedlung ... Holunder: Ich seh' ganz ehrlich nicht, was uns vorgeworfen wird. Wir können natürlich nur authentisch erzählen, wie es bei UNS ist. Und wenn sich jemand anders denkt, er macht es ganz anders und erzählt, wie es bei sich ist, ist das doch das Beste, was passieren kann. Das macht das Ganze doch erst interessant. Uninteressant hingegen wäre es, wenn ich jetzt beispielsweise erzählen würde: "Yo, bei mir im Treppenhaus, und alle mit Knarren und blabla". Das wäre einfach nicht wahr. Wenn es bei ihm so ist, und er erzählt mir das, dann finde ich es cool.
Wenn ihr euch einen Featurepartner für einen Rapsong aussuchen könntet. Wer wäre das?
Holunder (zeigt auf Schu): Ich würd' ihn gerne mal featuren. Schu: Ja, ich würde auch gerne mal was mit Holunder machen (lacht). Nee, im Ernst, bei uns ist das nicht so. Ein Featurepartner muss einer sein, den wir kennen, von dem wir wissen, dass man mit ihm auch mal zwei, drei Tage locker rumhängen kann. Wenn dann nicht sofort eine Idee kommt, fühlt sich keiner angepisst oder denkt, er kommt jetzt nicht schnell genug an Kohle. Unsere Featurepartner sind alles Kumpel, die wir natürlich auch deshalb featuren, weil wir es richtig gut finden, was sie so machen. Mit manchen hat sich leider noch nichts ergeben. Dendemann zum Beispiel ist da ganz vorne dabei. Holunder: Und wir haben uns fest vorgenommen, uns nach der Tour mit Nico Suave zu treffen und mit ihm was zu machen. Er hat uns ja supportet.
Was sagt ihr zu Schwester S beim Grand Prix?
Sepalot: Ich finde das vollkommen egal. Vorher war mir der Wettbewerb viel suspekter. Ich weiß nicht, ob das in anderen Ländern auch so ist, aber bei uns traten da ja immer nur Künstler und Interpreten auf, von denen man vorher fast nichts gehört hat. Jetzt sind halt mal Popmusiker am Start, die auch sonst präsent sind. Schu: Und denen es von den Verkaufszahlen her so schlecht geht, dass sie auch bei sowas mitmachen müssen (lacht). Sepalot: Ja, genau. Also ich würde uns da nicht sehen wollen.
Ihr würdet also definitiv nein sagen?
Schu: Ja, da würden wir nein sagen. Holunder: Ich weiß auch nicht, ob man dazu eingeladen wird. Kann man sich da nicht einfach anmelden? (Arbeiter im Hintergrund): Ich glaube, da wird man nominiert. Schu: (lacht) Oh Gott, hoffentlich nominiert uns keiner!
Letzte Frage geht an dich, Schu. Du berichtest häufig in deinen Songs von Problemen mit Türstehern. Gibt es etwas, was du allen Türstehern Deutschlands gerne mal sagen würdest?
Schu (schreit): Losst Mi Nei!
Danke für dieses Gespräch!
Das Interview führte Philipp Gässlein
Drei Wochen vor dem Beginn der eigentlichen "Eins A"-Tour spielten Blumentopf zwei Aufwärmkonzerte in kleinen Clubs. Eines davon brachte sie Anfang Oktober in den Konstanzer Kulturladen.
Ein Mini-Club, der aus allen Nähten platzt, die Innentemperatur verwandelt T-Shirts binnen Sekunden in tropfende Lappen und die Band hat frische Songs im Gepäck. Also die allerbesten Voraussetzungen für ein Konzert, das den Begriff "Party" neu definierte. Das klappte auch wunderbar und trotz ausgelaugter "Welche Seite rockt?- Diese Seite rockt!"-Spielchen, die dann doch immer wieder Spaß machen, ging das Publikum hochzufrieden und mit dem Ziel sich morgen die neue Blumentopf-Platte zu kaufen nach Hause.
Den Gig vor der Haustür haben wir natürlich für ein Interview mit den Münchnern genutzt.
Würdet ihr mir zustimmen, dass das neue Album reifer und erwachsener ist?
Heinemann: Also eigentlich wollten wir ein voll kindisches Album aufnehmen, und jetzt ist uns das leider so rausgerutscht... .
Sepalot: Ne, natürlich. Wir sind älter und reifer geworden und wenn man das nun auf unserem Album hört, dann ist das natürlich total cool.
