Porträt

laut.de-Biographie

Lucry

Es dauerte eine Weile, bis sich der Mix aus Hip Hop, Reggae, Latino-Vibes und Dancehall-Beats jenseits der Grenzen Lateinamerikas behaupten kann, doch dann lässt sich das Fieber nicht mehr aufhalten. Der neue Sound schwappt erst in die USA und von da aus schwungvoll über den großen Teich. Wir schreiben das Jahr 2005. Daddy Yankees "Gasolina" dröhnt aus offenen Autofenstern, bis auch der letzte kapiert: Reggaeton ist das heiße Ding dieses Sommers. Mit Material aus deutschen Landen sieht es noch mau aus, doch einer fühlt sich berufen, das zu ändern.

Lucry - El Latino Alemán Aktuelles Album
Lucry El Latino Alemán
Angenehm glaubwürdig: passables Debüt des Deutsch-Kubaners.

Luis Cruz, Berliner mit kubanischen Wurzeln, scheint das genaue Gegenstück eines Spätzünders zu sein. Bereits im Alter von elf Jahren schreibt er eigene Texte und wagt die ersten Schritte auf dem Rap-Parkett der Hauptstadt. Er tritt in kubanischen Kneipen auf. Das hoch gesteckte Ziel: "Es wäre toll, wenn ich irgendwann in Kuba als Rapper bekannt werden würde." Bis dahin wird wohl noch einiges Wasser die Spree hinunterfließen: First we take Berlin.

Selbstbewusstsein ist Trumpf, wenn man es im harten Musikgeschäft zu etwas bringen möchte - denkt sich ein Zwölfjähriger und marschiert ohne zu zögern in ein Berliner A&R-Büro, um seine Talente zu demonstrieren. Offensichtlich beeindruckend genug: Luis, der Vor- und Nachnamen zu einem markigen Lucry zusammenzog, hat plötzlich eine Managerin.

Einer seiner regelmäßigen Heimaturlaube auf Kuba bringt Lucry 2002 erstmals in Kontakt mit dem dort grassierenden Mode-Sound. "Als ich wieder zurück nach Deutschland kam, wollte ich sofort alle meine Freunde von diesem irren Mix aus Reggae, Dancehall, Hip Hop und Latin überzeugen", erinnert er sich. Der populärsten Musikrichtung seiner einen Heimat in der anderen zum Durchbruch zu verhelfen, wird zur fixen Idee.

Die Zeit arbeitet für Lucry: Zwei, drei Jahre später fasst Reggaeton mit Hits wie "Gasolina" (Daddy Yankee) oder "Sientelo" (Speedy feat. Lumidee) auch bei uns Fuß. Mittlerweile 16 Jahre alt verzeichnet Lucrys Lebenslauf bereits Auftritte mit Brothers Keepers und den Orishas sowie eine Performance beim Splash!-Festival. In Taan "Dragonman" Newjam weiß der junge Halb-Kubaner einen Produzenten an seiner Seite, der seit Jahren im R'n'B-, Hip Hop- und Urban Music-Sektor Erfolge feiern darf; er arbeitete unter anderem mit Bow Wow, Nina Sky, Lil Jon, Beenie Man und Dante Thomas.

Lucrys Stunde ist gekommen. Seine Herkunft spiegelt sich in seiner Musik: Getreu seinem selbstgewählten internationalen Anspruch schreibt er Texte auf Deutsch und Spanisch und nimmt jeden Song in beiden Sprachen auf. Man wolle schließlich die Kids in Berlin Friedrichshain in gleicher Weise erreichen, wie die in Pinar Del Rio, so heißt es. "El Cubano Alemán - Die Mischung Macht's" wird im Sommer 2006 angekündigt. Wie der Titel vermuten lässt, soll Lucrys Album einen Salat aus Reggaeton und Hip Hop, Deutsch und Spanisch, Partykrachern und Storytelling mischen und einen unbeschwerten Entertainer präsentieren, der scheinbar mühelos die Kluft zwischen zwei Kulturen überbrückt. Er bietet eine Alternative zu den finsteren, aggressiven Strömungen, die den Berliner Hip Hop dominieren, damit die Leute "erkennen, was mit positiver Energie alles möglich ist und was man erreichen kann."

Die Vorab-Single "Ayayay", ein stampfender Tanzboden-Füller, ist in gleich zwei Versionen enthalten: Für den spanischen Remix des deutschsprachigen Originals sowie das dicke Gast-Feature Big Matos trägt SKP Sorge, der sich mit "Oye Mi Canto" (mit Daddy Yankee, NORE, Nina Sky, Pitbull und Big Mato) zum Übervater des jungen Genres Reggaeton aufschwang. In den deutschen Charts schafft es "Ayayay" auf Rang 31.

Lucry verkürzt sich die Wartezeit bis zum Erscheinen seines Albums mit einem ganz anderen Projekt: Im Mai 2006 steht er auf Puerto Rico für einen von Jennifer Lopez produzierten Reggaeton-Film vor der Kamera. Neben Pras Michel von den Fugees sind hier Emmanuelle Seigner ("Frantic", "Bitter Moon"), Malik Yoba ("Smoke", "Blue In The Face") sowie Reggaeton-Superstar Julio Voltio involviert, der Lucry nach Abschluss der Dreharbeiten umgehend für gemeinsame Tracks ins Studio entführen möchte. Vor Langeweile braucht sich der Youngster bis auf Weiteres also nicht zu fürchten.

Bis "El Latino Alemán" tatsächlich in den Läden steht ist es Ende Oktober 2006. Mit ordentlich Rückenwind von VIVA und der zwischen geschobenen zweiten Single "Mi Gata" fällt die Verzögerung allerdings weder auf noch ins Gewicht.

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