Porträt

laut.de-Biographie

Mari Boine

Mari Boine ist Samin! Nie gehört? Lappland schon eher? Das Land der Sami umfasst die nördlichsten Zipfel von Schweden, Norwegen, Finnland und Russland, und damit den europäischen Teil des nördlichen Polarkreises. Politische Grenzen spielen hier keine Rolle, umso mehr stellt sich für Mari Boine die Frage nach der (historischen) Identität. In ihrer Musik geht sie dieser nach und konfrontiert uns mit den musikalischen Traditionen ihrer Heimat. Joiken nennt sich der Singstil, der auf uralte schamanische Traditionen und Riten zurückgreift.

Mit der Christianisierung wird im 16. Jahrhundert auch im hohen Norden die Kultur und die Lebensform der Ureinwohner unterdrückt. "Wann immer die Samen erfahren wollten, was an entlegenen Orten passiert, oder wodurch Krankheiten entstanden und wie sie zu heilen waren, zogen sie Schamanen zu Rate, die in der Lage waren, mit Hilfe der Joikgesänge und rhythmischen Schlägen auf der Handtrommel Kontakt mit den Geistern und Göttern herzustellen. Im Verlauf dieser Seance gingen sie im Zustand äußerer Bewusstlosigkeit auf Seelenfahrt zu den Vorfahren. Trotz der Verfolgung durch Kirche und Staat, hat das nicht-religiöse Joiken bis heute überlebt." (Marco Jacoby)

Mari Boine Persen, so ihr vollständiger Name, kommt 1956 in dem kleinen Dorf Gamehisnjarga zur Welt. Wer ihre Geburtsstätte im Atlas suchen will (empfehlenswert!), ist allerdings besser beraten, die nahegelegene Stadt Karasjok (Finnmark) anzuvisieren. In ihrer Heimat passiert während ihrer Kindheit und Jugend zunächst nichts Aufregendes. Sie wächst mit christlichen Psalmen auf, wird Lehrerin und engagiert sich in linken Protestbewegungen.

"Die Musik hat für mich einen heilenden Effekt gehabt. Indem ich mich mit dem Joik-Gesang beschäftigte und selber joikte, konnte ich die Verletzungen, die die norwegische Gesellschaft den Samen zugefügt hat, verarbeiten." Inzwischen wird sie gerne als Botschafterin der Sami-Kultur bezeichnet. Als Eine, die das alte Wissen um die Kraft des Joikens weiter trägt (in der Sprache der Samen tragen die Worten Atem und Geist den gleichen Stellenwert, das Joiken soll auf den Körper ebenso wirken wie auf den Geist).

1985 veröffentlicht Mari Boine ihre erste Platte "Jaskatvuooa Manna" auf dem kleinen norwegischen Label I ut. Mit ihrer Band entwickelt sie im Laufe der über 10-jährigen Zusammenarbeit einen individuellen Stil: "Ich verstehe mich nicht als Traditionalistin. Ich greife zwar alte Traditionen aus meinem Volk auf, entwickele sie aber weiter, und mache etwas Eigenständiges daraus."

International aufmerksam wird die Weltmusikszene 1989/90. Ihr Album Gula Gula wird schließlich von keinem Peter Gabriel auf dessen Real World Label veröffentlicht. Anschließend wirkt sie bei der "One World – One Voice" – Videoproduktion mit und unterstützt Jan Garbarek bei dessen Alben "Twelve Moons" (1992) und "Visible World" (1995). Seither hat sie einen Stammplatz in der Weltmusikarena. Nach der Veröffentlichung von "Room of Worship" (1998) löst sie ihre bisherige Band auf, um sich künstlerisch neu zu orientieren.

Mit "Eight Seasons" (2002) stellt sie ihre neue künstlerische Identität erstmals der Öffentlichkeit vor. Sie schafft den Spagat zwischen Tradition und Moderne, und öffnet sich urbanen Rhythmen und Klängen, Samplern und Synthesizern. In Bugge Wesseltoft findet sie einen sensiblen Verbündeten, der ihren folkloristischen Singstil perfekt mit den Errungenschaften der musikalischen Moderne verknüpft. Die Zusammenarbeit ist künstlerisch (und kommerziell) so erfolgreich, dass Boine das Konzept für "Idjagiedas - In The Hand Of The Night" (2006) weiter entwickelt und mit "Sterna Paradisea" (2009) zum Höhepunkt führt.

Erlaubt ist alles, was ihre künstlerische Identität positiv beeinflusst. "Dies führte dazu, dass wir ethnische Instrumente aus der ganzen Welt benutzten. Dieses globale Instrumentarium setzten wir in einen elektronischen Kontext. So arbeiten wir mit zwei Elementen, zwischen denen auf den ersten Blick Welten liegen: die archaischen und die modernen elektronischen Instrumente. Aber wer weiß, vielleicht liegen diese Welten gar nicht so weit auseinander."

Alben

Mari Boine - Eight Seasons: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 5 Punkte

2002 Eight Seasons

Kritik von Kai Kopp

Schamanische Traditionen und Riten erzeugen die betörend fesselnde Stimmung. (0 Kommentare)

Videos

Video Video wird geladen ...

Fotogalerien

"Sterna Paradisea" 2009 präsentiert sich Mari Boine in Bestform: "Sterna Paradisea" - meisterhaft!

2009 präsentiert sich Mari Boine in Bestform: "Sterna Paradisea" - meisterhaft!, "Sterna Paradisea" | © Universal Music (Fotograf: ) 2009 präsentiert sich Mari Boine in Bestform: "Sterna Paradisea" - meisterhaft!, "Sterna Paradisea" | © Universal Music (Fotograf: ) 2009 präsentiert sich Mari Boine in Bestform: "Sterna Paradisea" - meisterhaft!, "Sterna Paradisea" | © Universal Music (Fotograf: ) 2009 präsentiert sich Mari Boine in Bestform: "Sterna Paradisea" - meisterhaft!, "Sterna Paradisea" | © Universal Music (Fotograf: )

Noch keine Kommentare