Porträt

laut.de-Biographie

M.I.A. (UK)

In London geboren, auf Sri Lanka die Kindheit verbracht, wieder in London in den Clubs erwachsen geworden und bereits mit Anfang zwanzig ein unstreitbares Talent, auf das die weltweite Musikszene sämtliche Augen geworfen hat: Das ist kein Märchen, sondern die Geschichte der Mathangi "Maya" Arulpragasam.

1975 erblickt Maya im Londoner Osten das Licht der Welt. Die englische Hauptstadt bleibt jedoch nicht lange ihre Heimat, denn bereits nach wenigen Monaten zieht sie mit ihren Eltern zurück in deren Geburtsland Sri Lanka. Dort erwartet sie die gefährliche Realität eines im Bürgerkrieg liegenden Landes.

Umso prekärer macht die Situation, dass der Vater sich aktiv am Kampf zwischen der übermächtigen Sinhalese-Bevölkerung und der tamilischen Minderheit beteiligt. Unter dem Kampfnamen Arular gründet er die militante tamilische Befreiungsgruppe EROS - Eelam Revolutionary Organisation of Students. Für Frau und Kinder folgen darauf lange Jahre der Flucht mit seltenen Besuchen des Vaters und der ständigen Angst, ihn bei einem der zahlreichen Massaker zu verlieren.

Nach Aufenthalten in Indien und der Geburt zweier weiterer Kinder beschließt die Mutter, erneut ins weit entfernte London zu ziehen. Mit Glück und guten Kontakten gelingt ihr und ihren drei Kindern die Flucht aus dem bürgerkriegsgeplagten Land. Für Maya bedeutet die Flucht aus der gefährlichen Heimat jedoch eine Reise vom Regen in die Traufe.

Mit nur elf Jahren ist sie in London mit offenem Rassismus konfrontiert, der sie in die Abgeschiedenheit drängt. In den revolutionären Ansagen von Public Enemy und N.W.A. findet sie bald ein neues Zuhause.

Neben ihrer Liebe zum Hip Hop entwickelt sie eine Kreativität, die sie bis an die angesehene London's Central Saint Martins Art School bringt. Schnell folgen Beteiligungen an kleinen Ausstellungen, bis sie schließlich die Möglichkeit bekommt, ihre erste eigene Vernissage zu halten. Die Ausstellung avanciert zum vollen Erfolg.

Maya designt das Artwork des Albums "The Menace" der englischen Band Elastica, die zu der Zeit nicht zuletzt wegen der Beziehung der Leadsängerin Justine Frischmann mit Blur-Frontmann Damon Albarn in aller Munde ist. Auf der anstehenden Tour soll Maya außerdem eine Videodokumentation abdrehen. Dort kommt sie in Kontakt mit der Electroclash-Ikone Peaches. Merrill Nisker macht die unwissende Maya während der Tour mit der Musikmaschine Roland MC-505 bekannt und entfacht eine weitere Leidenschaft.

Bald gelangen einige ihrer Songs in die Hände des in der Szene nicht ganz unbekannten Ross Orton. Der verpasst dem Track "Galang" den letzten Schliff, und während die Elektro-Rap-Nummer in der Szene für Furore sorgt, nimmt das englische Label XL Recordings M.I.A. unter seine Fittiche. Dort ist die Grammy- und Oscar-nominierte Dame neben Hochkarätern wie Dizzee Rascal, The White Stripes, Basement Jaxx oder The Prodigy in guten Händen.

In Jamaica, Indien, Trinidad, Australien, Japan und den USA entstehen die Songs des zweiten M.I.A.-Albums "Kala". Aus einer geplanten Zusammenarbeit mit Timbaland wird jedoch nichts, da Maya lange Zeit kein Arbeitsvisum für die USA erhält. Welche genauen Gründe das hat, ist nicht bekannt. Der Verdacht liegt nahe, dass M.I.A.s lyrische Freizügigkeit in Richtung Gewalt das von Terror-Paranoia geplagte Amerika nicht eben unbeeindruckt ließ. Ganz zu schweigen von Mayas Lebenslauf, den man im US-Heimatministerium auch kritisch lesen kann.

Im Juni 2008 verkündet Maya bei einem Auftritt auf einem Festival in Tennessee ihren vorläufigen Bühnenrücktritt: "Thanks for coming to my last gig." Aus ihren anfänglichen Plänen, die neugewonnene Freizeit in eine Filmkarriere zu investieren, wird jedoch nichts. Der Song "Paper Planes" wird in den USA zum Riesenhit, weshalb die Britin beschließt, ihren unbefristeten Urlaub vom Musikbusiness abzubrechen und sich ans Songwriting für "Maya" zu machen. Weitere Liveauftritte gibt es allerdings erst nach der Geburt ihres Sohns Ikhyd.

Mittlerweile lebt M.I.A. mit Ehemann Benjamin Zachary Bronfman (The Exit) in Los Angeles. In die Time-Topliste der "100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt" hat sie es zwischenzeitlich auch geschafft. Warum sollte sie sich also ernsthaft daran stören, dass ihre Provokationen wie das Military-Splatter-Video zum Track "Born Free" oder ihr Zeigefinger in Richtung globaler Social Networks wie Twitter und Facebook nicht überall nur freundlich aufgenommen werden?

Aus jeder Kontroverse - selbst mit angesehenen Journalisten von der New York Times - geht sie am Ende als selbstbewusste Siegerin hervor. M.I.A. coming back with power, power!

News

Alben

M.I.A. (UK) - Matangi: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2013 Matangi

Kritik von Matthias Manthe

Politisch brisant und musikalisch nach wie vor überzeugend. (0 Kommentare)

M.I.A. (UK) - Maya: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2010 Maya

Kritik von Matthias Manthe

Pop, Politics & Provokation um des Anliegens willen. (0 Kommentare)

M.I.A. (UK) - Kala: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2007 Kala

Kritik von Michael Schuh

Knietief im Melting Pot der srilankischen Partybraut. (0 Kommentare)

M.I.A. (UK) - Arular: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2005 Arular

Kritik von Alexander Engelen

Die aufmüpfige Zwillingsschwester von Nelly Furtado. (0 Kommentare)

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare