Porträt

laut.de-Biographie

Joell Ortiz

Die Erfolgs-Story war kurz, sehr kurz. Vom unbekannten Underground-Rapper aus den Straßen Brooklyns zum Signing auf Dr. Dres Aftermath-Label und wieder zurück nach Brooklyn ging es in ziemlich genau einem Jahr. Joell Ortiz' Karriere hat mehr Höhen und Tiefen gesehen als die Tour De France, ehe sie überhaupt angefangen hat.

Bereits in seinen jungen Jahren, als Joell freestylend durch die Blocks jenseits der Brooklyn Bridge tingelt, gilt der stolze Puerto Ricaner als kompromissloses Talent. Darüber hinaus erntet er Respekt für seine Skills auf dem Basketball-Court. Die Zeichen stehen gut für den jungen Mann, den, gerade mit der High School fertig, ein vielversprechendes College-Stipendium erwartet.

Doch die Realität in seiner Hood, den Cooper Park Houses, macht ihm ein Strich durch die Rechnung. Dort gibt es wichtigeres als Schulbücher und College-Partys, um die sich gekümmert werden muss: eine drogenabhängige Mutter und Probleme im kriminellen Millieu.

Die Biografie scheint vorgezeichnet. Wäre da nicht der Drang, selbst Musik zu machen und die Hip Hop-Traditionen von der Pieke auf zu lernen - gerne auch auf die harte Tour. In der Nachbarschaft macht er sich einen Namen als versierter Lyricist, der aber seine prekäre Herkunft nicht verhehlt.

In der Zeit, in der New Yorker Rap alles andere als einen guten Stand hat (der Süden gibt in den Jahren 2003 plus den Ton an!), lässt er sich als möglicher Nachfolger der großen Rapper der Stadt feiern. Man steht in der Tradition von Nas, Kool G Rap und Jay-Z.

Weil ja quasi Adel verpflichtet, taucht Ortiz 2004 in der Unsigned Hype-Kolummne der Source auf. Die hat natürlich einen ganz anderen Stellenwert als noch eine Dekade zuvor, aber Ortiz befindet sich auf dem richtigen Weg. Das bestätigt die Ritterehrung des Source-Nachfolgers XXL Magazine.

Leider hat der Rapper auch den Dickschädel und die Kompromisslosigkeit seiner Vorbilder geerbt. Dafür steht episodisch eine Auseinandersetzung mit Industriegröße Jermaine Dupri. Der So So Def-Chef will den Rapper auf seinem Label signen. Ortiz gefallen die Bedingungen aber nicht und gibt das Herrn Dupri offensichtlich zu verstehen.

Der ist über den kassierten Korb überhaupt nicht erfreut und hat in Folge in seinem Freundeskreis für den ambitionierten Hispano-Rapper kaum gute Worte übrig. Die Aktie Ortiz liegt folglich im Keller und kann dort eigentlich nur noch von einem dickeren Fisch der Szene herausgeholt werden.

Wer hätte es gedacht? Auf einmal steht Joell vor Dr. Dre höchstpersönlich, der sich von den Qualitäten des Rappers überzeugen will. Nach einem Kurztrip in die Aftermath-Zentrale in Los Angeles kehrt Joell mit einem unterschriebenen Vertrag als Labelpartner von Busta Rhymes, 50 Cent und Eminem zurück und freut sich über gespannte Erwartungen aus der Szene.

Blöd nur, dass es Dr. Dre nicht einmal fertig bringt, ein eigenes Album zu veröffentlichen. So verkommt neben Dres eigenem Album "Detox" auch ein konkreter Business-Plan für die Karriere des Neulings zum Running Gag. Frustriert und dickköpfig veröffentlicht Joell sein Quasi-Debüt "The Brick" auf Koch Records und macht nach knapp einem Jahr Schluß mit der Aftermath-Beziehung. Schmutzige Wäsche wird diesmal nicht gewaschen, was man dem Immernoch-Newcomer Ortiz in der Szene-Blogosphäre hoch anrechnet.

Vielmehr avanciert der Rapper hier zum neuen Liebling und veröffentlicht mit erschreckender Konstanz Tracks mit den Helden der Hip Hop-Liebhaber abseits des Mainstreams - Saigon und Jadakiss sind dabei, außerdem KRS-One und Big Daddy Kane. Zudem schließt sich Joell mit den Kollegen Joe Budden, Royce Da 5'9" und Crooked I zur Supergruppe Slaughterhouse zusammen.

Man mag es kaum glauben, aber die Reputation hat unter dem Aftermath-Intermezzo nicht gelitten. Vielmehr hat es Joell Ortiz Sympathiepunkte gebracht. Wie sollte es auch anders sein bei einem der wenigen (vielleicht sogar dem einzigen?!) Rapper mit Respekt auf der Straße, von dem es Promo-Bilder gibt, die ihn mit einem Lächeln zeigen?

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