Porträt

laut.de-Biographie

Lightning Seeds

Die Lightning Seeds lassen sich leicht auf einen Nenner herunter brechen: Ian Broudie. Er hebt die Band Ende der Achtziger aus der Taufe, ist ihr Kopf und Frontmann. Broudie ist es folglich auch, der das Ende der Lightning Seeds beschließt.

Ian Broudie - Tales Told Aktuelles Album
Ian Broudie Tales Told
Sein "Three Lions"-Hit ist hier meilenweit entfernt.

Der Musiker erblickt am 4. August 1958 das Licht der Welt in einer musikhistorisch bedeutenden Stadt: Liverpool ist seine Heimat, er wächst sogar nicht weit der Penny Lane auf und hört schon früh heimlich die Dylan-Platten seines Bruders. Der Autodidakt lernt Gitarre spielen, indem er Dylan nachklimpert.

Später hängt Ian häufig im Liverpooler Künstler-Treffpunkt, der "Liverpool School Of Music, Art & Pun" ab. Dort stößt er auf Billie Drummond, der gleich bei der ersten Begegnung Ians Gitarrensaiten zermetzelt. Ian scheint darunter nicht zu leiden, denn kurz darauf gründen die Beiden mit Budgie (später bei den Banshees und den Slits) an den Drums und Basser Holly Johnson (später Frontmann von Frankie Goes To Hollywood) das Post-Punk-Projekt Big In Japan.

Die Combo spielt auf dem ersten Factory-Abend in Manchester neben Bands wie Cabaret Voltaire und Joy Division. Big In Japan bringen 1978 auf dem eigenen Label Zoo Records die EP "From Y To Z And Never Again" heraus. Kurz darauf lösen sie schon wieder auf.

Ian verabschiedet sich von seiner Funktion als aktiver Musiker immer mehr und fängt an, sich mit der Arbeitsweise im Tonstudio vertraut zu machen. Er wolle endlich den ganzen Tag mit Musik zu tun haben. Als Musiker sei er hingegen mehr mit dem Herumreisen beschäftigt gewesen, so sein Kommentar.

Durch einen Zufall entsteht der Kontakt mit Echo & The Bunnymen. Broudie produziert deren Alben "Crocodiles" und "Porcupine" und legt damit den Grundstein für seine Karriere als Produzent. Anschließend arbeitet er u.a. für The Fall und Dodgy.

1983 tut sich Broudie mit dem Sänger Paul Simpson zusammen. Jetzt drängt es ihn, selbst wieder Musik zu machen und so nehmen die beiden unter dem Namen The Cares einige Singles auf. Bald gehen sie jedoch wieder getrennte Wege, da sie sich nicht auf einen Stil respektive dieselben Einflüsse einigen können.

Erneut wendet sich Broudie dem Produzieren zu, kann sich aber nicht wirklich darauf konzentrieren. Es drängt ihn zum eigenen Songwriting und bald darauf entsteht die Platte "Cloudcuckooland" unter dem Namen Lightning Seeds (erscheint auf dem Label Ghetto). Die Single "Pure" schießt auf Platz 16 der britischen Charts: ein neuer britischer Hype scheint geboren. Doch die folgenden Singles knacken nicht einmal mehr die Top 100.

Für sein zweites Lightning Seeds-Album sucht er sich 1991 Terry Hall als Songwriting-Partner. In diesem Jahr schreibt Ian ein Stück, das ihm später neue Dimensionen eröffenen soll: "The Life Of Riley" handelt von seinem Sohn. Doch 1992 bricht Rough Trade zusammen, der Vertrieb des Lightning Seeds-Labels Ghetto. Das Label gibt auf und verkauft die Lightning Seeds-Rechte an Virgin.

Doch beim großen Label möchte so gar nichts klappen: Das zweite Album "Sense" floppt genau so wie die Single-Auskopplungen. Virgin möchte die Lightning Seeds schnell wieder loswerden. Genau dies sieht Ian später als einen Segen, denn nun interessiert sich Epic (ein Sony-Sublabel) für ihn. Endlich jemand, der an die Band glaubt, kommentiert Broudie später. Nach den Vorstellungen Virgins soll er sich nun völlig auf die Lightning Seeds konzentrieren, sein Album ordentlich promoten und endlich auf Tour gehen.

Zu den Aufnahmen für "Jollification" nimmt Broudie, wie schon auf "Sense", Verstärkung mit ins Studio. Simon Rogers spielt einige Instrumente ein und betätigt sich als Co-Produzent, Terry Hall schreibt wieder an den Songs mit und singt die Backing-Vocals ein, Clive Layton setzt sich hinter die Orgel.

