Porträt

laut.de-Biographie

Dub Incorporation

Groovender Reggae muss schon seit langem nicht mehr aus Jamaika stammen. Zu viele europäische Acts frönen der lässigen Leidenschaft mit fetten Beats und messerscharfen Bläsern, veredeln Riddims und spucken Silben, integrieren Hip Hop und Rap, Pop und Jazz oder was ihnen sonst für Flausen durch den Kopf sausen. Das Gesicht des Reggae wird dadurch so bunt wie die jamaikanische Flagge.

Seeed, Patrice, Gentleman und Culcha Candela heißen auszugsweise die deutschen Vertreter, aus der Schweiz steuern Phenomden und Famara ihren Offbeat bei und in Frankreich räumt die Dub Incorporation ordentlich ab. Ihr französischer Reggae/Dub, angereichert mit Anleihen aus arabischer Rhythmik, Hip Hop und afrikanischen Beats, kickt spätestens seit ihrem zweiten Album "Dans Le Décor" (2006) die Massen.

Dafür sorgt hierzulande zunächst eine Tournee im Vorprogramm von Culcha Candela (Frühjahr 2006) auf der sie ordentlich abgefeiert werden. Auf den einschlägigen Sommerfestivals (u.a. Summerjam) entern sie die deutsche Reggaegemeinde und nehmen das Publikum im Sturm für sich ein. Kein Wunder, denn "alles groovt wie die Seuche", wie der Internet-Reggae-Knoten 'Reggaenode' über Dub Incorporation urteilt. Im Herbst desselben Jahres gehen sie bereits auf eigene Konzertreise und begeistern mit ihrem Sound die tanzwütige Jugend ebenso wie qualitätsversessene Adulte.

Denn nicht nur ihr Sound flowt fett aus den Boxen. Auch die Texte sind alles andere als harmlos. Sie berichten von Gewalt, Armut, Bildungsnotstand, Arbeitslosigkeit, Korruption und zahlreichen anderen sozialen Missständen, was mit der Herkunft der Musiker in unmittelbarem Zusammenhang steht. Alle acht Bandmitglieder stammen aus den Banlieus, den überwiegend von Einwanderern bewohnten Vororten französischer Großstädte. Jenen Vororten, in denen im Herbst 2005 die Straßen brennen, weil sich die Ungerechtigkeit ein Ventil aus Feuer und Rauch sucht. Den randständigen und diskriminierten Mitgliedern der französischen Gesellschaft geben Dub Incorporation eine Stimme, in dem sie einfach von ihren biografischen Alltagserfahrungen berichten, in denen sich die Ghetto-Jugend wiedererkennt.

Die Geschichte von Dub Incorporation beginnt 1997 mit einem Trio. Im Laufe der folgenden drei Jahre wird daraus ein Oktett. Mit den Maxis "Dub Incorporation 1.1" und "Version 1.2" etablieren sie sich um die Jahrtausendwende in der französischen Musiklandschaft. Ihr erstes Album "Diversité", das in Frankreich 2003, in Deutschland aber erst 2005 erscheint, wird von einem breiten Publikum (im Zusammenhang mit Reggae kommt 'breit' ja immer so schön doppeldeutig rüber) und der Presse wohl goutiert. 2004 ernten sie den von der französischen Organisation "Fond d'Action à l'Initiative Rock" gestifteten Preis FAIR.

Mit ihrem zweiten Album "Dans Le Dècor" (2006) wirbeln sie in ihrer Heimat mächtig Staub auf und schaffen den Sprung über die französischen Landesgrenzen. Das folgende "Afrikya" (2008) bestätigt ihren guten Ruf vollumfänglich. Das liegt neben den erstklassigen Playbacks vor allem auch an den Stimmakrobaten, die an der Bühnenfront agieren. Hauptsänger Aurélien "Komlan" Zohous raue Reime und Hakim "Bouchkour" Meridjas melodiöse Art ergänzen sich perfekt. Letztgenannter beherrscht neben französisch und englisch auch die kabylische Sprache, eine vor allem im Norden Algeriens gesprochene Berbersprache, die der Dub Incorporation eine unverwechselbare Identität verleiht.

Alben

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Termine

Fr 02.05.2014 München (Ampere)
Sa 03.05.2014 Berlin (Lido)
Fr 06.06.2014 Winterthur (Festival)
So 15.06.2014 Neuchatel (Jeunes Rives)

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