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1981 gründen Chris DeGarmo und Michael Wilton (beide Gitarre) in Bellevue bei Seattle die Gruppe Queensryche, nachdem beide (mitunter auch gemeinsam) bereits diverse Erfahrungen in anderen Bands gesammelt haben. Mit den Highschool-Kumpanen Geoff Tate (Gesang), Eddie Jackson (Bass) und Drummer Scott Rockenfield richten sie sich im Proberaum häuslich ein, ehe sie ein erstes Demo veröffentlichen.
Dieses Tape landet in den Händen von Diana und Kim Harris, Inhaber eines ortsansässigen Plattenladens. Die bieten den Jungs an, sie zu managen, und einige Zeit später ist das Tape im ganzen Nordwesten Amerikas zu kriegen. Die erste selbst produzierte EP "Queen Of The Reich" verkauft sich sensationelle 60.000 Mal allein über das bandeigene 206 Label. Schlagartig werden die Plattenfirmen aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen und bemühen sich, die junge Band unter Vertrag zu nehmen. Die EP wird mit einem Extrasong über EMI wiederveröffentlicht und geht weg wie warme Semmeln. Schon steht die erste Tour mit Ronnie James Dio an, bevor sie danach die Bühnen für Twisted Sister anwärmen dürfen.
Um den Nachfolger "The Warning" aufzunehmen, schickt das Label Queensryche mit Produzent James Guthrie (Pink Floyd) und dem Filmmusikschreiber Michael Kamen in London ins Studio. War auf der EP schon zu hören, dass hier Fachleute am Werk sind, liefert "The Warning" endgültig den Beweis ab. Mit einigen stilfremden Einflüssen legen die fünf Herren ein Metal-Album vor, das mit dem neunminütigem "Roads To Madness" ein kleines Meisterwerk in den Rillen hat. Im Gepäck von Dio geht es durch Europa. USA bekommt sie mit Maiden und Kiss zu sehen. Auch in Japan schlagen sie auf, wo der Mitschnitt für das 1985 erscheinende "Live in Tokyo" erfolgt.
Im Nachhinein kann man das aber nur als einen Vorgeschmack auf "Rage For Order" werten. Die ausgefeilten Melodiebögen und Geoffs unverwechselbarer Gesang prägen dieses Album, das auch noch nach dem 600. Durchlauf kleine Details offenbart, die einem bei den 599 anderen Spielzeiten nicht aufgefallen sind. Der Einsatz von Synthesizern war zu jener Zeit im Metal noch verpönt, und auch das tuntige Outfit dürfte den Durchbruch etwas verzögert habe. Dennoch stehen die Jungs mit Mega-Acts wie AC/DC, Ozzy Osbourne und in England gar mit Bon Jovi auf der Bühne.
Der wirkliche und wahre Durchbruch kommt, als 1988 das Konzeptalbum "Operation: Mindcrime" erscheint. Die Band ist auf ihrem absoluten kreativen Höhepunkt, und das Album wird zu Recht als eines der wichtigsten Metal-Alben aller Zeiten gewertet. Die Story bietet Material für ein ganze Trilogie, und die Riffs und Melodien, die Queensryche auf diesem Album verwerten, reichen anderen Bands für vier weitere Scheiben.
Der Erfolg ist unbeschreiblich, und Queensryche können sich ihre erste Platin-Auszeichnung an die Wand hängen. Zwar ziehen sie zunächst noch als Supportact für Def Leppard durch Amerika und für Metallica durch Europa, doch danach gehen sie in Japan und den USA als Headliner on the road. Zwar gelingt es ihnen, das Album aus kommerzieller Sicht mit "Empire" noch mal zu toppen, doch an die Kreativität des Konzeptalbums kommen sie nie wieder heran. Neben drei Singles fährt "Empire" drei Platin-Scheiben ein und auch ein Auftritt bei MTV Unplugged ist für die Band drin. Die Ballade "Silent Lucidity" wird zum Dauerbrenner auf sämtlichen Radiostationen und im TV.
1991 erscheint die Video/CD Box "Operation: Livecrime", die das komplette Material der "Operation: Mindcrime" und noch mehr beinhaltet. Auch ihre erste Europa-Headlinertour absolvieren sie mit Lynch Mob und treten in diesem Zuge auf den weltweit größten Open Airs an der Seite von Bands wie Guns N' Roses, Judas Priest, Megadeth und Sepultura auf (Rock In Rio, Superrock). 1992 erscheint das Video "Building Empires", das sie später auch als DVD wiederveröffentlichen.
Außer der "Real World"-Single vom "Last Action Hero"-Streifen wird es erst mal ruhig um die Band, ehe sie sich '94 mit dem sehr ruhigen "Promised Land" zurück meldet. Die Musik klingt softer und wesentlich melancholischer als alles, was das Quintett bis dahin veröffentlicht hat. Obwohl auch hier Platin drin ist, lässt sich an alte Erfolge nicht anknüpfen. Auf Tour spielen die Jungs ohne Vorband, bieten dafür aber volle zwei Stunden Musik. In den USA erscheint 1996 noch eine Doppel CD-ROM mit einem interaktiven Spiel und einer Rundreise durch ein Aufnahmestudio mit diversen Videoclips und Filmausschnitten. Erst Mitte '95 nehmen sie Type O Negative mit ins Gepäck.
Mit "Hear In The Now Frontier" verscherzen es sich Queensryche dann mit vielen Anhängern, da das Album zu sehr nach Grunge klingt, als dass sich die Fans damit identifizieren könnten. Vor allem in Europa gehen die Verkäufe immens zurück, und als EMI in den Staaten auch noch aufgelöst wird, sieht es für die Band verdammt düster aus. Nachdem auch noch Chris DeGarmo seine Koffer packt und im Januar 1998 die Band verlässt, sehen viele Queensryche schon vor dem Aus. Genau wie die "Load"-Scheibe von Metallica ist dieses Album nicht wirklich schlecht, aber für eine Band dieser Klasse einfach unwürdig. Mit DeGarmo spielen sie ein paar Konzerte in Südamerika mit Megadeth und Whitesnake, aber es geht stetig bergab.
