Porträt

laut.de-Biographie

Peter Plate

"Wir haben viel miteinander geredet, gelacht und geweint und wir haben festgestellt, dass uns so viel verbindet und wir zusammen so viel erlebt und erreicht haben, dass es jetzt der schönste Moment ist, einander Raum zu geben. Raum, diese Abenteuer einmal getrennt voneinander zu erleben."

Mit diesen Worten auf der Rosenstolz-Homepage beginnt die zweite Karriere des Peter Plate. Erstmals steht der am 1. Juli 1967 in Neu-Delhi geborene deutsche Sänger und Komponist im Jahre 2013 mit "Schüchtern Ist Mein Glück" auf eigenen Beinen. Nach zwanzig Jahren an der Seite von AnNa R., der Dame, mit der er zwölf Studio-Alben aufgenommen hat. Doch auch solo bleibt seine Musik eine polarisierende Mischung aus Kitsch, Pop, Schlager und Chanson.

Ein Zusammenbruch während eines Konzerts im Jahr 2009 zwingt Plate zu einem Neustart. "Ich war in der schwersten Krise meines Lebens", sagt der Musiker im Jahr 2011 dem Magazin Stern. "Unser Erfolg mit Rosenstolz war so groß, und ich fühlte mich trotzdem so klein." Zwar versucht die Band, mit "Wir Sind Am Leben" durchzustarten, doch die Wunden des Burn-Out-Syndroms erweisen sich als zu tief.

Bereits als Jugendlicher schreibt Plate, der seit seinem neunzehnten Lebensjahr offen homosexuell lebt, mit Freunden ein Musical, produziert eigene Musikkassetten. Für ein Studium der Sozialpädagogik zieht er von Braunschweig nach Berlin. Schnell bricht er dies aber ab und arbeitet als Shampooneur bei einem Berliner Promifriseur. Seinen ersten Solo-Auftritt hat er 1991 im Homosexuellen-Magazin Andersrum mit dem Lied "Mutter, Du Hast Mich Verlassen".

Noch im selben Jahr lernt er mit AnNa R. die Sängerin von Rosenstolz kennen, mit der er 1992 das erste Album "Soubrette Werd' Ich Nie" aufnimmt. Über lange Jahre und steinige Wege entwickelt sich eine stetig steigende und treue Fanbase, bis die Band mit der Teilnahme am ESC-Vorentscheid 1998 mit dem Song "Herzensschöner" den Durchbruch schafft. An Guildo Horn, seinen Orthopädischen Strümpfen, Alf Igel und "Guildo Hat Euch Lieb!" führt in diesem Jahr aber kein Weg vorbei. Rosenstolz belegen lediglich den zweiten Platz.

1999 nimmt die Band gemeinsam mit Hella von Sinnen die Single "Ja, Ich Will", einen Kommentar zur geforderten Homo-Ehe, auf. Nachdem 2001 die eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaft eine rechtliche Absicherung der Beziehung ermöglicht, tritt Plate mit Produzent und Komponist Ulf Leo Sommer vor das Standesamt. 2011 folgt die Trennung, Sommer bleibt aber als Texter und Produzent an Plates Seite.

In den letzten Rosenstolz-Jahren hagelt es Auszeichnung auf Auszeichnung. Der Echo, die goldene Stimmgabel, die goldene Kamera und nicht zuletzt das kleine goldene Rehkitz Bambi. Bei der Verleihung 2011 kritisiert Plate die Vergabe des Integrationspreises an den Rapper Bushido. Eine Auszeichnung für einen Musiker, der frauen- und schwulenfeindliche Texte schreibt, gehe nicht in Ordnung. "Jeder hat eine zweite Chance verdient", sagt Plate auch mit Blick auf seine eigene Geschichte. "Aber so einen Künstler auszuzeichnen, ist nicht korrekt." Das hindert Plate aber nicht daran, seinen eigenen Bambi entgegen zu nehmen.

2007 wird Plate mit dem Paul-Lincke-Ring der Stadt Goslar geehrt. Dieser wird alle zwei Jahre für besondere Verdienste in Komposition, Textdichtung und Interpretation von Unterhaltungs- und Tanzmusik sowie heiteren musikalischen Bühnenwerken verliehen. 2011 erhält er zudem das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für seine Bemühungen im Kampf gegen Aids.

Als Komponist und Produzent arbeitet er für Patricia Kaas, Melanie C, 2raumwohnung, Jimmy Somerville, Marc Almond und Jasmin Wagner. Für die Comic-Figur Tiger Taps schreibt Peter Plate "Weil Wir Freunde Sind".

"Natürlich sind wir nicht weg - Ihr werdet von uns hören, laut oder leise, hier oder da, denn ohne Musik geht es bei uns doch gar nicht! Auf die Abenteuer, auf alles was da kommt", heißt es weiterhin im Rosenstolz-Abschied. Auch im Interview mit der B.Z. lässt Plate seine Zukunft offen:

"Ich finde es immer blöd, wenn sich eine Band, die ich gerne mag, auflöst, um sich fünf Jahre später wieder zusammenzutun. Insofern ist unser Weg besser, eine Pause auf unbestimmte Zeit einzulegen. Sollte es bei uns noch mal so richtig kribbeln und wir hätten wieder irgendeinen Plan – wunderbar! Und wenn nicht, dann ist es auch gut." Egal wie die Zukunft auch aussehen mag, Plate wird uns weiterhin erhalten bleiben.

Alben

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare