Porträt

laut.de-Biographie

Nils Petter Molvaer

Mit seinem Album-Debüt "Khmer" gilt Nils Petter Molvaer als Pionier des elektronischen Jazz. Dabei sieht er sich selbst nicht einmal als Jazz-Musiker.

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1960 auf der norwegischen Insel Sula geboren, kommt Nils Petter Molvaer durch seinen jazzenden Vater schon früh mit Musik in Berührung. Während der Schulzeit folgen die üblichen Bands, mit denen er erste Bühnenerfahrungen u.a. als Bassist, Schlagzeuger und Keyboarder sammelt. 1979 verlässt Nils seine Insel und beginnt in Trondheim Trompete zu studieren. Das lässt er zwei Jahre später wieder sein, um sich ganz auf das "unakademische" Spielen zu konzentrieren.

Er zieht nach Oslo, dem norwegischen Zentrum des Jazz, und entwickelt sich zum Geheimtipp der Pop- und Jazzszene. Mitte der 80er beginnt die Zusammenarbeit mit Sidsel Endresen (voc), Jan Garbarek (sax) und der Perkussionistin Marilyn Mazur. Mit "Masqualero" und "Oslo 13" ist er bis Anfang der 90er Mitglied in zwei Jazzensembles, die ihre Aufnahmen bei ECM veröffentlichen.

Die ersten Ideen für sein eigenes Konzept aus ambienten, elektronischen Atmosphären und offenen Klangstrukturen entwirft Nils 1993 durch eine Auftragskomposition für das "Voss International Jazz Festival". Fünf Jahre später wird sein Debutalbum "Khmer" veröffentlicht. Nils Erstlingswerk zwingt mit seiner Essenz aus Ambient, Trip Hop, Big Beat, Drum'n'Bass, Hip Hop, Jazz und einer äußerst filigranen Produktion zum Marathon-hören.

Nils Petter Molvaer - Switch
Nils Petter Molvaer Switch
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Jazz- und Elektroszene sind von der Fusion aus dunklen Soundscapes, trancigen Elektrobeats und entrückten Trompetenmelodien gleichermaßen fasziniert. Die amerikanische Zeitung L.A. Weekly kürt "Khmer" zum Jazzalbum des Jahres 1998. Im selben Jahr erhält es den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und das norwegische Äquivalent des Grammy. In der Folge gastiert die Crew auf allen angesagten Festivals.

"Khmer" liefert gleichzeitig den Startschuss für einen mehrere Jahre dauernden Norwegen-Boom, der der Identität des europäischen Jazz eine innovative Facette hinzufügt. Um die Jahrtausendwende zehren herausragende Künstler und Künstlerinnen vom entfachten Interesse und baden in internationaler Aufmerksamkeit. Bugge Wesseltofts Osloer Jazzland-Label mutiert zum Dreh- und Angelpunkt der Szene. Rebekka Bakken, Silje Nergaard, Sidsel Endresen, Beady Belle, Mari Boine, Eivind Aarset und viele andere schreiben ein gewichtiges Kapitel europäischer Jazzhistorie.

2000 verfeinert Nils sein Konzept auf dem Nachfolgealbum "Solid Ether". 2001 erscheint das reine Remix-Album "Recoloured" mit Interpretationen u.a. von Bill Laswell, Funkstörung und dem Cinematic Orchestra. 2002 folgt mit "NP3" das reifste Werk des norwegischen Ausnahmemusikers. Dennoch beginnt der Norwegen-Hype langsam abzuklingen.

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Um die Atmosphäre seiner Bühnenperformance auf CD zu bannen veröffentlicht Molvaer 2004 das Live-Album "Streamer". Darauf versammelt er Stücke der beiden Vorgängeralben "Solid Ether" und "NP3". Ein Nils Petter Molvaer-Konzert zu ersetzen, das nach wie vor ein intensives und einzigartiges Erlebnis darstellt, gelingt leider (oder zum Glück) auch "Streamer" nicht.

Ein Jahr später erscheint neben "Er" auch "Remakes", das zweite Remix-Album, auf dem sich elf renommierte Reworker (u.a. Bugge Wesseltoft, Matthew Herbert, Bill Laswell und Martin Koller) mit dem "NP3"-Songmaterial beschäftigen. Das Recycle-Kunstwerk ist geschaffen für die elektroaffine Clubjazz-Gemeinde Europas und erfüllt deren Sehnsüchte bravourös.

"Im Grunde ist es nicht so entscheidend, was ich mache. Wichtiger ist, mit wem ich zusammenarbeite." Getreu dieses Mantras wechseln die Studiopartner mit jedem Album. 2011 holt er sich Madrugada-Drummer Erland Dahlen und Monolithic-Gittarist Stian Westerhus für "Baboon Moon" ins Studio. Dem folgt mit "1/1" eine Zusammenarbeit mit einem Pionier des dubbigen Minimal-Techno: Moritz Von Oswald.

Auch auf "Switch" geht es Molvaer, dem ehemaligen Erneuerer, nicht mehr primär darum, innovativ im Sinne von erfinderisch zu sein. Dazu bleibt das Hinzufügen einer Slide-Gitarre zu seinem Soundkosmos einfach wenig. Kein Ton ist hier neuartig, doch jeder einzelne klingt frisch. Gerade als polar geprägter Insulaner war und ist NPMs Zugang stets ein möglichst präziser emotionaler. Die innere Stimme, das totale Gefühl.

"Der Beginn ist die Improvisation", erklärt Molvaer seine Musik und den Jazz im Interview mit der Jazzzeitung. "Ich beginne zu spielen, bis ich etwas entdecke, was ich mag. Manchmal, wie in dem von Dir erwähnten Beispiel, ist der Rhythmus der Grund, aus dem heraus ich arbeite. Jazz kommt, wie man weiß, aus dem Afro-amerikanischen, also ist Jazz davon rhythmisch auch sehr geprägt. Für mich gibt es diese Grenzen zwischen Klassik, Pop oder Jazz eigentlich nicht, wenn etwas gut ist. Ob es Neal Young, Bach oder Tayler ist, es kommt auf das Gute an, auf die Extreme."

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