Als Chris in der Tourband von Jerry Cantrell (Ex-Alice In Chains) anheuert, scheint man schnell den Schuldigen für die grungige Ausrichtung von "Hear In The Now Frontier" gefunden zu haben, und alle hoffen auf bessere, härtere Zeiten. Der neue Mann an der Gitarre ist Produzent Kelly Gray, den Geoff noch aus seiner Zeit bei Myth kennt. Kelly nimmt mit der Band "Q2K" auf und produziert die Scheibe auch. Das Album erscheint über Atlantic und versöhnt einige Kritiker wieder. Zwar ist der Schritt back to the roots nur halbherzig vollzogen, aber wenigstens die Gitarren braten wieder etwas mehr.
In Europa sind sie mit den Kanadiern von The Tea Party unterwegs, ehe sie sich etwas später mit Rob Halford und Iron Maiden zusammen schließen. Schon nach nur einem Album wechselt die Band erneut das Label und unterschreibt bei Sanctuary Records. Dort veröffentlicht sie das "Live Evolution", zu dem parallel eine DVD erscheint, für das sie in den Staaten erneut mit den Eisernen Jungfrauen touren. Nachdem EMI noch eine Best Of auf den Markt wirft, gibt man Kellys Ausstieg bekannt, da dieser als Produzent einfach zu viel um die Ohren hat.
2002 steht ganz im Zeichen von Soloaktivitäten: Geoff bringt eine selbstbetitelt CD heraus, mit der er nicht ganz überzeugen kann, Michael Wilton widmet sich seinem Projekten Soulbender und Scott macht sich gemeinsam mit Kelly Gray an Slave To The System, an dem auch die beiden Brother Cane-Mucker Damon Johnson und Roman Glick beteiligt sind.
Dann die große Überraschung: Chris DeGarmo scheint zur Band zurückgekehrt zu sein, denn er arbeitet mit Queensryche an einigen Stücken zum "Tribe"-Album. Im Interview mit laut.de dementieren Geoff und Scott den Wiedereinstieg des Gitarristen, wollen ihm aber vorerst eine Tür offen halten. "Tribe" ist wieder ein eher ruhiges, besinnliches Album geworden, das mehr an die "Promised Land"-Zeiten anschließt denn an die von "Empire" oder "The Warning". Im Sommer 2003 geht es mit Dream Theater und Fates Warning auf Co-Headlinertour durch die Staaten, ehe Europa erneut auf dem Plan steht. Mike Stone, der ebenfalls mit der Band im Studio gearbeitet hat, übernimmt auf beiden Tourneen die Gitarre.
Da es anscheinend nichts Besseres zu tun gibt, schneiden sie von der Tour mit Symphony X einige Aufnahmen mit. Anfang Juni 2004 erscheint vor der geplanten DVD erst mal die Tonspur in Form von "The Art Of Live".
Zuvor spielen sie auf dem Bang Your Head Festival 2004 einen interessanten Gig, denn die Setlist besteht aus dem kompletten "Operation: Mindcrime"-Album mit Gastsängerin! Auf der Mitte Juli erscheinenden DVD sind als Bonus die Pink Floyd-Coverversion von "Comfortably Numb" und der The Who-Klassiker "Won't Get Fooled Again" zu sehen, die sie beiden mit den Jungs von Dream Theater spielen.
Nun geschieht tatsächlich das, was die meisten nicht zu hoffen gewagt und einige befürchtet haben: Queensryche wagen sich an "Operation: Mindcrime II". Allerdings ohne Chris DeGarmo und somit ohne einen der Hauptsongwriter des ersten Teils. Nachdem die Band eine komplette Tour durch die USA gefahren hat, während der sie die gesamte "Operation: Mindcrime"-Scheibe mit Orchester und Schauspielern aufgeführt haben, geht der zweite Teil in die letzte Runde. Schon bevor das Album erscheint, äußert sich Geoff erneut im laut.de-Interview zum Werk.
"Operation: Mindcrime II" kommt Ende März 2006 und erfüllt die ernorm hohen Erwartungen natürlich nur bedingt. Die Rolle der Sister Mary übernimmt einmal mehr Pamela Moore, den Dr. X singt kein anderer als Ronnie James Dio. Auf den anstehenden Tour sollen beide Alben am Stück gespielt werden. Zudem steht ein Film an, der die Geschichte von Nikki und Sister Mary erzählen soll. Auf Tour fängt sich Pamela in Alabama allerdings eine Lebensmittelvergiftung ein und muss ins Krankenhaus. Einige Shows finden somit ohne sie statt. Anfang August 2007 erscheint schließlich "Mindcrime At The Moore" sowohl als DVD, als auch als Doppel-CD, und vor allem erstere ist ihr Geld auf jeden Fall wert.
Wer allerdings die für Ende August angekündigte Best-Of "Sign Of The Times" braucht, bleibt wohl für immer ein Geheimnis. Auch der einzige Deutschland-Gig, bei dem sich alle auf eine ähnliche Darbietung, wie auf "Mindcrime At The Moore" gefreut haben, muss als eher unzureichend bezeichnet werden. Allerdings sind Queensryche von August (mit einer kleinen Pause im Oktober) bis in den März 2008 beinahe ununterbrochen auf Tour.
