Porträt

laut.de-Biographie

Gilles Peterson

Sein Name ist mit der Radioshow Worldwide untrennbar verbunden. Doch Gilles Peterson sollte Kennern und Liebhabern von Funk, Soul, Jazz, Fusion und anderen Sounds ohnehin ein Begriff sein, die nicht sein Wirken über den Äther verfolgen. Peterson hat sich im Laufe der Jahre zweifelsohne zu einer Institution in Sachen Musikgeschmack entwickelt.

Geschmäcker sind bekanntermaßen verschieden, doch Peterson geht mit einer bemerkenswerten Begeisterungsfähigkeit ans Werk, immer auf der Suche nach neuen Tracks, mit dem Ziel vor Augen den abgefahrensten Tune auszugraben. Wer es in seine Show schafft, erhält Airplay vor einem Millionenpublikum rund um den Globus. Und das kann sich mitunter reichlich lohnen für die teilnehmenden Akteure. Entsprechend haben viele Schaffende im Musikgeschäft, ob nun Produzent, Plattenlabel oder A&R, ein Interesse an dem Mann. Peterson produziert im Übrigen gleich drei Sendungen, die sich zum Teil auch inhaltlich ein wenig voneinander unterscheiden. Das Worldwide-Original für die BBC in deren Studios, zuhause eine für die anderen Radiostationen und schließlich noch eine für die Fluglinie British Airways.

Angefangen hat alles in den frühen Achtzigern. Peterson treibt sich in der Soulszene Südlondons herum und hört ausgiebig den Piratensender Radio Invicta. Diesen nimmt er sich zum Vorbild und startet mit 17 Jahren selbst einen illehalen Sender. Mit einem Mix aus Reggae, Soul, Funk, Jazz und Electro möchte er die Londoner zu missionieren. Der Zufall will es, dass Invicta nach einer Beschlagnahmung durch die örtlichen Behörden ein neues Sendegerät benötigen und deshalb bei Peterson vorstellig werden. Er zögert keine Sekunde und willigt ein. Im Gegenzug handelt Peterson für sich Sendezeit mit eigener Show heraus.

Daneben legt der Musikbegeisterte in kleinen Clubs auf und geht bei Palladin Records regelmäßig einkaufen, dem Plattenladen von Paul Murphy, der zudem als DJ in dem im Stadtteil Camden gelegenen Club Electric Ballroom auflegt. Von Murphys fundiertem musikalischen Wissen fühlt Peterson sich besonders inspiriert. Als dieser im Ballroom aufhört, übernimmt Peterson sein Amt.

Mit der Zeit macht er sich mit seinem Sound aus Funk, Jazz und Soul einen Namen. Bald darauf spielt er für mehrere Jahre wöchentlich bei Nicky Holloways Veranstaltungsreihe Special Brand im Londoner Club The Royal Oak. Mit von der Partie sind dabei außerdem Namen wie Paul Oakenfold, Danny Rampling, Chris Bangs und Holloway selbst.

1985 veröffentlicht Peterson die Compilation "Jazz Fruits" die viele von ihm in der Vergangenheit gespielte Stücken vereint. Daraufhin meldet sich die EMI bei ihm. Für deren Jazz-Label Blue Note stellt er die Compilations "Blue Bossa Vol. 1 & 2" und "Baptist Beat" zusammen. Außerdem arbeitet Peterson jeweils eine Zeitlang für die illegalen Radiostationen KJAZZ, Solar Radio sowie On Horizon, bis er beim öffentlich-rechtlichen BBC Radio London unterkommt und dort die Sendung Mad On Jazz moderiert.

1986 verlässt er die BBC wieder, um sich in den folgenden fünf Jahren zusammen mit Partner Patrick Forge den sonntäglichen Veranstaltungen Talkin' Loud und Saying Something im Camdener Dingwalls zu widmen.

Ungefähr in diese Zeit fällt auch das in England grassierende Fieber um Acidhouse. Als Chris Bangs eine von Peterson gespielte Rare Groove-Scheibe von Mickey And The Soul Generation in Anlehnung daran spaßeshalber als Acid-Jazz bezeichnet, hat dieser Sound erst einmal seinen Namen weg. 1988 gründet Peterson gemeinsam mit Eddie Pillar das Label Acid Jazz. Die Phonogram, mittlerweile im Universal-Konzern aufgegangen, tritt 1989 an ihn heran und man gründet die Tochtergesellschaft Talkin' Loud mit Peterson als A&R, von dessen Wirken in der Folge Acts wie Jamiroquai, The Brand New Heavies, Galliano, 4 Hero, Roni Size Reprazent, Courtney Pine, MJ Cole oder Young Disciples profitieren.

Als 1990 der zweite Irakkrieg ausbricht, setzt Jazz FM Petersons Sendung ab, da dieser darin Stellung gegen den Feldzug bezieht. Mit Kiss FM findet sich ein neuer Arbeitgeber, bei dem er die sonntägliche Show 'Worldwide' etabliert. 1998 wechselt Peterson dann mit seinem Format zu BBC Radio 1. Darüber hinaus findet der verheiratete Familienvater mit französischen Wurzeln (Vater) noch die Zeit Compilations wie "Worldwide Programme" (3), "Incredible Sound of Gilles Peterson", "Trust The DJ" (2) sowie "The BBC Sessions" und "Gilles Peterson Digs America" zu veröffentlichen, sowie DJ-Gigs zu bestreiten.

Dennoch muss er sich ein größeres Heim suchen, da seine Plattensammlung gigantische Ausmaße annimmt und kaum Platz für die Familie lässt. Das liegt wohl daran, dass der gute Gilles fast seine gesamte Gage für neues Vinyl ausgibt. Sein zweites Haus steht nun in der selben Straße. Der fußballbegeisterte Peterson, Anhänger von Arsenal London, wohnt übrigens im Nordlondoner Finsbury Park unweit vom Highbury Stadion, der Heimstätte der von ihm verehrten Gunners. Wenn er nicht gerade Fußball schaut, Radio macht oder sonst wie unterwegs ist, legt er als Resident im Pariser Rex-Club und in der Bar Rhumba in London auf.

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