Porträt

laut.de-Biographie

Funkstörung

Mit dem Vergleich "die deutschen Autechre" legte man den zwei Funkstörern gleich mal einen fetten Stein in ihren steil aufsteigenden Weg, auf dem sie immer noch um ihre Eigenständigkeit ringen.

Einen Vergleich raushauen und die Sache ist gegessen ... so einfach sollte man es sich mit Funkstörung nicht machen. In Rosenheim schuftet man für den Erfolg: in manchen Songs verstecken sich bis zu 400 verschiedene Sounds und Effekte, die erst mal alle perfekt zusammen gepackt werden wollen; praktisch jeder noch so kleine Sound ist handgemacht und kommt meistens aus einem einzelnen Instrument; jegliche Form von Computer ist aus dem Produktionsvorgang verbannt. Remixe für den Wu-Tang Clan oder Björk sind kleine Sahnehäubchen in Sachen Eigenständigkeit.

Als Michael Fakesch (als Party-Organisator) und der Italiener Chris De Luca (als DJ) sich 1992 zum ersten Mal auf einer Techno-Party treffen sind ihre Lieblingsbands Public Enemy und Metallica. Aus dieser seltsamen Konstellation des etwas unpassenden Geschmacks beschließen beide, selbst zusammen elektronische Musik zu machen.

Man nimmt ein Demo mit straighten Techno-Tracks auf, die damals noch wenig mit den schwer verdaulichen Warp-Krachz-Orgien gemeinsam haben. Diese Aufnahmen landen in Den Haag auf dem Schreibtisch von Unit Moebius, dem Chef ihres damaligen Lieblingslabels "Bunker Records". Moebis ist von dem Schaffen der beiden Rosenheimer so begeistert, dass er sie sofort für sechs (!) Alben unter Vertrag nimmt.

Doch die Euphorie über den Plattenvertrag währt nicht lange, da Bunker Records es nicht auf die Reihe bringt, Songs der beiden Deutschen zu veröffentlichen. Erst zwei Jahre, nachdem man die Unterschrift unter den Vertrag gesetzt hat, erscheinen die ersten Songs unter den Namen "Musik Aus Strom".

Damit ist man verständlicherweise nicht zufrieden. Die Zwei gründen ihr eigenes Label "Musik Aus Strom" und veröffentlichen als "Funkstörung". Die zwei Jahre bis zur Trennung von Bunker bleiben nicht ungenutzt, man entfernt sich sowohl örtlich als auch musikalisch von Den Haag und bewegt sich von Hardcore zu vertrackten Techno-Electronica.

Die Trennung von Bunker und die Richtungsänderung in der Musik erweisen sich als Glücksgriffe. Funkstörung signen bei "Studio !K7" und ziehen auch gleich einige Remix-Aufträge an Land. Ihr erstes Remix-Album "Additional Productions" erblickt 1999 auf !K7 das Neonlicht der Plattenläden und erntet auch gleich ansehnliche Kritik. Sofort lassen renommierte Labels wie Fat Cat oder Warp den Interessen-Knopf aufleuchten, doch anstatt mit den großen Labels zu posen, bleibt man lieber bei den Berlinern von !K7 und konzentriert sich ganz auf die Arbeit für das erste eigene Album "Appetite For Distruction" (da sind die alten Metal-Zeiten wieder aufgekommen, vgl. Guns'n'Roses-Diskographie), das im Milleniumjahr erscheint.

Ende 2001 ist Funkstörung wieder mit einem Remix-Album am Start. Natürlich wird mit großen Namen auch hier nicht gegeizt (Philip Boa & The Vodooclub, Jean Michel Jarre, Tocotronic oder The Notwist).

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Alben

Funkstörung - Vice Versa: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2001 Vice Versa

Kritik von Philipp Schiedel

Zwischen Kaputtnik-Rausch-Sound und relaxter Durchzieh-Mucke. (0 Kommentare)

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