Aller gute Dinge sind drei, haben sie sich wohl gedacht und schieben Anfang November noch "Take Cover" hinterher. Darauf nehmen sie sich nicht nur Songs von Black Sabbath, Pink Floyd oder U2 an, sondern auch mal einem Stück aus Jesus Christ Superstar oder "Odissea" des italienischen Duos Carlo Marrale und Cheope.
Bereits im März 2008 verraten Queensryche auf ihrer MySpace-Seite, dass sie an einem neuen Album arbeiten. Etwas später im Jahr kommt heraus, dass dieses den Namen "American Soldier" tragen soll und sich thematisch mit dem Thema Krieg aus der Sicht der Soldaten drehen soll. Geoff hat sich zu diesem Zweck mit mehreren Veteranen unterhalten und es finden sich letztendlich auch zahlreiche Voice-Samples auf der Scheibe.
Mike Stone, der die Fans schon immer mit seinem Auftreten spaltete, gibt Anfang März seinen Ausstieg bekannt. Da er auf "American Soldier" keinen Ton gespielt hat, war sein Ausstieg wohl schon länger beschlossene Sache. Live nimmt seinen Platz zunächst Parker Lundgren ein, der bereits in Geoffs Solo-Projekt spielt und schließlich als festes Bandmitglied geführt wird.
18 Jahre nach dem ersten Teil legen Queensryche endlich mit "Operation: Mindcrime Pt.2" nach.
Im selben Zimmer wie im vergangenen Jahr noch Nikki Six von Mötley Crüe sitzt mir nun Geoff Tate von Queensryche gegenüber, um mit mir über einen anderen Nikki zu sprechen. Die Band aus Seattle meldet sich nämlich im Herbst mit dem zweiten Teil ihrer "Operation: Mindcrime"-Story zurück.
Nach wie vor ist der großzügige Raum eher karg möbliert, dafür jedoch mit einer ausladenden Fensterfront ausgestattet, die bei dem nasskalten Wetter in Köln aber nicht unbedingt zur Geltung kommt. Geoff macht einen sehr relaxten Eindruck und bietet mir einen Kaffee an, während im Hintergrund seine Frau und Managerin wohl den weiteren Tagesablauf plant.
Geoff, ihr wurdet jetzt schlappe 18 Jahre von euren Fans förmlich angebettelt, einen zweiten Teil von "Operation: Mindcrime" zu schreiben. Warum habt ihr euch ausgerechnet jetzt zu diesem Schritt entschlossen?
Was soll ich sagen, die Fans haben uns die letzten 18 Jahre förmlich angebettelt, und wir haben uns eben jetzt zu diesem Schritt entschlossen, hahaha. Nein, es ist einfach so, dass ich über die Jahre immer mal wieder am Profil des Hauptcharakters Nikki gearbeitet habe. Mir ist irgendwann dabei aufgefallen, dass die politischen Umstände heute eigentlich genau denen vor 18 Jahren entsprechen, als wir "Operation: Mindcrime" geschrieben haben. Wir haben eine extrem konservative, nationalistische Regierung, die uns ständig einschüchtert und erzählt, dass wir alle Angst haben müssen, vor einer unbekannten oder auch bekannten Bedrohung. Es war für mich einfach interessant zu sehen, wie Nikki nach fast zwei Jahrzehnten aus dem Gefängnis kommt und mit dieser Welt umgehen kann, die sich zwar technisch enorm verändert hat, von den politischen Einstellungen her aber fast gar nicht.
Du hast von Nikki tatsächlich so was wie ein Profil angelegt?
Ja, klar, und nicht nur von Nikki. Ich habe diverse Charaktere, die ich für mich daheim erst einmal ausarbeite. Schließlich erzähle ich auf den Alben eine richtige Geschichte. Da musst du dir von vorneherein im klaren sein, wie die jeweilige Person tickt und sich in bestimmten Situationen verhält. Aber wie gesagt, da gibt es auch viele andere Profile, die ich mir angelegt habe. Letztendlich arbeite ich auch an einer Art Bühnenstück und versuche dabei so viele, unterschiedliche Charaktere wie möglich auszuarbeiten. Das ist interessant und macht auch jede Menge Spaß, ist aber nicht immer so einfach.
Das kann ich mir vorstellen. Wie schwierig war es denn, sich in einen innerlich zerrissenen Charakter wie Nikki erneut hinein zu versetzen.
Oh, das war sehr schwer. Wie du schon sagst, ist Nikki innerlich zerrissen und hat sein Leben erst seit kurzem wieder einigermaßen unter Kontrolle. Die Umstände, die ihn ins Gefängnis gebracht haben, waren ja sozusagen fremdgesteuert, und jetzt ist er dermaßen von Rache besessen, dass er eigentlich nichts anderes mehr will, als Dr. X zu finden und ihn zu töten. Rache ist das einzige, das ihn noch interessiert, und seine Pläne, diese zu erreichen, setzt er Schritt für Schritt um. Letztendlich weiß er aber nicht, ob er es tatsächlich schafft, Dr. X zu töten, denn er weiß eigentlich nicht, ob er ein Killer ist. Alles, was er in der Story von "Operation: Mindcrime" getan hat, tat er unter dem Einfluss von Dr. X. Klar, er hat Menschen getötet, aber nicht freiwillig und nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Außerdem ist da ja auch immer noch die ermordete Sister Mary, die sozusagen sein Gewissen symbolisiert.
Siehst du in der Storyline Parallelen zum "Graf von Monte Christo"? Ok, Edmond Dantès führt seine Rache und die Morde tatsächlich gezielt und emotionslos aus, aber ansonsten ähneln sich die Geschichten der Charaktere doch schon, oder?
