Porträt

laut.de-Biographie

Boston

Die Geschichte der Band Boston zeigt sich extrem wechselhaft, was die rein künstlerische und besetzungsmäßige Bewertung angeht. Aber sie steht für einen einzigartigen Rekord: Keine andere US-Band verkauft von ihrem Debüt mehr Alben als die Musiker aus dem dem Bundesstaat Massachusetts. Rund neun Millionen abgesetzte Alben des Erstlings "Boston" innerhalb einer kurzen Zeitspanne katapultieren die Band 1976 in einen einzigartigen Zenit. Insgesamt beläuft sich die Anzahl von 1976 bis in die 2007 auf rund 17 Millionen Einheiten.

Die eigentliche Geburtsstunde der Formation schlägt 1969. Der Musiker und Songschreiber Tom Scholz tritt der Band Mother's Milk bei, deren damalige Besetzung zusätzlich aus dem Gitarristen Barry Goudreau, Schlagzeuger Jim Masdea und Sänger Brad Delp besteht. Scholz übernimmt die Keyboard-Arbeit. Mother's Milk ist nicht sonderlich viel Erfolg beschieden, doch Tom Scholz entwickelt sich immer mehr zum Leader innerhalb der Gemeinschaft und beginnt, in seinem eigenen Tonstudio separate Demo-Tapes einzuspielen. Doch das Interesse der Plattenfirmen bleibt mäßig, bis Epic Records aufmerksam wird.

Zum dortigen Vorspielen stößt Bassist Fran Sheehan zur Formation. Bei den Aufnahmen zum ersten Album wird Stamm-Schlagzeuger Jim Masdea auf Druck der Plattenfirma von Sib Hashian ersetzt - der Startschuss für weiterhin Jahrzehnte andauernde, ständige Umbesetzungen innerhalb der Band, deren Name von nun an Boston lautet. 1976 erscheint das schlicht "Boston" betitelte Debüt - und schlägt sämtliche bis dahin gültigen Erfolgs- und Verkaufsrekorde. Die ausgekoppelte Single "More Than A Feeling" entwickelt sich zu einem weltweiten Hit. Der von Tom Scholz entwickelte Sound vereint damalige Britrock-Einflüsse mit US-Mainstream. Die Songs sind auf eingängigen Hooklines aufgebaut und bestechen mit mehrstimmigen Vokal-Harmonien. Eine erfolgreiche Welttournee schließt sich an.

1978 folgt der Zweitling "Don't Look Back" und wirft mit dem Titelsong erneut einen Single-Hit ab. Doch künstlerisch vermag der Longplayer weder Fans noch Kritiker voll überzeugen: Statt Weiterentwicklung erscheint "Don't Look Back" eher als Imitat der Erfolgsformel seines Vorgängers. Ein langjähriges Vakuum entsteht, bei der die Musiker mit anderen Projekten beschäftigt sind. So veröffentlicht etwa Barry Godreau ein Solo-Album und verläßt 1981 entgültig Boston, ihm folgt 1982 Sib Hashian. 1983 verklagt Epic die Band auf einen Schadenersatz von 20 Millionen Dollar: Sie habe die Zusage, in fünf Jahren 10 Alben einzuspielen, nicht eingehalten. Scholz strengt im Gegenzug eine Gegenklage wegen nicht erhaltener Tantiemen an.

Der Rechtsstreit zieht sich über mehrere Jahre und endet 1990 mit einem Sieg Scholz'. In der Zwischenzeit kehrt Jim Masdea zurück an die Drums. Der dritte Longplayer Bostons erscheint erst 1986 unter dem Titel "Third Stage". Wie bei den Vorgängeralben enthält diese Scheibe ebenfalls einen Single-Hit: "Amanda". Boston sind wieder im Geschäft, auch wenn Masdea 1987 entgültig seinen Platz räumt. 1991 gibt Sänger Brad Delp seinen Rücktritt bekannt, ist aber ab 1994 erneut fester Bestandteil der Formation. Häufig wechselnde Gastmusiker prägen in diesen Jahren das Gesicht der Band.

Beim 1994 veröffentlichten Album "Walk On" übernimmt Fran Cosmo den Part des Lead-Sängers vor Delps Rückkehr. "Walk On" verkauft sich gut, in den Folgejahren touren Boston ausgiebig in den Vereinigten Staaten. Die 1997 erscheinende erste "Greatest Hits"-Compilation Bostons wird mit Doppel-Platin ausgezeichnet. Erneut mit Umstellungen im Line-Up erscheint 2002 das Album "Corporate America". Neben Scholz, Delp, Cosmo und seinem Sohn Anthony gehören nun auch Gitarrist Garry Pihl, Drummer Jeff Neal und Kimberley Dahme als Bassistin und Sängerin dazu.

Am 9. März 2007 stirbt Gründungsmitglied Brad Delp im Alter von nur 55 Jahren. Nach einem Notruf seiner Verlobten Pamela Sullivan entdeckt die Polizei den Sänger leblos in seiner Wohnung in Atkinson, US-Bundesstaat New Hampshire. Nach der medzinischen Untersuchung und Angaben der Familie ist Selbstmord die Todesursache: Delp schloss sich im Badezimmer ein und befeuerte dort zwei Holzkohle-Grills. An der Badezimmer-Tür hinterließ er zwei Abschiedsbriefe für Familie und Verlobte.

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