Auf "Eins A" fehlen ja die typischen Blumentopf-Geschichten, wie z.B. "From Disco to Disco". Ist mit dem zunehmenden Alter jetzt der Punkt gekommen, an dem ihr eine Message habt und diese straight raus muss?
Schu: Die Message hatten wir auch schon früher, aber wir wollten eben kein "Großes Kino Teil Zwei" machen, auf dem die ganzen Geschichten verstärkt vertreten waren. Man plant das ja vorher nicht, wie man die Platte macht. Es ist einfach darauf hinausgelaufen, dass jetzt mehr Sachen wie "Liebe und Hass" oder "Medizin" darauf zu finden sind. Wir wollten eben nicht das Alte noch einmal machen, sondern versuchen, ob wir auch etwas Anderes hinkriegen. Und ich glaube das ist uns auch gut gelungen.
Ich finde eben, dass bei den alten Sachen die Message in den Geschichten versteckt war, bei den neuen Songs schießt sie gerade raus.
Schu: Die Leute haben die Geschichten eben nie verstanden... (lacht). Naja, ich finde es sind genau so Geschichten drauf, "Flirtaholics" ist eine, der Anfang von "Die Jungs Aus Dem Reihenhaus" auch und diese Vierzeiler wie "Medizin" sind halt kleine Kurzgeschichten. Wir wollen eben kein "6 Meter Bleistift" mehr schreiben. Wer die alten Sachen mag, kann sie natürlich gerne hören, aber für uns ist diese Zeit eben jetzt mal vorbei. Vielleicht wird die nächste Platte wieder nur mit Geschichten voll, das planen wir nicht vor.
Ok, jetzt eine Frage die ihr bestimmt schon tausend mal gehört habt, die mich aber trotzdem noch interessiert....zum Song "Nur Dass Ihr Wisst".
Roger: Das haben wir schon öfter als tausend mal gehört und der Holunder, der den Song geschrieben hat, ist jetzt auch gar nicht da. Aber deine Frage wird wohl sein, wie wir zum Kiffen stehen, oder so.
Nicht ganz, mich interessiert eher wie sich Holunders Text mit den Einstellungen der anderen Bandmitglieder verträgt.
Roger: Holunder ist halt eine Einzelperson. Es ist kein Problem, wenn wir jetzt kiffen und er nicht.
Schu: Das macht auch Blumentopf aus, dass alle Statements von jedem auf der Platte sind, wie er meint es sagen zu müssen. Das ist ja auch das Schöne. Es muss nicht immer alles ein stimmiges Bild sein, sondern es muss genau zu dem passen, der das rappt. Wenn Holunders Texte sich ein bisschen von meinen und Rogers unterscheiden, dann ist das ja eher eine Bereicherung.
Roger: Den Holunder stört ja auch nicht das Kiffen, darum geht es in dem Song ja nicht. Es stört nur, dass es für die Meisten zum Hip Hop dazugehört. Es kann keiner glauben, dass er rappt und nicht kifft, und er sieht eben nicht ein, wo da der Widerspruch liegen soll.
Ich fand's eben auch sehr gut, dass mal jemand etwas dagegen sagt...
Roger: Natürlich. Wir fanden's ja auch gut, sonst wäre es nicht auf der Platte drauf.
Gab es wegen diesem Song im Vorfeld irgendwelchen Streit?
Schu: Nein. Wir machen schon seit zehn Jahren zusammen Musik und seit zehn Jahren ist es so, dass der Holunder nicht kifft. Den Streit hätte es schon viel früher gegeben.
Warum ist Kiffen denn so ein fester Bestandteil im Hip-Hop Kontext?
Schu: Weil so viele kiffen, die diese Musik machen und so viele darüber rappen...
Roger: Genau, und weil es einem ein bisschen so verkauft wird als würde es dazu gehören. Aber es gibt da ganz viele Sachen, bei denen so getan wird, als würden sie dazugehören und eigentlich gehört nichts davon dazu. Im Grunde gehört die Musik und alles was mit dieser zusammenhängt zu Hip Hop: also Tanzen, Sprühen und so. Aber jetzt z.B. nicht die weite Hose. Die gab's früher halt nicht. Für mich gehört in erster Linie die Einstellung und die Liebe zur Musik dazu.
Ein beliebtes Thema auf "Eins A" sind eure Eltern. Man merkt doch deutlich, dass ihr verdammt stolz darauf seid, es ihnen gezeigt zu haben.