Hm, das hab ich bisher noch gar nicht so betrachtet. Du bist jetzt auch der erste, der mich darauf anspricht aber so ganz unrecht hast du wohl nicht. Ich hab die genaue Geschichte von "Der Graf von Monte Christo" aber auch nicht mehr im Kopf. Vielleicht sollte ich sie mir bei Gelegenheit noch einmal durchlesen.
Ich wäre wahrscheinlich auch nicht drauf gekommen, wenn nicht Vanden Plas gerade ein Konzeptalbum über das Thema geschrieben hätten.
Sehr entspannt, hahaha. Nein im ernst, ich bin eigentlich ganz froh darüber, dass wir das Album nicht mit Chris gemacht haben und wir haben ihn auch gar nicht erst gefragt, ob der mitmachen will. Mike Stone ist inzwischen ein echtes Bandmitglied geworden, und das Fantastische an ihm ist: der hat andauernd neue Ideen und versucht ständig, die Musik von Queensryche voran zu bringen. Versteh' mich nicht falsch, Chris und ich waren im Prinzip immer die Aushängeschilder von Queensryche. Wir haben die Musik gemacht, wir schrieben die Texte und wir gaben die Interviews. Nachdem Chris ausgestiegen war, blieb das zunächst alles an mir haften, auch wenn Scott und die anderen mir einen Teil der Arbeit abgenommen haben. Aber das Thema Chris DeGarmo und Queensryche sehe ich als erledigt an.
Als wir uns das letzte Mal über "Tribe" unterhalten haben, an dem Chris ja auch mitgewirkt hat, klang das aber noch anders. Da hast du gesagt, dass ihr für Chris immer eine Tür offen hättet.
Das war damals auch der Fall, aber die Tür ist jetzt eben zu, hahaha. Das Thema Chris DeGarmo und Queensryche ist wohl für immer Geschichte. Es ist alles andere als leicht, mit Chris zu arbeiten und warum sollen wir uns den Stress machen, wenn wir in dieser Besetzung so ein tolles Album wie "Operation: Mindcrime Pt.2" schreiben können? Mike ist nicht nur ein fantastischer Gitarrist, sondern auch ein angenehmer und witziger Mensch, mit dem man sehr entspannt und leicht arbeiten kann. Kelly Grey war ebenfalls ein großartiger Gitarrist und auch ein netter Kerl, aber ihm wurde der ganze Tourstress und alles drum herum einfach zu viel. Das ist nicht seine Welt. Mit Mike ist das was ganz anderes, er lebt dafür und ist einfach ein verrückter Typ.
Das kannst du allerdings laut sagen. Ich erinnere mich noch an den Auftritt auf dem Bang Your Head Open Air 2004, als er komplett in schwarzen Lackklamotten und blondierten Haaren auf der Bühne stand. Selten so was schwules gesehen, hahaha.
Well, that's Mike, hahaha. Aber das ist noch lange nicht sein bestes Outfit. Neulich stand er mal im Studio mit einem Trainingsanzug, der vom Stoff her wie ein Bademantel war. Das Teil war knall-orange und hatte Tigerstreifen! Dazu trug er dann noch gelbe Sneakers und eine Sonnebrille. Ich hab keine Ahnung, wo er solche Klamotten herbekommt, aber er scheint auf extraordinäre Outfits zu stehen. Das mag optisch vielleicht nicht immer zu uns passen, aber wer bin ich denn, dass ich ihm seine Klamotten vorschreiben würde.
Ok, aber zurück zum neuen Album. Denkt ihr nicht, dass ihr euch mit diesem Titel und der Storyline einem enormen Druck ausgesetzt habt? Schließlich erwarten die Fans wohl nichts anderes als ein göttliches Album.
Da magst du schon recht haben, aber ich glaube nicht, dass wir uns unnötig unter Druck gesetzt haben. Immerhin haben wir an "Operation: Mindcrime Pt.2" über 18 Monate gearbeitet, und ich denke sowohl von der Storyline als auch von den Texten her kann sich das Album durchaus sehen und hören lassen. Außerdem habe ich den ersten Teil damals bewusst mit einem offenen Ende zurück gelassen. Es war also immer klar, dass wir einen zweiten Teil hinterher schieben würden. Dass der aber 18 Jahre auf sich warten lässt, konnte ja keiner ahnen, hahaha. Aber wie gesagt, die äußeren und inneren Umstände mussten einfach stimmen und das tun sie jetzt.
Allerdings war auch alles andere als klar, dass ihr es schafft, ohne die Originalbesetzung von damals so ein Hammer-Album einzuspielen. Die letzten Sachen waren ja nur bedingt mit dem neuen Material zu vergleichen.
Das ist schon war, aber warum sollen wir Angst davor haben, dass "Operation: Mindcrime Pt.2" nicht gut aufgenommen wird? Das wird sich eh erst im Laufe der Zeit zeigen. Viele Scheiben, nicht nur von uns, haben sich den Leuten erst im Laufe der Zeit erschlossen. Ich weiß noch genau, wie jemand zu mir herkam und sagte, dass er mit "Promised Land" so ziemlich gar nichts anfangen kann, weil sich ihm die Songs nicht erschließen würden. Das kann ich durchaus akzeptieren, vor allem weil der Kerl damals Anfang, Mitte 20 war und "Promised Land" ein sehr erwachsenes Album ist. Inzwischen ist derjenige auch ein ganzes Stück älter, und als wir uns mal wieder trafen, sagte er nur: 'Now I get it!' Ich gehe davon aus, dass das mit "Operation: Mindcrime Pt.2" nicht sonderlich anders sein wird, aber ich hoffe auch, dass es genügend Leute gibt, denen sich die Scheibe von Anfang an erschließt. Ich denke mal, wir müssen uns mit "Operation: Mindcrime Pt.2" nicht verstecken und es war, wie gesagt, einfach an der Zeit, die Geschichte zu einem Abschluss zu bringen.