Doch bevor das Album das Licht der Welt erblickt, widmet sich Broudie wieder einmal dem Produzieren der Werke anderer. So verhilft er Alison Moyets "Essex" und Terry Halls "Home" zu einem besseren Klang. Doch im Spätsommer 1994 ist es soweit: Endlich erscheint "Lucky You", die erste Singleauskopplung des mittlerweile dritten Lightning Seeds-Albums.

Der Song floppt zwar, doch Broudie gibt nicht auf. Er sucht sich eine Live-Band und beginnt mit Chris Sharrock (Ex-La's) an den Drums und Basser Martyn Campbell (Ex-Rain) im 'Warehouse' zu proben. Etwas später stoßen noch Gitarrist Paul Hemmings (auch er spielt früher bei den La's) und Keyboarder Ali Kane dazu. Mit der angekündigten Tour im Rücken schafft es die zweite Auskopplung "Change" endlich auf Platz 13 der britischen Charts. Auch die folgenden Singles laufen gut. Zur Krönung erfährt das Album eine Nominierung für die Brit Awards. Die Konkurrenz besteht aus einem Who Is Who des Britpop: Oasis, Blur und Supergrass.

Von nun an ist das Live-Ensemble auch auf den Platten zu hören. Diese Entscheidung fällt im Jahr 1996. Dieses soll für die Lightning Seeds folgenreich werden: die Fußball-Europameisterschaft findet in England statt. Und das Land braucht eine Hymne. Die Football Association bemerkt, dass zum "Tor des Monats" im TV immer ein netter Song erklingt: "The Life Of Riley" der Lightning Seeds. "Diese Band könnte doch eigentlich auch den Song für unser Team schreiben!?", denken sich die Oberen der Association.

Broudie ziert sich erst, hat dann aber den entscheidenden Einfall. Er möchte, dass Frank Skinner und David Baddiel, die Fußballspiele fürs Fernsehen mit Comedy-Elementen kommentieren, sich die Lyrics überlegen. "Three Lions" entsteht und entpuppt sich als die Fußball-Hymne schlechthin. Jeder kennt sie, nicht nur in England. Broudie empfindet sie wohl als etwas unheimlich: "Der Song hat ein stranges Eigenleben entwickelt."

Doch der Erfolg des Songs katapultiert das Album auf Rang 11 der britischen Charts. Auch die folgenden Singles machen sich gut. Vor allem die Turtles-Coverversion "You Showed Me" entpuppt sich als funkelnder Diamant. Er glitzert sich in die Top Ten. Bevor die Lightning Seeds 1997 ihre erste Best Of-Compilation rausbringen, gibt es noch einige Änderungen im Line-Up. Ali Kane verlässt die Band. Ihn ersetzt Angie Pollock, der schon mit Shakespear's Sister arbeitete. Außerdem ersetzt Matt Priest (Ex-Dodgie) den Drummer Chris Sharrock. Doch auch den hält es nicht lange hinterm Kit. Für die anstehende Tour ersetzt ihn Zak Starkey.

Im November 1999 zeigen die Lightning Seeds auf "Tilt", dass sich ihr Sound inzwischen mehr am Dance orientiert. Im Februar 2000 veröffentlichen sie die Single "Sweetest Soul Sensation". Es soll die letzte sein. Kurz darauf betätigt sich Broudie lieber als Sport-Moderator (die Show nennt sich "The Sin Bin"), denn Musiker. Den letzten Gig spielen die Lightning Seeds in Liverpool.

Ian konzentriert sich daraufhin zunächst aufs TV-Geschäft, besinnt sich dann aber auf sein eigentliches Talent und produziert junge Bands. Erst verschreibt er sich The Coral, dann den Zutons. Erst 2005 traut sich Broudie wieder an ein eigenes Werk (inzwischen hört er viel Johnny Cash). Er liebt Platten, die Geschichten erzählen - was man "Tales Told" auch anhört. Ein beschauliches, ruhiges Album, das in den richtigen Momenten sanft verzaubert.

Die anderen Mitglieder der Lightning Seeds machen ebenfalls weiter Musik: Zak ist bei Oasis, Angie bei Goldfrapp und Martyn spielt mit Richard Ashcroft.

Für die Fußball-WM 2006 tritt die Band wiederin Erscheinung. Auf dem hamburger Fanfest gröhlen sich unzählige Fußballfreunde zu "Three Lions" live in ein Sommermärchen. Gut ein Jahr später veröffentlicht die Band ein weiteres Best Of-Album.

Alben

Ian Broudie - Tales Told: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2005 Tales Told

Kritik von Vicky Butscher

Sein "Three Lions"-Hit ist hier meilenweit entfernt. (0 Kommentare)

Videos

Sugar Coated Iceberg
The Life of Riley
You Showed Me
What You Say
  • The Works Of Ian Broudie

    Umfangreich, informativ und hässlich. Leider aucht nicht sonderlich aktuell.

    http://www.lightning-seeds.co.uk

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