Porträt

laut.de-Biographie

The Dead 60s

Anno 2005 suhlt sich die englische Musikszene in ihrem eigenen Vermächtnis. New Wave und co. feiern fröhliche Wiedergeburt. Der Stilzombie aus der Gruft bereitet der Jugend im neuen Jahrtausend fast noch mehr Freude als denen damals in den seligen Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts. Die Postillen auf der Insel kommen kaum mehr nach mit Sensationsberichten der tollen neuen Bands und auch in Kontinentaleuropa lässt man den Arsch zu fetten Bässen und pfriemligen Gitarrenriffs wackeln.

The Dead 60s: Die Indierocker geben auf
The Dead 60s Die Indierocker geben auf
Die englische Indieband The Dead 60s hat sich aufgelöst. Für die Zukunft haben die Mitglieder bereits andere Projekte in Planung.
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Die Dead 60s bedienen sich ebenfalls aus der Mottenkiste, gewichten ihre Präferenzen jedoch komplett anders. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, den Sound von The Clash und den Specials auf den Altar der Huldigung zu heben. Mit ihrem deutlich ska- und dub-lastigen Sound feiern sie fröhlich das Ska-Revival der späten Siebziger ab. Mit der richtigen Portion Pop-Appeal lässt sich das ganz gut an. Ähnlich wie ihre Vorbilder versprühen die Dead 60s dabei einen dreckigen Charme, den sie auch plakativ ausleben. "Unsere Songtitel sollen auf jede Wand gesprüht werden. "You're Not The Law", "Too Much TV", "Riot Radio" - das würde doch großartig aussehen. Es geht uns um das Kreieren von Slogans, nicht um herkömmliches Songwriting". Allzu weit sind sie nicht davon entfernt, dass sich ihre Songs auf den Häuserwänden des vereinigten Königreiches wieder finden.

In Liverpools Süden gehen die Dead 60s aus zwei Bands hervor. Matt Macmanamon (Gesang), Charlie Turner (Bass), Ben Gordon (Gitarre) und Bryan Johnson (Schlagzeug) verschanzen sich dann im Proberaum und feilen an ihren Fertigkeiten. Die Öffentlichkeit kommt erst in den Genuss ihrer Tunes, als sie sich für so fit halten, vor Publikum aufzutreten. Halbgare Sachen sind nicht ihr Ding. "Wir hängen lieber in der Garage rum und tüfteln an unseren Grooves", so Charlie. Ebenjene entpuppen sich als äußerst tanzbar und begeistern auch den Labelboss von Deltasonic, der die Band unter Vertrag nimmt. Die erste Single "You're Not The Law" zündet noch nicht so richtig, was sich aber mit dem superben "Riot Radio" ändert. Die Scheibe geht in dei Top 20 der britischen Charts und bringt ihnen die prestigeträchtige Auszeichnung "Single Of The Week" beim NME ein.

Ein gewisser Morrissey lädt sie daraufhin ein, für ihn im Vorprogramm zu spielen. Da Moz auf der Insel ein Superstar ist, bringt ihnen das eine gehörige Portion Aufmerksamkeit. Um auch geschäftlich einen Schritt weiter zu kommen, legen sie ihre Business-Belange in die Hände von Q Prime, das sich unter anderem um die Belange der Red Hot Chili Peppers, Metallica, Shania Twain, Muse und Garbage kümmert.

The Dead 60s - Time To Take Sides
The Dead 60s Time To Take Sides
Juhu! Eine neue Dead 60s-Scheibe! Ohje! Die neue Dead 60s-Scheibe!
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Und das alles ohne Album. Jenes stellen sie in sechs Wochen fertig. Die dräuende Düsterheit der Scheibe erklären die Dead 60s mit der beklemmenden Atmosphäre im Studio. Ohne eine natürlich Lichtquelle gesegnet, verlieren sie mit der Zeit das Gefühl für selbige. Heraus kommt ein hervorragendes Stück Musik, das auf etwas mehr als einer halben Stunde tanzbodenkompatible Grooves en Masse versprüht. Scheinbar nebenbei nehmen sie noch zehn Dub-Nummern auf, die sie der "normalen" Ausgabe des Albums als Bonus-CD anhängen.

Während die Band eifrig am Nachfolger werkelt, erscheint im März 2007 ihr Debütalbum in einer Neuauflage aus dem einfachen Grund, dass der Song "Ghostface Killer" als Titeltrack für die deutsche Mystery-Komödie "Neues Vom Wixxer" auserkoren wird. Natürlich erscheint auch der Song nochmal auf Single, in Kombination mit einem neuen Videoclip, den die Band mit den Comedians Oliver Kalkofe und Bastian Pastewka in München abdreht. Kalkofe selbst hört den Song der Liverpooler zum ersten Mal, als er 2004 am Drehbuch für den zweiten "Wixxer"-Film sitzt, und weiß sofort, dass er damit seinen Titelsong gefunden hat. Auch die Ska-Heroen von Madness sind mit neuen Songs am Soundtrack beteiligt.

Im August 2007 erblickt der Zweitling "Time To Take Sides" das Licht der Welt. Für die Aufnahmen reisen sie extra nach New York, was aber dem Album nicht so gut tut, denn die ehedem so charmant unverbrauchten Off Beat-Einflüsse sind nur noch rudimentär vorhanden. Vielmehr orientieren sich die Engländer am gängigen Indie-Rock, bzw -Pop, den unzählige Bands bedienen, womit sie sich eines wesentlichen Unterscheidungsmerkmals berauben.

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Vielleicht erkennen das auch die Bandmitglieder selbst, zumindest geben sie am 11.Februar 2007 ihre Auflösung bekannt. Keine musikalischen oder persönlichen Differenzen sind für den Split verantwortlich, vielmehr hätte die Band gespürt, dass ihre Zeit abgelaufen sei. Auf ihrer offiziellen Homepage verkünden sie außerdem, dass es "für uns alle Zeit ist, sich aufzuteilen und andere Dinge auszuprobieren."

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