Roger: Klar, das ist doch Hammer, wenn dein Vater früher immer gesagt hast, dass du doch endlich die Musik leiser machen sollst, oder wenn deine Eltern dachten, dass der gerade so eine Phase durchmacht und mit dem Rappen in einem halben Jahr schon wieder aufhören wird. Jetzt kann ich eben davon leben. Meine Eltern haben nie gesagt "Hör auf zu rappen", aber natürlich "Lern was Richtiges". Diese typische Sache eben. Aber ich hab trotzdem meinen Job hingeschmissen, weil ich vom Touren nicht mehr hingekommen bin. In dieser Situation musst du aufpassen, dass du nicht verkrampfst, da du natürlich irgendwann Erfolgsdruck bekommst, weil man sich eben sagt: "Davon leb' ich jetzt und ich hab jetzt keinen anderen Job." Das darfst du natürlich nicht in die Musik einfließen lassen und man muss sich eben so locker machen können. Bis jetzt haben wir immer Glück gehabt und die Sache hat funktioniert. Durch unser eigenes Studio und weil wir fünf Leute sind, die Ideen bringen, konnten wir die Platte auch völlig unstressig machen. Wenn dir nichts einfällt, dann ist vielleicht den Anderen was eingefallen. So ist auch nie der große Erfolgs- bzw. Finanzdruck da.
Mir ist aufgefallen, dass viele Leute, z.B. aus der Gitarrenfraktion, die mit Hip-Hop überhaupt nichts am Hut haben, sich Blumentopf Platten kaufen. Woran könnte das liegen?
Schu: Genau weiß ich das nicht, aber es ist eben so, dass in unsren Texte, wie du schon gesagt hast, viele Geschichten vorkommen, wie z.B. "From Disco To Disco". Die Texte drehen sich eben nicht nur um Rap: die Leute hören bei uns gerappte Geschichten oder gerappte Einstellung, die sich nicht nur um das Hip Hop-Ding dreht, was es dann auch für andere Leute interessant macht. Wobei wir da ja nicht die Einzigen sind, sondern da gibt es eine ganze Menge, die das genau so machen. Es ist natürlich schön, wenn man für diese Leute der Erste ist, aber wenn man sich da ein bisschen weiter reinhört, dann findet man schnell auch andere Sachen, die man sich gut anhören kann, weil es eben nicht dieses "Represent/Battle"-Ding ist, was aber im Hip Hop auch cool ist.
Ist Gitarrenmusik für euch überhaupt ein Thema ?
Roger: Natürlich. Jede Musik ist irgendwo Thema, weil es in jeder Musik doch immer ein Lied gibt, dass du irgendwie doch cool findest, auch wenn du es nicht zugeben möchtest. Früher habe ich nur Gitarrenmusik gehört, aber ich kauf mir jetzt nicht die neue Bon Jovi oder hör mal, was S.O.D. heute macht. Ich habe früher selber ein bisschen Gitarre gespielt, zwar sehr schlecht, aber Spaß hat es gemacht. Das fließt auch bestimmt noch mit ein, man hört das auch auf unseren ersten Aufnahmen, dass diese Gitarrenzeit nicht so schnell wegzukriegen war. Da haben wir gebrüllt wie die Affen.... aber war schon geil.
Auf der neuen Platte jammert ihr auch viel über die Hip Hop Situation in Deutschland.
Schu: Wir jammern nicht, wir regen uns auf. Jammern hat gleich so was Resignierendes und wir resignieren ja nicht. Wir kritisieren eben manche Sachen und zeigen, wie man es besser machen kann.
Aber bringt das nicht der große Erfolg von deutschem Hip Hop mit sich, von dem ihr natürlich auch profitiert, dass eben auch viel Müll rauskommt?
Schu: Ja klar, deshalb sind ja auch solche Anspielungen auf der Platte drauf. Aber das liegt nicht allein am Erfolg. Es gibt auch viel Scheiß den keiner kennt, und es gab auch viel Scheiß als Hip-Hop noch nicht so bekannt war. Es hat jetzt mit dem Erfolg natürlich insofern was zu tun, dass es halt immer mehr ins Rampenlicht gerückt wird und auch der größte Schmarn gesignt wird.
Curse hat jetzt einen Song ins Internet gestellt, habt ihr vielleicht gehört ...
Schu: Ja, ich hab den gehört...ist ein Hammer-Song.
Er sagt, dass jeder MC in den jetzigen Zeiten eine politische Verantwortung hat, die er nutzen muss, um seine Message abzugeben. Wie seht ihr das?
