Porträt

laut.de-Biographie

Aldous Harding

Man stelle sich vor: Vashti Bunyan und Nick Drake treffen sich sich in einer stürmischen Nacht in einer schmutzigen kleinen Hafenkaschemme im Süden Neuseelands. Nach einigen Gläsern Whiskys besingen sie einander ihr Leid und säen anschließend unbeabsichtigt einen höchst fruchtbaren Samen.

Aldous Harding - Party Aktuelles Album
Aldous Harding Party
Wie PJ Harvey? Nein, aber so ähnlich.

Angenommen weiter, die beiden wollen dieses Kind ihrer Einsamkeit jedoch nicht. Sei es, weil sie beide scheinbar im Musikgeschäft gescheitert, traurig und verbittert sind oder, weil sie dem Ungeborenen diese ungerechte Welt ersparen wollen. Nichtsdestotrotz, nach neun harten Monaten voller Hoffnung und Leid bringen sie das wehrlose Geschöpf dann doch zur Welt. Nun, wenn jenes Kind singen würde, wie würde das wohl klingen?

Aldous Harding, 1990 als Hannah geboren, wächst in Lyttleton, einer kleinen Hafengemeinde auf der Südinsel Neuseelands, auf, wo sie schon früh Zugang zur Folk-Musik der 60er Jahre findet. Neil Young, Scott Walker, Bridget St. John und viele weitere inspirieren die junge Frau, erste eigene Texte zu verfassen und Gitarre spielen zu lernen.

Die Leitmotive ihrer Musik heißen Verzweiflung, Schmerz, die Liebe und der Tod. Sie besingt traurige Mären und Geschichten des Verlusts mit einer spielerischen Leichtigkeit und intoniert an den richtigen Stellen einfühlsam, distanziert oder wütend. Die Texte prägen kryptische Verse und Metaphern. Ihr mal zurückhaltendes, mal forsches Gitarrenspiel harmoniert perfekt mit ihrer Stimme und verleiht ihren Klanggemälden eine schaurig-schöne Tonfarbe.

"Ich habe sie auf diese Weise geschrieben und gespielt, weil ich mich zerbrechlich gefühlt habe", sagt die neuseeländische Künstlerin über ihre frühen, sehr dunklen Lieder, womit sich Zeilen wie "I would rather die than sleep tonight" ("Titus Groan") und "Death, come pull me underwater, I have nothing left to fear from hell" ("Stop Your Tears") erklären ließen.

Ihr zweites Album "Party" (2017) verspricht Harding, es sei "für die Leute leichter zugänglich", womit sie wohl darauf anspielt, dass ihre Texte auf dem selbstbetilten Debüt von 2014 als schwer und melancholisch gelten und ihr frühes Schaffen deswegen dem Genre Gothic-Folk zugeordnet wird. Diesem Stempel versucht sie mit dem von John Parish produzierten Nachfolgewerk zu entgehen.

Bei Live-Auftritten fügt der emotionale Rotschopf mit seiner unverwechselbaren Stimme den ohnehin tiefgehenden Lyrics eine weitere Ebene hinzu. Wer sich auf die Musik der Singer/Songwriterin einlässt, kann sich ihrem besonderen Zauber schwer erwehren.

Alben

Aldous Harding - Party: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2017 Party

Kritik von Giuliano Benassi

Wie PJ Harvey? Nein, aber so ähnlich. (0 Kommentare)

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