Porträt

laut.de-Biographie

Rilo Kiley

Saddle Creek ist Anfang des 21. Jahrhunderts der Inbegriff für eine besondere, verschrobene und zurückhaltende Coolness. Auch Rilo Kiley machen einen Zwischenstopp auf diesem Label, bevor sie ihr eigenes Gründen und den Vertriebsweg über einen Major wählen.

Es beginnt 1995 mit einer Freundschaft zwischen Sängerin/Gitarristin/Songwriterin Jenny Lewis und Blake Sennett (Gitarrist und Songwriter). Die beiden spielen sich gegenseitig ihre Musik vor und beginnen, gemeinsam an Songs zu schreiben. Beide leben in LA, wo Blake auch seinen alten Schulfreund Pierre De Reeder dazu überredet, als Bassist bei ihnen einzusteigen. Nun fehlt nur noch ein Drummer, den die Band mit Dave Rock findet. Im Jahr 1998 ist die Band vollständig. Sie nehmen ihre ersten Demos auf ("Rilo Kiley", "Initial Friend") und bringen sie 1999 auf dem eigenen Label "Rilo Records" heraus.

Noch im Juni desselben Jahres wird der Band eine große Ehre zuteil. Der Filmemacher Morgan J. Freeman nimmt ihre Songs "The Frug" und "85" in den Soundtrack zu seinem Film "Desert Blue" (u.a. mit Christina Ricci und Kate Hudson) auf. Später übernimmt er auch die Regie für das erste Video der Band zu "The Frug", das die MTV-Sendung 120 Minutes in ihre Rotation nimmt.

Im April 2000 kommen Blake und Jenny zu schauspielerischen Ehren. In einer Episode der amerikanischen TV-Serie "Once And Again" spielen sie sich selbst; die ganze Band erscheint in einer Nachtclub-Szene. Im Januar 2001 dreht sich wieder alles um die Musik. Auf ihrem eigenen Label veröffentlichen Rilo Kiley ihr Debüt "Take Offs And Landings", suchen jedoch noch nach einem Vertriebspartner. Über Umwege erreicht ihre Platte Seattle und dort das Label Barsuk Records, das das Album im August herausbringen und vertreibt. Nur einen Monat später entscheidet sich ihr Drummer auszusteigen. Mit Jason Boesel ist schnell für Ersatz gesorgt.

Lange bleiben Rilo Kiley nicht in Seattle. Nach einer Tour, u.a. im Vorprogramm der Breeders, verschlägt es sie nach Omaha, Nebraska, in den Ort, der unter anderem für das Label Saddle Creek bekannt ist. Auf diesem möchten sie ihr zweites Album veröffentlichen. Dafür gehen sie mit Mike Mogis ins Studio, nachdem sie ihre erste Platte im Alleingang zu Hause aufnahmen. Parallel zu den Sessions des zweiten Rilo Kiley-Longplayers fragt Ben von The Postal Service bei Jenny an, ob sie nicht ein wenig auf deren Album mitsingen möchte. Sie will und so hört man ihre Stimme sowohl bei Rilo Kiley, als auch auf der Postal Service-Tour.

Im Oktober 2002 erscheint dann Rilo Kileys "The Execution Of All Things" auf Saddle Creek. Das Postal Service-Album "Give Up" kommt im Februar 2003. Rilo Kiley führt ihre Tour zur LP zum ersten Mal nach Europa, anschließend machen sich die Musiker an die Arbeit zur nächsten CD. Doch es gibt Hänger, fällt in ein kreastives Loch. So entschließen sich Jenny und Blake mit dem neuen Material auf eine kleine Akustik-Tour zu gehen. Sie wollen das Material auf sein Grundgerüst reduzieren, woraus sie anschließend im Studio wieder ausgefeilte Stücke kreieren und einspielen.

Doch bevor die Band das neue Material fertig einspielen kann, begibt sich Blake auf Solopfade. The Elected nennt er sein Projekt, bekommt damit einen Vertrag beim Kult-Label Sub Pop, wo das Debütalbum "Me First" im Februar 2004 erscheint (weitere Platten kommen 2006, "Sun, Sun, Sun", und 2011: "Bury Me In My Rings"). Auch Rilo Kiley nehmen eine weitere Veränderung vor. Sie ziehen weiter, es wird gemunkelt, die Band würde zu einem Major wechseln. Überraschender Weise gründen Rilo Kiley jedoch erneut ein eigenes Label: Ihr drittes Album soll auf ihrem Brute/Beaute Records erscheinen.

Im August 2004 nehmen sie Mike Bloom (Harmonika) als vollständiges Mitglied in die Band auf. Zuvor hatte er schon für Rilo Kiley und Blakes Soloplatte gespielt. In Amerika kommt "More Adventurous" im August 2004 heraus, Europa muss noch bis Ende Februar 2005 warten. Der Schritt über den Atlantik ist dem Vertrieb durch den Major Warner Music zu verdanken. in Amerika können sie zu dem Zeitpunkt schon einige Lorbeeren einstecken: Conan O'Brien lädt die Band in seine Late Night Show ein, Jenny hat einen kleinen Auftritt im Video zu Elvis Costellos "Monkey To Man".

Europa wird derweil auf der ausverkauften Tour der Bright Eyes auf die Band aufmerksam - Rilo Kiley spielen im Vorprogramm, Drummer Jason sitzt außerdem für die Band von Conor Oberst hinter dem Kit. Passend dazu kündigt Sängerin Jenny an, ein Soloalbum auf Conors Label Team Love herauszubringen.

Die Platte kommt unter dem Namen "Rabbit Fur Coat" 2006 in die Läden, Jenny Lewis wird hier stimmlich von den Watson Twins unterstützt. Auch mit dem eigenen Material tourt die Sängerin, bevor es erneut ins Studio geht, um "Under The Blacklight" einzuspielen. Das vierte Album der Band erscheint im Oktober 2007 in Deutschland.

Weiterhin sitzt Jenny an ihren eigenen Songs, die sich mehr und mehr dem Country-Pop zu wenden. "Acid Tongue" heißt es dann schon 2008 und so ganz alleine bleibt sie im Studio mal wieder nicht. In nur drei Wochen entsteht in Kalifornien ein komplett analoges Album. Die Stücke werden mit diversen Gastsängern größtenteils live eingespielt. Neben Elvis Costello, Jonathan Rice und M. Ward von She & Him sind auch Black Crowes' Chris Robinson und Paz Lenchatin von A Perfect Circle mit von der Partie.

Die sich häufenden Soloausflüge aller Beteiligten sorgen jedoch für immer mehr Spannungen innerhalb der Band. Im Sommer 2011 geht Co-Founder Blake Sennett schließlich mit folgendem Statement an die Öffentlichkeit: "Ich hatte am Ende das Gefühl, dass zu viele Schwindeleien, zu viel Illoyalität und Gier in der Band gesteckt haben. Diese Frustration habe ich zuletzt auch auf unsere Musik bezogen. In diese Lage will ich mich einfach nicht mehr manövrieren."

Die Band verabschiedet sich jedoch nicht ohne eine finale Veröffentlichung. Und so erscheint im April 2013 das Album "Rkives", eine einstündige Ansammlung von neuen Songs, B-Seiten und Raritäten.

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Rilo Kiley - Rkives: Album-Cover
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2013 Rkives

Kritik von Kai Butterweck

In den hintersten Ecken des Proberaums stapeln sich die Perlen. (0 Kommentare)

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