Porträt

laut.de-Biographie

Joe Budden

"No beef, no malice, I got no vendetta with y'all", gibt sich Joe Budden in seinem Track "Castles", erschienen auf seinem 2013er-Album "No Love Lost", friedfertig. Bis hierher hat er allerdings einen weitern Weg zurück gelegt.

"Buddens, Buddens, B-B-B-Buddens", ruft The Game noch im März 2004 auf seiner Coverversion von Ice-Ts Klassiker "Colours". Es handelt sich dabei jedoch keineswegs um freundliche Fangesänge, sondern um eine beinharte Diss-Attacke.

"Ich mache die Drecksarbeit", erklärt der Rapper aus Compton. Er hole lediglich die Kastanien für 50 Cents G-Unit aus dem Feuer. "Wenn ich Buddens sehe, schlage ich ihm den Schädel ein", droht er im Interview mit aftermathmusic.com. Nicht sehr kollegial. "This is not east versus west, this is least versus best", kontert Joe Budden unerschrocken - und freut sich. Eine öffentlich ausgetragene Fehde hält schließlich den eigenen Namen im Gespräch.

Derlei Werbung hat Joe Budden 2004 bitter nötig. Sein selbstbetiteltes Debüt birgt zwar den Sommer-Clubhit "Pump It Up", zu dem Just Blaze den Beat liefert und der Budden sogar eine Grammy-Nominierung einträgt. Das Album selbst bleibt hinter den darüber in den Himmel gewucherten Erwartungen allerdings weit zurück.

Viele sehen in Joe Budden nicht mehr als einen Punchline-bepackten Party-Rapper. Seine Vorreiterrolle im expandierenden Mixtape-Geschäft streiten allerdings sogar seine Kritiker nicht ab. Schon vor seinem Erstling bei Def Jam macht Joe Budden auf Mixtapes von sich Reden, wirft später selbst seine "Mood Muzik"-Serie unters Volk.

Geboren am 31. August 1980 in Jersey City in New Jersey, kommt Joe Budden schon früh mit Rap in Berührung. "Ich mache Hip Hop, seit ich zehn bin", erinnert er sich. Zu seinen Vorbildern gehören Oldschool-Legenden wie Rakim, Kool G Rap, KRS-One oder die Queens ansässigen Run DMC und LL Cool J.

Hip Hop und eine Karriere als Drogendealer erscheinen dem jungen Joe weitaus interessanter als die Schule. Erst nach einem heftigen Streit mit seiner Mutter macht er einen Entzug und widmet sich fortan noch mehr seinen Freestyles. "Nach einiger Zeit, wusste jeder in meinem Viertel, dass ich dope war. So wuchs auch der Glaube an mich selbst."

Per Mixtapes macht Joe Budden seinen Namen über die Grenzen seiner eigenen Hood hinaus bekannt. Er fällt mit lässigen Doppelreim-Punchlines auf, bewahrt sich aber dennoch seine Aura als Junge von nebenan. "Auf meinen Tapes war mein Name 'Regular Joe'. Mir ist wichtig, dass die Menschen das sehen. Ich bin immer total geerdet und nehme meine Arbeit sehr ernst." "Average Joe", schmähen ihn daraufhin seine Neider.

Kommt Zeit, kommt Ruhm - und ein Vertrag bei Def Jam. Sein Debüt-Album, schlicht "Joe Budden" betitelt, verzichtet auf Extravaganzen wie eine prominente Gästeliste: "Ich halte nicht viel von großen Namen auf meinem Album, sondern versuche lieber, eigene Leute an den Start zu bringen." Unterstützung erhält er dabei von Paul Cain und Fabolous, mit denen er die Triangle Offense gründet.

Auf seiner zweiten Single "Fire" kollaboriert er dennoch mit Busta Rhymes. Anfang 2004 ist Joe Budden auf "Ich Will Dich" von Eko Fresh zu hören. Zuvor hat Joe Budden allerdings noch ein einschneidendes Erlebnis.

Am 17. Oktober 2003 sagt Gevatter Tod Hallo. Während Joe Budden mit seinem Wagen an einer roten Ampel steht, versucht ein 23-Jähriger, ihn zu erschießen. Doch Budden hat Glück im Unglück. Die Waffe hat eine Ladehemmung. Der Rapper flieht, die Polizei fasst den Möchtegern-Attentäter gleich tags darauf.

Wenig später sieht sich Joe Budden erneut mit Morddrohungen konfrontiert - diesmal ausgestoßen von 50 Cent, The Game und der G-Unit. Gegenseitige Sticheleien wachsen sich trotz Schlichtungsversuchen zum waschechten Beef aus. Joe wittert dahinter allerdings eine geschickte Marketingstrategie: "Fifty ist sehr smart und denkt strategisch, wie er seine Leute und sich selbst im Rapgame richtig vermarkten kann. ... Wenn sie es allerdings auf der Straße austragen wollen, können wir das gerne machen."

Joe Budden seinerseits steckt seine Energie lieber in sein zweites Album. "The Growth" erscheint allerdings nie. Stattt dessen spitzen sich, persönlich wie künstlerisch, die Unstimmigkeiten zwischen Budden und seinem Label Def Jam derart zu, dass sich die Wege letztlich trennen.

Im Dezember 2007 unterzeichnet Joe Budden beim Indie-Unternehmen Amalgam Digital. Hier setzt er seine bereits begonnene "Mood Muzik"-Mixtape-Serie fort und veröffentlicht mehrere Alben.

Neben seiner Solo-Karriere erweist sich Joe Budden immer wieder als Rudeltier. Zusammen mit Joell Ortiz, Crooked I und Royce Da 5' 9" schließt er sich zu einer Supergroup zusammen, die sich nach den ersten gemeinsam aufgenommenen Track benennt: Slaughterhouse. Mehreren Tracks folgt 2009 ein selbstbetiteltes Album. 2011 nimmt Eminem die Crew bei Shady Records unter Vertrag.

Zusammen mit Emanny und mit Rückendeckung seitens verschiedener Produzenten hebt Joe Budden Anfang 2012 zudem das Projekt SLV aus der Taufe. Nebenbei nutzt er das Jahr zur Arbeit an deinem Album "No Love Lost".

Aus seinem Herzen machte Joe Budden noch nie eine Mördergrube. Zurückliegende Fehltritte, seine Drogenvergangenheit und seine (teils recht prominenten) Liebschaften verhandelt er öffentlich, macht sie in seinen Tracks zum Thema. Ob derber Straßentrack oder kuschelige Schlafzimmernummer: Man weiß im Voraus nie genau, was man bekommt - außer allzeit solider Technik.

Alben

Joe Budden - No Love Lost: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2013 No Love Lost

Kritik von Dani Fromm

Lloyd Banks und Wiz Khalifa treffen auf edel ausgeschmückte Beats. (0 Kommentare)

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