Das war auch durchaus beabsichtigt. Wir haben uns den ersten Teil sehr oft und intensiv angehört und versucht, die Stimmung damals so gut wie möglich wieder aufzubauen und nachzubilden. Das gilt auch für die äußere Verpackung des Albums. Das Coverartwork stammt vom selben Künstler wie das erste auch und erinnert natürlich auch von der Aufmachung her deutlich an den ersten Teil. Dass sich die Storyline fortsetzt, versteht sich ja von selbst, und auch musikalisch haben wir mit ähnlichen Elementen und Stimmungen gearbeitet. Jedoch wollten wir das Album deutlich abwechslungsreicher gestalten, was uns hoffentlich auch gelungen ist.
Auf jeden Fall! Vor allem habt ihr es, was Härte angeht, endlich mal wieder richtig krachen lassen. Die Riffs in "I'm American" sind wohl das härteste, was ihr in den letzten Jahren geschrieben habt.
Siehst du das so? Na, ok. Ich denke eigentlich schon, dass wir auch auf den letzten Alben einige harte Gitarren in den Songs hatten, aber es waren auch sehr viele ruhige Sachen dabei, da hast du schon recht.
Dass Pamela Anderson ...
Pamela Moore!
Hä? Oops, wo war ich da nur mit meinen Gedanken?
Das kann ich dir, glaube ich, ziemlich genau sagen, hehehe.
Äh, ja, wie auch immer, dass Pamela Moore wieder den Part der Sister Mary übernommen hat, war ja klar. Aber als Dr. X hast du Ronnie James Dio gewinnen können. Ich denke allerdings nicht, dass du ihn dazu großartig überreden müsstest, oder?
Nein, überhaupt nicht. Er war eigentlich sofort Feuer und Flamme. Ich war schon ein wenig nervös und vor allem verdammt geehrt, dass ein so fabelhafter Sänger wie er den Part übernehmen würde. Mir schwebte seine Stimme von Anfang an vor, als ich die Texte und Gesangslinien komponiert habe. Als er sich dann auch sofort bereit erklärte, den Dr. X zu singen, war das der Wahnsinn. Wie das eben so läuft, haben wir im Studio natürlich direkt gepatzt, denn er stellte sich einfach ans Micro und sang seinen Part schon beim ersten Mal absolut fehlerfrei ein. Dummerweise lief die Bandmaschine nicht mit, und so war der Take vollkommen für den Arsch. Mike meinte nur zu mir: 'Das bringst du ihm bei, ich muss weg.' Hahaha. Ich hatte keine Ahnung, wie ich ihm das beibringen sollte, aber Ronnie schaute nur kurz rein und fragte: 'Machen wir einen zweiten Take? Ich fand ein paar Sachen nicht so toll.' 'All right, sure, go ahead!' Hahaha.
Ihr wart in den Staaten ja zuletzt noch mal groß auf Tour und habt dort das komplette "Operation: Mindcrime"-Album nicht nur am Stück gespielt, sondern habt euch dafür sogar Darsteller und Chöre mit auf die Bühne genommen.
Ja, das war großartig und eine sehr interessante Erfahrung. Vor allem, wenn ich hin und wieder das Publikum beobachtet habe, wie sie auf diese Darstellung reagieren. Das hatte ja schon etwas von einem Musical, und entsprechend gingen die Leute nicht unbedingt ab, sondern haben sich erst einmal alles angeschaut und sich damit wohl auch eingehender auseinandergesetzt. Nachdem "Operation: Mindcrime Pt.2" veröffentlicht ist, wollen wir das natürlich mit beiden Alben wiederholen und noch größer ausbauen.
Ok, hat Andrew Lloyd Webber schon angerufen?
Nein, hahaha, bisher nicht. Aber der nächste, logische Schritt wäre in der Tat "Operation: Mindcrime – The Musical". Davor liegt aber noch einiges an Zeit, Arbeit und anderen Projekten. So wollen wir das natürlich auch auf DVD festhalten und wenn alles glatt läuft, werden wir so etwas in der Art sogar nach Europa bringen können. Das ist aber natürlich primär eine finanzielle Frage, denn das kostet schon so ein paar Dollar.
Ihr habt für die Single "The Hands" ein Video gedreht. Gibt es da auch eine Storyline, die dem Verlauf der Handlung folgt?
Ja schon. "The Hands" haben wir aber für den europäischen Markt gedreht. In Amerika ist hingegen "I'm American" die Single.
Wie passend, obwohl der Text doch eigentlich recht kritisch ist.
Das will ich wohl meinen. Es ist auch allein schon von daher verwunderlich, dass normalerweise eher für den europäischen Markt ein härterer Track verwendet wurde und für den amerikanischen eher ein softerer. Diese Mal ist es genau umgekehrt, aber ich will mich da nicht einmischen. Da hab ich schon zu viele schlechte Erfahrungen gemacht.
Inwiefern das denn?
Da musst du nur meine Frau fragen. Wir haben zu Hause ein ganzes Zimmer voll mit Merchandise. CDs, Shirts mit Motiven, die ich ausgesucht habe, alles Sachen, von denen ich fest davon überzeugt war, dass die Fans das lieben würden. Auf dem meisten Kram davon sind wir sitzen geblieben, und jetzt weiß keiner wohin damit. Deswegen halte ich mich aus solchen Entscheidungen seit geraumer Zeit komplett raus.
Seine Frau sitzt derweil nur nebendran und grinst mich wissend an ....
Im Gespräch mit Sänger Geoff, zu dem später auch Drummer Scott hinzu stieß, zeigt sich ersterer als sehr integerer, wenn auch, was die kulturelle und wirtschaftliche Lage der USA und der Welt angeht, etwas naiver Gesprächspartner.
Gitarrist und Bandgründer Chris DeGarmo schien zur Band zurückgekehrt zu sein, denn er arbeitete mit Queensryche an einigen Stücken zum "Tribe"-Album. Im Interview dementieren Geoff und Scott den Wiedereinstieg des Gitarristen, halten ihm aber immer eine Tür offen.
Hey Geoff, mit der Fleischmütze hätte ich dich beinahe nicht erkannt. Wenn ich nicht gestern noch kurz auf eure Homepage geschaut hätte, hätte ich fast bei dir einen Kaffee bestellt, als du ins Restaurant kamst. Seit wann hast du die Murmel denn?
Geoff: Eigentlich ist das ja schon das zweite Mal, dass ich mit die Haare abgeschnitten habe. Das erste Mal war 93 oder 94 zu "Promised Land" Zeiten. Das ware eine sehr interessante Erfahrung. Das zweite Mal war nach meiner Solotour im August oder September letzten Jahres.
Ist das nicht immer ein bisschen seltsam? Wenn ich mit die Haare beim Duschen nach oben schraube und danach dann ins Leere greif, wenn ich ein Shirt anzieh und sie aus dem Kragen holen will, krieg ich immer beinahe Panik.
Geoff: Ja, ich war auch immer einer der Typen, die sich immer die Haare aus dem Gesicht gewischt haben, und diese Bewegung legst du nicht so ohne weiteres ab. Wenn da dann nichts mehr ist, kommst du dir schon n bisschen bescheuert vor, aber man gewöhnt sich an dieses Nichts. Außerdem steht meine Frau sehr drauf.
Meine Freundin würde mir den Arsch aufreißen, wenn ich meine Haare absägen würde.
Geoff: Ja, das war bei meiner Frau nicht anders. Die hatte anfangs auch große Bedenken, aber als ich sie meinen Kopf mal rasieren ließ, stand sie total drauf. Seitdem ist sie da immer ganz scharf drauf und das scheint sie richtig wild zu machen, hahaha.
Dann kann ich das verstehen ... Klingt nach 'nem guten Deal. Jetzt aber mal zur Mucke. Wie kam es, dass ihr eure neue Scheibe "Tribe" genannt habt?
Geoff: Da gibt es einige unterschiedliche Gründe. Eine Sache ist, dass ich mich inzwischen sehr für die volksstämmische Aspekt sozialer Evolution interessiere. Das fängt ganz vorne an, als die prähistorischen Menschen noch in Stämmen gelebt haben und deckt die komplette Entwicklung ab. Es geht darum, dass sich bestimmte Gruppen zusammen gefunden haben, sei es aufgrund von Sprache, Gewohnheiten oder was auch immer. Irgendwann kam es einfach dazu, dass sich Stämme (Tribes) gebildet haben. Diese entwickelten sich dann zu Dörfern, Städten, Nationen, Königreichen, und heute kann man eigentlichen von multinationalen Stämmen sprechen, wie zum Beispiel im Fall von Europäischen Union. Dieses ganze Kram, der kurz unter sozialer oder kultureller Evolution zusammen gefasst werden kann, wurde für mich immer interessanter. Ich betrachtete Queensryche von diesem Standpunkt aus und habe festgestellt, dass wir auch so etwas wie ein Tribe sind. Auf diesem Album haben ja sowohl Mike Stone, als auch Chris DeGarmo ein paar Songs komponiert und auch mit diesem beiden kam etwas von diesem Stammesgefühl auf. Wir haben innerhalb der Band alle dies Gefühl von Zusammenhalt und Mike und Chris sind da damit durchaus auch gemeint, auch wenn sie de facto keine eigentlichen Bandmitglieder sind. Der Albumtitel schwirrte mir aber schon lange im Kopf herum. Das schlägt sich auch in den Texten nieder. Ich habe so eine Art Straßentagebuch geführt, als ich letztes Jahr auf dem Motorrad durch Amerika gereist bin. Ich fuhr von Seattle nach Kanada und von da aus nach Mexiko. Ich denke ich habe da einiges von diesem tribal feeling aufgeschnappt, das noch in vielen Menschen vorhanden ist. Es geht viel im Gefühle die ich auf meinen Reisen hatte und natürlich auch um meine Gefühle die ich unter der Bush-Regierung habe.
Würdest du Amerika überhaupt als eine Art Tribe bezeichnen? Historisch ist da ja nicht viel zu holen.
Geoff: Da hast du zwar recht, aber ich denke die Bezeichnung geht schon in Ordnung. Ich denke, Nord-, Mittel- und Südamerika sind Teile des selben Tribes, was den Kontinent, Wirtschaft und Kultur angeht. In gewissem Sinne findet eine globale Stammesbildung im Augenblick statt, wenn man sich die EU und all das anschaut. Ich hoffe, dass die komplette Erdbevölkerung irgendwann zusammen wächst und dann steht uns ja immer noch der Weltraum offen.
In dem Moment kommt auch Scott Rockenfield zur Tür rein, und nach einer kurzen Begrüßung und einer Tasse Kaffe gehts weiter.
Denkst du nicht, dass die Politiker und vor allem die amerikanischen, das im Endeffekt verhindern wollen? Schließlich versuchen eure Politiker ständig, eine Rivalität zwischen euch und Kanada zu beschwören, die in der Art eigentlich nicht existiert.
Geoff: Da ist natürlich keine Rivalität zischen uns und Kanada, so was ist Blödsinn. Das ist wahrscheinlich nur Neid, da wir in Amerika eine Bevölkerungsexplosion haben, unsere Rohstoffe langsam auslaufen und unsere Umwelt den Bach runter geht. Wenn man sich dann Kanada im Vergleich anschaut, sieht das natürlich gleich noch viel bitterer aus. Da ist die Umwelt in Ordnung, die Wirtschaft läuft gut, die Gegend ist stellenweise sehr dünn bevölkert, alles scheint so rein zu sein.
