Porträt

laut.de-Biographie

Gil Scott-Heron

Wer hat Rap erfunden? Die Sugarhill Gang? Afrika Bambaataa? Grandmaster Flash? Mitnichten. Schon einige Jahre, bevor die Zeit der Genannten anbrach, sorgte ein Mann – sogar in den Charts – mit einer Art Sprechgesang inklusive revolutionärer Texte für Furore. Gil Scott-Heron gilt als Wegbereiter der Hip Hop-Bewegung, wird aber in vielen Erzählungen über die Entstehung des Genres außen vor gelassen.

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Geboren am 1. April 1949 in Chicago, Illinois kommt Gil Scott-Heron nach turbulenten Kinderjahren mit 13 nach New York City. Zuvor lebt er einige Jahre bei seiner Großmutter in Lincoln, Tennessee. Die aktive Bürgerrechtlerin macht den jungen Mann mit Musik und Literatur vertraut und setzt so den Schwerpunkt des kommenden Lebens von Gil Scott-Heron. Bereits in Lincoln ist der Junge offenem Rassismus ausgesetzt, der ihm als einem von lediglich drei Schwarzen auf seiner Schule entgegen schlägt. Noch deutlicher spürt er den Hass in der Metropole New York.

Dort vergräbt er sich in seinen Büchern und beginnt selber zu schreiben. Mit bereits 19 Jahren veröffentlicht er sein erstes Buch "The Vulture" und wird an der Lincoln University in Pennsylvania aufgenommen, der einst auch sein großes Vorbild, der einflussreiche afro-amerikanische Dichter Langston Hughes angehörte. Doch bereits nach einem Jahr schmeißt er sein Studium und widmet sich seiner Karriere als Dichter. Und als Musiker. Denn im Jahr 1970 veröffentlicht er gemeinsam mit dem Musiker Brian Jackson als The Midnight Band das Debüt "Small Talk At 125th And Lennox", das auf seinem gleichnamigen Gedichtband beruht.

Das Album enthält klassische Protestsongs, wie etwa das legendäre "The Revolution Will Not Be Televised" oder den bösartig-intelligenten Klassiker "Whitey On The Moon". Auf beiden Tracks trägt Scott-Heron zu afrikanischen Bongo-Drums revolutionäre Reime vor, die die kommende Rap-Bewegung maßgeblich beeinflussen sollte. Zu Beginn seiner Karriere klingt der Sänger sehr revolutionär, aufmüpfig und direkt. Ein Beispiel: Marvin Gaye besingt 1982 "Sexual Healing" während Gil Scott-Heron "Sex Education (Ghetto Style)" predigt.

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Großartige Vorlagen, respektlos ge-remixt.
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Der wachsende Erfolg bringt jedoch auch Probleme mit sich. Gil Scott-Heron freundet sich mit Alkohol und Drogen an, die ihn bis zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr loslassen werden. Es folgen einige Songs, die sich mit dieser Thematik beschäftigen: Zu "The Bottle" inspirierte ihn eine Gruppe von Alkoholikern, die vor dem Studio herumlungern. Das unter die Haut gehende "Angel Dust" erklärt sich wohl von selbst.

Musikalisch tendiert Heron in Folge eher in Richtung des Mainstreams. Seine Texte bleiben jedoch aufmüpfig und politisch aufgeladen wie eh und je. Auf "Reflections" im Jahr 1981, einer seiner erfolgreichsten Veröffentlichungen, spricht er die Themen Atomkraft, Rassismus und Armut an und wettert gegen Richard Nixon, Ronald Reagan, Gerald Ford, Jimmy Carter und viele mehr.

Nach seinem letzten Album auf dem Majorlabel Arista "Moving Targets" aus dem Jahr 1982 veröffentlicht Gil Scott-Heron mehr als zehn Jahre lang keine Platte. 1994 kehrt er mit "Minister Of Information" zurück und richtet sich in dem Song "Message To The Messengers" an die immer erfolgreicher und einflussreicher werdende Rap-Generation. "Young rappers, one more suggestion before I get out of your way. I am sayin' protect your community and spread that respect around. Tell brother and sisters they got to calm that bullshit down." Im gleichen Jahr folgt mit "Spirits" seine vorerst letzte Platte.

2001 verurteilt ein Gericht Gil Scott-Heron zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe wegen Kokain-Besitzes. Seine Drogensucht erkennt der Sänger und Songwriter trotzdem nie an, deswegen ist er auch nicht bereit, an einem Entzug teilzunehmen. Im Jahr 2003 wird er entlassen und verabschiedet sich für eine 25-Tägige Tour nach Europa. Doch die Musik kann den mittlerweile 54-Jährigen nicht von seinen Drogenproblemen befreien. Erneut greift ihn die Polizei im Besitz von Drogen auf und verurteilt ihn einmal mehr zu einem Gefängnisaufenthalt.

In seinen schwersten Zeiten bekommt Gil Scott-Heron jedoch den Respekt von einflussreichen Namen des Rap-Genres gezollt. Das Zitat "The Revolution Will Not Be Televised" macht der Rapper Common mit seinem Hit "The 6th Sense" bekannt. Mos Def sampelt einen Gil Scott-Heron-Track für einen Beat auf seinem Meisterwerk "Black On Both Sides". Auf dem Album "Blazing Arrow" der Bay Area-Crew Blackalicious hat der Sänger sogar einen kurzen eingängigen Auftritt. Das zweite Album des Rappers und Produzenten Kanye West "Late Registration" wartet außerdem mit einem Remake des Klassikers "Home Is Where The Hatred Is" auf.

Das englische Label Soul Brother Records ehrt im gleichen Jahr die vor sich hin darbende Soul-Legende mit einer Compilation einiger Hits aus den Jahren 1973 - 1980. Highlight auf "Anthology" ist ohne Zweifel die zwölfminütige Live-Version von "Home Is Where The Hatred Is". Eine genial-ausufernde Improvisationsnummer, mal anstrengend hektisch, dann wieder traurig melancholisch - genau wie die Biografie von Gil Scott-Heron.

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    Infos und weitere Surftipps.

    http://www.gilscottheron.com/GILINTRO.htm

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