Porträt

laut.de-Biographie

Mayer Hawthorne

"Ich hab' keine Ahnung, was das ist, neu oder alt - aber es ist fucking good!" Mark Ronson bringt auf den Punkt, was die Besucher von Gilles Petersons Worldwide Awards 2008 denken, als Mayer Hawthorne nach seiner Premiere die Bühne verlässt. Die Wiedergeburt des alten Motown-Sounds, einfach nur ein weiterer Künstler, dem der Tag "Retro" anhaftet oder überragende, zeitlose Soulmusik?

"Er hat mir zwei Titel vorgespielt, aber ich verstand nicht, was ich da gerade hörte. Ich fragte ihn, ob das seine Re-Edits von zwei alten Stücken seien. Ich konnte nicht glauben, dass das neue Lieder waren, zu denen er alle Instrumente selbst eingespielt hat", erzählt Stones Throw Labelchef Peanut Butter Wolf. "Ich glaube, Mayer ist der einzige Künstler in der Geschichte des Labels, den ich nach lediglich zwei gehörten Songs gesignt habe."

Im ausklingenden Jahr 2008 erscheint die 10-Inch "Just Ain't Gonna Work Out" mit "When I Said Goodbye" auf der B-Seite als limitierte Special Edition in rot und Herzchenform. Im Handumdrehen sind die 1.000 Kopien weltweit vergriffen. "Der Song schoss mir ins Gehirn, als ich zu einem Freund fuhr. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo er herkam - ich fuhr Auto."

Psychologisch betrachtet dürfte Mayer Hawthornes Kindheit entscheidend beigetragen haben. 1980 als Drew Cohen geboren und aufgewachsen in Ann Arbor nahe Detroit bleibt die Sozialisierung mit Motown kaum aus. Der Vater, ein begnadeter Bassist, gibt dem Jüngling private Bassstunden, die Mutter zwingt ihn zu Klavierunterricht. In einer Band gespielt oder gar in einem Chor gesungen hat er nie.

Ein identitätsstiftendes Element ist die Art, wie Mayer Hawthorne arbeitet: "Alles wird in meinem Schlafzimmer aufgenommen und produziert. Ich spiele so viele Instrumente, wie ich kann, selbst, aber für bestimmte Teile brauche ich manchmal andere Musiker. So entstand The County. Es ist sehr sehr lo-fi - du würdest wahrscheinlich lachen, wenn du mein 'Studio' sehen würdest." The County umfasst alle, die auf Mayer Hawthorne-Platten singen oder spielen - und natürlich seine Band bei Liveauftritten.

Isaac Hayes, Barry White, Leroy Hutson, Curtis Mayfield und vor allem Smokey Robinson zählt Cohen zu seinen Einflüssen und Inspirationen. Dabei war der Gedanke, Soulmusik zu machen eigentlich nur als spaßiger Zeitvertreib gedacht.

Der Vinyljunkie verdingte sich vorher unter dem Pseudonym Haircut als DJ und als Teil der Hip Hop/Elektro/Soul-Band Now On. Schon längst von Detroit nach Los Angeles umgezogen, unternimmt er die ersten Gehversuche als Mayer Hawthorne auf seinem Bett sitzend und in Kopfhörer statt in ein Mikrophon singend.

Auf einer Sommerparty in Los Angeles stellt ihn eine Freundin, die seine Soulstücke kennt, Peanut Butter Wolf vor. Eher desinteressiert fordert dieser ihn dazu auf, ihm einige Tracks zuzuschicken. Nach über einem Monat meldet er sich zurück.

Seine Reaktion ist bekannt, er soll Hawthorne gegenüber bekannt haben, er hätte irgendeinen anderen erwartet, der solche Musik macht, irgendjemanden, der nicht so aussehe wie Cohen. Während er hier Konfusion hervorruft, entschlüsselt er immerhin selbige bei Mark Ronson: "Es ist Soul. Aber es ist neu."

Alben

Mayer Hawthorne - How Do You Do: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2011 How Do You Do

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