Porträt

laut.de-Biographie

Jan Garbarek

"Das größte Jazzmusik-Talent, das Europa nach Django Reinhardt hervorgebracht hat." Mit diesen Worten beschreibt George Russell den Tenor-Saxophonisten Jan Garbarek. Geboren am 4.3.1947 in Mysen, Norwegen, begann er im Alter von 14 Jahren Saxophon zu spielen und gehört neben Terje Rypdal, Arild Andersen und John Christensen nun schon seit Jahren zu den Big Four der norwegischen Jazz-Szene, die den europäischen Jazz entscheidend prägten.

Beeinflusst von Jazzgrößen wie John Coltrane, Archie Shepp und Dexter Gordon war es George Russell, der das Talent Garbareks früh erkannte und ihn durch die Teilnahme an verschiedenen Plattenproduktionen förderte. Neben diesen persönlichen Vorbildern war es die norwegische Folklore, die Garbareks Spiel maßgeblich prägte.

1969 begann die Zusammenarbeit mit dem gerade entstehenden Münchner Label ECM Records, für das er 1970 in Oslo die erste Platte "African Pepperbird" produzierte. Garbarek, der für sein Improvisationstalent und seine Offenheit gegenüber anderen Stilrichtungen bekannt war, experimentierte bei den folgenden Aufnahmen unter anderem mit eletronischen Effektgeräten, die den Sound sogar etwas rocklastig werden ließ.

"Triptykon" (1972) stellte einen frühen Wendepunkt in seiner musikalischen Entwicklung dar, da norwegische Folklore der prägende Einflussfaktor dieser "kreativen Musik" (Garbarek) war. Kurz darauf begann die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem weltbekannten Pianisten Keith Jarrett, mit dem er und Charlie Haden ihre Premiere in der New Yorker Carnegie Hall feierten. Daneben produzierte er mit dem Jan Garbarek-Bobo Stenson Quartet zwei Platten, "Dansere" und "Witchi-Tai-To". Die beiden Alben kamen bei den Zuhörern sehr gut an und so avancierte das Quartett schnell zu einer der populärsten europäischen Tourbands in den 70er Jahren.

Bis zu den frühen 80ern widmete sich Garbarek zudem Projekten, deren Besonderheit das multikulturelle Line-up war. Musiker aus aller Welt ließen dabei indische und asiatische Klänge einfließen; auch slawische Folklore wurde verarbeitet. "Back to the roots" könnte man Garbareks Verhalten bezeichnen, als er sich nun wieder auf die Suche nach den traditionellen norwegischen Volksweisen machte, die über Jahrhunderte hinweg ohne große Einflüsse von außen in den tiefen Tälern Norwegens erhalten geblieben sind. Die sehr alten Melodien faszinierten Garbarek und bewegten ihn zu weiteren Experimenten.

Doch nicht nur Plattenaufnahmen, sondern auch Musik für – natürlich norwegische – Filme, Fernsehfilme, Radiosendungen und Theaterstücke komponierte der Musiker. Im Jahr 1986 erschien das Album "Those Born With Wings", dessen Titelsong "Twelve Moons" Garbarek für den norwegischen Film "Around the Year ..." komponierte und dabei selbst in die Synthie-Tasten schlug. Auffallend war, dass nicht Jazz, sondern zeitgenössische und klassische Musik (bei Twelve Moons war es vorrangig Grieg) diese Arbeiten beeinflussten.

Ein Meilenstein ist sicherlich das Album "Officium", das er 1994 mit dem Hilliard-Ensemble, einem weltbekannten Vokalensemble, einspielte. Garbareks freie Improvisationen fügen sich als "fünfte Stimme" nahtlos in die Melodien des Vokalensembles ein, das sich auf die Musik des 15. bzw. 16. Jahrhunderts spezialisiert hat. Das Album war ein durchschlagender Erfolg und nicht nur in den Jazz-Charts, sondern auch weltweit in den Klassik- und Pop-Charts zu finden. Mit "Dresden" erschien 2009 schließlich das erste, eigene Live-Album in der langen Karriere des erfolgreichen Musikers.

Und da der Apfel ja bekanntlich nicht weit vom Stamm fällt, ist auch seine Tochter Anja Garbarek auf der musikalischen Bühne vertreten, um es ihrem Vater gleich zu tun ...

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Jan Garbarek - Dresden: Album-Cover
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2009 Dresden

Kritik von Tobias Litterst

Virtuosität und Schönklang im Alten Schlachthof. (0 Kommentare)

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