Porträt

laut.de-Biographie

Pete Philly & Perquisite

Den großen Wurf in Sachen Hip Hop-Exporte landeten unsere holländischen Nachbarn bis zur Jahrtausendwende eher nicht. So überrascht es um so mehr, dass im Frühsommer 2005 zwei Jungspunde auf der europäischen Rap-Landkarte auftauchen und mit ihrem Debütalbum die Herzen der Heads höher schlagen lassen. Pete Philly & Perquisite heißt das Duo, das sich mit seinem unvergleichlich smoothen Sound zum Eroberungszug durch Europa aufmacht.

Das erste Mal treffen die beiden 2002 aufeinander. Beide haben im Vorfeld schon erste Gehversuche im holländischen Musikzirkus unternommen. Produzent Perquisite beginnt bereits mit 14 Jahren, am Computer die ersten Beats zu programmieren.

Dass er in relativ kurzer Zeit große Fortschritte macht, hat er jedoch nicht nur seinem Talent zu verdanken. Seit seinem achten Lebensjahr schult Perquisite seine Musikalität durch tägliches Training am Cello. Schnell ist klar, dass die Musik nicht nur der liebste Zeitvertreib werden, sondern auch das tägliche Brot auf den Tisch bringen soll.

So gründet Perquisite im Jahr 2001 sein eigenes Label Unexpected Records, mit dem er sich vorwiegend auf NuJazz und Hip Hop einschießt. Es folgen Arbeiten, bei denen er mit der holländischen Crew The Proov oder dem Jazz-Musiker Benjamin Holland zusammenkommt.

Als Inspirationsquellen nennt er eine ganze Palette von Künstlern mit verschiedenen Backgrounds: The Roots, Miles Davis, Herbie Hancock, Ella Fitzgerald, Quincy Jones, Beethoven, Brahms, Schubert, The Beatles, Pink Floyd, Snoop Dogg, Nas, Timbaland, Marvin Gaye oder Curtis Mayfield.

Pete Philly hingegen blickt auf eine weitaus weniger professionelle Musikerkarriere zurück. Der musikalischen Offenheit gibt aber auch er sich ausgiebig hin und tanzt sowohl zu Michael Jackson und Public Enemy, als auch auf Heavy Metal. Gefesselt von den Reimen De La Souls und Public Enemys, versucht der auf Aruba geborene Pete sich am Raphandwerk und avanciert zu einem hochangesehenen MC in Holland.

2002 kommt es schließlich zum Treffen der beiden. Schnell ist man auf der gleichen Wellenlänge und beginnt mit der gemeinsamen Arbeit. 2003 kommt es zur ersten auf schwarzes Gold gepressten Kooperation, der EP "Mindstate". Die Reaktionen sind durchweg positiv, einem gemeinsamen Album steht nichts mehr im Wege. Nach 18 Monaten harter Arbeit erblickt das Baby von Pete und Perquisite das Licht der CD-Regalwelt.

Auf 17 Tracks liefern die zwei ein Album ab, das sich vor internationalen Vergleichen nicht scheuen braucht. "Mindstate" ist von herausragender Qualität und überzeugt gleichfalls durch Perquisites Talent für atmosphärische Beats und Petes Fertigkeit, seine Raps auf diese Instrumentals abzustimmen. Außerdem macht Pete auch eine ungewöhnlich gute Figur als Sänger. Neben der holländischen Sängerin Senna und den Jazz-Musikern Jesse van Ruller und Benjamin Herman beehrt auch ein amerikanischer Star das Mikrofon. Talib Kweli veredelt den Track "Hope" und sagt den beiden Holländern Großes voraus.

Damit steht er nicht alleine. Europaweit haben Kritiker große Worte für das Duo übrig. Das große Aber: es handelt sich hier nach wie vor um experimentierfreudigen Hip Hop, der an den Kassen der Plattenläden eine weitaus härtere Schlacht zu schlagen hat. Auch der Vertrieb in Japan, den USA, Kanada und Australien beschert Pete Philly & Perquisite keine Platin-Platten.

Halb so schlimm, wenn die Belohnung in Form von Respekt ausbezahlt wird: holländische Musik-Auszeichnungen, eine Nominierung für den niederländischen MOBO und, nicht zu vergessen, die Möglichkeit als Opener für Kanye West und James Brown aufzutreten. Die unbestreitbaren Live-Qualitäten des Duos (kein Auftritt ohne Live-Band) bringen die zwei Pieters nicht nur auf Bühnen in ganz Europa, sondern auch in Japan, Amerika und Südafrika.

Zwei Jahre später, ein neues Album ist noch nicht in Sicht, verwöhnen Pete und Perq ihre Fans mit einem außergewöhnlichen Geschenk. In komplett neu aufgelegter Form veröffentlichen sie "Remindstate", das Debüt-Album geremixt von den Lieblingskünstlern der beiden aus aller Welt. An die Regler durften unter anderem DJ Mitsu, Nicolay, Seiji und Morgan Spacek - alles Namen, die Pete Philly & Perquisites musikalische Aufgeschlossenheit unterstreichen.

Ende 2007 veröffentlichen Pete Philly & Perquisite in ihrer Heimat ihren zweiten Longplayer "Mystery Repeats". Die Platte erscheint über Perquisites Label Unexpected Records und sorgt bei den holländischen Nachbarn ordentlich für Furore.

Das 16 Tracks starke Werk steigt auf Platz zwei der niederländischen Charts ein - der höchste Chartseinstieg, den je ein holländischer Hip Hop-Act zustande gebracht hat. Das Duo verweist sogar Kanye West und 50 Cent auf die Plätze.

Nach ausgedehnten Touren durch die halbe Weltgeschichte beginnt das Duo, sich allmählich auf die Nerven zu gehen. Nach einem großen Abschieds-Gig 2009 in Amsterdam gehen Pete und Perq getrennte Wege und hinterlassen eine bestürzte und verständnislose Fangemeinde.

Im darauf folgenden Jahr legt der Produzent vor und veröffentlicht "Across". Philly lässt sich nicht lumpen und zieht 2012 mit seinem Solo-Debüt "One" nach. Ein "künstlerisch, introvertiertes Hör-Album", das in eine neue Richtung schwenkt -und den Unmut einiger Anhänger heraufbeschwört.

"Ich fühlte mich in meiner Rolle als Musiker auf den Status 'MC' reduziert, weil viele Leute immer sagten, ich sei nur ein MC und den Rest der Musik macht Perq", erklärt Philly den Bruch mit seiner ehedem besseren Hälfte.

"Das war faktisch einfach falsch. Ich war für die Musik genauso verantwortlich, aber so wurde das nicht gesehen. Im Grunde haben Perquisite und ich viel Ego-Scheiß gemacht. Er wollte der Frontmann sein, was er er nicht war, denn ich war es. Einfach eine Menge Bullshit. Wenn da zwei Typen mit großem Ego sind, ist das ein Problem."

Alben

Pete Philly - One: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2012 One

Kritik von Alexander Austel

Ohne Partner Perquisite auf Mayer Hawthornes Spuren. (0 Kommentare)

Pete Philly & Perquisite - Mindstate: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2005 Mindstate

Kritik von Alexander Engelen

Die unerträgliche Smoothigkeit des Seins. (0 Kommentare)

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