Lass uns nochmal auf das Thema Tribe zurück kommen. Würdest du sagen, dass Chris (DeGarmo) wieder Teil dieses Tribes ist? War überhaupt jemals raus aus dem Tribe?
Geoff: Ja, auf jeden Fall, zumindest physisch. Psychisch ist das eine andere Sache, wo ich mir nicht 100%ig sicher bin. Er hat die Band 1997 definitiv verlassen und wollte sich um andere Sachen kümmern. Dann hat er uns aus blauem Himmel angerufen, während wir gerade an der neuen Scheibe saßen, und sagte: "Hey, ich hab ein paar Songideen." Und wir dachten uns, warum nicht, komm vorbei und wir schauen uns an, wie die Sache funktioniert. Im Endeffekt haben wir dann zusammen an drei Songs gearbeitet und es hat richtig Spaß gemacht.
Wird er jetzt bei euch dabei bleiben? Für die Europatour steht er ja schon mal nicht zur Verfügung.
Geoff: Es ist weniger eine Sache von bleiben oder gehen, wir lassen ihm eine Tür offen. Wir sehen Queensryche inzwischen eh als ein Quartett an: Scott, Eddie, Michael und ich. Das ist der Kern, und wer dann mit uns Songs schreiben will oder mit uns auftreten will, der kann gerne vorbeischauen und wir entscheiden das dann. Nachdem Chris gegangen ist, kam Chris dazu und hat eine Platte und eine Tour mit uns gemacht. Jetzt ist Mike Stone dabei, um mit uns live zu spielen und hat mit uns auch im Studio gearbeitet. Wie das auf dem nächsten Album aussehen wird, kann ich dir jetzt aber noch nicht sagen.
Die ersten Eindrücke, die ich von "Tribe" habe sind, dass die Songs alle ziemlich relaxt klingen. Die Songs klingen direkter und einfacher, was jetzt nicht negativ gemeint ist, sondern sie sind einfach eingängiger. Würdet ihr damit übereinstimmen?
Geoff: Hahaha, gut aus der Affaire gezogen. Musik ist einfach sehr subjektiv. Als Journalist musst du versuchen, Musik in Bilder umzusetzen und zu beschreiben. Wir versuchen als Musiker immer Bilder in Musik umzusetzen. Ich fange meist mit den Texten an und schreibe dann die Musik darum. Scott, Mike und Eddie machen das anders herum. Ich bekomme dann die Musik und muss sehen, ob es mich dazu bewegt, Texte zu schreiben. Wenn wir dann etwas geschaffen haben und damit an die Öffentlichkeit gehen, wird es immer spannend, denn wie diese unsere Sachen aufnimmt, ist natürlich immer unterschiedlich. Gestern hatten wir einen Kerl bei uns, der sagte, dass "Tribe" die härteste Scheibe sei, die wir je gemacht hätten. Ein andere Typ meinte hingegen, dass wir ein sehr softes Album gemacht hätten, mit vielen Balladen drauf. Es ist also schwer zu sagen, was wir über unser Musik denken.
Als ich mir "Q2K" angehört habe, klang das für mich wie ein Versuch, wieder zurück zu den Wurzeln zurück zu kehren. Dann kam deine Solo-CD, Geoff, wo du sehr viel mit elektronischen Sachen experimentiert hast, und auch diese Scheibe war deutlich ruhiger. Das selbe trifft für mich auch bei "Tribe" zu. Für mich klingt das stellenweise wie der nächste Schritt von "Hear In The Now Frontier".
Scott: Vermutlich sind das die Songs, die Chris geschrieben hat. Ich kann dazu nur sagen, hör dir die Scheibe noch ein paar mal an. Klingt ja nicht danach, als ob sie dir nicht gefallen würde.
Nein, ganz im Gegenteil, mir gefällt "Tribe" durchaus. Der härteste Track ist meiner Meinung nach "Desert Dance".
Scott: Du findest den hart?
Ja schon, das ist einfach der mit der meisten Power.
Geoff: Power? Was ist deine Definition von Power?
Die Atmosphäre des Songs hat etwas kraftvolles. Die Drums, die Art wie du singst, die Intonation.
Geoff: Verbindest du Power mit Geschwindigkeit?
Nein, überhaupt nicht. Es ist einfach die Emotion, die beim Hören der Musik rüberkommt. Balladen haben die Kraft, deine Gefühle durcheinander zu bringen. Ich hab mir "Desert Dance" vorhin im Auto angehört und hatte das Bedürfnis aufs Gas zu treten.
Scott: Als wir damals "Empire" aufgenommen hatte, haben wir unzählige Interviews gemacht. Irgendwer hat dann über "Silent Lucidity" gesagt, dass das der schönste und softeste Song wäre, den wir je geschrieben hätten. Der nächste kam an und sagte, dass dies der kraftvollste Song wäre, den wir je geschrieben hätten. Beide haben Power komplett anders definiert.
Ich würde einfach sagen, Balladen haben die Power, deine Seele zu ergreifen und zu bewegen. Die andere Power bewegt deinen Arsch.
Scott: Hahaha, ja "Desert Dance" kann durchaus deinen Arsch bewegen. Diese Power hat der Song.
Wie kam es eigentlich dazu, dass du bei dem Song ein paar Raps einstreust?
Geoff: Tu ich das? Naja ein wenig. Das hab ich aber auf Empire auch schon ansatzweise gemacht.
