Porträt

laut.de-Biographie

Cabaret Voltaire

Schon die beachtliche Dauer ihrer Karriere, die in den frühen 70ern, noch vor den Geburtswehen der Punkbewegung ihren Anfang nimmt und sich bis beinahe ins 21. Jahrhundert fortsetzt, macht eine stilistische Annäherung an Cabaret Voltaire zu einem schwierigen Unterfangen. Anfangs noch dem experimentellen Krachsound zugeneigt, ist in den 80ern ein unterkühlter Funkgroove typisch für ihre Releases, bevor Cabaret Voltaire von der Acid-House-Welle mitgerissen werden und sich während der 90er Jahre als Knöpfchen drehende Elektroniker zeigen.

Die Welt verstören und sich selbst immer wieder neu erfinden sind zwei künstlerische Maximen, die auch Hugo Ball, Tristan Tzara und Hans Arp im Sinn haben, als sie 1916 in Zürich das Cabaret Voltaire gründen und damit die Antikunst Dada wachküssen. Wie beim historischen Vorgänger, nimmt auch bei der 1974 in Sheffield von Gitarrist Richard H. Kirk, Bassist Stephen Mallinder und dem mit Tape-Loops experimentierenden Chris Watson gegründeten Band der perfomative Charakter von Musik eine zentrale Stellung ein. Ähnlich wie ihre Zeitgenossen bei Throbbing Gristle oder SPK setzen auch Cabaret Voltaire auf Schock-Taktiken, die das Publikum provozieren und dem ein oder anderen Gig ein vorzeitiges Ende setzen.

Erst 1977 unterschreiben sie beim jungen Rough Trade-Label und veröffentlichen einige hochkarätige Singles, wie "Silent Command", "Baader-Meinhof" oder "Nag, Nag, Nag", das zum Mini-Hit avanciert. Zu Beginn der 80er werden die Sounds nach dem Abgang von Krachmacher Chris Watson komplexer und feinsinniger, die rauhe Energie früherer Tage tritt in den Hintergrund. Nach einer Begegnung mit House-Pionier Marschall Jefferson in Chicago 1988 schielen auch Cabaret Voltaire mit ihrer Musik unverhohlen auf den Dancefloor, schlagen jedoch nach dem ersten Technohype noch elektronische aber gleichzeitig auch wieder experimentelle Töne an.

In der Folge verliert sich die Spur der Band beinahe. Richard H. Kirk ist Anfang der 90er einer der ersten Künstler, die auf dem noch jungen Sheffielder Warp-Label releasen. Seine minimalen Acidhouse-Tracks, die unter dem Pseudonym Sweet Exorcist in die Geschäfte kommen, zählen heute zu den Klassikern des Genres. Darüber hinaus ist Richard H. Kirk auch als Electronic Eye oder Sandoz aktiv, während Bassist Mallinder auf den fünften Kontinent zieht. Kirk legt bis heute immer mal wieder als DJ auf und veröffentlicht einzelne - alte, exklusive, sowie brandneue - Tracks per iTunes. Im Frühjahr 2007 bringt er als Sandoz die Platte "Chapter Two / Extra Time (Under the Stones)" heraus.

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Cabaret Voltaire - Red Mecca: Album-Cover
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1981 Red Mecca

Kritik von Ulf Kubanke

Der Industrial-Tritt ins Gemächt der Popkultur. (0 Kommentare)

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