laut.de-Kritik

Im Hochofen immerwährender Kälte mit Molvaer als Polarhorn.

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Nach dem triumphalen "Baboon Moon" könnte Nils Petter Molvaer erneut die Karte des Rockmonolithen ausspielen. Doch Wiederholungen sind seine Sache nicht. Wieder mal auf dem Weg zu neuen Ufern landet der Norweger schließlich bei einem Pionier des dubbigen Minimal-Techno: Moritz Von Oswald (Associates, Palais Schaumburg). "1/1" klingt entsprechend aus einem Guss, als hätten die beiden einander lange gesucht und endlich gefunden.

Der Deutsche bastelt ein qualitativ hochwertiges Minimal-Soundgerüst, hier und da ergänzt durch die eine oder andere Dub-Modulation im Weichzeichner-Delay. Molvaers Trompete entsagt hingegen jedem Rhythmus. Wie mit dem Wind fetzenartig hereingetragene Fragmente, die ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. Selten von fast atonaler Schrillheit, oft als sphärischer Teppich und gespickt mit den Überbleibseln angedeuteter Themen in kompletter Improvisation.

Von Oswald gibt den Tracks eine Räumlichkeit, die an Dreidimensionalität grenzt. Eine schönere Herausforderung kann man sich für Molvaer kaum denken. Er klingt warm und jazzig wie auf dem leider unterschätzten "Re-Vision"-Album. Der balladeske Miles-Faktor ist als Make Up wieder deutlicher aufgetragen als zuletzt.

Beide Künstler haben gemein, dass große Teile ihrer Musik besonders nach Einbruch der Dämmerung gut funktionieren. Als stimmungstypischer Anspieltipp eignet sich besonders das 15-minütige "Transition", Herzstück des Albums. Ob im gemeinsam marschierenden Duett oder im Kampf verzahnten Duell: Beide Künstler führen einen stets eleganten Pinselstrich. So gut kann Ambient-Jazz sein.

Jeder Schönklang bekommt seinen Haken, jede Klangfarbe ihre Öse. Keine Sekunde lang klingt das Dargebotene nach der von Molvaer so verhassten Lounge-Muzak oder sonstiger Easy Listening-Kasperei. Je zu Anfang von "Noise I" und "Noise II" beschwört die Trompete unheilvoll ein infernalisches Industrial-Gewitter herauf. Im ersten Teil bleibt sie als Sieger zurück. Mit Part II walzt Von Oswalds Wall Of Sound alles nieder und verwandelt den Song in einen Hochofen immerwährender Kälte mit Molvaer als Polarhorn.

Das ebenfalls in zwei Varianten auftretende "Development" glänzt als "Development (Version)" mit knackigem Killerbassgroove und hintergründigem Micro-Beat. Gelegentlich attackierende Dub-Delays runden die knappen zehn Minuten gelungen psychedelisch ab. Und mit "Future" liefern sie eine Art Nordic Voodoo-Klumpen ab, den man wahlweise auch als Trip oder gehobene Ritualmusik verwenden kann. Immer pendelnd zwischen Eiszapfen und Glut.

Trackliste

  1. 1. Noise I
  2. 2. Step By Step
  3. 3. Transition
  4. 4. Development (Version)
  5. 5. Further
  6. 6. Future
  7. 7. Development (Ricardo Mix Dig)
  8. 8. Noise II

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1 Kommentar

  • Vor 4 Jahren

    Wow, ich wusste gar nicht, dass die beiden ein Album aufgenommen haben. Von Oswald war die letzten Jahre wirklich zu Hochform aufgelaufen und Molvaers Baboon Moon war eines der besten Jazz Alben, die ich seit langer Zeit gehört hatte. Werde ich mir sofort mal zulegen.