Roger: Ich finde ganz ehrlich, dass jeder MC das für sich selbst entscheiden muss. Er sagt jetzt zwar, dass die MC sich nicht aus der politischen Verantwortung ziehen können, aber ich mag das nicht, wenn jemand mir vorschreibt, was ich jetzt machen soll. Ein politisches Lied mache ich, wenn ich eins machen will und wenn ich mich gut genug fühle das umzusetzen. Das ist auch gar nicht leicht. Ich finde Curse macht das ganz gut, aber es gibt auch viele, bei denen ich sagen muss: "das ist jetzt unter aller Sau!" Man darf sich nicht gleich auf die Schulter klopfen, weil man einen politischen Song gemacht hat, sondern man muss dabei auch echt was leisten. Wenn ich nicht denke, dass ich das gut kann, dann mache ich das auch nicht. Ich probier es vielleicht und schmeiß es dann weg, aber ich muss das niemanden antun. Ich kann nicht jeden Stil rappen. Oder vielleicht doch?...(zögert)...doch, ich kann jeden Stil rappen (breites Grinsen)!
Wer weiß... . Auf der Platte imitiert ihr auch die Styles von Eißfeldt, D-Flame und ich glaube ich habe auch Samy Deluxe erkannt ...
Roger: Den hast du bestimmt nicht erkannt, weil ich den gar nicht nachmache. Den erkennen zwar viele, aber das bin ich. Wenn ich Samy nachmachen würde, würde ich das ganz anders machen. Aber er war sich da selbst unsicher, ob er es ist.
Ich finde, die Sache läuft auf eine respektvolle Schmunzelart hinaus, die weit von einem Diss entfernt ist. Gab es da schon irgendwelche Rückmeldungen?
Roger: Das ist ein sehr schmaler Grat, den man da geht, weil manche Leute eben nicht gerne über sich selbst lachen. Bevor die Platte veröffentlicht wurde, habe ich sie jedem Einzelnem geschickt und auch einen Brief dazu geschrieben, indem ich erklärt habe, wie ich es gemeint habe, und ob es mit ihm o.k. ist. Es hat sich keiner beschwert. Das gibt mir einfach ein gutes Gefühl, weil es nicht hintenrum sein soll. Ich will eben nicht in der Presse lesen: "der disst den und der disst den", weil irgendjemand das einfach völlig falsch verstanden hat. Im Booklet haben wir auch extra zu jedem Track noch einen kleinen Text geschrieben, damit keiner irgendwas missversteht.
Hoffen wir das mal. Auf www.blumentopf.com sind jetzt wöchentlich MP3s zu finden. Was verbirgt sich genau dahinter?
Schu: Das sind Songs die es nicht auf die Platte geschafft haben. Z.B. hatten wir vor, weil ich ja den Song "Schus Quiz" gemacht haben, dass alle anderen auch noch ein Quiz beisteuern. Dann hätten wir aber einen anderen Song ganz runterschmeißen müssen. Bei der Aufnahme war es immer so eine Zeitfrage. Auf die CD passt einfach nichts mehr drauf. Wir haben dann gesagt, dass wir die irgendwann mal veröffentlichen. Da es bei uns aber so ist, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass irgendwas Altes auf einen neuen Release kommt, haben wir halt beschlossen die Songs ins Netz zu stellen.
Roger: Sonst gehts einfach verloren. Das sind alles coole Lieder, die es von der Länge einfach nicht mehr auf die Auswahl der Platte geschafft haben. Das hat auch alles was mit der Stimmigkeit der Platte zu tun, dass die ein gutes Bild gibt und man sie gut durchhören kann. Manche Songs waren dann eben schwer einzuordnen und wir saßen da mit ein paar Lieder, die zu viel waren, und haben diskutiert welches runterfällt. Durch diesen Überschuss können wir diese MP3 Geschichte auch mal für uns nutzen. Wenn die Sachen jemand haben will kann er sich die runterziehen und so viel kopieren wie er will.
Ihr habt mal gesagt, dass jeder, der eine Blumentopf-CD brennt, ein Dieb ist, andererseits stellt ihr jetzt MP3s ins Netz.
Holunder (der inzwischen dazu gekommen ist): Die MP3s sind ja ein Geschenk. Bei den Songs ist ja nicht gedacht, damit irgendwas zu verdienen. Wenn die bei uns im Keller liegen hat auch niemand was davon und bevor sie dort vergammeln ist es eine coole Möglichkeit, den Leuten, die sich wirklich dafür interessieren, es zu ermöglichen, sich diese Teile anzuhören.
Also unterscheidet ihr zwischen MP3 und Brennen?
