Porträt

laut.de-Biographie

LFO

Wer glaubt, dass sich musikalischer Einfluss an der Zahl der Veröffentlichungen festmachen lässt, der sieht sich im Fall der Sheffielder Formation LFO grundlegend getäuscht. Eine einzige Platte namens "Frequencies", zum rechten Zeitpunkt aufgenommen, genügt Mark Bell und Gez Varley, um die Entwicklung elektronischer Musik nachhaltiger zu beeinflussen als manche Band mit einem Dutzende Platten umfassenden Backcatalogue. Minimalistische Elektroniktracks wie "Love Is The Message", "We Are Back" oder das selbstbetitelte "LFO" funktionieren auf dem Dancefloor und stoßen doch gleichzeitig die Tür zu einem neuen, abstrakten Klangverständnis auf. Damit gehört Acid-House der Vergangenheit an. Die Zukunft ist Techno.

Noch keine zwanzig Lenze zählen Bell und Varley, als sie die Musikwelt 1991 mit "Frequencies" revolutionieren. 1988 auf dem Höhepunkt der Acid-House-Welle gründen sich LFO in Sheffield, wo elektronische Musik seit Cabaret Voltaire und Warp-Records eine ernstzunehmende Größe darstellt. Benannt nach einem Tool zur Frequenzveränderung im Bassbereich, produzieren Low Frequency Oscillator ihre ersten Tracks zunächst noch auf billigem Second-Hand-Equipement. Diese drücken die beiden ihrem Freund Martin in die Hand, der in Leeds im Warehouse auflegt und die neu entstandenen Stücke einem ersten Live-Test unterzieht. Dort kommen die LFO-Tracks auch den Warp-Leuten zu Ohren, die hellauf begeistert sind und nach einer zusätzlichen Hörprobe beschließen, das Duo unter Vertrag zu nehmen. Die ersten Maxis mit ihrer Verbindung von ultra-deepen Beats und unterkühlt technizistischen Arrangements, die die Nähe zu den Belleville Three, Juan Atkins, Kevin Saunderson und Derrick May verrät, zählen heute zu Klassikern der elektronischen Musik. An Frische und Lebendigkeit haben sie auch nach Jahren nichts eingebüßt.

Kaum erblickt "Frequencies" das Licht der Welt, da verabschieden sich LFO für ganze fünf Jahre von der Bildfläche. Einziges Lebenszeichen: eine Kooperation mit Richie Hawtin unter dem Titel LFO Vs. F.U.S.E. Varley möchte LFO verlassen, um straightere Dancesounds zu produzieren, was er 1996 schließlich auch macht. Davor raufen sich Bell und Varley aber noch einmal zusammen und veröffentlichen "Advance", den lange erwarteten Nachfolger zu "Frequencies". Neben chilligen Ambient-Tracks finden sich auf "Advance" auch harte Industrial-Groover wie "Tied Up". Nebenbei entstehen Remixe für Björk, einem erklärten LFO-Fan, Andrew Weatheralls Fromation Sabres Of Paradise, The Advent, Laurent Garnier, Gus Gus und Hardfloor. Trotz des positiven Feedbacks für "Advance" lösen sich LFO kurz nach der Veröffentlichung auf, im sicheren Gefühl mit ihren zwei Platten mehr für die elektronische Musik getan zu haben, als manch chronischer Dauerveröffentlicher. Varley sucht seinen Erfolg fortan als Solomusiker, Bell schlägt eine Produzentenlaufbahn ein.

Erste Erfahrung in der Produzentenrolle sammelt Bell mit Björks 1997er Album "Homogenic", nachdem frühere Anfragen der Isländerin von Bell aus terminlichen Gründen negativ beantwortet worden waren. Bei "Homogenic" stimmt die Chemie aber endlich, und so verpflichtet Björk Bell einige Jahre später auch für die Produktion von "Dancer In The Dark". Kurz darauf klingeln Depeche Mode bei Bell durch und wollen einen Remix für ihre neue Platte in Auftrag geben. Bell akzeptiert, remixt "Home" vom Ultra-Album und macht seine Sache so gut, dass ihn Depeche Mode einladen, ihr nächstes Album Exciter zu produzieren.

2003 der Paukenschlag: LFO sind wieder da. Die erste Singleauskopplung "Freaks" lässt Elektronikfans in aller Welt nach dem Album "Sheath" dürsten, dessen organisch rauschende Sounds sich wie eine Antithese zu den aktuellen Elektronik-Tracks ausnehmen.

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LFO - Sheath: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2003 Sheath

Kritik von Daniel Straub

Steck' deinen Kopf in diesen akustischen Ameisenhaufen! (0 Kommentare)

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