Porträt

laut.de-Biographie

Archie Shepp

"Wenn Trane der Vater ist, Pharoah der Sohn und Ayler der heilige Geist, dann ist Archie Shepp der Onkel, den niemand erwähnt." Mit diesen Worten überschreibt das Online-Magazin All About Jazz ein Interview mit dem Saxophonisten, Sänger, Pianisten, Komponisten, Literatur- und Theaterwissenschaftler. Er gehört zu den wichtigsten Avantgardisten des Jazz der Sechziger- und Siebzigerjahre. Mit seiner Musik möchte Archie Shepp der afroamerikanischen Bevölkerung eine Stimme verleihen.

Der willensstarke Künstler kommt am 24. Mai 1937 als Vernon Archie Shepp in Fort Lauderdale, Florida zur Welt. Kindheit und Jugend verbringt er in der Millionenstadt Philadelphia. Dort lernt Shepp Klavier und Klarinette und kauft sich, bezuschusst von der Großmutter, sein erstes Saxophon. Wie viele seiner Kollegen beginnt auch er am Alt-Sax, um später auf Tenor umzusteigen.

Bereits im Teenageralter spielt der Jungmusiker in lokalen Rhythm & Blues-Bands. So lernt er die gefeierten Trompeter Lee Morgan, Cal Massey und den Saxophonisten John Coltrane kennen, der ein paar Jahre später mit seiner Sheets of Sound-Spielweise den Jazz revolutioniert.

Trotz der vielversprechenden Voraussetzungen, schlägt Shepp erst einmal einen anderen Weg ein. Er studiert von 1955 bis 1959 Literatur- und Theaterwissenschaften. Anschließend zieht er nach New York. Als die Weltmetropole für ihn jedoch keinen Job in seinem akademischen Ressort bereit hält, konzentriert er sich ausschließlich auf die Musik. Die wichtigsten Lehrjahre verbringt der Youngster ab 1960 in der Band Cecil Taylors. Der Pianist, der sich wie Thelonious Monk dem modernen Jazz verschrieben hat, verschafft Shepp einen intellektuellen Zugang zur Musik.

Dieses neue Verständnis setzt der aufstrebende Künstler drei Jahre später ausgiebig in die Tat um. Er ist Mitglied der Formation New York Contemporary Five, in der sich auch die Free Jazz-Koryphäen Don Cherry und John Tchicai befinden. Mit ihnen tourt Shepp durch die Sowjetunion, Tschechoslowakei und Finnland.

Im August 1964 nimmt der Weitgereiste dann das erste Album unter eigenem Namen auf. "Four For Trane" ist ein Tribut an seinen langjährigen Freund John Coltrane, der in der Szene kurz 'Trane' gerufen wird. Das Jazz-Genie empfängt diese Ehrung höchst wohlwollend und tourt 1965 gemeinsam mit Shepp durch die New Yorker Clubs. Höhepunkt der Zusammenarbeit ist die Live-Scheibe "New Thing At Newport", die Ende des Jahres auf den Markt kommt. Auf der Platte ist sowohl ein Set von Archie Shepp als auch eines von John Coltrane zu hören, aufgenommen beim Newport Jazzfestival.

Durch solch prominente Unterstützung etabliert sich Shepp auch international als Künstler der Jazz-Avantgarde. Mit wechselnder Besetzung veröffentlicht er in Folge eine Vielzahl angesehener Aufnahmen. Auch wenn er sich dem Fortschritt verpflichtet fühlt, erweist seine Musik den Altmeistern des Swing und Blues in hohem Maße Referenz. In den Siebziger- und Achtziger-Jahren verstärken sich diese traditionellen Elemente fortwährend.

Ab 1971 nimmt Shepp eine Musikprofessur an der Universität Massachusetts an, die er über 30 Jahre ausübt. Desweiteren bringt er mit "The Communist" sein erstes Theaterstück auf die Bühne. Das Werk thematisiert den amerikanischen Rassenkonflikt. 2004 gründet der Künstler die Plattenfirma Archieball. Das Label soll nicht nur Shepps eigene Produktionen veröffentlichen, sondern auch afroamerikanischen Nachwuchsmusikern eine Chance bieten.

Den Begriff Jazz lehnt Archie Shepp kategorisch ab. "Ich rede nicht über Jazz, sondern über afroamerikanische Musik, und innerhalb dieser Musik über einen ganz bestimmten Bereich, nämlich über zeitgenössische afroamerikanische Instrumentalmusik.", erklärt er. "Die Leute reden immer von Jazz, nur: Ich weiß davon nichts. Ich weiß nur etwas über afroamerikanische Musik. Jazz ist wie Kleenex, Marlboro oder Coca Cola - meiner Einschätzung nach eine rein kommerzielle Idee, die von den Medien verkauft wird."

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