Holunder: Natürlich, wir sind ja zufrieden, wenn die Leute unsere Platte kaufen und dann haben sie auch genug gekauft. Das andere können sie dann dazu haben.
Schu: Du machst dir eben Stress und machst eine Platte und dann bezahlen dich die Leute nicht für deine Arbeit.
Holunder: Der krasseste Fall war ein Typ, der sechs Wochen vor dem Release auf Ebay angeboten hat unsere Platte für 25 Mark zu brennen....
Und ihr habt die dann ersteigert?
Holunder: Klar, wir haben mitgesteigert und am Ende auch gewonnen. Der Typ ist natürlich extrem dumm. Aber ich sitz eben zu Hause vor meinem Computer und wenn ich das sehe, rege ich mich natürlich auf. Ich mach hier die Arbeit und dann kommt jemand, der damit eigentlich gar nichts zu tun hat, aber dann mit deinen Sachen Geld verdient. Dann denke ich mir: "Du bist ein Volltrottel, weil es klar ist, dass wir die Platte bei dir bestellen." Aber es ist eben auch so was von unverschämt, dass ich da überhaupt kein Verständnis mehr dafür habe.
Schu: Der Typ sagt zwar, dass die CDs so teuer sind und die Künstler dabei so viel verdienen. Aber er selbst ist der Arsch, der null Kosten hat und dann 25 Mark Gewinn macht.
Holunder: Die Künstler verdienen an jeder Platte 2 Mark 50 und er streicht 25 Mark Gewinn ein... .
Wie hat er reagiert, als raus kam, dass ihr eure Platte ersteigert habt?
Schu: Das ist alles noch nicht so ganz raus. Das war erst bei der neuen Platte.
Roger: Das Problem ist einfach, dass du die ganze Platte als Promo an die Presse schickst. Und einer von denen hat dann sechs Wochen vor dem Release auf unsere Seite geschrieben, dass er die Platte für die Leute brennen würde und sie sich die Platte nicht kaufen müssen.
Schu: Und dann war er auch noch so dreist zu sagen, dass wir uns nicht wundern müssen, wenn wir weniger Platten verkaufen, da er sie jetzt schon für alle brennt!
Roger: Ich wäre an dem Tag, als ich das gesehen habe fast ausgeflippt und hab dann kurz schon ganz anders über das Internet nachgedacht...
Danke für das Interview.
Kein Zufall (1997)
| Sa | 31.07.2010 | Juicy Beats (Dortmund) | |
| Sa | 07.08.2010 | A-Szene Open Air Lustenau (Lustenau) | |
| Fr | 13.08.2010 | Open Flair (Eschwege) | |
| Sa | 14.08.2010 | Rocco del Schlacko (Püttlingen) | |
| So | 15.08.2010 | CH-Heitere Open Air (Zofingen) | |
| Fr | 20.08.2010 | CH-Gampel Open Air (Gampel) | |
| Fr | 27.08.2010 | Folklore Im Garten (Wiesbaden) | |
| So | 03.10.2010 | Dresden (Reithalle) | |
| Mo | 04.10.2010 | Leipzig (Werk 2) | |
| Di | 05.10.2010 | Berlin (Astra Kulturhaus) | |
| Do | 07.10.2010 | Bielefeld (Stereo) | |
| Di | 12.10.2010 | Köln (E-Werk) | |
| Mi | 13.10.2010 | Erlangen (E-Werk) | |
| Do | 14.10.2010 | München (Muffathalle) | |
| Fr | 15.10.2010 | A-Linz (Posthof) | |
| Sa | 16.10.2010 | A-Salzburg (Rockhouse) | |
| So | 17.10.2010 | A-Wien (Wuk) | |
| Di | 19.10.2010 | Freiburg (Güterbahnhof) | |
| Mi | 20.10.2010 | Stuttgart (Zapata) | |
| Do | 21.10.2010 | CH-Zürich (Kaufleuten) |
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Holunder gibt Unterricht Hule |
1 |
28.04.10, 16:53 Hule |
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Blumentopf - Songtitel Marinal02 |
3 |
27.02.09, 11:18 Marinal02 |
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Musikmaschine Jänzzen |
10 |
04.01.08, 17:09 vodka-bull1 |
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Wie findet ihr Blumentopl <( '_')> Anonymous |
19 |
04.09.07, 08:39 AsphaltTerror |
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Blumetopf ist gennnnniaaaaalllllll!!!!!!!!!!!!!! Anonymous |
3 |
04.09.07, 08:36 AsphaltTerror |