Scott. Eigentlich hatten wir solche Parts schon während der "Rage For Order"-Phase, aber die haben es dann nicht auf's Album geschafft. Aber als Raps würde ich das nicht bezeichnen.
Ihr seid ja demnächst mit Dream Theater auf US-Tour, und die hauen live ja härtetechnisch ganz gut auf die Kacke. Zieht ihr da dann mit, oder was für Songs werdet ihr spielen?
Scott: Haben die harte Songs? Hm, ich hab die Jungs schon ein paar mal getroffen und mich gut mit ihnen unterhalten, bin aber total im Dunkeln darüber, wie ihre Songs klingen. Ich hab mir ihre CDs bisher nicht angehört. Wenn ich mal dazu komme, Musik zu hören, ist es meist der Kram, den meine Kinder in ihren Zimmern laufen lassen.
Geoff: Wir haben während den Proben in etwas 40 Song eingeübt und können also aus dem Vollen schöpfen. Wenn wir aus denen dann die entsprechenden Stücke im normalen Tempo spielen, sind wir gute zwei Stunden auf der Bühne. Wir werden 20 oder 22 Stücke spielen, und davon werden wahrscheinlich gerade mal drei von der neuen Scheibe stammen. So ähnlich wie die Setlist für "Live Evolution" eben. Wir werden versuchen, unsere komplette History abzudecken. Da wir eine Co-Headlinershow mit Dream Theater spielen werden, können wir beide natürlich auch eine entsprechende Spielzeit auffahren.
Geoff, was ist eigentlich aus diesem Trinity Projekt geworden, das du mit Bruce Dickinson und Rob Halford mal geplant hattest?
Geoff: Das ist irgendwie nie über die Planungsphase hinaus gekommen. Seit dieser Tour vor ein paar Jahren hab ich auch nichts mehr von den anderen beiden gehört. Als wir damals darüber geredet haben, klang das alles ziemlich cool, aber ich glaube, wir drei haben musikalisch eh nicht die selben Grundlagen.
Wäre nicht gerade das ein interessanter Ansatzpunkt?
Geoff: An sich schon, aber ich hatte irgendwie auch das Gefühl, dass diese Sache von einem zu kommerziellen Standpunkt aus gestartet werden sollte. Da hatte ich aber gar keinen Bock drauf, da ich das dann doch zu sehr als Verarschung ansehe. Es war auch kein richtiger Enthusiasmus zu spüren. Wenn wir drei uns zusammen gesetzt hätten und gleich losgelegt hätten so nach dem Motto: "Hey, lass und das und das tun. Ja und dann so ..." Dann wäre ich sicher eher davon zu überzeugen gewesen. Für mich klang das aber mehr wie das Gerede von Managern. Wie viele Platten können wir davon wohl absetzen. Das ist nicht wirklich ehrlich.
Scott: Die haben ja schon die Poster geplant und wie sie darauf aussehen sollen. Da war von der musikalischen Seite noch gar keine Rede, hahaha. Ich hab übrigens gehört, dass Maiden gerade wieder auf Tour wären. Stimmt das?
Naja, sie haben ein paar Gigs gespielt, um Geld für ihren ehemaligen Drummer Clive Burr zu sammeln, der schwer erkrankt ist. Kommen wir aber wieder zu Queensryche. Geoff, ich hab gehört, dass es von deinem Soloprojekt demnächst auch eine DVD geben wird?
Geoff: Ja eine Art Live DVD. Ich hab die Scheibe gerade noch fertig gemacht, bevor wir nach Europa geflogen sind.
Scott: Geoff und ich haben uns auf dem Flug hierher erst darüber unterhalten, wie weit die Industrie und Technologie mit solchen Sachen inzwischen ist. Das ist schon erstaunlich, was sich da inzwischen alles machen lässt, und ich bin mir sicher, dass mehr und mehr Bands dazu über gehen werden, dieses Medium zu nutzen. Haben wir von "Empire" nicht auch eine DVD? Glaub schon, hahaha. "Tribe" werden wir auf jeden Fall auch als Audio DVD veröffentlichen. Es wird aber wohl auch in naher Zukunft ein paar Backgroundszenen von uns und den Leuten geben, die mit uns arbeiten. Es ist für die Fans immer interessant zu sehen, was ihre Lieblingsbands neben der Musik ausmacht, und wir sammeln immer Material, was wir bei Auftritten oder im Studio aufnehmen. Irgendwie werden wir das wohl bald mal verwenden.
Wie sind die Songs entstanden? Hattest du diese Trip Hop-schon im Kopf als du die Songs geschrieben hast?
Geoff: Ja, das war so ziemlich genau das, was ich machen wollte. Ich wollte ein paar Musikstile miteinander vermischen. Ich hab mir dann die entsprechenden Leute rausgesucht, von denen ich ein paar Sachen kannte, die mir gefallen hatten und fragte sie, ob sie mit mir zusammen arbeiten wollten. Drei davon haben schließlich zugestimmt. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und werde bestimmt noch etwas ähnliches machen. Ob das jetzt mit den selben Leuten sein wird, weiß ich noch nicht und auch über die musikalische Ausrichtung bin ich mir noch nicht im klaren. Ich versuche einfach, Grenzen zu sprengen, genau wie wir das mit Queensryche auch schon seit Jahren versuchen. Es geht mir darum, mir mit meiner Musik eher vorzustellen, was sein kann, denn einfach nur zu sehen, was tatsächlich ist.
Take Cover (2007), Sign Of The Times (2007), Mindcrime At The Moore (2007)
Classic Masters (2003), Live Evolution (2001)
Hear In The Now Frontier (1997), Promised Land (1994), Empire (1990), Operation Mindcrime (1988), Rage For Order (1986), The Warning (1984)
35,99 €
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News und Infos rund um die Band.
http://www.queensrycheofficial.com
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